Hermann Kaspar

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Hermann Kaspar (* 19. April 1904 in Regensburg; † 2. August 1986 in Lindau (Bodensee))[1] war zur Zeit des Nationalsozialismus und auch noch in der Bundesrepublik Deutschland ein angesehener deutscher Gestalter, Maler, Hochschullehrer und ein Freund von Albert Speer.

Säulengang an der Rückfassade Haus der Kunst, München
Detail des Deckenmosaiks im Säulengang mit Hakenkreuz-Motiv von Hermann Kaspar

Werdegang und die Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hermann Kaspar war Schüler von Edmund Steppes und studierte an der Akademie der Bildenden Künste München als Meisterschüler bei Becker-Gundahl. Durch die besondere Förderung seitens des Akademiepräsidenten German Bestelmeyer gewann Kaspar 1935 den Ersten Preis im Wettbewerb für den monumentalen Mosaikfries an den Emporenwänden im Kongresssaal des Deutschen Museums in München und erhielt so seinen ersten Großauftrag. Es folgten Aufträge zur Gestaltung des Fensterzyklus 1937 in der evangelischen Kirche St. Markus[2] und des Kuppelgemäldes im Gärtnerplatztheater in München.

Dem Geschmack der NS-Führung entsprechend, zählte Kaspar bald zur Kulturprominenz des Dritten Reiches[3] und war (zusammen mit dem Bildhauer Richard Knecht) für die Gesamtgestaltung der Aufmärsche und Festumzüge zum „Tag der Deutschen Kunst“ in München 1937 und 1938 mitverantwortlich. Beim Defilee seiner grotesken Kitsch-Festwagen durfte Kaspar direkt neben Hitler sitzen.[4] Er galt im Umkreis von Hitler und Speer insbesondere als Zuständiger für Mosaike, vor allem für Hakenkreuz-Mäander, wie etwa an der Decke des Säulengangs am Haus der Deutschen Kunst, und am monumentalen Tribünenbau Speers auf dem Nürnberger Reichsparteitagsgelände sowie im Ehrensaal dieses Bauwerks.

1938 erhielt er an der Münchner Kunstakademie als Nachfolger für Julius Diez die Professur für monumentale Malerei[5] anstatt des als „entartet“ abgestempelten und zwangspensionierten Karl Caspar. Im gleichen Jahr wurde er von Albert Speer mit der Gestaltung der Mosaiken, Fresken, Fußböden, Friesen und Holzintarsien für die Neue Reichskanzlei in Berlin beauftragt, und war bis 1941 mit diesen Arbeiten beschäftigt. Dabei verwendete Kaspar eine Fülle an Lebens-, Kraft- und Hakenkreuzsymbolen, unter anderem im Fußbodenmosaik des Runden Saales, dessen Kuppelgliederung er ebenfalls entwarf. Für das übergroße „Arbeitszimmer des Führers“ (14 mal 27 Meter) lieferte Kaspar Intarsienentwürfe zu den von Speer entworfenen Monumentalmöbeln, welche den Gefallen Hitlers fanden. So erwähnte Speer in seinen „Erinnerungen“ von 1969, dass sich Hitler besonders über die zur Besucherseite gerichtete Intarsie des mittleren Feldes seines gigantischen Schreibtischs freute, weil, hinter der Maske des Kriegsgottes Mars, das mit einer Lanze gekreuzte Schwert ein Stück aus der Scheide herausgezogen war: „Gut, gut… Wenn das die Diplomaten sehen, die vor mir an diesem Tisch sitzen, werden sie das Fürchten lernen“.[6] Werke von Kaspar wurden 1944 auch in der von Heinrich Himmler und dem Hauptamt der SS organisierten Kunstausstellung Deutsche Künstler und die SS in Breslau gezeigt. Kaspar stand 1944 auf der Gottbegnadeten-Liste.[7]

Nach 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vertikalsonnenuhr am Uhrenturm des Deutschen Museums, entworfen von Hermann Kaspar 1951

