Hutzelfeuer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Das Hutzelfeuer 2006 in Magdlos

Das Abbrennen von Hutzelfeuern ist eine regionale Variante der Winterverbrennung in Mittel-, Ost- und Nordhessen und in Thüringen mit Schwerpunkt in der Rhön. Üblicher Termin ist der Hutzelsonntag, der erste Sonntag der Fastenzeit, örtliche Abweichungen sind aber möglich.

Der Begriff Hutzelfeuer leitet sich von den Hutzeln ab, einer regionalen Bezeichnung für gedörrte Birnen und Zwetschgen, die traditionell an diesem Tag gegessen werden. Ebenso werden Hutzelkräppel zubereitet, ein regionales Siedegebäck ähnlich Berliner Pfannkuchen.

In den „Physikatsberichten“ der Landgerichte Weyhers und Hilders aus dem Jahr 1861 wurde als Brauch am Hutzelsonntag noch beschrieben, dass die Jugend abends mit ungefähr drei Meter langen Holzstangen, bei denen am oberen Ende brennende Strohbüschel befestigt waren, auf die umliegenden Hügel zog, bevorzugt dort, wo frische Saatfelder angelegt waren, oder rund um die Gemarkung. Dörrobst und Kräppel werden dort auch schon erwähnt.[1]

Heute ist das Hutzelfeuer ein aufgeschichteter Reisighaufen, für den an einigen Orten die nicht mehr benötigten Weihnachtsbäume eingesammelt werden. Das Feuer soll den durch eine oben aufgestellte Hutzelpuppe (auch Hutzelhexe oder Hutzelmann genannt) symbolisierten Winter vertreiben. Das Hutzelfeuer wird meist von Vereinen aufgebaut, beispielsweise Jugendfeuerwehren oder Sportvereinen.

Bis 1919 war diese Tradition lange Zeit kirchlich verboten, da nach dem langen Winter und der Fastnacht weitere Ausschweifungen in der Fastenzeit befürchtet wurden. In Bischofsheim a. d. Rhön wird der „Fackelsonntag“ am 4. Fastensonntag gefeiert.

Ähnliche Bräuche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hutzelfeuer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thomas Heiler, Klaus Reder, Willy Kiefer: Die Landgerichte Hilders und Weyhers um 1860, Institut für Deutsche Philologie, Würzburg, 2005, Seiten 93 und 153