Herpesviridae

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Herpesviridae
Varicella (Chickenpox) Virus PHIL 1878 lores.jpg

Varizella-Zoster-Virus im TEM

Systematik
Klassifikation: Viren
Ordnung: Herpesvirales
Familie: Herpesviridae
Taxonomische Merkmale
Genom: dsDNA linear
Baltimore: Gruppe 1
Symmetrie: ikosaedrisch
Hülle: vorhanden
Wissenschaftlicher Name
Herpesviridae (engl.)
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Die Familie Herpesviridae umfasst behüllte Viren mit einer doppelsträngigen, linearen DNA als Genom. Die Vertreter der Herpesviridae zählen bezüglich ihres Genoms und ihrer Morphologie zu den größten und komplexesten Viren. Die derzeit etwa 170 Virusspezies wurden bei sehr vielen Wirbeltieren entdeckt, darunter Säugetiere, Vögel, Reptilien und Fische sowie wenige Wirbellose. Die Herpesviren sind in der Regel streng wirtsspezifisch und können unterschiedliche Erkrankungen hervorrufen, bei denen sich die Viren in Lymphozyten, Nervenzellen oder epidermalen Zellen vermehren. Ein besonderes Merkmal der Herpesviridae ist ihre Fähigkeit zur Persistenz, d. h., sie verbleiben nach einer Erstinfektion lebenslang im Wirt, auch ohne Anzeichen einer Erkrankung hervorrufen zu müssen. Der Name der Virusfamilie leitet sich von gr. ἕρπειν (herpein) für „kriechen“ ab, was auf die kriechende Ausbreitung der Hautläsionen bei einer Infektion mit dem Herpes-simplex-Virus hindeutet, dem bekanntesten Vertreter der Familie.

Morphologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spiegeleiform des Herpes-simplex-Virus im TEM

Die Viruspartikel (Virionen) der Herpesviridae sind zwischen 120 und 200 nm im Durchmesser groß; sie gehören damit neben der Familie Poxviridae zu den größten Viren. In elektronenmikroskopischen Abbildungen (TEM) zeigt sich meist eine unregelmäßige, eingedellte Virushülle, was auf die Zerstörung der empfindlichen Hülle während der Präparation zurückzuführen ist. Zwischen Hülle und Kapsid befindet sich ein im Vergleich zu anderen Viren großer Raum (Matrixraum), der mit zahlreichen Strukturproteinen angefüllt ist. Diese Tegumentproteine (Tegument: „Haut“) sind zum Teil von der Innenseite in die Membran eingelagert oder an das Kapsid gebunden. Die Größe des Matrixraumes erhöht den Kontrast zwischen Hülle und Kapsid in der TEM-Darstellung, was die typische sogenannte „Spiegeleiform“ der Herpesviridae hervorruft. Das 100–110 nm große Kapsid der Herpesviridae besitzt eine ikosaedrische Symmetrie mit einer Triangulationszahl von T=16.

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Familie Herpesviridae
  • Spezies Herpes-simplex-Virus 1 (Human alphaherpesvirus 1, HSV-1, Typus)
  • Spezies Humanes Herpesvirus 5 (HHV-5, alias Humanes Cytomegalievirus, HCMV, Typus)
  • Spezies Pongines Herpesvirus 4 (PoHV-4, alias Schimpansen-Cytomegalievirus)
  • Spezies Makaken-Herpesvirus 3 (Rhesus-Cytomegalovirus, RhCMV)
  • Spezies Murides Herpesvirus 1 (MuHV-1, alias Murines Cytomegalievirus, MCMV, Typus)
  • Spezies Murides Herpesvirus 2 (MuHV-2, Murid betaherpesvirus 1, alias Ratten-Cytomegalievirus RCMV) Maastricht
  • Spezies Murides Herpesvirus 8 (MuHV-8, alias Ratten-Cytomegalievirus, RCMV) England/Berlin
  • keiner Gattung zugeordnete oder vorschlagsmäßige Spezies innerhalb der Unterfamilie Betaherpesvirinae:
Die Familie Herpesviridae umfasst zusätzlich eine große Zahl weiterer Virusspezies, die bisher keiner der Gattungen oder Unterfamilien zugeordnet werden konnten oder lediglich Vorschlagscharakter haben. Zu ihnen gehören unter anderem:
  • Spezies Acipenserid-Herpesvirus 1 und 2 (Herpesvirus des Weißen Störs)
  • Spezies Anatid-Herpesvirus (Entenpest-Herpesvirus)
  • Spezies Anguillid-Herpesvirus 1 (Herpesvirus des Japanischen Aals, Anguilla japonica)
  • Spezies Ateles-Herpesvirus 3 (Herpesvirus der Klammeraffen, Gattung Ateles)
  • Spezies Boa-Herpesvirus 1 (Herpesvirus der Abgottschlange, Boa constrictor)
  • Spezies Herpesvirus der Schildkröte
  • Spezies Iguanid herpesvirus 2

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • A. J. Davison, R. Eberle et al.: Family Herpesviridae. In: C. M. Fauquet, M. A. Mayo et al.: Eighth Report of the International Committee on Taxonomy of Viruses. London/San Diego 2004, S. 193–212.
  • David M. Knipe, Peter M. Howley et al. (Hrsg.): Fields’ Virology. 4. Auflage, Philadelphia 2001.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]