Amoklauf an der Columbine High School

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Luftaufnahme der Columbine High School
Littleton (USA)
Littleton
Littleton
Lage von Littleton, Colorado in den USA

Der Amoklauf an der Columbine High School, auch als Schulmassaker von Littleton bekannt, ereignete sich am 20. April 1999 an der Columbine High School in Columbine, einem nahe Littleton gelegenen Vorort von Denver im US-Bundesstaat Colorado. Bei dem Amoklauf erschossen zwei Schüler der Abschlussklasse – der 18-jährige Eric Harris und der 17-jährige Dylan Klebold – innerhalb einer knappen Stunde zwölf Schüler im Alter von 14 bis 18 Jahren sowie einen Lehrer, verwundeten 21 Menschen zum Teil schwer und töteten sich anschließend selbst. Drei weitere Personen verletzten sich auf der Flucht vor den Tätern.

Harris und Klebold hatten die Tat monatelang vorbereitet und nicht als Amoklauf, sondern als Bombenanschlag auf ihre Schule geplant, bei dem mehrere hundert Menschen sterben sollten. Aufgrund eines technischen Fehlers explodierten die von ihnen zu diesem Zweck in der Schulcafeteria platzierten Bomben jedoch nicht, weshalb sie ihren Plan spontan änderten und begannen, auf ihre Mitschüler zu schießen. Ihre Motive konnten nicht mit Gewissheit geklärt werden. Während die Medien den Amoklauf häufig als Racheakt für erlittenes Mobbing in der Schule einstuften, gingen die Ermittlungsbehörden nach Auswertung der von den Tätern hinterlassenen Tagebuch- und Videoaufzeichnungen davon aus, dass es ihnen in erster Linie darum ging, berühmt zu werden.

Die Tat war nicht die erste Schießerei an einer US-amerikanischen High School, sorgte jedoch erstmals für weltweites Aufsehen und entfachte zahlreiche Debatten, unter anderem über Mobbing, das vielfach als zu liberal kritisierte Waffenrecht der USA, die Einnahme von Antidepressiva durch Heranwachsende sowie den Einfluss fiktionaler Gewalt auf Jugendliche. Als Reaktion auf den Amoklauf erhöhten viele US-Schulen ihre Sicherheitsvorkehrungen, führten Anti-Mobbing-Richtlinien ein und etablierten regelmäßige Amokalarm-Übungen sowie eine Nulltoleranzstrategie bezüglich der Bedrohung von Mitschülern und des Besitzes von Waffen auf dem Schulgelände.

Der nach dem Amoklauf an der Columbine High School weltweit zu verzeichnende Anstieg an School Shootings wird oft als „Columbine-Effekt“ bezeichnet, weil viele der späteren Amokläufer das Schulmassaker von Littleton als Inspiration für ihre eigene Tat nannten. Für US-amerikanische Schüler, die nach dem 20. April 1999 geboren wurden, prägten die Medien den Begriff „Generation Columbine“, da sie nie eine Welt ohne Schulschießereien erlebt haben.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Biografien der Täter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kindheit und familiärer Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eric David Harris wurde am 9. April 1981 als der jüngere von zwei Söhnen des aus Colorado stammenden Ehepaars Wayne und Katherine Harris in Wichita, Kansas geboren. Bedingt durch den Beruf des Vaters, der Transportpilot bei der U.S. Air Force war, zog die Familie mehrmals innerhalb der USA um und lebte unter anderem in Dayton, Ohio und Oscoda, Michigan sowie längere Zeit in Plattsburgh im US-Bundesstaat New York.[1] Harris empfand die häufigen Umzüge und die damit verbundenen Schulwechsel als belastend, da er sich jedes Mal einen neuen Freundeskreis aufbauen musste.[2] 1993 ließ sich die Familie schließlich dauerhaft in Littleton nieder, wo Wayne Harris nach seinem Ausscheiden aus dem Militärdienst für ein Flugsicherheitsunternehmen arbeitete und Katherine Harris Anstellung bei einer Catering-Firma fand.[3] Im Alter von 12 Jahren wurde Harris operiert, um eine angeborene Thoraxdeformität zu korrigieren.[2]

Dylan Bennet Klebold kam am 11. September 1981 in Lakewood, Colorado zur Welt, wuchs in Littleton auf und hatte wie Harris einen älteren Bruder. Sein Vater Thomas Klebold, ein Geophysiker, betätigte sich als Berater für Ölfirmen und vermietete selbst renovierte Apartments. Seine Mutter Susan „Sue“ Klebold stammte aus einer wohlhabenden jüdischen Familie aus Columbus, Ohio und unterstützte als Angestellte am Colorado Community College Menschen mit Behinderung bei der Integration in den Arbeitsmarkt.[1] Die Familie gehörte der lutherischen Kirche an, pflegte aber auch jüdische Traditionen. Klebold galt als hochintelligent, zeigte eine außergewöhnliche Begabung für Mathematik und nahm in der Grundschule an einem Programm für besonders talentierte Kinder teil. Zeitgenossen beschrieben ihn als sehr schüchternen Jungen mit geringem Selbstwertgefühl, der sich leicht gedemütigt fühlte und schlecht verlieren konnte. Seine Eltern duldeten keine Waffen in ihrem Haushalt.[4]

Jugend und gemeinsame Schulzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Harris und Klebold lernten sich 1993 auf der Ken Caryl Middle School kennen. Beide interessierten sich für Computer, (Online-)Videospiele sowie Baseball, spielten gemeinsam Fußball und wurden enge Freunde.[5] Ab 1995 besuchten sie die Columbine High School im Schulbezirk des Jefferson County. In der sozialen Hierarchie der Schule standen sie auf der untersten Stufe, entgegen ursprünglichen Medienberichten waren sie jedoch keine Einzelgänger, sondern hatten einen vergleichsweise großen Freundeskreis, der vor allem aus Nerds und Computer-Geeks bestand.[6]

Laut mehreren Zeugenberichten wurden beide Täter oft von den sozial erfolgreicheren Schülern – sogenannten Jocks – gemobbt, wobei sie sowohl verbal als auch physisch attackiert wurden. Gegenüber seinem Vater äußerte Klebold, dass er mit seiner Körpergröße von über 1,90 m nicht herumgeschubst werde, aber dass Harris häufig Schikanen ausgesetzt sei. Nach anderen Zeugenaussagen hätten beide Täter aber auch selbst andere Schüler eingeschüchtert und mit aggressivem oder provokantem Verhalten Konflikte heraufbeschworen.[7] Im Dezember 1998 drehten Harris und Klebold im Rahmen ihres Videokurses einen fiktiven Kurzfilm mit dem Titel Hitmen for Hire, in dem sie Auftragskiller in Trenchcoats spielen, die den Peiniger eines Mobbingopfers erschießen und eine Schule in die Luft sprengen. Auszüge des Videos wurden nach dem Amoklauf vom US-Sender Fox News landesweit ausgestrahlt.[8]

Neben dem Unterricht engagierten sich beide Täter für den Schülersender und assistierten bei der Betreuung des Computernetzwerks der Schule; Klebold kümmerte sich zudem um die Tontechnik bei Aufführungen der Theatergruppe.[9] Während Harris bis zuletzt als Einser-Schüler galt, ließen Klebolds schulische Leistungen im Laufe der Zeit nach und seine Lehrer bemerkten, dass er häufiger im Unterricht schlief. Im Februar 1999 reichte Klebold einen Schulaufsatz ein, der von einem ihm ähnlich sehenden Mann handelte, der Jocks erschießt. Seine Lehrerin zeigte sich von der gewalttätigen Handlung und dem von ihm verwendeten vulgären Vokabular verstört, weshalb sie das Gespräch mit seinen Eltern suchte und mit ihnen vereinbarte, den Aufsatz seinem Schulberater zu zeigen, der jedoch keine weiteren Konsequenzen zog.[10]

Der Amoklauf fand 17 Tage vor ihrem Schulabschluss und kurz vor den letzten Prüfungen ihres Jahrgangs statt. Beide Amokläufer hatten sich bereits zu Zukunftsplänen geäußert. Klebold war für ein IT-Studium an der University of Arizona akzeptiert worden und hatte sich Ende März 1999 mit seinen Eltern den Campus angesehen; Harris hatte sich bei den Marines beworben und bereits mit einem Rekrutierer getroffen. Am 17. April 1999 – drei Tage vor dem Amoklauf – ging Klebold mit einer Gruppe von Freunden zur Prom, wo sie ihn gutgelaunt erlebten und er darauf bestand, nach dem Schulabschluss mit ihnen in Kontakt zu bleiben.[11]

Erste Straffälligkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab Januar 1997 begaben Harris und Klebold sich auf mehrere nächtliche „Missionen“, bei denen sie an Häusern und sonstigem Eigentum von Leuten, die sie nicht mochten, Vandalismus betrieben. Sie wurden dabei weder erwischt noch bemerkten ihre Eltern, wenn sie nachts für Stunden aus dem Haus schlichen.[12] Im September 1997 hackten Harris, Klebold und ein Freund der beiden sich in das Computersystem der Columbine High School, wo sie eine Liste mit den Zahlenschlosskombinationen der Schüler-Spinde fanden. Nachdem sie einige Spinde geöffnet hatten, kam ihnen die Schulleitung auf die Schliche und sie wurden für mehrere Tage vom Unterricht ausgeschlossen.[13] Einige Monate später wurde Klebold erneut vorübergehend suspendiert, weil er vorsätzlich den Spind eines Mitschülers beschädigt hatte.[14]

Am 30. Januar 1998 brachen Harris und Klebold einen Van auf, aus dem sie Elektrogeräte stahlen. Sie wurden noch in Tatortnähe mit dem Diebesgut von einer Polizeistreife aufgegriffen und festgenommen. Im Gegenzug für ihr Schuldbekenntnis wurde auf die Verhängung einer Haftstrafe verzichtet; stattdessen wurden sie am 25. März 1998 zur Teilnahme an einem zwölfmonatigen Programm für jugendliche Straftäter verpflichtet, währenddessen sie gemeinnützige Arbeit leisten, an Beratungssitzungen teilnehmen und ein Anti-Aggressivitäts-Training durchlaufen mussten. Sie zeigten sich einsichtig und kooperativ, so dass sie das Programm aufgrund guter Prognose Anfang Februar 1999 vorzeitig beenden und eine einjährige Bewährungszeit antreten durften.[15]

Harris betrieb eine eigene Website, auf der er seit Anfang 1997 über seinen wachsenden Hass auf Gesellschaft und Mitmenschen schrieb und später über seine ersten Erfolge beim Bauen von Sprengsätzen berichtete. Im Februar 1998 wurde in seiner Nachbarschaft eine selbstgebaute Rohrbombe gefunden, deren Hersteller die Polizei nicht ermitteln konnte. Auf seiner Website sprach Harris wiederholt Morddrohungen gegen Mitschüler aus. Zu den bedrohten Personen gehörte Brooks Brown, ein Freund beider Täter, mit dem Harris sich vorübergehend überworfen hatte. Im März 1998 wurde Brown von Klebold auf Harris’ Website hingewiesen, woraufhin Browns Eltern die Polizei verständigten. Diese überprüfte die Website und erarbeitete einen Antrag auf Erlass eines richterlichen Durchsuchungsbeschlusses für Harris’ Elternhaus. Der Antrag geriet jedoch in Vergessenheit, da der sachbearbeitende Beamte andere Aufgaben zugewiesen bekam, so dass Harris unbehelligt blieb. Nach dem Amoklauf leugneten hochrangige Beamte des Jefferson County Sheriff’s Office zunächst, dass es den Antrag je gegeben habe. Erst fünf Jahre später, im März 2004, wurde seine Existenz durch eine unabhängige Untersuchung des Attorney Generals des Bundesstaates Colorado bestätigt, was für die Beamten des Sheriff’s Office jedoch keine rechtlichen Konsequenzen nach sich zog.[16]

Medikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wegen einer leichten Depression befand Harris sich ab Februar 1998 in ambulanter Psychotherapie, in deren Rahmen ihm zunächst die Einnahme des Antidepressivums Zoloft verschrieben wurde. Nachdem er über zwanghafte negative Gedanken geklagt hatte, wurde das Medikament gewechselt und ab April 1998 nahm er regelmäßig Luvox ein, dessen Dosis in den kommenden Monaten sukzessive auf schließlich 200 mg pro Tag erhöht wurde. Aufgrund der Luvox-Einnahme wurde seine Bewerbung bei den Marines wenige Tage vor dem Amoklauf abgelehnt, worauf Harris enttäuscht, aber nicht niedergeschlagen reagiert haben soll.[17]

Nach dem Amoklauf behaupteten Kritiker von Psychopharmaka, dass ihn die Nebenwirkungen des Medikaments zu dem Amoklauf getrieben hätten. Dieser Behauptung wurde entgegnet, dass Harris bereits vor der Luvox-Einnahme homizidale Gedanken gehabt habe. Außerdem hätten er und Klebold, der nicht unter Medikamenteneinfluss gestanden hatte, die Idee zur Tat bereits Monate vor Beginn der medikamentösen Therapie gehabt.[18] Obwohl ein ursächlicher Zusammenhang zwischen der Tatbegehung und der Luvox-Einnahme letztlich nicht belegt werden konnte und die zivilrechtlichen Klagen einiger Opferfamilien gegen den Hersteller erfolglos blieben, wurde das Medikament vom Markt genommen.[19]

Planung und Vorbereitung der Tat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprungsplan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus den hinterlassenen Aufzeichnungen der Täter geht hervor, dass sie die Tat über ein Jahr lang geplant hatten. Klebold, der seit März 1997 eine Art Tagebuch geführt und zunächst vor allem über seine depressiven Gefühle und Suizidgedanken geschrieben hatte, äußerte darin erstmals im November 1997 den Wunsch, sich eine Waffe zu besorgen und Amok zu laufen.[20] Im Februar 1998 erwähnte er in seinen Notizen als Erster den geplanten Anschlag.[21] Harris schrieb in seinem ab April 1998 geführten Tagebuch zunehmend konkret über ihr Vorhaben, das ursprünglich aus mehreren Akten bestand.

