Industrie- und Handelskammer Hannover

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Hauptgebäude am Schiffgraben 49; 1954 von Ernst Friedrich Brockmann, Aussenrelief von Kurt Lehmann

Die IHK Hannover ist die Industrie- und Handelskammer für die Landeshauptstadt Hannover und die Region Hannover sowie für die Landkreise Diepholz, Nienburg (Weser), Schaumburg, Hameln-Pyrmont, Hildesheim, Holzminden, Northeim und Göttingen. Ihr gehören über 146.000 Mitgliedsunternehmen an.[1]

Organisationsstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das oberste Gremium der IHK Hannover ist die Vollversammlung. Sie wählt aus ihrer Mitte das Präsidium. Präsident der IHK Hannover ist seit dem 1. Februar 2016 Christian Hinsch.

Heute sind insgesamt 6.500[2] ehrenamtlich engagierte Unternehmer und Fachkräfte aus den Mitgliedsunternehmen sowie rund 180 hauptamtliche Mitarbeiter am Hauptsitz in Hannover sowie in den sechs regionalen Geschäftsstellen für die IHK Hannover tätig.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte der Vorläuferorganisationen der IHK beginnt 1824 mit der Schaffung der Kommission zur Beförderung des Ackerbaus und der Industrie. Mit dem Gewerbeverein für das Königreich Hannover wurden viele Funktionen der heutigen IHK und Handwerkskammer durch eine berufsständische Organisation übernommen. Die Verordnung über die Errichtung von Handelskammern im Königreich Hannover vom 7. April 1866 führte auch in Hannover zur Gründung einer Kammer. Am 20. April 1866 wurden die Handelskammern zu Hildesheim, Göttingen, Osterode und Goslar und am 12. September 1866 die Handelskammern zu Hannover und Hameln errichtet.

Bis 1896 Sitz der Handelskammer: Das ehemalige Gebäude der Hannoverschen Bank an der Georgstraße Ecke Schillerstraße, (anstelle des späteren Karstadt-Gebäudes);
Ansichtskarte Nr. 299 von Karl F. Wunder, um 1898
Palais Simon mit Inschriften Handels-Kammer Hannover und Handels- u. Industrie-Museum.
Foto-Postkarte ca. 1906–1919
Original im Historischen Museum Hannover

Gründungspräsident der Handelskammer Hannover war der Fabrikant Fritz Hurtzig, die erste Geschäftsstelle wurde in der Burgstraße 30 eingerichtet. Nach dem Umzug 1870 in die Leinstraße 28, der Ausrufung des Deutschen Kaiserreichs übersiedelte die hannoversche Handelskammer noch in den ersten Jahren der Gründerzeit im August 1878 in das ehemalige Gebäude der Hannoverschen Bank an der Georgstraße Ecke Schillerstraße, bevor sie 1896 das ehemalige Palais Simon unter der Adresse Brühlstraße 1 als Geschäftssitz bezog. Ein Jahrzehnt später eröffnete sie dort zugleich das Handels- und Industriemuseum.[3]

Nach dem Ersten Weltkrieg und zu Beginn der Weimarer Republik verlegte die hannoversche Handelskammer im Herbst 1919 ihren Sitz in die Arnswaldstraße 28, betrieb das von ihr unterhaltene Museum jedoch weiterhin an der Brühlstraße.[3]

Das Eckgebäude am Schiffgraben Ecke Finkenstraße;
Albuminabzug im Carte de Visite-Format von Carl G. Frietsch um 1880

1920 gewann Kammerpräsident Fritz Beindorff den Juristen und Volkswirtschaftler Kurt Finkenwirth zum Syndikus seiner Organisation, der gemeinsam mit Beindorff, Erich Tgahrt und Richard Platz die hannoversche Handelskammer rasch zur führenden Selbstorganisation der niedersächsischen Wirtschaft formte und zugleich eine der Voraussetzungen zur 1946 erfolgten politischen Gründung des Landes Niedersachsen schuf.[4] 1924 wurden die bisherigen Handelskammern in Industrie- und Handelskammern (IHK) umbenannt. Rund vier Jahre später bezog die IHK Hannover 1928 ihren neuen Geschäftssitz im eigenen Gebäude unter der damaligen Adresse Finkenstraße 5[3] Ecke Schiffgraben, in dem später unter anderem auch die IHK des damaligen Freistaates Schaumburg-Lippe untergebracht war.[5]

1929 schlossen die Kammern Hildesheim, Göttingen und Goslar einen Vertrag über ihre Auflösung und die Bildung der Industrie- und Handelskammer für Südhannover, die ab 1965 als IHK Hildesheim firmierte.

Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 wurde die IHK - wie alle Institutionen zur Zeit des Nationalsozialismus - gleichgeschaltet.

Durch die Luftangriffe auf Hannover während des Zweiten Weltkrieges wurde der Geschäftssitz an der Finkenstraße zerstört.[3] Von 1943 bis 1945 bestand die IHK nicht, sondern war Teil der Gauwirtschaftskammer Hannover-Braunschweig.

