Hedwig Jagiellonica (1457–1502)

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Herzogin Hedwig Jagiellonica von Bayern – das Bild zeigt sie noch als unverheiratete Frau; erkennbar an den offen getragenen Haaren
Wappen Herzog Georgs und der Hedwig Jagiellonica von Bayern im Gewölbe der Stadtpfarrkirche St. Johannes in Dingolfing. Datiert 1502
Georg der Reiche und Hedwig von Polen in einem Fenster des Landshuter Rathauses

Hedwig Jagiellonica (polnisch Jadwiga Jagiellonka; * 21. September 1457 in Krakau; † 18. Februar 1502 in Burghausen), auch bekannt als Hedwig von Burghausen, war von 1479 bis 1502 Herzogin von Bayern-Landshut als Gemahlin von Herzog Georg dem Reichen.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hedwig war die Tochter des Königs von Polen und Großfürsten von Litauen, Kasimir und seiner Gemahlin Elisabeth von Habsburg, Tochter des römisch-deutschen Königs Albrecht II. Ihr Bruder Władysław war ab 1471 König von Böhmen.

Hochzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herzog Ludwig IX. der Reiche von Bayern-Landshut plante für seinen Sohn Georg eine "königliche Partie", um seine Macht und seinen Reichtum zu dokumentieren und den Rang der Nachkommen zu erhöhen. Zunächst warb Ludwig vergeblich um Ludmilla, eine Tochter des böhmischen Königs Georg von Podiebrad. Möglicherweise gab es auch Gespräche mit Kaiser Friedrich III. über eine Ehe zwischen dessen Tochter Kunigunde und Georg (zeitgenössische Quellen-Belege dafür fehlen). Daraufhin begannen im Frühjahr 1474 die Verhandlungen zwischen den Höfen in Landshut und Krakau über eine Hochzeit zwischen Georg und Hedwig/Jadwiga. Damit bezweckte Ludwig IX. auch eine Stärkung der dynastischen Verbindungen zu Osteuropa, nachdem er selbst Amalie von Sachsen, sein Vater eine Österreicherin und sein Großvater eine Italienerin geheiratet hatte. Da der Bräutigam, wie Hedwig, ebenfalls (durch seine Großmutter) mit dem österreichischen Herzogshaus verwandt war, benötigte das Brautpaar zur Vermählung einen päpstlichen Dispens. Die eigentlichen Hochzeitsvorbereitungen begannen im August 1475, am 16. September brach der Brautzug in Krakau Richtung Landshut auf. Ursprünglich war geplant, Hedwig in Wittenberg einen großen Empfang zu bereiten. Dorthin, so die Hoffnungen der polnischen Seite, sollte auch der Bräutigam kommen.[1] Durch den Ausbruch der Pest auf dem ursprünglich vorgesehenen Reiseweg verzögerte sich die Ankunft allerdings erheblich.[2] Die Gesellschaft änderte die Reiseroute, war zwei Monate unterwegs und reiste schließlich über Berlin, Wittenberg, Leipzig und Nürnberg, von wo aus Pfalzgraf Otto II. von Neumarkt als Brautführer das Geleit gab.[3]

