Herrgottskirche (Creglingen)

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Die Herrgottskirche in Creglingen ist eine evangelische Kirche, die als Hauptwerk den Marienaltar von Tilman Riemenschneider beheimatet.

Creglingen, Herrgottskirche 001.JPG
Innenraum

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Bauer fand beim Pflügen im Jahr 1384 eine unversehrte Hostie. An der Fundstelle wurde 1389 eine Kapelle errichtet, die in der Folgezeit als Wallfahrtsort diente. Seit 1530 ist die Kirche evangelisch.

Marien-Altar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Marienaltar steht mitten im Schiff der Herrgottskirche von Creglingen und ist der Jungfrau Maria gewidmet. Es ist eines der bekanntesten Werke von Tilman Riemenschneider. Der Stil der figürlichen Ausführung spricht für eine Ausführung in den Jahren nach der Fertigstellung des Rothenburger Heiligblut-Retabels um 1505–1508.

Der Altar ist 9,20 Meter hoch und 3,68 Meter breit. Er besteht aus der Predella, dem Mittelschrein, zwei Seitenflügeln und dem Gesprenge.

In der Predella sind in drei gleich großen Nischen die Anbetung der Weisen, das Reliquienfach (die Monstranz mit der Hostie ging verloren) und die außerbiblische Erzählung, wie der fünfjährige Jesus von einer Kanzel aus vor Erwachsenen eine Rede hält, zu sehen.[1]

Im Altaraufsatz ist die Himmelfahrt Mariens dargestellt. Links und rechts finden sich die zwölf Apostel. Das Gesprenge in der Höhe des Altars zeigt die Krönung Mariens. Links sitzt Gottvater und rechts der Sohn auf seinem Thron. Im linken Seitenflügel sieht man oben die Heimsuchung, unten die Verkündigung an Maria und im rechten Flügel oben die Geburt Jesu, unten die Darstellung Jesu im Tempel.

Jedes Jahr am 25. August fällt das Licht durch die Westrosette so auf den Altar, dass der Betrachter die Himmelfahrt Mariens mit eigenen Augen nachvollziehen kann. Ursprünglich war dieses Datum der 15. August: Das Fest Maria Himmelfahrt. Durch die Kalenderreform Ende des 16. Jahrhunderts hat sich dieser Tag nach hinten verschoben.

Weitere Altäre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der rechte Seitenaltar, ein in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts entstandener Flügelaltar, ist dem Evangelisten Johannes und der Heiligen Lucia geweiht, die zusammen mit der Heiligen Ottilia, wie Luzia eine Schutzheilige der Blinden, als Schnitzfiguren im Altarschrein stehen. Die beiden Außenflügel zeigen die Verkündigung an Maria. Die Malereien wurden 1496 von dem Windsheimer Maler Jakob Mülholzer signiert und datiert.

Der Hochaltar im Chor der Kirche stammt ebenfalls aus dem späten 15. Jahrhundert. Der Mittelschrein enthält die plastische Darstellung der Kreuzigung Christi. Die Holzskulpturen in der Predella sind farbig gefasste Büsten des Heiligen Christophorus und des Apostels Andreas, die eine Anna selbdritt mit dem Christuskind und einer kindlichen Maria flankieren.

Der linke Seitenaltar, ein Flügelaltar, der auf 1460 datiert ist, ist Johannes dem Täufer und dem Heiligen Leonhard, dem Schutzheiligen der Haustiere, geweiht. Die reich vergoldeten Reliefs der beiden Seitenflügel zeigen Szenen aus dem Marienleben. Auf den drei Spitzen des Altarauszugs ist der Heilige Sebastian dargestellt, der von zwei Bogenschützen unter Beschuss genommen wird. Die drei dramatisch bewegten Figuren werden dem Umkreis von Erasmus Grasser zugeordnet.

Radwegekirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Herrgottskirche ist mit ihrer Lage am Taubertalradweg als Radwegekirche ausgewiesen.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Iris Kalden-Rosenfeld: Tilman Riemenschneider und seine Werkstatt. 3. Auflage. Langewiesche, Königstein im Taunus 2006, ISBN 3-7845-3224-1 (Die Blauen Bücher)
  • Sabine Kutterolf-Ammon: Die Herrgottskirche zu Creglingen. 3. Auflage. Kunstschätzeverlag, Gerchsheim 2007, ISBN 3-934223-08-7
  • Iris Kalden-Rosenfeld: Der Creglinger Altar von Tilman Riemenschneider. Langewiesche, Königstein im Taunus 2009, ISBN 978-3-7845-0382-0 (Langewiesche Bücherei)
  • Judith Breuer: Die Herrgottskirche in Creglingen. Die Heimstatt des Marienaltars von Riemenschneider ist vollständig restauriert. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 41. Jg. 2012, Heft 4, S. 228–236 (PDF)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Herrgottskirche Creglingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sabine Kutterolf-Ammon: Die Herrgottskirche zu Creglingen, S. 22
  2. Tourismusverband Liebliches Taubertal (Hrsg.): Radwegekirchen. Broschüre. 12 Seiten. Landratsamt Main-Tauber-Kreis, Tauberbischofsheim, S. 6.

Koordinaten: 49° 27′ 29,7″ N, 10° 1′ 54,1″ O