Helgoland (Schiff, 2015)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Helgoland
Helgoland im August 2015 an der Fassmer-Werft

Helgoland im August 2015 an der Fassmer-Werft

Schiffsdaten
Flagge DeutschlandDeutschland Deutschland
Schiffstyp Fahrgastschiff
Klasse PF 83 LNG
Rufzeichen DFPH
Heimathafen Cuxhaven
Reederei Reederei Cassen Eils
Bauwerft Fr. Fassmer, Berne/Motzen
Baunummer 1889[1]
Baukosten 31 Mio. Euro
Taufe 11. Dezember 2015
Übernahme 11. Dezember 2015
Indienststellung 11. Dezember 2015
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
83 m (Lüa)
74,4 m (Lpp)
Breite ca. 12,8 m
Seitenhöhe 5,2 m
Tiefgang max. 3,6 m
 
Besatzung 12
Maschinenanlage
Maschine 2 × Wärtsilä 9L20DF
Maschinen-
leistung
5.000 kW
Höchst-
geschwindigkeit
20 kn (37 km/h)
Propeller 2 Verstellpropeller
Transportkapazitäten
Zugelassene Passagierzahl 1060
Sonstiges
Klassifizierungen

100 A5 E RSA (50) Passenger Ship EU + MC E Aut GF Germanischer Lloyd

Registrier-
nummern

IMO 9714862

Die Helgoland ist ein Fahrgastschiff. Das für rund 31 Mio. Euro auf der Fassmer-Werft gebaute Schiff wird mit verflüssigtem Erdgas (englische Bezeichnung:„liquified natural gas“, LNG) betrieben und von der Reederei Cassen Eils seit Dezember 2015 im Helgoland-Dienst eingesetzt.

Das Schiff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schiff ist rund 83 Meter lang, 12,8 m breit und hat einen Tiefgang von 3,6 m. Die gasbetriebene Antriebsmaschine erzeugt eine Leistung von 5.000 kW, damit erreicht das Schiff 20 Knoten Höchstgeschwindigkeit. Das Schiff hat rund 1200 Sitzplätze in acht Salonbereichen, die sich über drei Decks und drei Oberdecksbereiche verteilen. Im Vorderschiff wurde ein Laderaum für zehn 10-Fuß-Container (oder zwei 20-Fuß-Container) sowie Stückgutladungen eingerichtet. Dafür wurde ein bordeigener Kran montiert, der bis zu 10 Tonnen heben kann.

Die Helgoland ist der erste deutsche Neubau unter deutscher Flagge, dessen Verbrennungsmotoren mit LNG betrieben werden. Ende 2014 kam der auf einer polnischen Werft erstellte Schiffsrumpf (Kasko) zur Fassmer-Werft in Berne an der Weser. Sie installierte die technischen Einrichtungen und den Innenausbau.

Der Bau des Schiffs wurde im Rahmen des TEN-T-Programms der Europäischen Kommission zum Bau und Ausbau von Verkehrsinfrastruktur gefördert. Ziel war die ganzjährige Anbindung der Randlagenregion Helgoland in der Europäischen Union durch eine Fähre mit LNG-Antriebssystem für den kombinierten Personen- und Frachtverkehr.[2]

Antriebsanlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Antriebsanlage besteht aus zwei Wärtsilä Dual-Fuel-Motoren (DF) zum Propellerantrieb.[3] Zur Stromversorgung wurden drei Hilfsmotoren mit je 500 kW zum Antrieb der Generatoren installiert, die als reine Gasmotoren ausgeführt wurden. Die Dual-Fuel-Hauptmotoren sind für Gasbetrieb eingerichtete Dieselmotoren. Gezündet wird mit Zündöl, in der Regel Dieselkraftstoff, der in geringer Menge (1–5 % des gesamten Brennstoffes) mit hohem Druck eingespritzt wird. Die zur Stromerzeugung eingebauten Hilfsmotoren sind Ottomotoren, bei denen das Kraftstoff-Luft-Gemisch mit Zündkerzen gezündet wird.