Zunächst wollten sie zwei selbstgebaute Propan­gasbomben mithilfe von Zeitzündern in der Schulcafeteria explodieren lassen. Anschließend beabsichtigten sie, möglichst viele Überlebende der Explosion bei deren Flucht aus dem Schulgebäude zu erschießen. Schließlich sollten weitere Zeitbomben in ihren Autos auf dem Schulparkplatz detonieren und die eintreffenden Polizisten, Rettungskräfte und Reporter töten. Sie beabsichtigten, dabei mehrere hundert Menschen zu töten und Harris schrieb in seinem Tagebuch, den Bombenanschlag von Oklahoma City im Jahr 1995 mit 168 Todesopfern übertreffen zu wollen. Später von den Ermittlern durchgeführte Computersimulationen ergaben, dass eine Explosion der Bomben in der Cafeteria mit hoher Wahrscheinlichkeit die Decke zum Einsturz gebracht und zu einer derartig hohen Opferzahl geführt hätte.[22] Für den Fall, dass sie die ersten drei Akte ihres Plans überleben würden, beabsichtigten sie – zwei Jahre vor den Terroranschlägen vom 11. September 2001 –, ein Flugzeug zu entführen und es über New York City abstürzen zu lassen.[23]

Sie studierten die Abläufe und Gewohnheiten an ihrer Schule und legten als Tattag zunächst Montag, den 19. April 1999 fest. In ihren Tagebuchaufzeichnungen findet sich keine Begründung für diese Wahl, es wird jedoch vermutet, dass sie damit dem Jahrestag des Oklahoma-City-Anschlags huldigen wollten. Aufgrund einer sich verzögernden Munitionslieferung verschoben sie den geplanten Anschlag aber schließlich auf den darauffolgenden Tag. Da der Amoklauf damit auf den 20. April – Adolf Hitlers Geburtstag – fiel und Harris in seinem Tagebuch über seine Bewunderung für die Nazis geschrieben hatte, wurde von den Medien später fälschlicherweise auch über einen nationalsozialistischen Hintergrund spekuliert.[24]

Waffenarsenal und Tatübung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Amoklaufs schoss Harris mit einer abgesägten Pumpgun und einer halbautomatischen Schusswaffe vom Typ Hi-Point Carbine, mit denen er insgesamt 121 Schüsse abfeuerte. Klebold verwendete eine halbautomatische TEC-DC9 und eine doppelläufige abgesägte Schrotflinte, mit denen er insgesamt 67 Mal schoss. Ihr angehäuftes Waffenarsenal bestand zudem aus mehreren Messern sowie zahlreichen selbstgebauten Rohrbomben und Molotowcocktails, die sie in diversen Verstecken in ihren Zimmern lagerten und am Tattag in Rucksäcken, Sporttaschen und an Gurtgeschirren befestigt an ihren Körpern mit sich führten. Sie legten Handzeichen fest, mit denen sie während des Anschlags kommunizieren wollten und übten wiederholt, ihre Ausrüstung binnen kürzester Zeit anzulegen.[25]

Die Schusswaffen und die passende Munition hatten sie sich mithilfe ihrer drei volljährigen Freunde Mark Manes, Philip Duran und Robyn Anderson besorgt, die nicht wussten, wofür die Waffen verwendet werden sollten. Das nötige Geld für den Kauf der Waffen verdienten Harris und Klebold als Aushilfen bei einer Pizzalieferantenkette.[26] Am 6. März 1999 fuhren sie mit Manes, dessen Freundin und Duran in ein Waldgebiet, um Schießen zu üben, wobei sie sich von Duran filmen ließen. Die Aufnahmen wurden nach dem Amoklauf veröffentlicht und unter dem Titel Rampart Range bekannt.[8] Manes begleitete die beiden Täter später zu zwei weiteren Schießübungen.[27]

Ihr Vorhaben blieb bis zuletzt unbemerkt. Gegenüber ihrem sozialen Umfeld verhielten sich beide Täter weitgehend unauffällig, dennoch standen sie einige Male kurz davor, bei ihren Vorbereitungen entdeckt zu werden. So soll Harris einem Freund erzählt haben, dass sein Vater im Februar 1998 eine seiner Rohrbomben gefunden habe. Wayne Harris habe die Bombe daraufhin zunächst im Elternschlafzimmer aufbewahrt und sie später im Freien explodieren lassen. (Da es sich lediglich um eine Zeugenaussage vom Hörensagen handelte, Wayne Harris den Vorfall bestritt und es keine weiteren Beweise dafür gab, dass er sich tatsächlich ereignet hatte, wurde Harris’ Vater strafrechtlich nicht belangt.)[28] Im Dezember 1998 rief der Waffenladen, bei dem Harris Munition bestellt hatte, im Haus seiner Eltern an, um mitzuteilen, dass die Ware eingetroffen sei. Harris’ Vater, der den Anruf entgegen genommen hatte, hielt die Bestellung für einen Irrtum und stellte keine weiteren Fragen.[29]

Selbstinszenierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Columbine-Täter waren die ersten School Shooter, die sich selbst medienwirksam als Antihelden inszenierten, indem sie der Nachwelt zahlreiche Aufzeichnungen und Skizzen hinterließen, die Aufschluss über ihre Absichten, Vorgehensweise und Motivation geben sollten.[30] Der Autor André Grzeszyk schrieb über ihre Selbstdarstellung: „Harris und Klebold verwalteten im Bewusstsein dessen, was passieren würde, durch ihre Aufzeichnungen schon vor ihrem Tod ihr Erbe – das eigene Bild, wie sie es später medial rekonstruiert sehen wollten. Dass ihre Tagebücher von der Polizei veröffentlicht wurden […] tat ein Übriges, um sie weltweit bekannt zu machen.“[31]

Ab März 1999 drehten die beiden zudem fünf Videos, die sie für die Öffentlichkeit vorgesehen hatten und auf denen sie über ihren Anschlagsplan und ihre Beweggründe sprachen. Die Videos wurden als Basement Tapes bekannt, weil sie überwiegend im Keller des Hauses der Familie Harris gedreht wurden. Die Aufnahmen wurden den Eltern der Täter und Angehörigen der Opfer sowie einem ausgewählten Kreis an Journalisten gezeigt, aber aus Sorge vor Nachahmungstätern nie veröffentlicht und im Jahr 2011 vernichtet. Eine Zusammenfassung ihres Inhalts sowie Zitate der Täter wurden dennoch öffentlich bekannt und sind auch im offiziellen Polizeibericht enthalten.[32] In einem der Videos erklärte Harris: “There is nothing that anyone could have done to prevent this. No one is to blame except me and [Klebold]. Our actions are a two man war against everyone else.”[33] („Es gibt nichts, das irgendjemand hätte tun können, um dies zu verhindern. Niemand außer mir und [Klebold] kann verantwortlich gemacht werden. Unsere Aktionen sind ein Zwei-Mann-Krieg gegen alle anderen.“)

Die Selbstinszenierung der beiden Täter zeigte sich auch anhand der Kleidung, die sie sich für den Tattag ausgesucht hatten: Unter ihren langen schwarzen Mänteln trugen sie schwarze Cargohosen und Kampfstiefel sowie selbstdesignte T-Shirts. Auf Harris’ Shirt befand sich die Aufschrift Natural Selection (natürliche Selektion) und auf Klebolds Shirt stand Wrath (Zorn) geschrieben. Außerdem teilten sie sich ein Paar schwarze, fingerlose Handschuhe, wobei Harris den rechten und Klebold den linken Handschuh trug.[34]

Tathergang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ereignisse kurz vor dem Amoklauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom FBI erstelltes Diagramm von Parkplatz und Cafeteria der Columbine High School.

Am Morgen des 20. April 1999 verließen die Täter noch vor Sonnenaufgang ihre Elternhäuser. Anstelle ihres Bowling-Unterrichts suchten sie ein Geschäft auf, in dem sie die Propangasflaschen für ihre Bomben besorgten. Danach fuhren sie zum Haus der Familie Harris, wo sie die Bomben fertig bauten, ihre Autos beluden und ein kurzes Abschiedsvideo – den letzten Teil der Basement Tapes – drehten. Anschließend fuhren sie getrennt zu einem nahegelegenen Park, wo sie eine Bombe platzierten, deren Zeitzünder sie auf 11:14 Uhr einstellten. Die Explosion dieser Bombe sollte die Polizei vom eigentlichen Tatort weglocken, verursachte jedoch nur ein von den Einsatzkräften nicht weiter beachtetes Grasfeuer.[35]

Nach Behördenangaben erreichten die Täter gegen 11:10 Uhr den Südparkplatz der Columbine High School, auf deren Gelände sich an diesem Tag schätzungsweise 2.000 Schüler und 150 Angestellte befanden.[36][37] Klebold parkte sein Auto vor der Schulcafeteria, Harris parkte knapp 100 Meter entfernt in der Nähe des Schülereingangs. Brooks Brown sah Harris ankommen, ging auf ihn zu und fragte ihn, warum er den Unterricht an diesem Morgen geschwänzt habe. Darauf antwortete Harris: “It doesn’t matter anymore.” („Das spielt keine Rolle mehr.“) Er forderte Brown auf, das Schulgelände zu verlassen, was dieser tat.[36]

Laut Polizeibericht betraten die Täter um kurz nach 11:14 Uhr die von vier Videokameras überwachte Cafeteria, in der sich zu diesem Zeitpunkt rund 500 Menschen aufhielten. Sie legten unbemerkt zwei Sporttaschen ab, in denen sich je eine Propangasbombe befand, deren Zeitzünder auf 11:17 Uhr eingestellt waren. Aufgrund eines Videobandwechsels wurde die Zeit zwischen 11:14 Uhr und 11:22 Uhr nicht von den Überwachungskameras aufgezeichnet, weshalb die Platzierung der Bomben nach offiziellen Angaben nicht gefilmt wurde.[38] Später ließ eine von Amateuren durchgeführte Auswertung der veröffentlichten Videoaufnahmen jedoch Zweifel an der fehlenden Aufzeichnung und damit am offiziellen zeitlichen Ablauf der Tat aufkommen. Nach der Amateurauswertung sei Harris bereits um 10:58 Uhr beim Hereintragen einer der beiden Sporttaschen auf dem Videoband zu erkennen; wenige Sekunden später erscheine Klebold mit der anderen Sporttasche in der Hand im Bild der Überwachungskamera. Von Behördenseite wurde die Amateurauswertung nicht kommentiert und darauf verwiesen, dass die Ermittlungen des Falls abgeschlossen seien.[39]

11:19 Uhr: Beginn der Schießerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Todesopfer und Verletzte
zu Beginn der Schießerei
1. Rachel Joy Scott, 17 Jahre, getötet.
2. Richard Castaldo, 17 Jahre, verletzt.
3. Daniel Lee Rohrbough, 15 Jahre, getötet.
4. Sean Graves, 15 Jahre, verletzt.
5. Lance Kirklin, 16 Jahre, verletzt.
6. Michael Johnson, 15 Jahre, verletzt.
7. Mark Taylor, 16 Jahre, verletzt.
8. Anne Marie Hochhalter, 17 Jahre, verletzt.
9. Brian Anderson, 16 Jahre, verletzt.
10. Patricia Nielson, 35 Jahre, verletzt.
11. Stephanie Munson, 16 Jahre, verletzt.
12. William David Sanders, 47 Jahre, getötet.
Außenaufnahme der Columbine High School mit Blick auf die Treppe zum Westeingang sowie die Fensterfront der Cafeteria im Erdgeschoss und der (ehemaligen) Bibliothek im darüberliegenden Stockwerk.

