Henry Heimlich

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Henry Jay Heimlich (nach anderen Quellen auch Henry Judah Heimlich oder Henry J. Heimlich) (* 3. Februar 1920 in Wilmington, Delaware) ist ein US-amerikanischer Arzt, der vorwiegend durch die Erfindung des nach ihm benannten Heimlich-Handgriffs bekannt wurde.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heimlich erhielt 1941 einen B.A.-Abschluss an der Cornell University und 1943 den Doktorgrad (M.D.) am Weill Cornell Medical College. Während des Zweiten Weltkriegs war er bei der US-Marine als Arzt tätig. Anschließend absolvierte er eine Facharztausbildung auf dem Gebiet der allgemeinen und Thorax-Chirurgie und arbeitete viele Jahre in New York City. Er wechselte 1977 als Professor an die Xavier University of Cincinnati. Heute ist er Präsident des Heimlich Institute in Cincinnati.

Heimlichs chirurgische Arbeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1957 nahm Heimlich erstmals am Menschen eine operative Rekonstruktion der Speiseröhre vor, die zunächst ebenfalls unter seinem Namen bekannt wurde.[2] Diese Operation hatte jedoch Dan Gavriliu. schon am 20. April 1951 in Rumänien erfolgreich durchgeführt.[3] Heimlich hat das auch anerkannt,[4] so dass diese Operation nach Gavriliu benannt wurde. Auch das Heimlichventil zur Behandlung des Pneumothorax ist nach Heimlich benannt.

Der Heimlich-Handgriff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Heimlich-Handgriff
Heimlich-Manöver

1974 beschrieb Heimlich erstmals seinen Handgriff, mit dem ein Fremdkörper-Verschluss der Atemwege beseitigt werden konnte.[5] Eine Zeitung berichtete kurz darauf, dass ein Erstickender damit gerettet wurde. 2003 beanspruchte Edward A. Patrick, ein vorgeblicher[6] langjähriger Fachkollege Heimlichs, für sich, der eigentliche Erfinder des Manövers gewesen zu sein. Patricks Behauptungen, er selbst habe das Heimlich-Manöver zur Rettung eines ertrunkenen Kleinkindes und bei drohendem Ersticken eines Schlaganfallpatienten[7] eingesetzt, wurden von Betrugsvorwürfen gestört, die Heimlichs Sohn Peter M. Heimlich aufgrund eigener Nachforschungen gegen Patrick erhob.[8]

Als 96-Jähriger kam Henry Heimlich im Mai 2016 in einem Seniorenheim selbst erstmals in die Situation, einer an einem Bissen Essen zu ersticken drohenden Frau mit dem Heimlich-Manöver zu helfen.[9]

Heimlichs Arbeiten zur Malariatherapie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein späteres Schaffen beeinträchtigte Heimlichs Ansehen und brachte ihn in Verruf, insbesondere wegen seiner Behauptung, AIDS, Krebs und Lyme-Borreliose seien heilbar, wenn die Patienten mit Malaria infiziert würden. Diese Theorie stammt ursprünglich von Untersuchungen, die der Nobelpreisträger für Medizin, Julius Wagner-Jauregg, durchgeführt hatte: Er fand heraus, dass Malariatherapie Neurolues heilen könne.[10] Seit Anfang der 1990er Jahre organisierte Heimlich Menschenexperimente in Mexiko, China und verschiedenen afrikanischen Ländern, indem dort Patienten, die an den oben genannten Krankheiten litten, Injektionen mit malariainfiziertem Blut erhielten.[11] Diese Menschenversuche wurden von staatlichen Stellen (einschließlich FDA und CDC) abgelehnt und von Bioethikern als „medizinische Gräuel“ angeprangert.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. H. J. Heimlich, Edward A. Patrick: Using the Heimlich Maneuver to save near-drowning victims. In: Postgraduate Medicine, Minneapolis. 88, 1988, S. 62–73.
  2. H. J. Heimlich, J. M. Winfield: The use of a gastric tube to replace or by-pass the esophagus. In: Surgery. 37(4), Apr 1955, S. 549–559. PMID 14373267
  3. Dan Gavriliu, Leonida Georgescu: Esofagoplastie directã cu material gastric (anastomozã eso.gastricã). In: Rivista Stiintelor Medicale. 3, Juni 1951, S. 33–36.
  4. Henry J. Heimlich: The use of a gastric tube to replace the esophagus as performed by Dr. Dan Gavriliu of Bucharest, Rumania. A preliminary report following a visit to Bucharest, Rumania. In: Surgery. 42 (4), Oktober 1957, S. 693–695.
  5. H. J. Heimlich, K. A. Hoffmann, F. R. Canestri: Food-choking and drowning deaths prevented by external subdiaphragmatic compression. Physiological basis. In: Ann Thorac Surg. 20(2), Aug 1975, S. 188–195. PMID 1164065
  6. clevescene.com
  7. clevescene.com
  8. Peter M. Heimlich, Karin M. Shulman: Drowning in lies: Henry J. Heimlich, Edward A. Patrick and the Heimlich Maneuver Case Frauds. auf: medfraud.info/
  9. Luft! Ein 96-jähriger rettet ein Leben – mit einem weltbekannten Handgriff, den er selber erfand. In: Der Spiegel. 25/2016, S. 61.
  10. J. Wagner-Jauregg: Verhütung und Behandlung der Progressiven Paralyse durch Impfmalaria. In: Handbuch der experimentellen Therapie. 1931.
  11. X. Chen, H. J. Heimlich, B. Xiao, S. Liu, Y. Lu, J. Rao, E. G. Spletzer: Phase-1 studies of malariotherapy for HIV infection. In: Chin Med Sci J. 14(4), Dez 1999, S. 224–228. PMID 12894896

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]