Hybristophilie

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Hybristophilie ist eine Paraphilie, die darin besteht, dass sich Betroffene von Kriminellen, insbesondere Tätern aus den Bereichen der Sexual-, schweren Gewalt- und Tötungsdelikte sexuell angezogen fühlen. Sie wird auch als Bonnie-und-Clyde-Syndrom bezeichnet.

Betroffene und Ursachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frauen sind häufiger betroffen als Männer.[1] Es existiert wenig empirische Forschung zu den Ursachen der Hybristophilie.[2][3] Als mögliche Gründe werden Einsamkeit, geringes Selbstbewusstsein und der Wunsch nach Aufmerksamkeit genannt.[3] Da insbesondere Serien- und Massenmörder – vor allem in den USA – häufig zu Berühmtheiten der Populärkultur werden, wird außerdem vermutet, dass die Betroffenen die Nähe zu dem Verbrecher suchen, um selbst berühmt zu werden.[4]

Laut Sheila Isenberg handele es sich bei den betroffenen Frauen häufig um solche, die eine schwierige Kindheit durchlebten, d. h. missbraucht oder misshandelt worden sind. In ihrem Buch Women Who Love Men Who Kill vertritt sie die These, dass diese Frauen deshalb einen Mann suchen, den sie kontrollieren können und der sie nicht verletzen kann: Dafür eigneten sich vor allem Männer, die hinter Gittern sitzen.

Es werden zwei Arten der Hybristophilie beschrieben. Bei der passiven Form fühlen sich die Betroffenen von Verbrechern sexuell angezogen, ohne den Wunsch zu haben, sich an den Straftaten des Partners zu beteiligen. Im Fall der aktiven Hybristophilie stiften die Betroffenen ihren Partner zu Straftaten an, leisten Beihilfe oder werden zu Mittätern, weil sie dadurch sexuelle Erregung verspüren.[5]

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anders Behring Breivik erhält in der Haft zahlreiche Liebesbriefe von jungen Frauen.[6]
  • Während Ted Bundys Gerichtsverfahren saßen zahlreiche Groupies im Publikum.[6] Eine seiner Anhängerinnen heiratete Bundy im Gerichtssaal.[7]
  • Der homosexuelle Serienmörder Jeffrey Dahmer pflegte bis zu seinem Tod in der Haft Brieffreundschaften mit mindestens sechs Frauen, die alle glaubten, eine romantische Beziehung mit ihm zu führen.[8]
  • Luka Magnotta wird eine wachsende weibliche Anhängerschaft nachgesagt.[9]
  • Charles Manson hatte viele hybristophile Anhänger(innen).
  • Richard Ramírez heiratete einen seiner vielen weiblichen Fans während seiner Haft.[10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sheila Isenberg: Women Who Love Men Who Kill. 3. Auflage. Backinprint.com, 2000, ISBN 0-595-00399-0.
  • Elisabeth Pfister: Wenn Frauen Verbrecher lieben. Ch. Links Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-86153-744-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christine M. Sarteschi: Mass and Serial Murder in America. 1. Auflage. Springer, Schweiz 2016, ISBN 978-3-319-44280-8, S. 11.
  2. Liebesbriefe in den Knast: Wenn Frauen sich von Serienkillern angezogen fühlen In: Die Welt. 13. Dezember 2017, abgerufen am 24. Dezember 2017.
  3. a b Christine M. Sarteschi: Mass and Serial Murder in America. 1. Auflage. Springer, Schweiz 2016, ISBN 978-3-319-44280-8, S. 12.
  4. Christine M. Sarteschi: Mass and Serial Murder in America. 1. Auflage. Springer, Schweiz 2016, ISBN 978-3-319-44280-8, S. 12–13.
  5. Passion Victim. A brief look at hybristophilia. In: Psychology Today. 18. Oktober 2013, abgerufen am 24. Dezember 2017.
  6. a b What Is Hybristophilia? In: Refinery29.com, abgerufen am 25. August 2017.
  7. Women Who Love Serial Killers. In: PsychologyToday, abgerufen am 25. August 2017.
  8. Roy Ratcliff, Lindy Adams: Dark Journey, Deep Grace: Jeffrey Dahmer’s Story of Faith. Leafwood Publishers, Abilene, Texas 2006, ISBN 978-0-9767790-2-5, S. 304–305.
  9. Luka Rocco Magnotta Fans Profess Support, 'School-Girl Crush' On Alleged Killer. In: The Huffington Post. 7. September 2012.
  10. The 10 Most Infamous Murderers Who Married in Prison In: Rolling Stone. 24. November 2014, abgerufen am 25. August 2017.