Nachdem die Täter die Bomben in der Cafeteria platziert hatten, kehrten sie zu ihren Autos zurück, wo sie sich bewaffneten und auf die Explosion warteten. Da diese aufgrund eines technischen Fehlers ausblieb, änderten sie spontan ihren Plan und eröffneten um 11:19 Uhr am oberen Ende der Treppe zum Westeingang der Schule mit ihren Schusswaffen das Feuer auf in der Nähe befindliche Schüler.[40] Zeugen hörten einen der beiden Täter dabei “Go, go!” (“Los, los!”) rufen.[37] Sie zündeten Rohrbomben und warfen sie die Treppe hinunter sowie auf das Dach des Schulgebäudes.[41]

Das erste Todesopfer war die 17-jährige Rachel Scott, die mit dem gleichaltrigen Richard Castaldo auf dem Rasen saß und zu Mittag aß. Scott wurde von vier Kugeln getroffen, den tödlichen Schuss gab Harris ab.[41] Castaldo wurde durch mehrere Schüsse verletzt und trug eine dauerhafte Querschnittslähmung ab der Taille davon.[37] Daniel Rohrbough, Sean Graves und Lance Kirklin wurden von mehreren Schüssen getroffen, als sie die Treppe hochkamen. Der 15-jährige Rohrbough erlag seinen Verletzungen noch vor Ort.

Als nächstes schossen die Täter auf eine Gruppe von fünf Schülern, die sich auf einem Hügel neben der Treppe befand. Zwei von ihnen, Michael Johnson und Mark Taylor, wurden verletzt, die drei anderen entkamen unversehrt. Während Harris weiter um sich schoss, ging Klebold die Treppe hinunter zum Seiteneingang der Cafeteria, um – wie die Ermittler später vermuteten – nachzusehen, warum die Propangasbomben nicht explodiert waren.[42] Auf dem Weg dorthin schoss er dem verletzt am Boden liegenden und um Hilfe rufenden Kirklin mit den Worten “I’ll help you” („Ich werde dir helfen“) aus nächster Nähe in die Wange. Kirklin überlebte, musste sich später jedoch mehreren chirurgischen Eingriffen unterziehen.[43] Der durch seine erlittenen Schussverletzungen von der Taille abwärts gelähmte Graves hatte es mit der Hilfe eines Mitschülers bis zum Seiteneingang der Cafeteria geschafft, wo er liegen blieb und sich tot stellte, als Klebold beim Betreten der Cafeteria über ihn hinwegschritt.[44]

Zu Beginn des Amoklaufs hatten die Schüler in der Cafeteria die von draußen zu hörende Schießerei noch für einen Streich des Abschlussjahrgangs oder eine Filmproduktion für Harris’ und Klebolds Videokurs gehalten. Der Lehrer Dave Sanders hatte die Gefahr hingegen früh erkannt und die Schüler aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen, woraufhin diese aus der Cafeteria geflüchtet waren oder sich unter Tischen und in der Küche versteckt hatten. Klebold blickte sich kurz in der Cafeteria um, ohne zu schießen oder sich den Bomben zu nähern und kehrte anschließend zu Harris auf die Treppe zurück, von wo aus sie weiter auf fliehende Schüler schossen. Dabei wurde die Schülerin Anne Marie Hochhalter von Harris’ Schüssen getroffen und erlitt eine dauerhafte Querschnittslähmung ab der Taille. Zeugen hörten einen der Täter sagen: “This is what we always wanted to do. This is awesome!” („Das ist, was wir immer tun wollten. Das ist großartig!“)[43]

Die Lehrerin Patricia Nielson, die im Inneren des Gebäudes Pausenaufsicht hielt, glaubte an einen Videodreh mit Spielzeugpistolen, als sie Harris mit seiner Waffe durch die Glasscheiben der Eingangstür erblickte und machte sich auf den Weg nach draußen, um das Ganze zu unterbinden. Erst als Harris die Glastür zerschoss und sie sowie der neben ihr befindliche Schüler Brian Anderson von umherfliegenden Metall- und Glassplittern verletzt wurden, realisierte Nielsen den Ernst der Lage. Sie rannte mit Anderson zurück ins Schulinnere und wurde dabei von einem Streifschuss an der Schulter getroffen. Beide liefen weiter in die Bibliothek, wo Nielsen die anwesenden Schüler aufforderte, sich unter den Tischen in Deckung zu begeben.[45]

Circa um 11:22 Uhr wurde der Jefferson County Hilfssheriff Neil Gardner, der die Columbine High School regelmäßig patrouillierte, per Funk von einem Hausmeister zum Südparkplatz der Schule gerufen. Als Gardner gegen 11:24 Uhr mit seinem Streifenwagen dort eintraf, wurde er beim Aussteigen von dem noch immer auf der Treppe stehenden Harris beschossen. Gardner begab sich hinter seinem Auto in Deckung und erwiderte das Feuer, verfehlte jedoch beide Täter, die sich sodann ins Schulgebäude begaben, wo sie durch die Flure schossen und Rohrbomben warfen.[46] Dabei wurde die Schülerin Stephanie Munson von einer Kugel am Knöchel verletzt und Dave Sanders angeschossen. Mit der Hilfe von Kollegen konnte er zunächst schwerverletzt in einem Klassenzimmer in Sicherheit gebracht werden, wo Schüler erste Hilfe leisteten und den Notruf verständigten.[47] Er starb gegen 15:00 Uhr auf dem Weg ins Krankenhaus aufgrund seines hohen Blutverlustes. Gegen 11:26 Uhr erschien Harris erneut im Westeingang und lieferte sich einen weiteren Schusswechsel mit Gardner, bevor er sich wieder ins Gebäude zurückzog.[46]

11:29 Uhr bis 11:35 Uhr: Massaker in der Bibliothek[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Todesopfer und Verletzte
in der Bibliothek
13. Evan Todd, 15 Jahre, verletzt.
14. Kyle Albert Velasquez, 16 Jahre, getötet.
15. Daniel Steepleton, 17 Jahre, verletzt.
16. Makai Hall, 18 Jahre, verletzt.
17. Patrick Ireland, 17 Jahre, verletzt.
18. Steven Robert Curnow, 14 Jahre, getötet.
19. Kacey Ruegsegger, 17 Jahre, verletzt.
20. Cassie René Bernall, 17 Jahre, getötet.
21. Isaiah Emon Shoels, 18 Jahre, getötet.
22. Matthew Joseph Kechter, 16 Jahre, getötet.
23. Mark Kintgen, 17 Jahre, verletzt.
24. Lisa Kreutz, 18 Jahre, verletzt.
25. Valeen Schnurr, 18 Jahre, verletzt.
26. Jeanna Park, 18 Jahre, verletzt.
27. Lauren Dawn Townsend, 18 Jahre, getötet.
28. Kelly Ann Fleming, 16 Jahre, getötet.
29. John Robert Tomlin, 16 Jahre, getötet.
30. Nicole Nowlen, 16 Jahre, verletzt.
31. Daniel Conner Mauser, 15 Jahre, getötet.
32. Corey Tyler DePooter, 17 Jahre, getötet.
33. Jennifer Doyle, 17 Jahre, verletzt.
34. Stephen Austin Eubanks, 17 Jahre, verletzt.

Die Täter betraten um 11:29 Uhr die Bibliothek, wo sich zu diesem Zeitpunkt Nielsen, drei weitere Angestellte und 52 Schüler unter den Tischen sowie in angrenzenden Räumen versteckt hielten und es zu den meisten Todesopfern kam. Beim Betreten der Bibliothek sagte ein Täter zum anderen: “Are you still with me? We’re still gonna do this, right?” („Bist du noch bei mir? Wir wollen das noch immer machen, richtig?“) Da Nielsen gegen 11:25 Uhr den Notruf gewählt und die Telefonverbindung gehalten hatte, wurden die folgenden Ereignisse – Schüsse, Explosionen und Wortwechsel – vom Notrufmitschnitt aufgezeichnet. Die ersten vier der insgesamt 26 Minuten dauernden Notrufaufzeichnung wurden später veröffentlicht.[48]

Vom FBI erstelltes Diagramm der Bibliothek der Columbine High School.

Nachdem die Täter erfolglos die in der Bibliothek anwesenden Jocks aufgefordert hatten, aufzustehen und sich zu zeigen, nahmen sie die einzelnen Tische unter Beschuss und verhöhnten die darunter kauernden Schüler. Der 15-jährige Evan Todd wurde dabei durch umherfliegende Holzsplitter eines Tisches verletzt. Das erste Todesopfer in der Bibliothek war der 16-jährige Kyle Velasquez, der von Klebold mit zwei Schüssen getötet wurde. Danach feuerten die beiden Täter durch die Fenster der Bibliothek auf die inzwischen vor dem Schulgebäude eingetroffenen Polizeikräfte, wobei es jedoch nur zu Sachschäden kam. Die Polizei erwiderte das Feuer, woraufhin sich die Täter von den Fenstern zurückzogen und damit fortfuhren, unter die Tische zu schießen und mit Sprengsätzen zu werfen, wobei sie lachten und grölten.[49]

Klebold verletzte mit seinen Schüssen Daniel Steepleton, Makai Hall und Patrick Ireland, die sich unter demselben Tisch befanden. Ireland erlitt durch zwei Kopfschüsse eine halbseitige Lähmung und verlor in den kommenden Stunden mehrmals das Bewusstsein, bevor er sich um 14:38 Uhr selbst rettete, indem er sich durch eines der Bibliotheksfenster im ersten Stock in die Arme von Rettungskräften fallen ließ. Harris tötete den 14-jährigen Steven Curnow und verletzte Kacey Ruegsegger schwer an der Schulter. Als Ruegsegger vor Schmerzen aufschrie, sagte Harris, sie solle aufhören zu meckern (“Stop your bitching.”). Als nächstes schlug Harris zweimal mit der Hand auf den Tisch, unter dem sich die 17-jährige Cassie Bernall versteckte. Er beugte sich zu ihr hinunter, sagte “Peek-a-boo!” und tötete sie aus kurzer Distanz mit einem Kopfschuss. Der Rückstoß seiner Waffe brach ihm dabei die Nase und Zeugen berichteten später, dass er ab diesem Zeitpunkt benommen wirkte.[50]

Inzwischen hatte Klebold den 18-jährigen Afroamerikaner Isaiah Shoels unter einem Tisch entdeckt und ihn mit rassistischen Äußerungen beschimpft. Nachdem er vergeblich versucht hatte, Shoels unter dem Tisch hervorzuziehen, wurde dieser von Harris mit drei Schüssen getötet. Klebold erschoss den neben Shoels befindlichen 16-jährigen Matthew Kechter. Harris warf eine Bombe unter den Tisch, unter dem sich Steepleton, Hall und Ireland befanden. Hall gelang es, die Bombe wegzuwerfen, bevor sie in der Luft explodierte. Nachdem Klebold auf Mark Kintgen geschossen und ihn verletzt hatte, feuerten die Täter mehrmals unter einen Tisch nahe dem Eingang, unter dem sich mehrere Mädchen in Deckung gebracht hatten. Lisa Kreutz, Valeen Schnurr und Jeanna Park wurden dabei verletzt; die 18-jährige Lauren Townsend und die 16-jährige Kelly Fleming überlebten den Kugelhagel nicht. Harris schoss unter einen weiteren Tisch, wobei er den 16-jährigen John Tomlin tötete und Nicole Nowlen verletzte.[51]

Nur einem Schüler erlaubten die beiden Täter, die Bibliothek zu verlassen: Als Harris fragte, wer sich unter einem der Tische befinde, hatte sich John Savage zu erkennen gegeben, den beide Täter kannten. Savage fragte Klebold, was sie da tun würden, woraufhin dieser antwortete: “Oh, just killing people.” („Oh, nur Leute umbringen.“) Auf Savages Frage, ob sie auch ihn töten würden, zögerte Klebold kurz und sagte ihm dann, dass er gehen solle, woraufhin Savage davonrannte. Der 15-jährige Daniel Mauser, der sich unter demselben Tisch wie Savage befunden hatte, war der einzige Schüler, der sich zur Wehr setzte, indem er einen Stuhl nach Harris warf. Harris tötete ihn daraufhin mit einem Schuss ins Gesicht. Der 17-jährige Corey DePooter war das letzte Todesopfer in der Bibliothek. Er starb, nachdem die Täter um 11:35 Uhr mehrere Schüsse auf ihn abfeuerten und dabei auch Jennifer Doyle und Austin Eubanks verletzten. Obwohl die Täter genug Munition hatten, um auch die restlichen Schüler in der Bibliothek zu töten, feuerten sie keine weiteren Schüsse auf sie ab.[52]

11:36 Uhr bis 12:08 Uhr: Endphase des Amoklaufs und Suizid der Täter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um 11:36 Uhr verließen die Täter die Bibliothek und streiften scheinbar ziellos durch die Flure. Sie kamen an mehreren Klassenräumen vorbei und konnten durch die Fenster in den Türen sehen, dass sich darin noch viele Schüler befanden. Einige der Schüler berichteten später, dass die Täter Augenkontakt mit ihnen aufgenommen, aber keine Anstalten gemacht hätten, die Räume zu betreten. Stattdessen feuerten sie in leere Klassenräume.

Die Videokameras filmten um 11:44 Uhr, wie die Täter die Treppe zur Cafeteria herunterkamen, wo sich zu diesem Zeitpunkt noch einige Schüler unter den Tischen versteckten. Auf dem Treppenabsatz kniete Harris nieder und zielte auf die Sporttaschen mit den Bomben, um diese durch Schüsse doch noch zur Explosion zu bringen, was ihm jedoch nicht gelang. Klebold zündete einen Molotowcocktail und warf ihn in Richtung der Bomben, doch auch dies führte nicht zu deren Explosion, sondern verursachte lediglich einen Brand. Das Feuer trieb die Schüler aus ihren Verstecken und sie rannten aus den Notausgängen ins Freie. Die anspringende Sprinkleranlage setzte die Cafeteria unter Wasser.

