Hotels Bastei, Königstein und Lilienstein

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Ibis-Hotels, 2013
Interhotels, 1975
Hotel Bastei von der Reitbahnstraße aus, 1969
Hotelzimmer, 2013

Die drei Hotels Bastei, Königstein und Lilienstein in Dresden wurden 1969 als Hotel- und Gaststättenkomplex „Interhotels Prager Straße“ eröffnet. Heute gehören die Hotels Königstein und Bastei zur Hotelkette Ibis und das Hotel Lilienstein seit 2018 zur The Student-Hotel-Group (TSH). Sie befinden sich an der westlichen Seite der Prager Straße in der Dresdner Seevorstadt. Die Hotels gehören zu den stadtbildprägenden Gebäuden[1][2] und sind mit 918 Zimmern der fünftgrößte Hotelkomplex Deutschlands. Die drei Hochhäuser sind nach den Felsen im Elbsandsteingebirge Lilienstein, Königstein und Bastei benannt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Planung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wiederaufbau der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Prager Straße begann mit einem Architekturwettbewerb 1962. Die mit 60 bis 65 Metern sehr breite Fußgängerzone wurde im Osten durch das 240 Meter lange Wohn- und Geschäftshaus Prager Zeile flankiert. Auf der Westseite wurde der Hotelkomplex von 1968 bis 1969 von den Architekten Kurt Haller, Manfred Arlt, Karl-Heinz Schulze und dem Innenarchitekten Bernhard Fellmann „in Kammstellung zur Prager Straße“[3] erbaut. Die Projektierung erfolgte 1966/67 durch den VEB Baukombinat Dresden.

1969 bis 1989[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Eröffnung des Hotels Bastei fand am 30. Mai 1969 statt.[4][5] Die Hotels Königstein und Lilienstein folgten am Tag der Republik zum 20. Jahrestag der DDR am 7. Oktober 1969. Es war der bis dahin größte Hotelneubau der Vereinigung Interhotel. Hotels dieser Kette boten zu DDR-Zeiten einen gehobenen Standard. In ihnen wurden bevorzugt ausländische Gäste untergebracht. Dies galt bis 1989 auch für die Hotels Königstein und Lilienstein, während das Hotel Bastei Gewerkschaftsmitgliedern als Urlaubsdomizil diente. In den zwanzig Jahren seit der Eröffnung wohnten insgesamt 5,5 Millionen Urlauber jeweils eine Woche im Hotel Bastei. Neben der Übernachtung boten die Hotels Services wie Autoreparaturen, Textilreinigung oder auch die Ausleihe von Fotoapparaten an. Eine Übernachtung kostete üblicherweise 80 Mark. Die drei Hotels hatten zu ihren Hochzeiten bis zu 350 Mitarbeiter, unter anderem den späteren MDR-Sportreporter Gert Zimmermann als Kellner.

Nach der Wende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Wiedervereinigung wurden zahlreiche Interhotels von der Treuhandanstalt verwaltet und von der Interhotel AG weitergeführt. Ab 1989 wurden zuerst die Küchen und Restaurants der Häuser neu gestaltet. Am 1. Januar 1992 wurden die Hotels an der Prager Straße an die Klingbeil-Gruppe verkauft. Bereits am 1. Juli 1992 übernahm die Hotelkette IBIS das Management der drei Hotels. Beim Augusthochwasser der Weißeritz 2002 standen das Erdgeschoss und die Keller mit der gesamten Technik unter Wasser und erlitten schwere Schäden in Höhe von 5 Millionen Euro. Am 1. Oktober 2002 konnten die Hotels Königstein und Lilienstein wiedereröffnet werden[6], am 12. März 2003 auch das Hotel Bastei.[7] Zu dieser Zeit übernachteten etwa 280.000 Besucher pro Jahr in den Hotels, was einer Auslastung von etwa 60 Prozent entsprach.[2] Im Jahr 2005 wurden die Putz- und Betonflächen der Hotelfassaden instandgesetzt, die Mosaikflächen gereinigt und die Leuchtwerbung von Grund auf erneuert.[8] Im Dezember 2006 wurden die Hotels an den amerikanischen Investor Blackstone Group verkauft und durch die Event Holding GmbH & Co. KG betrieben. Im Jahr 2010 wurden alle drei Häuser modernisiert und erhielten eine Klassifikation von drei Sternen. Zwischen 1969 und 2014 übernachteten knapp 14 Millionen Gäste in den drei Hotels.