Das LNG-System besteht aus den Einrichtungen zur Verdampfung und Aufbereitung des flüssigen Erdgases sowie den Sicherheitseinrichtungen. Die Anordnung der Antriebsanlage mit Getriebe und Möglichkeit der Leistungsentnahme (PTO = Power Take Off) und Leistungszuführung (PTI = Power Take In) sorgt für eine flexible Betriebsweise, die für eine gute Auslastung der DF-Hauptmotoren und der Gasmotoren sorgt. Die PTO hinter den Hauptmotoren dienen zum Antrieb von Wellengeneratoren. Andererseits ist es möglich, diese Wellengeneratoren als E-Motoren (PTI) zu betreiben. Dann können die Hauptmotoren von den Generatoren der Gasmotoren unterstützt werden.

Das Flüssigerdgas wird in einem mittschiffs angeordneten Gastank gespeichert, der regelmäßig von Tank-Lkw gefüllt wird. Das LNG wird von einem belgischen oder holländischen Hafen geholt, da es in Deutschland noch kein LNG-Terminal und auch kein LNG-Bunkerboot gibt.

Passagierbereich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Passagierebenen erstrecken sich über drei Decks und umfassen acht Salone. Beginnend mit Deck 2, hier befinden sich die „Hummerbuden“, der Club „Düne“ und der Salon „Neuwerk“. Auf Deck 3 befindet sich das Bordrestaurant, das Feinschmecker-Restaurant „Knieper“ und die Salonbereiche „Kugelbake“ und „Alte Liebe“. In der hinten liegenden „Sansi-Bar“ hat man einen guten Blick auf das Achterdeck und von hier ist das offene Achterdeck zu erreichen.

Auf Deck 4 befindet sich das Sonnendeck mit Bänken, Liegestühlen und Tischplätzen, auch hier gibt es ein Gastronomieangebot. Das Deck 5 ist über das Atrium mit der Skybar „Süllberg“ zu erreichen. Von hier aus kommt man auch auf das vorn gelegene freie Deck. Noch weiter vorn befindet sich das Peildeck mit Kinderbereich, hier kann der Nachwuchs das Schiff steuern.

Taufe und Jungfernfahrt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ursprünglich für Juli 2015 geplante Taufe und Übergabe der neuen Helgoland an die Reederei Cassen Eils wurde auf den Dezember 2015 verschoben. Dafür verantwortlich waren unterschiedliche Gründe, die wesentlich mit der Antriebstechnik zusammenhingen. Daraus resultierten zeitaufwendige Änderungen. Dies galt unter anderem auch für die notwendige Sensorik für den Gasbetrieb und die schiffsspezifische Regelungstechnik einschließlich der Programmierung der Systeme. Teilweise waren bauliche Anpassungen und aufwendige Änderungen die Folge. Am 11. Dezember taufte Christa Eils, ehemalige Geschäftsführerin und Witwe des Reedereigründers das Schiff an der Alten Liebe in Cuxhaven auf den Namen „Helgoland“. Damit folgt die Reederei einer langen Tradition und benennt das neue Flaggschiff der Flotte nach seinem Reiseziel.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Andryszak: Das kleine Buch von der neuen Fähre MS Helgoland. Oceanum Verlag, Wiefelstede 2015, ISBN 978-3-86927-413-3
  • Thomas Wägener: Umweltfreundlich zum roten Felsen. In: Hansa, Heft 01/2016, S. 36/37
  • Überblick: Emissionsreduzierte Antriebe. In: Binnenschifffahrt, Heft 2/2015, S. 28/29
  • Peter Andryszak: Sauber zur Insel · LNG-Premiere. In: Deutsche Seeschifffahrt, Heft 07-08/2015, Verband Deutscher Reeder e.V., Hamburg 2015, S. 24–28
  • Die neue Helgoland – Kreuzfahrtfeeling auf Fährroute. In: RoPax International Magazine for Ferry and RoRo Shipping, Vol. 6, 3/2016, S. 30–33.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Helgoland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 83 m LNG Ferry, Fr. Fassmer. Abgerufen am 19. März 2015.
  2. Seaports of Niedersachsen GmbH: EU unterstützt den Bau der neuen Helgoland-Fähre, 28. November 2014, abgerufen 2. August 2016
  3. Frank Binder: Lösung für „Helgoland“ in Arbeit. In: Täglicher Hafenbericht vom 22. Juli 2015, S. 15