Gegen 12:00 Uhr kehrten die Täter in die Bibliothek zurück, wo sich zu diesem Zeitpunkt neben den zehn Toten nur noch Patricia Nielsen, die sich in einem Schrank versteckt hatte, und die Schwerverletzten Patrick Ireland und Lisa Kreutz befanden. Die anderen Schüler waren in der Zwischenzeit durch die Notausgänge geflohen.[53] Der Columbine-Autor Dave Cullen vermutet, dass die Täter von der Bibliothek aus die für 12.00 Uhr geplante Explosion ihrer Autobomben beobachten wollten, die jedoch ebenfalls aufgrund eines technischen Fehlers ausblieb.[54] Durch die Fenster lieferten sie sich einen letzten Schusswechsel mit der Polizei, bevor sie sich ins Innere der Bibliothek zurückzogen.

Tod der Täter
35. Eric David Harris, 18 Jahre, Suizid.
36. Dylan Bennet Klebold, 17 Jahre, Suizid.

Einer der beiden Täter zündete noch einen Molotowcocktail, dann begingen sie nebeneinander Suizid, indem sie ihre Schusswaffen gegen sich selbst richteten. Anhand der Positionen, in denen ihre Leichen gefunden wurden, schlossen die Ermittler, dass Harris sich als erster der beiden erschoss.[53] Laut der Rocky Mountain News habe Nielson in einem späteren Interview behauptet, dass sie gehört habe, wie die Täter davor bis drei gezählt hätten.[55] Gegenüber den Ermittlern dementierte Nielson jedoch, diese Aussage getätigt zu haben. Der Molotowcocktail verursachte ein Feuer, das gegen 12:08 Uhr die Sprinkleranlage in der Bibliothek in Gang setzte. Aufgrund der später gesicherten Spuren am Tatort wurde festgestellt, dass die Täter zu diesem Zeitpunkt bereits tot waren.[53]

Einsatz der Rettungskräfte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um 11:23 Uhr gab die Einsatzleitstelle den ersten Notruf an alle in der Umgebung der Columbine High School befindlichen Polizei- und Rettungsfahrzeuge durch. In den darauffolgenden Minuten und Stunden trafen fast 800 Polizisten von 35 verschiedenen Strafverfolgungsbehörden mit ihren Fahrzeugen vor Ort ein. Die Beamten kesselten das Schulgebäude ein, beobachteten die Ausgänge, evakuierten diejenigen Schüler, die es aus dem Gebäude geschafft hatten und leisteten Feuerschutz. Feuerwehrleute und Sanitäter kümmerten sich um die Verletzten.[46][56]

Die Einsatzkräfte berichteten später über chaotische Zustände. Hunderte panischer Menschen flüchteten aus dem Schulgebäude. Im Inneren der Schule waren Schüsse und Explosionen zu hören, über der Schule kreisten Hubschrauber. Die Notrufleitungen waren vollkommen überlastet, da hunderte Schüler, die sich noch in der Schule befanden, per Handy um Hilfe riefen. Polizisten befragten die geflüchteten Schüler, um sich ein genaues Bild von der Situation im Gebäude zu machen, erhielten jedoch widersprüchliche Angaben über die Zahl der Angreifer, deren Aussehen und genauem Aufenthaltsort sowie die von ihnen verwendeten Waffen. Eltern, die in den Nachrichten von den Schüssen an der Columbine High School gehört hatten, machten sich auf den Weg zur Schule und mussten von den Einsatzkräften daran gehindert werden, sich dem Gebäude zu nähern.[57]

Gegen 12:06 Uhr betrat die erste Spezialeinheit der Special Weapons and Tactics (SWAT) das Schulgebäude, ein zweites SWAT-Team folgte um 13:15 Uhr. Die Beamten überprüften nach und nach sämtliche Räume der Schule und evakuierten zahlreiche Schüler, die zur nahegelegenen Leawood Elementary School gebracht wurden, wo sich inzwischen die wartenden Angehörigen versammelt hatten. Gegen 15:00 Uhr erreichte eines der SWAT-Teams den Raum, in dem sich Dave Sanders befand, für den jedoch jede Hilfe zu spät kam. Um 15:15 Uhr betrat die erste SWAT-Einheit die Bibliothek und vermeldete kurz darauf den Fund der zehn toten Opfer sowie den Tod beider Täter. Außerdem retteten die Beamten die fast verblutende Lisa Kreutz und evakuierten Patricia Nielsen sowie drei weitere Angestellte, die sich in angrenzenden Räumen versteckt gehalten hatten. Um 16:00 Uhr gab der Sheriff gegenüber den Medien den Tod der Täter bekannt und schätzte die Anzahl der Todesopfer irrtümlich auf etwa 25.[58]

Ermittlungsverfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem Harris und Klebold von zahlreichen Zeugen als Angreifer identifiziert worden waren, besorgten sich die Ermittler Durchsuchungsbeschlüsse für deren Elternhäuser. Noch am Tattag stellten die Beamten in Harris’ Zimmer unter anderem Munition, Material zum Bauen von Bomben, eine Seite aus dem Anarchist Cookbook, Kalkulationen, Diagramme, einen Zeitplan sowie die Basement Tapes sicher. Aus Klebolds Zimmer wurden unter anderem Rohrbomben und mehrere Aufzeichnungen beschlagnahmt.[59]

In der Nacht vom 20. auf den 21. April 1999 durchsuchten Beamte des ATF das Schulgebäude und stellten dabei fast 100 Sprengstoffe sicher. Ein Großteil der Bomben war bereits explodiert und hatte massiven Schaden am Gebäude angerichtet, mehrere Bomben waren jedoch noch intakt und mussten kontrolliert gesprengt werden. Nachdem das Gebäude gesichert worden war, begannen circa 40 Beamte damit, im Inneren der Schule auf einer Fläche von fast 25.000 Quadratmetern Spuren zu sichern. Die Auflistung des sichergestellten Beweismaterials umfasste schließlich 30.000 Seiten.[59] Die Leichen der Opfer und Täter wurden erst am Tag nach dem Amoklauf in die Gerichtsmedizin überführt. Die Obduktion der Leichen von Harris und Klebold ergab, dass beide während der Tat weder unter Alkohol- noch Drogeneinfluss gestanden hatten. In Harris’ Körper wurde jedoch eine therapeutische Menge des Antidepressivums Luvox festgestellt.[60]

In den ersten 72 Stunden nach Beginn des Amoklaufs hatte die Polizei circa 500 Zeugen verhört, später folgten weitere 5.000 Vernehmungen.[61] Insgesamt dauerte das Ermittlungsverfahren, an dem rund 100 Beamte von 20 verschiedenen Behörden beteiligt waren, sechs Monate. Die ersten Ergebnisse wurden im Mai 2000 veröffentlicht und im November desselben Jahres brachte das Jefferson County Sheriff’s Office den rund 11.000 Seiten langen Columbine Report heraus. Bis Oktober 2003 wurden sukzessive weitere Dokumente im Gesamtumfang von 15.000 Seiten herausgegeben.[62] Im Jahr 2006 veröffentlichte das Sheriff’s Office zudem die circa 900 Seiten umfassenden Columbine Documents, die vor allem aus den Aufzeichnungen der Täter bestehen.

In dem im Mai 2000 veröffentlichten Untersuchungsbericht wurde angegeben, dass Daniel Rohrbough zuerst von Harris’ Schüssen getroffen, dann aber von Klebold aus kürzester Distanz erschossen worden sei. Rohrboughs Eltern bezweifelten diese Version des Tatgeschehens, da der Untersuchungsbericht in ihren Augen Widersprüche aufwies. Sie vermuteten vielmehr, dass ihr Sohn versehentlich von den Schüssen eines Polizisten getötet worden sei. Die daraufhin eingeleitete unabhängige Untersuchung durch das Sheriff’s Office des benachbarten El Paso County kam im April 2002 aufgrund des ballistischen Gutachtens und mehrerer Zeugenaussagen zu dem Ergebnis, dass der tödliche Schuss „ohne begründete Zweifel“ durch Harris abgegeben worden war.[63]

Psychologisches Profil der Täter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die von den Tätern hinterlassenen Tagebücher weisen signifikante Unterschiede bezüglich ihres Inhalts und Schreibstils auf. Während Harris in seinem Tagebuch vor allem Wut, Verachtung und Hass zum Ausdruck brachte und seine Schreibweise klar und wortgewandt erscheint, schrieb Klebold vor allem über seine Depression, Einsamkeit und Suche nach wahrer Liebe, wobei seine Gedankengänge wirr und ungeordnet wirken. Harris zeichnete Waffen und Swastiken, Klebold malte Herzen.[64] Auf Basis dieser Aufzeichnungen erstellte das FBI im Nachhinein ein psychologisches Profil der Täter. Die Ermittler kamen dabei zu dem Schluss, dass Harris ein homizidaler Psychopath, Klebold hingegen depressiv und suizidal gewesen sei.[65] Der mit dem Fall betraute FBI-Psychologe Dwayne Fuselier erklärte: “[Eric] went to school to kill people and didn’t care if he died, while Dylan wanted to die and didn’t care if others died as well.”[66] („[Eric] ging zur Schule, um Menschen zu töten und es war ihm egal, ob er sterben würde, während Dylan sterben wollte und es ihm egal war, ob andere ebenfalls sterben würden.“)

Harris[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut Cullen, der sich auf das vom FBI erstellte Profil beruft, sei die Aufzählung von Harris’ Charaktereigenschaften wie eine Rezitation von Robert D. Hares Psychopathie-Checkliste: Er sei gefühllos, kalkulierend, arglistig, manipulativ, egozentrisch, empathielos und oberflächlich charmant gewesen.[67] Andere Autoren sehen Harris’ Charakterisierung als Psychopath kritischer, unter anderem weil er nicht zu Lebzeiten dahingehend untersucht wurde.[68] Laut Ralph Larkin, dem Autor von Comprehending Columbine, spreche gegen die Psychopathie-Diagnose, dass Harris von Zeitgenossen als empathiefähig und hilfsbereiter Freund beschrieben wurde.[69] Der Autor Jeff Kass argumentiert, dass Harris durchaus Gefühle wie Traurigkeit, Einsamkeit sowie Depression gezeigt und sich um das Schicksal seiner Eltern nach dem Amoklauf gesorgt habe. Auch seien aus seiner Kindheit keine Verhaltensauffälligkeiten wie beispielsweise Tierquälerei bekannt.[70]

Der Psychologe und Autor Peter Langman ist der Auffassung, dass Harris an einer antisozialen Persönlichkeitsstörung (APS)[71] gelitten habe. Er habe gesellschaftliche Werte und Moralvorstellungen abgelehnt, eine Vielzahl an kriminellen Verhaltensweisen an den Tag gelegt und sei ein gewohnheitsmäßiger Lügner gewesen. Sein manipulatives Wesen habe sich beispielsweise gezeigt, als er sich in einem Brief an das Opfer des Einbruchsdiebstahls reuig zeigte und um Entschuldigung bat, während er ihm in seinem Tagebuch selbst die Schuld gab.[72] Laut Langman lassen Harris’ Aufzeichnungen des Weiteren auf eine narzisstische Persönlichkeit schließen. Er habe ein gesteigertes Bedürfnis nach Anerkennung gehabt und durch den Aufbau einer Fassade von Überlegenheit versucht, sein geringes Selbstbewusstsein zu kompensieren, das nach Langmans Vermutung von seiner Thoraxdeformität herrührte. Sein Narzissmus habe zudem die Grenze zum Größenwahn überschritten, was sich beispielsweise daran zeige, dass er den geplanten Anschlag mit dem Zweiten Weltkrieg verglich: “[It] will be like the LA riots, the Oklahoma Bombing, WWII, Vietnam … all mixed together.” („[Es] wird wie eine Mischung aus den Unruhen von L.A., dem Bombenanschlag von Oklahoma, dem Zweiten Weltkrieg, Vietnam …“).[73] Darüber hinaus wurden Harris sadistische Charakterzüge attestiert, da er seine Opfer verhöhnt und schikaniert sowie in seinem Tagebuch über Folter- und Vergewaltigungsfantasien geschrieben habe.[74]

Klebold[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klebolds Depression, der er durch gelegentlichen Alkoholmissbrauch zu entfliehen versuchte, habe sich – wie bei vielen anderen Amokläufern – letztlich in seiner Wut manifestiert. Post mortem wurde bei ihm eine selbstunsicher-vermeidende und passiv-aggressive Persönlichkeitsstörung diagnostiziert. Auch ihm wurden aufgrund seines Verhaltens während des Amoklaufs sadistische Tendenzen nachgesagt.[75] Langman ist der Auffassung, dass Klebold im Laufe der Zeit eine schizotypische Persönlichkeitsstörung entwickelt habe. Zwar habe er nicht an voll ausgeprägten Wahnvorstellungen gelitten, in seinen Tagebüchern habe er sich jedoch so weit in seinen Fantasien verloren, dass die Grenzen zur Realität verschwommen seien. In seiner äußeren Erscheinung sei Klebold ein schüchterner, aber normaler Teenager mit Zukunftsplänen gewesen, der am gesellschaftlichen Leben teilgenommen habe. Seine Tagebücher würden hingegen eine einsame, verwirrte, niedergeschlagene und selbstkritische Person offenbaren, die sich in ihrer Fantasie aber zugleich zu einem gottgleichen Wesen erhöht habe. Langman ist zudem der Ansicht, dass Klebold alles getan habe, um Harris’ Anerkennung zu gewinnen. Während des Amoklaufs habe es aber mehrere Gelegenheiten gegeben, bei denen Klebold potenzielle Opfer verschont habe – dies sei jedoch nur vorgekommen, wenn Harris nicht in der Nähe gewesen sei.[76]