Anfang 2016 verkaufte die Blackstone Group die Hotels an ein Konsortium, zu dem auch der amerikanische Konzern Starwood-Capital gehört.[9] Im Sommer 2016 kaufte die Firma FDM Management die Hotels. Betrieben wurden sie weiter von der Event Hotels Gruppe. Ende 2016 schloss die Gruppe das Hotel Lilienstein. Als Grund gab die Gruppe offiziell Marktveränderungen durch neue Mitbewerber und die in Dresden erhobene Bettensteuer an. Die beiden anderen Hotels werden seitdem als Ibis Hotel Dresden Zentrum geführt und bekamen eine gemeinsame Rezeption.

The Student Hotel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

The Student Hotel während des Umbaus

2017 wurde das Hotel Lilienstein an die niederländische Firma The Student-Hotel-Group verkauft. Im September 2018 soll das Haus als The Student Hotel wiedereröffnen und eine Mischung aus Studentenwohnheim, Langzeithotel und Hotel für Touristen und Geschäftsreisende bieten. Für den Umbau zahlt die Gruppe etwa zehn Millionen Euro.[10][11] In den 306 Zimmern werden vor allem internationale Studenten als Gäste erwartet. Neben den Zimmern wird es ein Restaurant geben, das rund um die Uhr geöffnet ist; außerdem Küchen, die von den Gästen gemeinsam genutzt werden können, Gemeinschaftsarbeitsplätze, eine Bibliothek, Tischtennisplatten und ein Fitnessstudio.[12]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hotel Lilienstein (Ostseite), 1970

Die drei Gebäude verfügen über zwölf Geschosse. Zweigeschossige Flachbauten mit Läden verbinden die Hochhäuser miteinander. Ursprünglich waren drei einfache Hotels ohne Gastronomie geplant. Dadurch wird das Aussehen der Hotels im Wesentlichen vom klaren Kubus der Bettenetagen bestimmt. Im Verlauf der Planungen wurde die Bettenkapazität beträchtlich erhöht und ein separater Gaststättenkomplex mit 597 Plätzen geplant. Im Erdgeschoss der Hotels befand sich nur ein kleiner und ein großer Mehrzweckraum mit insgesamt jeweils 110 Plätzen. Im ersten Geschoss lagen Personal-, Verwaltungs- und Sozialräume

Der Keller bis einschließlich erstes Obergeschoss wurde monolithisch aus Stahlbeton gefertigt; die neun Hotelzimmergeschosse, das Kniestock-Geschoss und das Dachgeschoss in Plattenbauweise auf Grundlage des so genannten Typ Block P 27.[1] Den Abschluss bildet ein Kaltdach. Im Kniestockgeschoss befanden sich die technischen Anlagen. Von der Terrasse des Dachgeschosses konnten die Hotelgäste über Dresden blicken.

Die Obergeschosse sind mit einer horizontalen Fassadengliederung aus Sandstein an den Westgiebeln und zur Prager Straße und Betonbrüstungen mit Glas-Keramik-Mosaik ausgestattet. Die Wandflächen im Erdgeschoss sind weitgehend verglast. Das Installationsgeschoss ist völlig geschlossen. Die Fassade im ersten Stock ist als geschlossen wirkendes Band gestaltet, von kleinen Fenstern durchbrochen. Jürgen Seidel und Karl Bergmann schufen die schmiedeeisernen Wandreliefs.[13] Die drei Hotels verfügten zum Zeitpunkt ihrer Eröffnung über insgesamt 1917 Betten[14] in 837 Doppel- und 81 Dreibettzimmern. In jedem Hotel fuhren vier Personenaufzüge und ein Lastenaufzug; der umbaute Raum betrug knapp 40.000 Kubikmeter.

Restaurant Bastei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Restaurant Bastei, 1968/69
Hauptartikel: Restaurant Bastei

Vom Hauptbahnhof kommend war viele Jahre das erste Gebäude auf der linken Seite der Prager Straße der ehemalige Restaurantkomplex Bastei. Er gehörte zum Hotelensemble. Im Obergeschoss des Gebäudes befand sich ein Speise- und Grillrestaurant. Im Erdgeschoss wurde das Café Espresso eröffnet, kurz nach der Hoteleröffnung aber in einen Intershop umgewandelt. Außerdem gab es für Hotelgäste und die Bevölkerung ein Selbstbedienungsrestaurant im Erdgeschoss. Architekt des Restaurants war Hans Jürgen Richter.

