Hermann Karoli

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Hermann Karoli als Zeuge bei den Nürnberger Prozessen.

Hermann Karoli (* 27. März 1906 in Hahnbach, deutsch Hamba, Kreis Sibiu, deutsch Hermannstadt, Siebenbürgen/Rumänien; † 3. April 1996[1] in Herrliberg bei Zürich) war ein deutscher SS-Wirtschaftsfunktionär.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jugend und Ausbildung (1906 bis 1931)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karoli wuchs als Sohn des Pfarrers Rudolf Karoli und dessen Frau Emma, geborene Fleischer, in Siebenbürgen in Rumänien auf, wo die Familie zur deutschen Minderheit gehörte. Sein Bruder war Richard Karoli, der wie Hermann Karoli, später Wirtschaftsprüfer wurde.

Für sein Studium siedelte Karoli 1924 ins Deutsche Reich über, wo er die Handelshochschule Berlin und die Universitäten Leipzig und Innsbruck besuchte und mit Abschlüssen als Diplombücherrevisor, Diplomkaufmann und dem Titel eines Dr. oec. verließ.

Berufseinstieg und Zeit des Nationalsozialismus (1931 bis 1945)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1931 war Karoli – der 1932 die deutsche Staatsbürgerschaft erwarb – im Revisionswesen tätig: Zunächst arbeitete er in einem Wirtschaftsprüferbüro Voß und Meyer in Berlin, bevor er 1935 als Prokurist in die Deutsche Treuhands- und Revisionsgesellschaft (DTRG) wechselte. Für diese war er zunächst als Niederlassungsleiter in Hamburg tätig, bevor er zum persönlichen Adjutanten des NS-Wirtschaftsführers Wilhelm Voß wurde. 1938 wurde Karoli von Voß für die nach der deutschen Eingliederung der Sudetengebiete erfolgende Übernahme des tschechischen Petschek-Konzerns abgestellt, dessen Stahlwerke und Kohlengruben er in die NS-Kriegswirtschaft integrierte.[2] Ebenfalls 1938 wurde Karoli in den Vorstand der DTRG aufgenommen, dem er bis 1945 angehörte.

Im Juli 1942 wurde Karoli, der seit 1940 einem SS-Reitersturm in Wien angehörte, zur Waffen-SS eingezogen. Im April 1943 kam er mit dem SS-Panzer-Grenadier-Regiment „Theodor Eicke“ der SS-Totenkopf-Division an die Ostfront, wo er sich an der Bekämpfung sowjetischer Partisanen beteiligte. Nach einem Lungenschuss im Juli 1943 wurde er an den Heimatstandort seiner Einheit verlegt, wo er eine Weile im Küchendienst eingesetzt wurde. Im November 1943 wurde er dann zur Verwendung in der Wirtschaftsverwaltung der SS nach Berlin versetzt: Nach der Absolvierung eines Kursus bei der Führerschule des Verwaltungsdienstes in Bad Arolsen wurde er zum Jahresende 1943 bis zum Sommer 1944 mit der Revision der SS-nahen Wirtschaftsgesellschaft mbH beauftragt. Nach dem Abschluss dieser Aufgabe war er von Mitte 1944 bis zum Kriegsende Leiter der Revisionsabteilung im SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt (WVHA) in Berlin.

Kriegsgefangenschaft und Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Kriegsende geriet Karoli in alliierte Gefangenschaft. Er wurde in der Folgezeit in verschiedenen Internierungslagern festgehalten und als Zeuge im Rahmen der Nürnberger Prozesse verhört. So sagte er im Juli 1947 als Zeuge der Verteidigung im Prozess Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt der SS aus.[3] Ferner wurde er über den Verbleib von Adolf Eichmann, der mit ihm im selben Gefangenenlager untergebracht war, befragt.

Nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft machte Karoli sich 1948 zusammen mit seinem Bruder als Wirtschaftsprüfer selbständig: Sie gründeten die in Berlin und Essen niedergelassene Karoli-Wirtschaftsprüfung GmbH. Trotz ihrer SS-Vergangenheit machten die Brüder Peter-Ferdinand Koch zufolge „eine atemberaubende Karriere“ in der jungen Bundesrepublik, so gehörten zahlreiche bedeutende Firmen zu ihren Kunden wie z. B. die I.G. Farben Nachfolger.[4] Noch 1971 nannte der Spiegel Karoli einen der „einflußreichsten Berater westdeutscher Konzerne“.[5]

Hermann Karoli saß in den 1950er bis 1970er Jahren zudem in mehreren Aufsichtsräten: Am 31. August 1962 wurde er als Großaktionär zusammen mit Harald Quandt in den Aufsichtsrat von BMW gewählt und in der anschließenden Aufsichtsratssitzung als Nachfolger von Alfons Wagner zum Vorsitzenden des BMW-Aufsichtsrates gewählt.[6] Diese Stellung behielt er knapp zehn Jahre lang, bis zum Juli 1972 bei.[7] Zu den weiteren Firmen in deren Aufsichtsrat Karoli Mitglied war zählten die Opalstrumpfwerke GmbH Margaritoff & Schaffer.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karoli war seit 1943 mit Susanne Seeberg verheiratet, mit der er einen Sohn und eine Tochter hatte.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Öffentliche oder private Wirtschaft. Versuch einer grundsätzlichen Abgrenzung der öffentlichen Wirtschaftstätigkeit mit anschliessender Übertragung der gefundenen Grundsätze auf das Wirtschaftsleben Romäniens. 1931. (Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde, Innsbruck, Mai 1931)
  • Lastenausgleich und Jahresabschluss handels- und steuerrechtlich betrachtet. 1954. (zusammen mit Richard Karoli und Kurt Mathews)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jan Erik Schulte: Zwangsarbeit und Vernichtung. Das Wirtschaftsimperium der SS. Oswald Pohl und das SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt 1933-1945. Paderborn 2001, ISBN 3-506-78245-2.
  • August Ludwig Degener: Wer ist Wer? Das deutsche Who's Who. Bd. 33, S. 657.
  • Peter-Ferdinand Koch: Die Geldgeschäfte der SS. Hoffmann und Campe, Hamburg 2000, ISBN 3-455-11285-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Vernehmung des Hermann Karoli, Vorstandsmitglied der Deutschen Treuhands- und Revisionsgesellschaft, am 10. Juli 1947 sowie Vernehmungen vom 17. September 1947 und 20. November 1947. In: Archiv des Institut für Zeitgeschichte. München, Signatur ZS-1084 1948/56 (online, PDF, 3,22 MB; Protokolle der Vernehmungen Karolis im Rahmen der Nürnberger Prozesse).
  • Hermann Dr.rer.pol. Karoli. In: BMW Geschichte. BMW AG, abgerufen am 18. Mai 2014 (Dossier zu Hermann Karoli im BMW Group Archiv).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Siebenbürgische Zeitung vom 30. April 1996, S. 23.
  2. Peter-Ferdinand Koch: Menschenversuche. Die tödlichen Experimente deutscher Ärzte. 1996, S. 165.
  3. http://nuremberg.law.harvard.edu/php/docs_swi.php?DI=1&text=pohl Introduction to NMT Case 4 – U.S.A. v. Pohl u. a. auf www. nuremberg.law.harvard.edu
  4. Peter-Ferdinband Koch: Das Dritte Reich in Dokumenten. Bd. 2, 114.
  5. Der Spiegel vom 17. Februar 1965.
  6. Hilfestellung oder Machtübernahme? In: Die Zeit vom 7. September 1962.
  7. Peter-Ferdinand Koch: Geheim-Depot Schweiz. Wie Banken am Holocaust verdienen. 2000, S. 163.