Täterdynamik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der erstellten Profile wird Harris in den Medien und von vielen Autoren oft als die treibende Kraft hinter dem Amoklauf porträtiert, während Klebold als Mitläufer dargestellt wird.[77] Viele Experten gehen jedoch davon aus, dass keiner der beiden Amokläufer die Tat ohne den anderen begangen hätte. Die Präsenz des anderen habe sie in ihrem Vorhaben bestärkt und gleichzeitig habe sie verhindert, dass einer von ihnen vom Plan zurückgetreten sei.[78]

Tatmotiv: Rache vs. Ruhm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die Beweggründe der Täter wurde intensiv spekuliert, sie konnten jedoch nicht mit Gewissheit geklärt werden. In den Medien wurde insbesondere Rache für das erlittene Mobbing, mangelnde soziale Akzeptanz und Ausgrenzung als mögliches Tatmotiv diskutiert. Während des Amoklaufs sollen die Täter mehrmals sinngemäß gesagt haben: “This is for what you did to us.”[79] („Dies ist für das, was ihr uns angetan habt.“) Auf einem der Basement Tapes äußerte Harris zudem: “Isn’t it fun to get the respect that we’re going to deserve?” („Ist es nicht toll, den Respekt zu bekommen, den wir verdienen?“)[80]

Viele Experten und Autoren, darunter Langman, sind jedoch der Auffassung, dass der Mobbing-Faktor von den Medien überbewertet wurde: “[…] the extent that Eric and Dylan were bullied has been exaggerated, and their harassment and intimidation of other students has been overlooked or minimized […] It has been said that bullying was so rampant at Columbine High School that the school had a toxic culture. Even if it did, that does not tell us why, out of the thousands of students who passed through that toxic culture, it was Eric Harris and Dylan Klebold who went on a murderous rampage.” („[…] das Ausmaß, in dem Eric und Dylan schikaniert wurden, wurde übertrieben und ihre Belästigung und Einschüchterung anderer Schüler wurde übersehen oder bagatellisiert […] Es wurde gesagt, dass Mobbing an der Columbine High School so weit verbreitet war, dass die Schule eine vergiftete Kultur hatte. Selbst wenn dem so war, sagt uns das nicht, warum ausgerechnet Eric Harris und Dylan Klebold von den Tausenden von Schülern, die durch diese vergiftete Kultur gegangen sind, Amok gelaufen sind.“)[81]

Die ermittelnden Behörden sahen das Rachemotiv ebenfalls kritisch, weil die Täter nicht gezielt ihre Peiniger attackiert hatten und von keinem der getöteten Opfer gemobbt worden waren. Vielmehr kamen die Ermittler zu dem Schluss, dass das Motiv für den Amoklauf das Streben nach Ruhm war. Aus ihren Äußerungen in den von ihnen hinterlassenen Videoaufnahmen werde deutlich, dass sich Harris und Klebold bewusst waren, dass sie durch den Amoklauf zu Berühmtheiten würden; so meinte Klebold in einem der Videos: “Directors will be fighting over this story.”[82] („Regisseure werden um diese Geschichte kämpfen.“) Der FBI-Agent Mark Holstlow erklärte: “[They] wanted to immortalize themselves […] They wanted to be famous. And they are. They’re infamous.”[83] („[Sie] wollten sich unsterblich machen. Sie wollten berühmt sein. Und das sind sie. Sie sind berüchtigt.“)

Larkin ist der Meinung, dass es den Tätern sowohl um Ruhm als auch Rache ging. Während der Schießerei hätten sie zwar keine bestimmten Personen ausgewählt, sie hätten die Bomben aber unter den Tischen in der Cafeteria platziert, an denen üblicherweise die Jocks ihrer Schule saßen. Obwohl sie nur von diesen gemobbt worden seien, hätten sie all ihren Mitschülern die Schuld an ihrem niedrigen sozialen Status gegeben.[84] Ihre Tat weise zudem einen politischen Charakter auf. Harris und Klebold hätten verstanden, dass ihr Schmerz und ihre Erniedrigung von Millionen anderer Schüler geteilt wurden und ihren Angriff im Namen eines größeren Kollektivs durchgeführt.[85]

Folgen der Tat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Traumabewältigung der Betroffenen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nach der Tat renovierte Treppe zum Westeingang mit Blick auf die neue Bibliothek der Columbine High School.

Nach dem Amoklauf zogen die Schüler der Columbine High School für die verbleibende Zeit des Schuljahres in die nahegelegene Chatfield High School um.[86] Unterdessen wurden am Schulgebäude sämtliche Schäden und Spuren beseitigt, die an die Tat erinnerten. Im Rahmen der Renovierung, deren Kosten sich auf 1,2 Mio. US-Dollar beliefen, wurde die Treppe zum Westeingang neu gestaltet, die ursprüngliche Bibliothek vollständig entfernt und die darunter liegende Cafeteria in ein zweistöckiges Atrium umgewandelt. Der Signalton des Feueralarms, der am Tattag stundenlang im Schulgebäude zu hören war, wurde ebenfalls geändert, um den Schülern ein fortwährendes Wiedererleben der Ereignisse zu ersparen.[87] Am 16. August 1999 kehrten die Schüler der Columbine High an ihre Schule zurück, deren Personal um zwei psychologische Berater aufgestockt wurde. Der Wiedereröffnung ging eine Versammlung unter dem Motto Take back the school („Die Schule zurückerobern“) voraus, an der rund 2.000 Menschen teilnahmen.[88] Im Juni 2001 wurde die neue, durch Spendengelder finanzierte Bibliothek eingeweiht.[89]

Viele Opfer trugen durch ihre Schussverletzungen bleibende Schäden und Behinderungen davon. Die Höhe der Kosten ihrer medizinischen Versorgung und Rehabilitation belief sich im Einzelfall auf bis zu siebenstellige Summen. Finanzielle Unterstützung erhielten die Opfer und Hinterbliebenen aus einem Spendenfonds in Höhe von 3,8 Mio. US-Dollar. Ein Teil der Spenden wurde zudem für Traumatherapien zur Verfügung gestellt. Zahlreiche Überlebende des Amoklaufs litten teilweise noch Jahre nach der Tat am Überlebensschuld-Syndrom und anderen Formen der posttraumatischen Belastungsstörung.[90]

Die Medien begleiteten die Schicksale mehrerer Opfer und Hinterbliebener über Jahre hinweg und berichteten beispielsweise über Sean Graves’ Genesung von seiner Querschnittslähmung oder die im Rollstuhl sitzende Anne Marie Hochhalter, deren Mutter sich ein halbes Jahr nach der Tat das Leben nahm.[91]

Strafverfahren und Zivilklagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Eltern der Täter wurden strafrechtlich nicht belangt. Mark Manes, der dem minderjährigen Klebold die TEC-DC9 besorgt hatte, wurde im November 1999 zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Im Jahr 2003 wurde er auf Bewährung aus der Haft entlassen. Philip Duran, der den Kontakt zwischen den Tätern und Manes hergestellt hatte, wurde zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Robyn Anderson, die Harris und Klebold die Gewehre auf einer Waffenausstellung von Privatleuten besorgt hatte, konnte strafrechtlich nicht belangt werden, weil es zum damaligen Zeitpunkt in Colorado nicht illegal war, Gewehre an Minderjährige weiterzureichen. Das nach dem Amoklauf erlassene sogenannte „Robyn-Anderson-Gesetz“ verlangt nunmehr für die Weitergabe die Zustimmung eines Erziehungsberechtigten.[92]

Nach dem Amoklauf reichten zahlreiche Überlebende und Hinterbliebene der getöteten Opfer Zivilklagen auf Schadensersatz und Schmerzensgeld ein, die sich teilweise über Jahre hinzogen. Zu den Beklagten gehörten unter anderem das Sheriff’s Office und die Schulbehörde von Jefferson County, Manes, Duran und Anderson sowie die Eltern der Täter. Die Kläger warfen der Polizei vor, nicht entschlossen genug gegen die beiden Amokläufer vorgegangen zu sein und waren der Ansicht, dass das Massaker in der Bibliothek durch zügigeres Einschreiten der Einsatzkräfte hätte verhindert werden können. Die Klagen gegen die Behörden von Jefferson County wurden im November 2001 zunächst abgewiesen. In der Berufung wurden den Klägern jeweils 15.000 US-Dollar zugesprochen und die Verfahren für erledigt erklärt. Nur Patrick Ireland und den Hinterbliebenen von Dave Sanders wurden – ohne Schuldanerkenntnis – höhere Summen (117.500 US-Dollar bzw. 1,5 Mio. US-Dollar) gezahlt.[93]

Den Eltern der Täter wurde vorgeworfen, sich nicht ausreichend um ihre Söhne gekümmert und Warnsignale übersehen zu haben. Im April 2001 schlossen die Eltern der Täter mit über 30 Opferfamilien einen Vergleich über 1,6 Mio. US-Dollar. Die Summe wurde gleichmäßig auf die Kläger verteilt und stammte aus den Hauseigentümerversicherungen der Beklagten, wobei der Versicherer der Klebolds 1,3 Mio. US-Dollar zahlte und die Versicherung der Familie Harris die restlichen 300.000 US-Dollar übernahm. Die verklagten Freunde der Täter steuerten insgesamt weitere 1,3 Mio. US-Dollar bei. Fünf Opferfamilien lehnten den Vergleich ab, da sie von den Eltern der Täter Aufklärung verlangten, damit derartige Taten in Zukunft verhindert werden könnten. Die Klebolds und Harrises erklärten sich schließlich bereit, im Juli 2003 unter Eid sowie unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor Gericht auszusagen. Die protokollierten Aussagen wurden per Gerichtsbeschluss versiegelt und werden der Öffentlichkeit erst im Jahr 2027 zugänglich gemacht.[93]

Präventionsmaßnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erhöhung der Sicherheitsvorkehrungen an Schulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Schulmassaker von Littleton erhöhten zahlreiche US-amerikanische Schulen ihre Sicherheitsvorkehrungen. Zu den ergriffenen Maßnahmen gehörten die Installation von Videoüberwachungsanlagen, verstärkte Präsenz von Wachpersonal oder Polizeipatrouillen, die Schließung der Eingänge zum Schulgebäude während des Unterrichts sowie Ausweispflichten für Besucher. Viele Schulen etablierten außerdem Verhaltensregeln für den Fall eines Amoklaufs sowie regelmäßige Amokalarmübungen.[94] Darüber hinaus wurde vielerorts eine Nulltoleranzstrategie bezüglich des Waffenbesitzes auf dem Schulgelände oder der Bedrohung von Mitschülern eingeführt, nach der schon bei einem geringen Verstoß ein Schulverweis ausgesprochen oder eine psychologische Untersuchung angeordnet werden kann.[95]

Änderung der Polizeitaktik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Amoklaufs war die Polizei den damals gültigen Handlungsleitlinien gefolgt, hatte das Gebäude eingekesselt und auf das SWAT-Team gewartet. Nach dem Angriff auf die Columbine High School wurde eine nationale Arbeitsgruppe mit der Entwicklung einer neuen Strategie beauftragt, die im Jahr 2003 das Active Shooter Protocol veröffentlichte. Dieses sieht nunmehr im Fall eines „aktiven Schützen“ (im Gegensatz zum nicht schießenden Geiselnehmer) ein sofortiges Einschreiten der Polizei vor. Die Beamten werden darauf trainiert, den Schützen so schnell wie möglich zu neutralisieren und sich erst um die verletzten Opfer zu kümmern, wenn dieses Ziel erreicht ist. Laut Dave Cullen, dem Autor von Columbine, haben sich die neuen Leitlinien bereits bei mehreren Schießereien als erfolgreich erwiesen und Leben gerettet.[96]

Suche nach Ursachen und Mitverantwortlichen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mobbing und soziales Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele Schüler der Columbine High School berichteten nach dem Amoklauf, dass Mobbing an ihrer Schule zum Alltag gehörte und von der Schulleitung und Lehrerschaft weitgehend ignoriert oder toleriert wurde, da es sich bei den Mobbing-Tätern meist um erfolgreiche Sportler handelte, die von den Lehrern bevorzugt behandelt wurden.[97] Brooks Brown beschrieb die Situation später wie folgt: “If people wanted to know what Columbine was like, I’d tell them […] about the bullies […] who picked relentlessly on anyone they considered to be below them. The teachers turned a blind eye to the brutalization of their pupils, because they weren’t the favorites.”[98] („Wenn die Leute wissen wollten, wie Columbine war, erzählte ich ihnen von den Mobbern, die sich unerbittlich auf jeden stürzten, von dem sie glaubten, dass er unter ihnen stünde. Die Lehrer haben die Augen vor dem Missbrauch ihrer Schüler verschlossen, weil sie nicht die Favoriten waren.“)

