Helmut Gernsheim

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Helmut Erich Robert Kuno Gernsheim (* 1. März 1913 in München; † 20. Juli 1995 in Lugano, Schweiz) war ein Fotograf, Fotografiehistoriker und Sammler. Er häufte in seinem Leben Tausende von Bildern an und entdeckte 1952 die erste Fotografie der Welt, die Joseph Nicéphore Nièpce im Jahre 1826 angefertigt hatte. Er war mit Alison Gernsheim verheiratet, mit der er eng zusammenarbeitete.

Von Gernsheim entdeckte erste Fotografie der Welt, erstellt im Frühherbst 1826 von Joseph Nicéphore Nièpce

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gernsheim begann 1933 zunächst Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München zu studieren. Aber da er von den Nazis an der Universität verfolgt wurde – man warf ihm vor, dass er aus einer „jüdischen“ Familie stamme –, musste er die Universität noch 1933 verlassen. Von 1934 bis 1936 absolvierte er eine Photographenausbildung an der Bayerischen Staatslehranstalt für Lichtbildwesen. 1937 wurden Fotografien von Gernsheim im Rahmen der Internationalen Fotoausstellung in Paris gezeigt. Aber es war ihm verboten, das Ausland zu verlassen. Als sein Arbeitgeber ihn zu Fotografien in der Tate-Gallery nach London schickte, nutzte er die Gelegenheit und blieb in London, wo er etwa die Hälfte des Lebens verbrachte. Bald konnte er seine Werke der Öffentlichkeit im Stadtteil Mayfair präsentieren.

1942 heiratete er Alison Eames. Während des Zweiten Weltkriegs fotografierte er für das Warburg Institute sowie im Auftrag des National Buildings Record bedeutende Gebäude. Es folgten Ausstellungen im Courtauld Institute of Art und im Churchill Club. 1946 erhielt er die britische Staatsangehörigkeit. Nach Kriegsende begann er mit dem Sammeln von Fotografien. Er veröffentlichte zahlreiche Artikel und stellte seine Fotos mehrfach aus. 1963 veräußerte er seine Sammlung an das Harry Ransom Humanities Research Center der University of Texas at Austin.[1] Der zeitgenössische Teil des Fotoarchivs wird seit 2002 vom Forum Internationale Photographie der Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim verwaltet.[2] Nachdem seine Frau Alison 1969 gestorben war, ging Gernsheim in die Schweiz, wo er bis zu seinem Tode arbeitete und lebte.[3]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Julia Margaret Cameron; her life and photographic work. London 1948. Über die Fotografin des 19. Jh. Julia Margaret Cameron. Zahlreiche Nachauflagen.
  • Lewis Caroll – Photographer. New York 1949
  • Mit Alison Gernsheim: The History of Photography. From the Earliest Use of the Camera Obscura in the Eleventh Century Up to 1914, London, New York, Toronto 1955. Erweiterte Nachauflagen 1969 und 1985.
  • Helmut Gernsheim, Alison Gernsheim: Daguerre. The History of the Diorama and the Daguerreotype. London, New York 1956. (Über den Photopionier Louis Daguerre).
  • Helmut Gernsheim: The 150th Anniversary of Photography. In: History of Photography 1 (1977), S. 3–8.
  • Helmut Gernsheim: Geschichte der Photographie. Die ersten hundert Jahre, Aus dem Englischen übersetzt von Matthias Fienbork, Propyläen-Verlag : Frankfurt am Main, Berlin, Wien 1983 (= Propyläen-Kunstgeschichte, Band 26), ISBN 3-549-05223-5. Das englische Original als:
The Origins of Photography. New York 1982.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • François Brunet: Inventing the Literary Prehistory of Photography: From François Arago to Helmut Gernsheim. In: History of Photography 34 (2010), S. 368–372.
  • Peter Sager: Helmut Gernsheim – Der Sammler. Die Zeit, 28. Juli 1989, online einsehbar.[1].
  • Alfried Wieczorek, Claude W. Sui (Hg.): Helmut Gernsheim. Pionier der Fotografie, Ostfildern-Ruit 2003, ISBN 978-3775713801.
  • Ulrike Wendland: Biographisches Handbuch deutschsprachiger Kunsthistoriker im Exil. Leben und Werk der unter dem Nationalsozialismus verfolgten und vertriebenen Wissenschaftler. Saur, München 1999, Bd. 1, S. 187–189.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Helmut and Alison Gernsheim: An Inventory of Their Collection of Photographic Copy Prints at the Harry Ransom Center, abgerufen am 28. Mai 2016
  2. www.rem-mannheim.de
  3. Helmut Gernsheim (englisch), Harry Ransom Humanities Research Center.
  4. FAZ vom 6. September 2012 Information zur Ausstellung in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.