Ein Willkommensgruß für alle Gäste, die vom Hauptbahnhof aus Dresden betraten, war das zwölf Meter breite und sechs Meter hohe[15] Wandbild „Dresden, die Stadt der modernen sozialistischen Industrie, der Wissenschaft und der Kunst grüßt seine Gäste“. Es wurde 1969 nach einem Entwurf von Kurt Sillack und Rudolf Lipowski in Meißner Keramikmalerei geschaffen und ist an der Südseite des Restaurants angebracht.[16]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dietmar Bayer: Hotel- und Gaststättenkomplex „Interhotel Prager Straße“ in Dresden. In: Deutsche Bauakademie und Bund Deutscher Architekten (Hrsg.): Deutsche Architektur. Nr. 11. Berlin November 1970, S. 660–666.
  • Walter May, Werner Pampel, Heinz Konrad: Architekturführer DDR – Bezirk Dresden. VEB Verlag für Bauwesen, Berlin 1979, S. 19.
  • Heike Israel: 45 Jahre IBIS Hotels Prager Straße Dresden. BASTEI · KÖNIGSTEIN · LILIENSTEIN. Lehmstedt, Leipzig 2014.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hotel Ibis, Dresden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Restaurant Bastei an der Prager Straße in Dresden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Gunther Wölfle, Christiane Brasse, Michaela Schiffner, Ines Roth: Die Prager Straße in Dresden. Zum Umgang mit dem Erbe der Nachkriegsmoderne. In: kunsttexte.de (Hrsg.): kunsttexte.de. 2006 (Online (pdf, 2,92 MB) [abgerufen am 14. März 2018]).
  2. a b Über zwölf Millionen Gäste in 35 Jahren. www.ahgz.de, 13. November 2004, abgerufen am 14. März 2018.
  3. Architekturführer DDR, Bezirk Dresden, 1979, S. 19.
  4. Vor 40 Jahren öffnete das Interhotel „Bastei“ seine Türen. In: Sächsische Zeitung. 2. Juni 2009.
  5. Dresdner Interhotel „Bastei“ fertig. In: Berliner Zeitung. 30. Mai 1969 (online [abgerufen am 14. März 2018]).
  6. Hotels auf der Prager Straße öffnen wieder. In: Sächsische Zeitung. 2. Oktober 2002.
  7. Drittes Ibis lädt wieder ein. www.ahgz.de, 22. März 2003, abgerufen am 14. März 2018.
  8. Dresdner Notizen. www.ahgz.de, 10. Dezember 2005, abgerufen am 14. März 2018.
  9. Sandro Rahrisch: Amerikaner kaufen Dresdner Hotels. In: Sächsische Zeitung. 21. Januar 2016 (online [abgerufen am 14. März 2018]).
  10. Sandro Rahrisch: Kein Frühlingserwachen fürs Lilienstein. In: Sächsische Zeitung. 30. März 2017 (online [abgerufen am 14. März 2018]).
  11. Ines Mallek-Klein: Das Hybrid-Hotel. In: Sächsische Zeitung. 2. Februar 2018 (online [abgerufen am 14. März 2018]).
  12. Nora Domschke: Blick in neues Hotel auf der Prager Straße. In: Sächsische Zeitung. 13. August 2018 (online [abgerufen am 16. August 2018]).
  13. Walter May, Werner Pampel und Hans Konrad: Architekturführer DDR, Bezirk Dresden. VEB Verlag für Bauwesen, Berlin 1979., Nr. 1 (h) Interhotel Bastei, Königstein, Lilienstein
  14. Friedrich Reichert: Goldbroiler und spezitex-knitterarm. DDR-Lebensverhältnisse der sechziger Jahre in Dresden. In: Stadtmuseum Dresden (Hrsg.): Dresdner Geschichtsbuch. Dresden (DZA-VERLAG für Kultur und Wissenschaft) 1997 S. 176
  15. Dresden hat sich viel vorgenommen. In: Berliner Zeitung. 27. September 1968 (online [abgerufen am 14. März 2018]).
  16. Catrin Steinbach: Leserfotos mit Geschichte gesucht! Dresden gestern und heute. In: Dresdner Neueste Nachrichten. 17. November 2015.

Koordinaten: 51° 2′ 38,4″ N, 13° 44′ 5,9″ O