Einige Schüler und Eltern vertraten die Auffassung, dass das unterlassene Einschreiten der Lehrer und die ungleiche Behandlung von Schülern dazu beigetragen habe, dass Harris und Klebold Rachefantasien entwickelt hätten.[99] Brown äußerte: “Eric and Dylan are the ones responsible for creating this tragedy, however, Columbine is responsible for creating Eric and Dylan.”[98] („Eric und Dylan sind für diese Tragödie verantwortlich, aber Columbine ist verantwortlich für Eric und Dylan.“)

Eine im Jahr 2000 anberaumte behördliche Untersuchung des sozialen Klimas an der Columbine High School bestätigte den Wahrheitsgehalt der Mobbing-Berichte, kam jedoch auch zu dem Ergebnis, dass nur wenige dieser Vorfälle an die Schulverwaltung gemeldet wurden, weshalb das Ausmaß der Gewalt von dieser unterschätzt wurde.[100] Zahlreiche US-Schulbezirke reagierten nach dem Amoklauf mit der Einführung neuer oder Verschärfung bereits bestehender Anti-Mobbing-Richtlinien auf das Problem. Darüber hinaus verabschiedeten 44 US-Bundesstaaten Gesetze, welche die Schulen zur Einführung von Anti-Mobbing-Programmen verpflichteten.[101]

Erziehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Eltern der Täter waren nach dem Amoklauf massiver Kritik sowie zahlreichen Schuldzuweisungen und Anfeindungen durch die Öffentlichkeit ausgesetzt. Ihnen wurde unter anderem mangelnde elterliche Fürsorge und das Übersehen von Warnsignalen vorgeworfen. Laut einem Umfrageergebnis glaubten 83 Prozent der befragten US-Amerikaner, dass die Eltern eine Mitschuld treffe.[102] Während sich Wayne und Katherine Harris nie öffentlich zum Amoklauf ihres Sohnes und der Kritik an ihnen äußerten, bezogen die Klebolds im Mai 2004 erstmals Stellung in einem Interview mit der New York Times und erklärten, dass ihr Sohn die Tat nicht wegen, sondern entgegen seiner Erziehung begangen habe.[102]

Wider der Erwartung vieler stammten die Täter nicht aus zerrütteten Familienverhältnissen. Freunde und Bekannte ihrer Familien beschrieben sowohl Wayne und Katherine Harris als auch Thomas und Sue Klebold als aufmerksame, besorgte und engagierte Eltern, die auf Fehlverhalten ihrer Kinder mit üblichen Erziehungsmaßnahmen wie Hausarrest oder der Einschränkung von Privilegien reagiert hätten. Beide Täter äußerten auf den Basement Tapes ihre Wertschätzung für ihre Eltern und dass sie keine Schuld treffe.[103]

Im Jahr 2009 veröffentlichte Oprah Winfreys O-Magazin Sue Klebolds Essay I will never know why („Ich werde niemals wissen warum“), in dem sie schreibt, nicht geahnt zu haben, dass ihr Sohn depressiv und suizidal war.[104] Ein weiteres Interview gewährten die Klebolds im Jahr 2012 für Andrew Solomons Buch Weit vom Stamm.[105] Im Jahr 2016 erschienen Sue Klebolds Memoiren Liebe ist nicht genug, in denen sie versucht, Erklärungen für das Handeln ihres Sohnes und Antworten darauf zu finden, wie die Tat hätte verhindert werden können. Ihr Versagen sieht sie darin, die Anzeichen der Depression ihres Sohnes nicht erkannt zu haben. Die Erlöse des Buches spendet Klebold für die Suizidprävention, für die sie sich seit dem Amoklauf engagiert.[106] Das Vorwort zum Buch lieferte Solomon, der schrieb: „[Ich ging davon aus], dass ihre Geschichte unzählige eindeutige Erziehungsfehler zutage fördern würde. Ich wollte die Klebolds nicht mögen, denn dann müsste ich mir eingestehen, dass sie an den Geschehnissen keine Schuld trügen, und wenn sie keine Schuld trügen, könnte sich keiner von uns je sicher fühlen. Leider mochte ich sie jedoch sehr. Und ich kam zu dem Schluss, dass der Horror des Columbine-Massakers aus jedem Zuhause hätte entspringen können.“[107]

Fiktionale Gewalt in Computerspielen und Filmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Amoklauf wurde von Forschern und Politikern debattiert, dass die Täter durch den Konsum fiktionaler Gewalt zu dem Amoklauf verleitet worden seien. Beide Täter hatten eine Vorliebe für den Film Natural Born Killers gezeigt – dessen Abkürzung „NBK“ sie als Codewort für den geplanten Anschlag auf ihre Schule verwendeten – und sich in ihrer Freizeit häufig mit gewaltdarstellenden Computerspielen wie Doom oder Mortal Kombat beschäftigt. Harris hatte eine der von ihm bei der Tat verwendeten Schusswaffen nach einem Doom-Charakter benannt[108] und in einem Schulaufsatz geschrieben: “Doom is so burned into my head my thoughts usually have something to do with the game … What I can’t do in real life, I try to do in Doom.”[109] („Doom ist so in meinen Kopf eingebrannt, dass meine Gedanken normalerweise etwas mit dem Spiel zu tun haben … Was ich im realen Leben nicht tun kann, versuche ich in Doom zu tun.“)

Während einige nach der Tat durchgeführte Studien zu dem Ergebnis kamen, dass gewaltdarstellende Medien bei Jugendlichen die Feindseligkeit gegenüber anderen erhöhen und ihre Hemmschwelle zur Gewalt sowie ihr Empathievermögen verringern können, fanden andere Forscher keine belastbaren Belege dafür, dass aggressives und gewalttätiges Verhalten auf den Konsum gewaltdarstellender Computerspiele zurückgeführt werden kann.[110]

Mit der Behauptung, dass es ohne den Einfluss fiktionaler Gewalt nicht zu dem Amoklauf gekommen wäre, verklagten einige Opfer-Angehörige mehrere Computerspiel-Hersteller und andere Unternehmen der Unterhaltungsindustrie auf eine Entschädigungssumme von fünf Milliarden US-Dollar; die Klage wurde jedoch mit dem Argument der künstlerischen Freiheit vom Gericht abgewiesen.[108][111]

Angesichts der öffentlichen Debatte erhielt der Spielfilm Killing Mrs. Tingle („Tötet Frau Tingle“), der kurz nach dem Amoklauf in den US-Kinos angelaufen war, kurzfristig den alternativen Titel Teaching Mrs. Tingle (sinngemäß „Erzieht Frau Tingle“). Im Jahr 2005 erschien das Computer-Rollenspiel Super Columbine Massacre RPG!, in dem der Amoklauf an der Columbine High School aus der Sicht der Täter nachgespielt werden kann, was in den USA zu landesweiter Empörung und massiver Kritik führte.[112]

Gothic-Kultur und Liedtexte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In frühen Medienberichten wurde behauptet, dass die Täter Mitglieder der sogenannten Trench Coat Mafia gewesen seien. Hierbei handelte es sich um eine Gruppe von Außenseitern, die meist lange schwarze Mäntel trugen, mit der Gothic-Kultur in Verbindung gebracht wurden und oft im Konflikt mit den Jocks der Schule standen. Die Medien spekulierten daher, dass die Tat ein Vergeltungsakt für soziale Ausgrenzung gewesen sei. Obwohl Harris und Klebold ebenfalls häufig schwarze Mäntel zur Schule trugen und mit einigen Mitgliedern der Trench Coat Mafia befreundet waren, gehörten sie jedoch weder der Gruppe an, noch waren sie Goths. Gleichwohl führte die Berichterstattung dazu, dass der Gothic-Bewegung und Schülern, die sich entgegen dem Mainstream kleideten, mit zunehmendem Misstrauen und Anfeindungen begegnet wurde.[113]

Da Harris und Klebold die Musik von Metal- und Rock-Bands wie Rammstein oder KMFDM gehört hatten, kam in den Medien der Vorwurf auf, dass sie von deren gewaltthematisierenden Liedtexten beeinflusst worden seien. Sascha Konietzko von KMFDM veröffentlichte daraufhin eine Erklärung, in der er mitteilte, dass die Gruppe Krieg, Unterdrückung, Faschismus und Gewalt gegen andere verurteile.[114] Obwohl sich später herausstellte, dass die Täter nicht zu seinen Fans gehörten, wurde insbesondere Marilyn Manson, Frontmann der gleichnamigen Band, durch eine Reihe von Schlagzeilen wie „Killers Worshipped Rock Freak Manson“ („Killer verehrten Rock Freak Manson“) oder „Devil-Worshipping Maniac Told Kids To Kill“ („Teufelsanbetender Irrer befahl Kids zu töten“) mit dem Amoklauf in Verbindung gebracht.[115]

Wenige Tage nach der Tat cancelte die Band aus Respekt vor den Opfern die restlichen US-Konzerte ihrer Rock Is Dead-Tour und Manson erklärte: “The media has unfairly scapegoated the music industry and so-called Goth kids and has speculated, with no basis in truth, that artists like myself are in some way to blame. This tragedy was a product of ignorance, hatred and an access to guns. I hope the media’s irresponsible finger-pointing doesn’t create more discrimination against kids who look different.”[116] („Die Medien haben die Musikindustrie und sogenannte Gothic-Kids unfairerweise zu Sündenböcken gemacht und ohne wirkliche Grundlage gemutmaßt, dass Künstler wie ich in gewisser Weise verantwortlich seien. Diese Tragödie war das Produkt von Ignoranz, Hass und einem Zugang zu Waffen. Ich hoffe, dass das unverantwortliche Fingerzeigen der Medien nicht dazu führt, dass Kids, die anders aussehen, noch mehr diskriminiert werden.“)

Auf ihrem 2000 erschienenen Album Holy Wood verarbeiteten Marilyn Manson den Amoklauf unter anderem in dem Song The Nobodies, der von School Shootern und ihrem Verlangen nach Anerkennung handelt.[117]

US-Waffenrecht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Amoklauf kritisierten Politiker und Aktivisten der Anti-Waffen-Bewegung die mangelhafte Waffenkontrolle in den USA, die es den minderjährigen Tätern ermöglicht hatte, ohne größere Hürden an Schusswaffen zu gelangen. Daraufhin wurden landesweit über 800 Gesetzesentwürfe zur Verschärfung des Waffenrechts eingebracht, von denen jedoch nur circa zehn Prozent erfolgreich waren. Während auf Bundesebene sämtliche Gesetzesentwürfe im Kongress scheiterten, wurden in Colorado sechs Gesetzesentwürfe verabschiedet, durch die unter anderem ein Background-Check-System eingeführt und Waffenkäufe durch Strohmänner verboten wurden.[118]

Trotz Protests aus der Bevölkerung fand am 1. Mai 1999 – elf Tage nach dem Amoklauf – die nationale Jahresversammlung der National Rifle Association (NRA) in Denver statt, woraufhin es zu einer Anti-Waffen-Demonstration von rund 8.000 Menschen kam. Zu den Demonstranten gehörte auch Tom Mauser, der ein Schild hochhielt mit der Aufschrift “My son Daniel died at Columbine. He’d expect me to be here today.” („Mein Sohn Daniel starb an der Columbine. Er würde von mir erwarten, heute hier zu sein.“) Weiter sagte er: “There are reasonable gun owners, many. But the time has come to understand that a TEC-9 semiautomatic weapon […] is not used to kill dear.” („Es gibt viele verantwortungsvolle Waffenbesitzer. Aber es ist an der Zeit zu begreifen, dass eine halbautomatische TEC-9-Waffe […] nicht zur Wildjagd genutzt wird.“) Charlton Heston, der damalige Präsident der NRA, zeigte sich angesichts des Protests enttäuscht, da der Waffen-Lobby dadurch seiner Auffassung nach Komplizenschaft unterstellt würde: “It implies that 80 million honest gun owners are somehow to blame.”[119] („Es impliziert, dass 80 Millionen redliche Waffenbesitzer irgendwie Schuld seien.“)

Der Filmemacher Michael Moore nutzte die Ereignisse an der Columbine High School als Aufhänger für seinen 2002 erschienenen Oscar-prämierten Dokumentarfilm Bowling for Columbine, in dem er die Gründe der Waffengewalt in den USA hinterfragt. In einer Szene des Films begleiten ihn die überlebenden Opfer Richard Castaldo und Mark Taylor zur Supermarktkette Kmart, wo die Täter ihre Munition erstanden hatten, und geben in einem symbolischen Akt die Kugeln zurück, die in ihren Körpern gesteckt hatten. Kmart reagierte, indem es landesweit den Verkauf von Munition einstellte.[120]