Am 14. November 1475 konnte die Hochzeit verspätet stattfinden. Der eigentlich wenig gesellige Kaiser persönlich führte die Braut zum Altar und trotz seines hohen Alters zum Tanz. Die Feierlichkeiten dauerten sechs Tage und gingen als eine der glanzvollsten Hochzeiten des Mittelalters in die Geschichte ein. In Landshut mit damals rund 7000 Einwohnern sollen sich etwa 9000 Gäste aufgehalten haben, darunter neben dem Kaiser zwei Kurfürsten (Albrecht Achilles von Brandenburg als Hofmeister und Redner, Pfalzgraf Philipp) und der Erzbischof von Salzburg, Bernhard von Rohr, der die Trauung vollzog. Die Feierlichkeiten kosteten knapp 61 000 Gulden, nach Kaufkraft umgerechnet 21,5 Millionen Euro (2014)[4], was einem Jahreseinkommen des Herzogs entsprach.[5] So wurden fast 200 000 Eier und 323 Ochsen verspeist. Im Schloss waren zwanzig Seiden-Schneider tätig, von den angefertigten Prunkgewändern ist jedoch keines erhalten, es gibt lediglich ausführliche Beschreibungen.[6] Seit 1903 erinnert die Stadt Landshut alle vier Jahre an diese Landshuter Hochzeit mit einem historischen Stadtfest. Angeblich sprach Hedwig trotz ihrer österreichischen Mutter nur wenig oder gar kein Deutsch.[7] Bei offiziellen Anlässen stand ihr ein Übersetzer zur Verfügung, bei der Hochzeit dolmetschte ihr Bruder, König Ladislaus von Böhmen. Der Name Jadwiga findet sich in den zeitgenössischen Quellen nicht, sie selbst nannte sich „geborene Königin von Polen und Herzogin von Nieder- und Oberbayern“. Volljährige Prinzessinnen wurden in Polen damals grundsätzlich den Ständen als "geborene Königinnen" präsentiert.

Leben in Burghausen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die früher weit verbreitete Ansicht, Herzogin Hedwig sei sofort nach ihrer Hochzeit nach Burghausen „verbannt“, wie eine „Gefangene gehalten“ worden und habe dort ihre „Tage vertrauert“[8], entspricht nicht den Tatsachen. Sie lebte wie ihre Vorgängerinnen auf der Burg zu Burghausen, die bereits um 1300 zum repräsentativen Witwensitz ausgebaut worden war. Weitere umfangreiche Baumaßnahmen erfolgten im 15. Jahrhundert. Somit konnte Hedwig dort eine standesgemäße und sehr luxuriöse Hofhaltung finanzieren, wie auch eine genauere Analyse der überlieferten Abrechnungen ergab.[9] So wurde sie von Landshut aus ständig mit großen Mengen teurer Weine und frischem Obst wie Quitten, Pfirsichen und Weintrauben beliefert. Im Spätsommer hielt Hedwig in der näheren und weiteren Umgebung Burghausens wie Neuötting, Kraiburg und Trostberg aufwändige Jagdgesellschaften ab, an denen ihr Mann, der häufig in Burghausen war, mitunter teilnahm. Als Truchseß diente der Königstochter der ehrgeizige und gebildete, aber auch sehr geizige Jurist und Sammler Degenhart Pfäffinger.[10] Hofmeister Hedwigs war Hans Ebran von Wildenberg, ein vielseitig interessierter Geschichtsschreiber, Richter und Moralist, der 1480 auf Pilgerfahrt bis nach Monte Cassino kam, möglicherweise sogar im Heiligen Land war und von Georg dem Reichen zu einem seiner Testamentsvollstrecker gemacht wurde. Burghausen lag auch nicht im Abseits, sondern an der damals durch den Salzhandel viel befahrenen Salzach auf halbem Weg zwischen Salzburg und Passau.

Die Herzogin war eine fromme und großzügige Stifterin, die die Landshuter Kirchen St. Jodok und St. Martin, sowie die Stadtpfarrkirche St. Johannes in Dingolfing, die Pfarrkirche von Gollenhausen und die Gnadenkapelle in Altötting bedachte.

Nachkommen und Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hedwig gebar fünf Kinder: Ende 1476 Ludwig, der bereits 1500 starb und im Landshuter Kloster Seligenthal begraben wurde, 1477 Ruprecht, der ebenfalls nur kurz lebte und dort bestattet wurde, 1478 Elisabeth, die den Pfalzgrafen Ruprecht heiratete, 1480 Margarete, die zunächst ins Dominikanerinnen-Kloster Altenhohenau eintrat und später Äbtissin im Benediktinerinnenkloster Neuburg an der Donau wurde, nachdem eine geplante Ehe mit dem Landgrafen Wilhelm III. von Hessen nicht zustande kam, 1482 Wolfgang, der wie seine Brüder als Kind starb und in Seligenthal seine letzte Ruhestätte fand.[11]

