Laetare

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Laetare (lateinisch laetare „freue dich!“) oder Lätare, auch Freudensonntag oder Rosensonntag[1] genannt, ist der nach dem Anfangswort des Introitus in der römisch-katholischen und evangelisch-lutherischen Liturgie benannte vierte Fastensonntag oder vierte Passionssonntag.

„Laetare Ierusalem: et conventum facite omnes qui diligitis eam: gaudete cum laetitia, qui in tristitia fuistis: ut exsultetis, et satiemini ab uberibus consolationis vestrae.“

„Freut euch mit Jerusalem! Jubelt in der Stadt, alle, die ihr sie liebt. Seid fröhlich mit ihr, alle, die ihr über sie traurig wart. Saugt euch satt an ihrer tröstenden Brust, trinkt und labt euch an ihrem mütterlichen Reichtum!“

– (Jes 66,10–11 EU)

Mit dem Sonntag Laetare ist die Mitte der Fastenzeit („Mittfasten“) überschritten und er hat deshalb einen fröhlicheren, tröstlichen Charakter, da das Osterfest näher rückt. Das wird in der katholischen Kirche traditionell auch durch die liturgische Farbe ausgedrückt: In das Violett der Fastenzeit mischt sich an diesem Tage schon ein wenig von der weißen Liturgiefarbe des nahen Osterfestes, was dann einen rosa Farbton ergibt. Das österliche Weiß strahlt gewissermaßen schon durch das Violett hindurch. Diese liturgische Farbe ist auch für den Adventssonntag Gaudete vorgesehen, es können an den beiden Sonntagen jedoch auch violette Gewänder benutzt werden.

In der römisch-katholischen Kirche wird Laetare umgangssprachlich zuweilen auch „Rosensonntag“ genannt, da an diesem Tag vom 11. bis zum 19. Jahrhundert die Goldene Rose (Tugendrose) gesegnet wurde, die der Papst einer Person oder Institution verlieh, die sich um die Kirche besonders verdient gemacht hatte. Eine andere Bezeichnung für diesen Sonntag ist „Brotsonntag“, abgeleitet vom Evangelium der wundersamen Brotvermehrung.

Liturgische Texte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Römisch-katholische Leseordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Lesung Zweite Lesung Evangelium
Lesejahr A 1 Sam 16,1b.6–7.10–13b EU Eph 5,8–14 EU Joh 9,1–41 EU (Heilung des Blindgeborenen)
Lesejahr B 2 Chr 36,14–16.19–23 EU Eph 2,4–10 EU Joh 3,14–21 EU (Gespräch mit Nikodemus)
Lesejahr C Jos 5,9a.10–12 EU 2 Kor 5,17–21 EU Lk 15,1–3.11–32 EU (Gleichnisse vom barmherzigen Vater)

Evangelische Perikopenordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reihe Perikope Anmerkung Inhalt
I Joh 12,20–26 LUT Evangelium „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt …“
II 2 Kor 1,3–7 LUT Epistel Gott tröstet uns in aller unserer Trübsal, damit wir auch trösten können.
III Joh 6,55–56 LUT Jesus spricht: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm.“
IV Phil 1,15–21 LUT „Christus ist mein Leben und Sterben ist mein Gewinn.“
V Joh 6,47–51 LUT Jesus spricht: „Ich bin das Brot des Lebens.“
VI Jes 54,7–10 LUT Alttestamentliche Lesung „Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen“.
Psalm Ps 84,6–13 LUT „Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten und von Herzen dir nachwandeln!“
Wochenspruch Joh 12,24 LUT „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt …“

Regionales Brauchtum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regional wird Laetare auch „Todsonntag“ genannt, was auf den Brauch des allegorischen Todaustragens von Winter und Sommer zurückgeht, bei dem der Sommer gewinnt.[2]

Im Südwesten Deutschlands wird in vielen Orten am Sonntag Laetare der Brauch der Winterverbrennung gefeiert. Im Elztal im Schwarzwald und angrenzenden Seitentälern findet das Scheibenschlagen traditionell an diesem Tag statt. In der Ostschweizer Gemeinde Ermatingen findet alle drei Jahre am Laetaresonntag ein kombinierter Fischer-, Frühlings- und alemannischer Fasnachtsumzug als Höhepunkt der Groppenfasnacht statt. Aus dem evangelischen Flözlingen wird von folgenden Fastnachtbräuchen berichtet: Faulenzen, Aufzüge und Masken selten, jedoch seltener als in den umliegenden katholischen Orten. Dunnstig darauf rußiger Dunnstig für die jungen Leute, wo ledige Buben und Mädchen mit Ruß sich Maske und Gesicht schwärzen; Lätare: Jungfernfastnacht-Jedes Mädchen bekommt eine Bratwurst vom Vater, beziehungsweise, wenn sie im Kreise bei Fremden ist, von ihrer Herrschaft.[3]

Termine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lage der Fastenzeit ist abhängig vom Termin des Osterfestes. In den nächsten Jahren fällt Laetare auf folgende Sonntage:

  • 11. März 2018
  • 31. März 2019
  • 22. März 2020

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Anton Hungari (Hrsg.): Osterglöcklein. Erbauliche Unterhaltungen für den Osterfestkreis im katholischen Kirchenjahre. J. D. Sauerländer, Frankfurt am Main 1862, S. 8 f. und 105–117 (Vierter Fastensonntag); hier: S. 111 f. (Der Name dieses Sonntags „Laetare“) und 113 f. (Lätare-Feier in Bayern, Lätare-Feier in Schlesien, Der Rosen-Sonntag zu Rom).
  2. Dreihöf: Bräuche. Website „Kreis Landskron“ von Markus Klenk, abgerufen am 5. März 2017.
    Todaustragen. In: Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage. Band 19, Bibliographisches Institut, Leipzig/Wien 1909, S. 586.
  3. Pfarrer Stänger: Fragebogen volkskundliche Überlieferung. Landesamt für württembergische Volkskunde, Flözlingen 1900.