Obwohl Kaspar von den Amerikanern, neben Adolf Ziegler, Josef Thorak und anderen Nazikünstlern, direkt nach Kriegsende aus der Akademie entlassen wurde, war er trotz Protesten seitens Karl Caspar, noch von dessen Sterbebett aus, ab 1957 wieder als Professor für Malerei eingestellt worden. Auch erhielt Kaspar wieder zahlreiche staatliche Aufträge, so etwa für den Entwurf des Staatswappen-Gobelins im Senatssaal des Bayerischen Landtags, für eine Sonnenuhr am Deutschen Museum und die Ausgestaltung von Kirchen. Seine Person blieb jedoch umstritten. So führte die Übergabe des Gobelins von München in die Meistersingerhalle Nürnberg 1963 zu einigen Protesten in Zeitungen[8] und Publikationen, wie „Der Fall Hermann Kaspar“ von Reinhard Müller-Mehlis, worin schonungslos über die Tätigkeit Kaspars im Dritten Reich berichtet wurde. Unter dem gleichen Titel zeigte während der Studentenrevolte 1968 der Allgemeine Studentenausschuss (ASTA) in der Münchner Akademie auch eine Ausstellung[4], wobei Kaspar im Rahmen der damaligen Kritik am Nachkriegsumgang mit dem Nationalsozialismus als Paradebeispiel für das Motto „Die herrschende Ästhetik ist die Ästhetik der Herrschenden“ und die versäumte Entnazifizierung der Gesellschaft galt. Hermann Kaspar blieb trotzdem Akademieprofessor bis 1972, drei Jahre über die Altersgrenze hinaus. Zu den späteren Werken zählen u. a. die Ausgestaltung des Rathauses der Stadt Aschaffenburg und die Decken der Wallfahrtskirche in Beratzhausen. Zahlreiche bekannte Künstler (Lunau, Kissel, Kreil, Sedlmayr, Barth, Schleinkofer, Anton Greiner, Jürgen Ferdinand Schlamp u. v. a.) studierten bei ihm.

Senatssaal des Bayerischen Landtag: Wandteppich des alten Plenarsaals

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Aschaffenburg: Muttergottespfarrkirche: Deckenfresko (1965–1967).
  • Berlin: „Neue Reichskanzlei“ (Einweihung 1939), Saal, Mosaikornamente, Kleinplastiken.
  • Freiburg im Breisgau: Basler Hof, Entwürfe für Fensterrahmen, Renaissanceschmuck, Fassade zur Stadtbücherei am Münsterplatz.
  • München:
    • St.-Lukas-Kirche: Teil der Chorfenster
    • St.-Markus-Kirche: Chorfenster (1937)
    • Altarbild in der Gustav-Adolf-Kirche[9]
    • Deckenmosaik im Säulengang Haus der Kunst (1937)
    • Vertikalsonnenuhr an der Zenneckbrücke am Uhrenturm des Deutschen Museums (1951)
    • Maximilianeum (Senatssaal) Gobelin mit dem Großen Bayerischen Staatswappen und den Wappen der Regierungsstädte Bayerns (seit 2017 dem Haus der bayerischen Geschichte in Regensburg zur Verfügung gestellt)
    • Fassadenmalerei Burgstraße 4, Sitz des Kulturreferats (1953).
  • Worms: Städtisches Spiel- und Festhaus, Nibelungenteppich (Entwurf).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reinhard Müller-Mehlis: Der Fall Hermann Kaspar. Chris-Verlag, München (Christoph Dürr) Mitte der 60er Jahre
  • Moše Sûqerman: Geschichte und bildende Kunst. Wallstein Verlag, 2006, ISBN 3-8353-0009-1, S. 220 ff. (Band 34, Tel Aviver Jahrbuch für deutsche Geschichte)
  • Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 269.
  2. St. Markus München. In: st-markus-m.de. Abgerufen am 25. Juni 2018.
  3. Ute Hübner: Franz Dewald. LIT Verlag Münster, 1999, ISBN 978-3-8258-4557-5, S. 8. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  4. a b KONKURRENTEN UND PARTNER KUNSTVEREIN UND KUNSTAKADEMIE IN MÜNCHEN (Memento vom 14. Januar 2007 im Internet Archive) In: kunstverein-muenchen.de
  5. [1] AdBKM
  6. Albert Speer Neue Reichskanzlei (1938–1939) (Memento vom 23. August 2010 im Internet Archive) In: gymszbad.de
  7. Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 298.
  8. Mosheh Tsuḳerman: Geschichte und bildende Kunst. Wallstein Verlag, 2006, ISBN 978-3-8353-0009-5, S. 221. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  9. Kunst in Perlach. In: peraloh.de. Abgerufen am 30. Dezember 2014.