Hedwig starb am 18. Februar 1502 und wurde in der Kirche des Zisterzienserklosters Raitenhaslach, dem Begräbnisort der in Burghausen verstorbenen Wittelsbacher, bestattet. Dort war auch ihr imposantes Hochgrab aus rotem Marmor bis zur Säkularisation zu sehen. Auf ihren Tod hielt der Humanist und Philologe Jakob Locher eine Trauerrede, die 1502 in Ingolstadt auch im Druck erschien. Darin bedauerte Locher, dass keiner ihrer Söhne überlebt hatte: "Aus ihrem Schoß hätte hervorgehen können ein gewaltiger Sohn, aber der Tod hat sie hinweg gerafft."[12]

Jüngst wurde an seiner Stelle mit Unterstützung der „Förderer“ eine Gedenkinschrift in den Fußboden eingelassen.

Nach dem Tod vom Herzog Georg kam es 1504, wegen des Fehlens eines männlichen Nachkommen, zum Landshuter Erbfolgekrieg.

Landshuter Rathaus. An den Wänden des Prunksaales befinden sich Szenen aus der Prinzenhochzeit von 1475. Hier sehen wir den Wagen der polnischen Prinzessin Hedwig. Neben ihr reitet der Herzogssohn Georg der Reiche. Das Bild entstand Ende des 19. Jahrhunderts und wurde von August Spieß, Rudolf Seitz, Ludwig Löfftz und Konrad Weigand gemalt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Dorner: Herzogin Hedwig und ihr Hofstaat – Das Alltagsleben auf der Burg Burghausen nach Originalquellen des 15. Jahrhunderts. In: Burghauser Geschichtsblätter. Nr. 53
  • Hedwig, die schöne Königstochter aus Polen, Burghausen 1860

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hedwig Jagiellonica (1457–1502) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern, Bände 120-121, S. 34
  2. Reinhard Stauber/Gerhard Tausche/Richard Loibl (Hrsg.): Niederbayerns Reiche Herzöge, Augsburg 2009, S. 78
  3. Norbert Lewandowski/Gregor M. Schmidt: Die Familie, die Bayern erfand: Das Haus Wittelsbach: Geschichten, Traditionen, Schicksale Skandale, München 2014. S. 72
  4. Norbert Lewandowski/Gregor M. Schmidt: Die Familie, die Bayern erfand: Das Haus Wittelsbach: Geschichten, Traditionen, Schicksale Skandale, München 2014. S. 72
  5. Reinhard Stauber/Gerhard Tausche/Richard Loibl (Hrsg.): Niederbayerns Reiche Herzöge, Augsburg 2009, S. 78
  6. Franz Niehoff: Die „Landshuter Hochzeit 1475“ als „experimentelles Mittelalter“, S. 287, in: Franz Niehoff (Hrsg.): Das Goldene Jahrhundert der Reichen Herzöge, Landshut 2014
  7. [1]
  8. Hedwig, die schöne Königstochter aus Polen, Burghausen 1860, S. 63 [2]
  9. Johann Dorner: Herzogin Hedwig und ihr Hofstaat: das Alltagsleben auf der Burg Burghausen nach Originalquellen des 15. Jahrhunderts, Burghausen 2002
  10. Enno Bünz: Die Heiltumssammlung des Degenhart Pfeffinger, in: Andreas Tacke (Hrsg.): "Ich armer sundiger mensch": Heiligen- und Reliquienkult am Übergang zum konfessionellen Zeitalter, Göttingen 2006, S. 131
  11. Christian Häutle: Genealogie des Erlauchten Stammhauses Wittelsbach: von dessen Wiedereinsetzung in das Herzogthum Bayern bis auf unsere Tage, München 1870, S. 116
  12. Alfons Beckenbauer (Hrsg.): Trauerrede auf den Tod der Herzogin Hedwig von Polen, gehalten im Jahre 1502 von Jakob Locher, gen. Philomusus, Landshut 1984, S. 25