„Columbine-Effekt“: Einfluss auf spätere Amokläufer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem Amoklauf an der Columbine High School lässt sich ein signifikanter Anstieg an School Shootings verzeichnen.[121] Allein in den USA wurden in der Zeit von April 1999 bis Mai 2018 über 215.000 Schüler Zeuge einer Schulschießerei; viele von ihnen leiden dauerhaft unter dem erlittenen Trauma.[122] Während sich derartige Vorfälle bis 1999 fast ausschließlich in den USA ereigneten, kam es nach dem Amoklauf an der Columbine High School auch zu einer schlagartigen, weltweiten Ausbreitung des Phänomens.[123] Experten führen den Anstieg auf Nachahmungstäter zurück, die sich den Columbine-Amoklauf zum Vorbild nehmen oder ihn übertreffen wollen. In vielen Fällen handele es sich um junge, zum Teil psychisch gestörte Männer, die sich gemobbt, ausgegrenzt oder missverstanden fühlen und sich auf diese Weise an der Gesellschaft rächen oder Anerkennung verschaffen wollen.[124]

Eine von ABC News durchgeführte Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass bis zum Jahr 2014 allein in den USA mindestens 17 Amokläufe und weitere 36 vereitelte Angriffe auf Bildungseinrichtungen vom Schulmassaker von Littleton inspiriert wurden, darunter die Amokläufe an der Virginia Tech im Jahr 2007 und der Sandy Hook Elementary School im Jahr 2012.[125] Auch die Täter der Schulmassaker von Parkland und Santa Fe, die sich beide im Jahr 2018 ereigneten, nahmen sich den Columbine-Amoklauf zum Vorbild. Viele der späteren Amokläufer gaben an, sich mit den Tätern von Columbine zu identifizieren oder sie zu bewundern, so beispielsweise Pekka-Eric Auvinen und der Amokläufer von Emsdetten, der Harris in seinem Tagebuch als „Gott“ bezeichnete.[126] Vielfach wird daher auch vom „Columbine-Effekt“ gesprochen.[127]

Die Columbine-Täter sagten selbst vorher, dass sie Nachahmungstäter inspirieren würden. So meinte Klebold in einem der Basement Tapes: “I know we’re gonna have followers, because we’re so fucking Godlike.”[128] („Ich weiß, dass wir Nachfolger haben werden, weil wir so verdammt gottgleich sind.“) Harris äußerte: “We’re going to kick-start a revolution.”[128] („Wir werden eine Revolution starten.“)

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Soziokulturelle Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund seiner weitreichenden Folgen gilt der Amoklauf an der Columbine High School als Wendepunkt in der US-amerikanischen Kultur.[129] Die Tat erschütterte die Gesellschaft in ihrem normativen Fundament und führte zu einer Periode sozial-moralischer Instabilität sowie Verunsicherung und Ängsten in der Bevölkerung.[130] Zwar handelte es sich nicht um den ersten High-School-Amoklauf, zum damaligen Zeitpunkt war es jedoch die tödlichste Schulschießerei in der Geschichte der USA.[129] Sie war zudem die erste Tat ihrer Art, die durch ein bis dahin beispielloses Ausmaß an Planung und Vorbereitung gekennzeichnet war und von Experten und Medien als Terrorakt charakterisiert wurde.[131] Im Zeitraum zwischen dem Bombenanschlag von Oklahoma City im Jahr 1995 und den Terroranschlägen vom 11. September 2001 handelte es sich um den Massenmord mit den meisten Todesopfern auf US-Territorium.[132]

Während frühere Schul-Amokläufe überregional kaum Beachtung gefunden hatten und als isolierte Vorfälle betrachtet worden waren, führte die enorme Berichterstattung durch die Massenmedien dazu, dass der Columbine-Amoklauf zur „nationalen Angelegenheit“ wurde und School Shootings als wachsendes gesellschaftliches Problem wahrgenommen wurden. Landesweit wurden die Flaggen auf halbmast gesetzt und US-Präsident Bill Clinton sprach das Ereignis im Rahmen einer Pressekonferenz an die Nation an.[133] Die damalige US-Justizministerin Janet Reno meinte: “[…] no one is immune from this violence, […] America must come together as never before and really focus on helping children grow in strong and positive ways.”[134] („[…] niemand ist gegen diese Gewalt immun […] wie nie zuvor muss Amerika zusammenkommen und sich wirklich darauf konzentrieren, Kindern zu helfen, sich auf stabile und positive Weise zu entwickeln.“)

Die Tat ist zum Archetyp des School Shootings geworden, an dem noch immer alle späteren Amokläufe gemessen werden, obwohl es seither mehrere Schulschießereien mit höheren Opferzahlen gegeben hat.[135] Während der Ausdruck „going postal“ in den USA umgangssprachlich für den Amoklauf am Arbeitsplatz verwendet wird, sind „Columbine“ und „doing a Columbine“ zum Synonym für den Schul-Amoklauf geworden.[136] Für US-amerikanische Schüler, die nach dem 20. April 1999 geboren wurden, prägten die Medien den Begriff „Generation Columbine“, da sie nie eine Welt ohne Schulschießereien erlebt haben.[137]

Mediale Berichterstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Amoklauf an der Columbine High School wurden School Shootings zum Medienphänomen.[138] Nach der O. J. Simpson-Verfolgungsjagd im Juni 1994 war die Tat das Live-Nachrichtenereignis der 1990er Jahre, über das am zweitmeisten berichtet wurde.[129] Laut CNN handelte es sich im Jahr 1999 um die US-Nachricht mit den höchsten Einschaltquoten und bei einer Umfrage des Pew Research Centers aus demselben Jahr gaben 68 Prozent der befragten US-Amerikaner an, die Berichterstattung über den Amoklauf aufmerksam zu verfolgen.[139]

Die Meldung über Schüsse an der Columbine High School wurde binnen einer halben Stunde von sämtlichen Nachrichtensendern des Landes verbreitet und viele Unterhaltungssender unterbrachen ihr reguläres Programm, um live nach Littleton zu schalten. CNN beendete um 11:54 Uhr (UTC−7) seine Berichterstattung über die NATO-Angriffe im Kosovokrieg und berichtete bis zum Abend ohne Unterbrechung aus Colorado.[140] Schätzungen zufolge befanden sich bis zu 500 Reporter, zwischen 75 und 90 Satellitensendewagen sowie 60 Fernsehkameras von US-amerikanischen und 20 ausländischen Fernsehteams vor Ort. Zwölf Stunden nach Beginn des Amoklaufs hatten das Jefferson County Sheriff’s Office bereits über 300 Medien-Anfragen aus 60 Ländern erreicht.[141]

Kameras filmten die aus der Schule Flüchtenden, Reporter interviewten geschockte und weinende Schüler und Fernsehteams positionierten sich vor den Krankenhäusern der Gegend, um das Eintreffen der zu versorgenden Opfer zu dokumentieren. Da die Notrufleitungen permanent besetzt waren, riefen viele Schüler, die sich noch in der Schule versteckt hielten, bei den Fernsehanstalten an, woraufhin sie live im Fernsehen interviewt wurden.[142] Aus einem über der Schule kreisenden Hubschrauber fing eine Fernsehkamera das Bild der Leiche von Daniel Rohrbough ein. Eine andere Aufnahme zeigte ein Schild mit der Aufschrift “1 BLEEDING TO DEATH” („1 VERBLUTET“), das Schüler in einem der Schulfenster aufgestellt hatten, um Rettungskräfte auf den kritischen Zustand und den Aufenthaltsort des schwerverletzten Dave Sanders aufmerksam zu machen. Auch der Fall des schwerverletzten Patrick Ireland aus dem Fenster der Bibliothek in die Arme von Rettungskräften wurde live im Fernsehen übertragen.[143]

Da die Behörden während der laufenden Ermittlungen wenig zum Tatablauf und der Motivation der Täter bekanntgaben, stellten die Medien zahlreiche Spekulationen an und verbreiteten eine Reihe von Falschinformationen, die sich zum Teil jahrelang im gesellschaftlichen Gedächtnis hielten.[144] So wurde beispielsweise von vielen Medien anfänglich berichtet, dass Cassie Bernall auf Harris’ Frage, ob sie an Gott glaube, mit „ja“ geantwortet habe, woraufhin er sie erschossen habe. Bernall wurde daraufhin zur Vorzeigechristin der Evangelikalen Bewegung und ihre Mutter verfasste ein Buch über den angeblichen Märtyrertod ihrer Tochter, das zum Bestseller wurde. Später stellte sich jedoch heraus, dass die bereits angeschossene Valeen Schnurr diejenige war, die ihren Glauben an Gott bejaht hatte.[145]

Die Medien fokussierten sich insbesondere auf die Täter – deren Identität am Abend des Tattages bekannt gegeben worden war –, die Details aus ihrem Leben und die Frage nach ihrer Motivation sowie den Ursachen der Tat.[146] Später wurde die intensive Berichterstattung über die Täter vielfach kritisiert, da sie zur Inspiration von Nachahmungstätern führen könne.[147] So schrieb beispielsweise Marilyn Manson, nachdem das Time-Magazin die Täter im Mai 1999 mit der Schlagzeile The Monsters Next Door („Die Monster von nebenan“) auf seine Titelseite gebracht hatte, in einem Op-Ed für den Rolling Stone: “The name Marilyn Manson has never celebrated the sad fact that America puts killers on the cover of Time magazine, giving them as much notoriety as our favorite movie stars. From Jesse James to Charles Manson, the media, since their inception, have turned criminals into folk heroes. They just created two new ones when they plastered […] Dylan Klebold and Eric Harris’ pictures on the front of every newspaper. Don’t be surprised if every kid who gets pushed around has two new idols.”[117] („Der Name Marilyn Manson war nie eine Huldigung der traurigen Tatsache, dass Amerika Mörder auf das Cover des Time-Magazins bringt und ihnen so viel Bekanntheit wie unseren Lieblingsfilmstars verleiht. Von Jesse James bis Charles Manson haben die Medien seit ihrer Gründung Kriminelle zu Volkshelden gemacht. Gerade haben sie zwei neue geschaffen, indem sie die Vorderseite jeder Zeitung mit den Bildern […] von Dylan Klebold und Eric Harris zukleisterten. Es sollte niemanden überraschen, wenn jedes Kind, das herumgeschubst wird, zwei neue Idole hat.“)

Fangemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem Aufkommen der sozialen Medien hat sich, insbesondere auf der Blogging-Plattform Tumblr, eine weltweit verbreitete Online-Subkultur entwickelt, deren Anhänger überwiegend junge Frauen im Teenageralter oder in den Zwanzigern sind, die sich intensiv mit dem Fall sowie den Tätern beschäftigen und sich selbst als „Columbiner“ bezeichnen. Während einige Columbiner ein rein forensisches Interesse an der Tat haben und sich mit Gleichgesinnten austauschen wollen, reicht die Faszination bei anderen bis hin zum Fankult, bei dem die Täter romantisiert, verklärt und zu Objekten von Fan-Art oder -Fiction gemacht werden. Die Fangemeinde besteht dabei vor allem aus Hybristophilen sowie Menschen, die wie die Täter Erfahrungen mit Mobbing gemacht haben, sich depressiv, suizidal oder als Außenseiter fühlen.[148]

Populärkultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Amoklauf an der Columbine High School und die beiden Täter sind zu Legenden der Populärkultur geworden, die zahlreiche künstlerische Werke inspiriert haben:

  • In dem Film Bang, Bang, Du bist tot (2002) werden die Ereignisse sehr frei an das Massaker der Columbine High School angelehnt.
  • Gus Van Sant ließ Einzelheiten der Vorfälle in seinen 2003 erschienenen Spielfilm Elephant einfließen.
  • Die amerikanische Serie American Horror Story geht in der ersten Staffel Murder House auf den Amoklauf ein. Dort werden Szenen wie das Bibliotheksmassaker und die Frage „Glaubst du an Gott?“ nachgestellt.
  • Eminem rapt in dem Song I’m Back über Columbine.
  • Die Musikgruppe Nightwish geht auf ihrem Album Wishmaster auf den Amoklauf ein und beschreibt in dem Lied The Kinslayer mögliche Empfindungen der beiden Täter.
  • Auf den angeblichen Märtyrertod von Rachel Scott und Cassie Bernall sowie auf Glaubensfragen geht die texanische Band Flyleaf ein, die mit dem Song Cassie die letzten Minuten der beiden Schülerinnen zu beschreiben versucht.
  • Das Lied Pumped Up Kicks der US-amerikanischen Indie-Band Foster the People wurde unter anderem vom Amoklauf an der Columbine High School inspiriert.[149]

Gedenkstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Columbine Memorial

Nach dem Massaker entstand nahe der Schule ein Denkmal mit 15 großen Kreuzen, die mahnend an das Verbrechen an der Columbine High School erinnern sollten. Von empörten Eltern wurden zwei der 15 Kreuze niedergerissen, da diese für Harris und Klebold aufgestellt worden waren. Aus Sorge vor Grabschändungen ließen die Eltern der Täter die Leichen ihrer Söhne einäschern; der Verbleib ihrer Asche wurde nicht öffentlicht bekannt.

