Heeresinstandsetzungslogistik

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
HIL Heeresinstandsetzungslogistik GmbH
Rechtsform Gesellschaft mit beschränkter Haftung[1]
Gründung 16. Februar 2005
Sitz Bonn, Deutschland
Leitung Walter Ludwig (Sprecher der Geschäftsführung)
Sascha Franz
Gerd Kaptein (Arbeitsdirektor)
Mitarbeiterzahl ca. 1800 (Januar 2017)[2]
Umsatz 400 Mio. EUR[2]
Branche Militärdienstleister
Website www.hilgmbh.de

Die HIL Heeresinstandsetzungslogistik GmbH ist ein im Bereich der Wartung und Instandhaltung von militärischem Großgerät der Bundeswehr tätige Gesellschaft. Sie befindet sich im Besitz des Bundes. Ihre vertragliche Aufgabe ist es, für ausgewählte Waffensysteme und Geräte des Heeres und der Streitkräftebasis (sog. HIL-Gerät) eine tägliche Verfügbarkeit von mindestens 70 Prozent bei uneingeschränkter Einsatzfähigkeit und Vorschriftsmäßigkeit zu gewährleisten.

Die HIL schloss mit dem Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung im Februar 2005 für die Dauer von acht Jahren einen Leistungsvertrag und wurde mit der Instandsetzung von ausgewähltem Gerät des Heeres und der Streitkräftebasis beauftragt.[3] Der Vertrag hatte ein Volumen von max. 1,77 Mrd. Euro. Die HIL übernahm zur Erfüllung ihrer Aufgaben unentgeltlich vom Bund ziviles Instandsetzungspersonal aus der Instandsetzungstruppe (ca. 1900 gewerbliche Kräfte), ebenso wie drei Instandsetzungswerke der Bundeswehr in Darmstadt, Doberlug-Kirchhain und St. Wendel. Die Liegenschaften dürfen ausschließlich zur Leistungserbringung für den Bund eingesetzt werden. Das Unternehmen greift bei seiner Auftragserfüllung gegenüber dem Bund auch auf mobile Instandsetzungskräfte des Heeres und der Streitkräftebasis sowie auf Kapazitäten der Industrie zurück, mit denen die HIL als öffentlicher Auftraggeber im Sinne des Vergaberechts Unteraufträge vergibt.

Bis zum 31. Dezember 2012 war die HIL eine Kooperationsgesellschaft zwischen dem Bund mit 49 Prozent und der HIL Industrieholding GmbH mit 51 Prozent Gesellschaftsanteilen, an denen die Unternehmen Diehl Land Systems (DLS), Rheinmetall Landsysteme (RLS) und Krauss-Maffei Wegmann (KMW) mit gleichen Anteilen beteiligt waren.[4] Am 1. Januar 2013 übernahm der Bund sämtliche Anteile an der Gesellschaft, so dass diese seitdem als "Eigengesellschaft" des Bundes weitergeführt wird. Grund hierfür sind neue EU-Vergaberichtlinien und die Einleitung eines Entflechtungsverfahrens durch das Bundeskartellamt. Auf die knapp 2000 Arbeitsplätze bei der HIL hat die Verstaatlichung nach Angaben des Verteidigungsministeriums keine Auswirkungen.[5] Am 30. Januar 2013 schloss das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) mit der HIL einen Anschlussleistungsvertrag ab.[6]

Privatisierungsbemühungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter der damaligen Staatssekretärin Katrin Suder wurden ab 2016 Anstrengungen unternommen die drei HIL-Hauptwerke zu privatisieren.[7][8] Die amtierende Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer setzte im Oktober 2019 jedoch ein politisches Versprechen aus ihrer Zeit als saarländische Ministerpräsidentin um und stoppte die bei der Belegschaft umstrittene Privatisierung.[9][10]

Die Reprivatisierungsbemühungen sind ein wesentlicher Teil der so genannten Berateraffäre, welche in einem Untersuchungsausschuss des Bundestages aufgearbeitet wird. Mehrere Funktionäre und Repräsentanten der HIL mussten vor den Abgeordneten erscheinen und aussagen.[11][12] Dabei wurden unter anderem schwere Missstände bei der Personalführung bekannt – bis hin zu Mobbing.[13][14] Der damalige Arbeitsdirektor der HIL GmbH, Gerd K. hatte Mitgliedern des Aufsichtsrates eine Reise zum zuständigen parlamentarischen Staatssekretär Ralf Brauksiepe versucht zu verhindern.[15] Dies solle auch mit körperlichen Mittelen versucht worden sein.[16][17] Brauksiepe beschrieb die Vorgänge in seiner Aussage vor dem Ausschuss. Laut dem parlamentarischen Staatssekretär sei das Verhältnis zwischen der Belegschaft und der Geschäftsführung der bundeseigenen Gesellschaft stark zerrüttet und der "Reisekosten-Vorfall" der endgültige Moment des Bruchs gewesen. Die Vorfälle waren außergewöhnlich.[17][15]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Amtsgerichts Bonn HR B 13651.
  2. a b HIL GmbH — Daten und Fakten.
  3. Bundeswehr: Neue Wege bei Instandsetzung von Heeresgerät, 25. Juni 2006.
  4. Strategie und Technik, März 2006, S. 38 ff.
  5. http://www.tagesschau.de/inland/bundeswehr610.html (Memento vom 17. August 2012 im Internet Archive)
  6. http://www.baain.de/portal/poc/baain?uri=ci:bw.baain.aktuell.allena&de.conet.contentintegrator.portlet.current.id=01DB023000000001%7C94LK8E049DIBR@1@2Vorlage:Toter Link/www.baain.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  7. Patrick Pehl: HIL GmbH – Angst im Modell-Suder. In: Berateraffäre. Abgerufen am 29. Oktober 2019.
  8. Thomas Schmoll: Die Berateraffäre holt AKK ein. N-TV, 12. September 2019, abgerufen am 29. Oktober 2019.
  9. AKK stoppt umstrittene Privatisierung der Heeresinstandsetzungslogistik – Augen geradeaus! Abgerufen am 29. Oktober 2019.
  10. Bundeswehr: Kramp-Karrenbauer stoppt Privatisierungspläne für Panzerwartung. In: Spiegel Online. 17. Oktober 2019 (spiegel.de [abgerufen am 31. Oktober 2019]).
  11. n-tv NACHRICHTEN: "Geld verbrannt, dass einem schummrig wird". Abgerufen am 29. Dezember 2019.
  12. Patrick Pehl: HIL Werke Archive. In: Berateraffäre Podcast. Abgerufen am 29. Dezember 2019 (deutsch).
  13. n-tv NACHRICHTEN: "Ich war nur ein nützliches Bauernopfer". Abgerufen am 29. Dezember 2019.
  14. Patrick Pehl: Kaptein & Reichert. In: Berateraffäre Podcast. Abgerufen am 29. Dezember 2019 (deutsch).
  15. a b Patrick Pehl: Minister-Handy, StS Brauksiepe & Herr Jung. In: Berateraffäre Podcast. Abgerufen am 29. Dezember 2019 (deutsch).
  16. Franz-Ludwig Averdunk: Deutscher Bundestag - 'Getürkte Vergabe im Millionenwert'. Abgerufen am 29. Dezember 2019.
  17. a b Innenpolitik. Abgerufen am 29. Dezember 2019.