Die Grundsteinlegung für ein dauerhaftes Denkmal zum 5. Jahrestag des Amoklaufs musste abgesagt werden, da zu diesem Zeitpunkt anstatt der erforderlichen 2,5 Mio US-Dollar erst 600.000 Dollar zur Verfügung standen. Am 16. Juni 2006 wurde dann in Anwesenheit des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton in einer feierlichen Zeremonie im Clement Park der Grundstein für das Columbine Memorial gelegt. Die Gedenkstätte wurde am 21. September 2007 eingeweiht.

Dokumentationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1999: Columbine: The Lost Boys. BBC Two.
  • 2001: 60 Minutes: Columbine. CBS.
  • 2002: Investigative Reports – Columbine: Understanding Why.
  • 2004: Columbine High School – Protokoll eines Massakers. (Originaltitel: Zero Hour: Massacre at Columbine High.) Dokumentarfilmreihe, Staffel 1, Episode 2.
  • 2006: City in Fear: Columbine. MSNBC.
  • 2007: The Final Report: Columbine Massacre.
  • 2009: 13 Families: Life After Columbine.
  • 2014: Dateline NBC – Columbine: The Road Home. NBC.
  • 2016: 20/20: Silence Broken. A Mother’s Reckoning. ABC-Special, Diane Sawyer im Interview mit Sue Klebold.
  • 2018: We are Columbine.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sachliteratur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dave Cullen: Columbine. Hachette Book Group, New York, NY 2009, ISBN 978-0-446-55221-9 (1. E-Book-Auflage).
  • Joachim Gaertner: Ich bin voller Hass – und das liebe ich. Dokumentarischer Roman. Eichborn Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-8218-5848-7.
  • Jeff Kass: Columbine: A True Crime Story. Conundrum Press, Golden, CO 2014, ISBN 978-1-938633-26-3.
  • Ralph W. Larkin: Comprehending Columbine. Temple University Press, Philadelphia, PA 2007, ISBN 978-1-59213-490-8.
  • Katie Marsico: The Columbine High School Massacre: Murder in the Classroom. Marshall Cavendish Benchmark, Tarrytown, NY 2011, ISBN 978-0-7614-4985-0.
  • Mareike Wilke: Killing For Glory? Ein Amoklauf und seine Hintergründe: Einblicke in das Denken und Handeln der Columbine-Täter. Tectum Wissenschaftsverlag, Marburg 2009, ISBN 978-3-8288-2113-2.

Memoiren von Überlebenden und Angehörigen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Misty Bernall: Cassie. Sie sagte Ja und musste uns viel zu früh verlassen. 17 Jahre mit meiner Tochter. Aus dem Englischen von Christian Rendel. Brunnen Verlag, Gießen 2000, ISBN 3-7655-1645-7; Original: She Said Yes. The Unlikely Martyrdom of Cassie Bernall. The Plough Publishing House, Walden, NY 1999, ISBN 0-87486-987-0.
  • Brooks Brown, Rob Merritt: No Easy Answers: The Truth Behind Death at Columbine. Lantern Books, New York, NY 2002, ISBN 1-59056-031-0.
  • Sue Klebold: Liebe ist nicht genug – Ich bin die Mutter eines Amokläufers. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2016, ISBN 978-3-596-03431-4; Original: A Mother’s Reckoning – Living in the Aftermath of Tragedy. Broadway Books, New York, NY 2016, ISBN 978-1-101-90277-6.
  • Marjorie Lindholm, Peggy Lindblom: A Columbine Survivor’s Story. Regenold Publishing, Littleton, CO 2005, ISBN 0-9773085-0-2.
  • Beth Nimmo, Darrell Scott, Steve Rabey: Rachel’s Tears: The Spiritual Journey of Columbine Martyr Rachel Scott. Nelson, Nashville, TN 2000, ISBN 0-7852-6848-0.
  • Tom Mauser: Walking in Daniel’s Shoes: A Father’s Journey Through Grief, Controversy, Activism, and Healing Following His Son’s Death at Columbine. Ocean Star Publishing, 2012, ISBN 978-0-9853021-1-5.
  • Crystal Woodman Miller: Ich dachte mein Leben ist vorbei. Wie der Amoklauf von Littleton eine junge Frau veränderte. Gerth Medien, Asslar 2008, ISBN 978-3-86591-297-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schulmassaker von Littleton – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Sharon Cohen: Friends of suspects’ families mystified. In: The Denver Post. Digital First Media, 26. April 1999, abgerufen am 3. April 2018.
  2. a b Peter Langman: Why Kids Kill. Palgrave Macmillan, New York, NY 2009, ISBN 978-0-230-23637-0, S. 70–71.
  3. Katie Marsico: The Columbine High School Massacre: Murder in the Classroom. 2011, S. 14.
  4. Dave Cullen: Columbine. 2009, S. 263–269.
    Katie Marsico: The Columbine High School Massacre: Murder in the Classroom. 2011, S. 15.
  5. Brooks Brown, Rob Merritt: No Easy Answers: The Truth Behind Death at Columbine. 2002, S. 46.
    Dave Cullen: Columbine. 2009, S. 27, 160.
  6. Peter Langman: Why Kids Kill. Palgrave Macmillan, New York, NY 2009, ISBN 978-0-230-23637-0, S. 38.
    Ralph W. Larkin: Comprehending Columbine. 2007, S. 77–81, 89.
  7. Peter Langman: Why Kids Kill. Palgrave Macmillan, New York, NY 2009, ISBN 978-0-230-23637-0, S. 43–45.
    Ralph W. Larkin: Comprehending Columbine. 2007, S. 87–93.
  8. a b Frank J. Robertz, Ruben Philipp Wickenhäuser: Der Riss in der Tafel. Springer, Berlin 2010, ISBN 978-3-642-11309-3, S. 317.
  9. Peter Langman: Why Kids Kill. Palgrave Macmillan, New York, NY 2009, ISBN 978-0-230-23637-0, S. 31.
  10. Jeff Kass: Columbine: A True Crime Story. 2014, S. 165–169.
    Dave Cullen: Columbine. 2009, S. 35.
  11. Jeff Kass: Columbine: A True Crime Story. 2014, S. 173–174.
    Dave Cullen: Columbine. 2009, S. 63–65.
  12. Dave Cullen: Columbine. 2009, S. 340–341.
  13. Jeff Kass: Columbine: A True Crime Story. 2014, S. 91.
  14. Jeff Kass: Columbine: A True Crime Story. 2014, S. 100–101.
  15. Jeff Kass: Columbine: A True Crime Story. 2014, S. 93, 102–103, 109, 131–132.
  16. Jeff Kass: Columbine: A True Crime Story. 2014, S. 101–102, 112–114, 286–298.
    Dave Cullen: Columbine. 2009, S. 351–355, 451.
  17. Jeff Kass: Columbine: A True Crime Story. 2014, S. 95–96, 160–161. Laut Dave Cullen (Columbine, 2009, S. 439) habe Harris von der Ablehnung hingegen nie erfahren.
  18. Peter Langman: Why Kids Kill. Palgrave Macmillan, New York, NY 2009, ISBN 978-0-230-23637-0, S. 26–30.
  19. Frank J. Robertz, Ruben Philipp Wickenhäuser: Der Riss in der Tafel. Springer, Berlin 2010, ISBN 978-3-642-11309-3, S. 76–77.
    Dave Cullen: Columbine. 2009, S. 661.
  20. Frank J. Robertz, Ruben Philipp Wickenhäuser: Der Riss in der Tafel. Springer, Berlin 2010, ISBN 978-3-642-11309-3, S. 325.
  21. Jeff Kass: Columbine: A True Crime Story. 2014, S. 97.
  22. Dave Cullen: Columbine. 2009, S. 75–81.
  23. Jerald J. Block: Lessons From Columbine: Virtual and Real Rage. In: American Journal of Forensic Psychiatry. Band 28, Nr. 2. PubMed, 2007, S. 1 (murderpedia.org [PDF; abgerufen am 21. Mai 2018]).
  24. Dave Cullen: Columbine. 2009, S. 81–85, 316.
  25. How they were equipped that day. CNN, abgerufen am 9. Juli 2018.
    Dave Cullen: Columbine. 2009, S. 78–79, 94.
  26. Dave Cullen: Columbine. 2009, S. 44.
  27. Dave Cullen: Columbine. 2009, S. 640 ff.
  28. Jeff Kass: Columbine: A True Crime Story. 2014, S. 111 f., 250–252.
    Dave Cullen: Columbine. 2009, S. 414.
  29. Dave Cullen: Columbine. 2009, S. 614–615.
  30. Frank J. Robertz, Robert Kahr (Hrsg.): Die mediale Inszenierung von Amok und Terrorismus. Zur medienpsychologischen Wirkung des Journalismus bei exzessiver Gewalt. Springer, Wiesbaden 2016, ISBN 978-3-658-12135-8, S. 42–43.
  31. André Grzeszyk: Unreine Bilder: Zur medialen (Selbst-)Inszenierung von School Shootern. Transcript Verlag, Bielefeld 2012, ISBN 978-3-8376-1980-5, S. 45.
  32. Alan Prendergast: Columbine Killers’ Basement Tapes Destroyed. In: Westword. Voice Media Group, 2. Februar 2015, abgerufen am 21. Mai 2018.
    Jeff Kass: Columbine: A True Crime Story. 2014, S. 151.
  33. Zitiert nach Katie Marsico: The Columbine High School Massacre: Murder in the Classroom. 2011, S. 42.
  34. Jeff Kass: Columbine: A True Crime Story. 2014, S. 3.
  35. Dave Cullen: Columbine. 2009, S. 93–96, 102–103.
  36. a b Dave Cullen: Columbine. 2009, S. 95–96.
  37. a b c Jeff Kass: Columbine: A True Crime Story. 2014, S. 5.
  38. Dave Cullen: Columbine. 2009, S. 99.
  39. Alan Prendergast: Video: Did Police Investigation Miss Key Moment in Columbine Attack? In: Westword. Voice Media Group, 8. Juli 2016, abgerufen am 29. April 2018.
  40. Dave Cullen: Columbine. 2009, S. 104–105.
  41. a b Dave Cullen: Columbine. 2009, S. 106.
  42. Ralph W. Larkin: Comprehending Columbine. 2007, S. 3.
  43. a b Jeff Kass: Columbine: A True Crime Story. 2014, S. 6.
  44. Dave Cullen: Columbine. 2009, S. 109.
  45. Jeff Kass: Columbine: A True Crime Story. 2014, S. 7.
    Ralph W. Larkin: Comprehending Columbine. 2007, S. 4–5.
  46. a b c Jeff Kass: Columbine: A True Crime Story. 2014, S. 6–7.
    Dave Cullen: Columbine. 2009, S. 113 f., 117 f., 125–130.
  47. Dave Cullen: Columbine. 2009, S. 295–297.
  48. Ralph W. Larkin: Comprehending Columbine. 2007, S. 5.
    Jeff Kass: Columbine: A True Crime Story. 2014, S. 10–11.
  49. Katie Marsico: The Columbine High School Massacre: Murder in the Classroom. 2011, S. 34–35.
    Jeff Kass: Columbine: A True Crime Story. 2014, S. 11–13.
    Ralph W. Larkin: Comprehending Columbine. 2007, S. 6.
  50. Jeff Kass: Columbine: A True Crime Story. 2014, S. 12 f., 16 f.
    Ralph W. Larkin: Comprehending Columbine. 2007, S. 6.
  51. Jeff Kass: Columbine: A True Crime Story. 2014, S. 12–15.
    Ralph W. Larkin: Comprehending Columbine. 2007, S. 7.
  52. Findings of Library Events. CNN, abgerufen am 15. Juli 2018.
    Jeff Kass: Columbine: A True Crime Story. 2014, S. 15.
    Ralph W. Larkin: Comprehending Columbine. 2007, S. 8.
  53. a b c Dave Cullen: Columbine. 2009, S. 725–734.
  54. Dave Cullen: Columbine. 2009, S. 265, 729–730.
  55. Lynn Bartels: Fatal Friendship. In: The Rocky Mountain News, 1999. Archiviert vom Original am 21. Februar 2001. Abgerufen im 6. Juni 2015. 
  56. Nancy Gibbs, Thimothy Roche: The Columbine Tapes. In: Time. Time Inc., 20. Dezember 1999, abgerufen am 15. Juli 2018.
  57. Ralph W. Larkin: Comprehending Columbine. 2007, S. 4–5, 11.
    Dave Cullen: Columbine. 2009, S. 120–122.
  58. Dave Cullen: Columbine. 2009, S. 138–140, 184–186, 189 ff.
  59. a b Dave Cullen: Columbine. 2009, S. 153–155, 187–188, 237.
  60. Dave Cullen: Columbine. 2009, S. 438–439.
  61. Dave Cullen: Columbine. 2009, S. 189, 213 ff., 235–238, 265.
  62. Dave Cullen: Columbine. 2009, S. 624, 652–653.
  63. Report Clears Police Officer In Columbine High Shooting. In: The New York Times. The New York Times Company, 18. April 2002, abgerufen am 3. Juli 2018.
  64. Peter Langman: Why Kids Kill. Palgrave Macmillan, New York, NY 2009, ISBN 978-0-230-23637-0, S. 119 f.
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Koordinaten: 39° 36′ 15″ N, 105° 4′ 31″ W