Nach dem Einmarsch amerikanischer Truppen in Hannover und damit auch der Schließung der Gauwirtschaftskammer am 10. April 1945[6] konstituierte sich aus führenden Wirtschaftlern in Hannover bereits am 4. Mai 1945 ein vorläufiger Hauptausschuss, der am 25. Mai Franz Wilhelm Henkel zu ihrem Vorsitzenden wählte. Offiziell anerkannt aber wurden die Kammern erst durch Erlass der britischen Militärbehörde am 31. Oktober des Jahres.[3]

Im Zuge staatlicher Reformen veränderten sich die Grenzen des Kammerbezirks mehrmals. 1973 fusionierte die Kammer Hildesheim mit der Kammer Hannover. Im Jahr 2002 beschloss die IHK-Vollversammlung eine Namensänderung. Aus der „IHK Hannover-Hildesheim“ wurde die „IHK Hannover“.[7][8]

Rechtliche Grundlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rechtsgrundlagen für die IHK-Arbeit bilden das IHK-Gesetz [9] sowie das Niedersächsische Ausführungsgesetz zum IHK-Gesetz [10] . Die innere Organisation der IHK Hannover wird durch die Satzung [11] und die Geschäftsordnung [12] geregelt.

Geschäftsbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Aufgaben der IHK Hannover werden durch acht Abteilungen wahrgenommen:

  • I. Handel und Dienstleistungen
  • II. International
  • III. Berufsbildung
  • IV. Industrie und Verkehr
  • V. Recht
  • K: Kommunikation
  • P: Personal und Organisation
  • F: Finanzen und Controlling

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Präsidenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Präsidenten der IHK Hannover:[13][14]

Notgeld über 25 Pfennig zu Beginn der Weimarer Republik, mit Unterschriften von Fritz Beindorff, Wolfeel, von Roon;
1919 gedruckt von J. C. König & Ebhardt

Weitere Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründungsmitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Albert Lefèvre: 100 Jahre Industrie- u. Handelskammer zu Hannover, 1966
  • Stefan Noort, Viktoria Ernst, Pia-Felicitas Homann, Klaus Pohlmann (Red) et al.: Rückblick vorwärts. Zeitsprünge aus 150 Jahren IHK Hannover, Hrsg.: Industrie- und Handelskammer Hannover, Hannover 2015
  • Lars Ruzik: Spät gezündet, schnell aufgeholt. Die Industrie- und Handelskammer feiert 150-Jähriges - und wählt am Montag ihren 23. Präsidenten, in: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 30. Januar 2016, S. 12
  • Stefan Noort (Ges.-Ltg.), Viktoria Ernst, Pia-Felicitas Homann, Klaus Pohlmann (Red.): Rückblick vorwärts. Zeitsprünge aus 150 Jahren IHK Hannover, hrsg. von der IHK Hannover, mit Beiträgen von Hannes Rehm und Horst Schrage, 1. Auflage, Hannover: IHK Hannover, 2015

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine der Drei Muschelkalkstelen vor dem Haupteingang, Ulrike Enders, 1992
Großer Hund, Ernemann Sander, 1980, auf dem Brunnen vor dem Haus Schiffgraben 55
 Commons: Industrie- und Handelskammer Hannover – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aufbau und Aufgaben Website IHK Hannover, abgerufen am 19. September 2015
  2. Ehrenamt Website IHK Hannover, abgerufen am 19. September 2015
  3. a b c d e Rainer Ertel: Industrie- und Handelskammer (IHK) Hannover, in: Stadtlexikon Hannover, S. 316
  4. Waldemar R. Röhrbein: Finkenwirth, Kurt, in: Hannoversches Biographisches Lexikon, S. 117; online über Google-Bücher
  5. Vergleiche beispielsweise die Angaben zur Finkenstraße im Adressbuch der Stadt Hannover von 1941, S. 77
  6. Klaus Mlynek: Zweiter Weltkrieg, in: Stadtlexikon Hannover, S. 695f.
  7. Dr. Herbert Wenn: 125 Jahre Industrie- und Handelskammer Hannover. 1991.
  8. Albert Lefèvre: 100 Jahre Industrie- und Handelskammer Hannover. Auftrag und Erfüllung. 1966
  9. http://www.hannover.ihk.de/fileadmin/pdf/ihk/themen/rechtsinformationen/10_IHKG_2013.pdf
  10. http://www.hannover.ihk.de/fileadmin/data/Dokumente/Satzungen__Beitraege__Gebuehren/Niedersaechsisches_Ausfuehrungsgesetz_zum_IHK_Gesetz.pdf
  11. http://www.hannover.ihk.de/fileadmin/data/Dokumente/Satzungen__Beitraege__Gebuehren/Satzung_der_IHK_Hannover.pdf Satzung der IHK Hannover
  12. http://www.hannover.ihk.de/fileadmin/data/Dokumente/Satzungen__Beitraege__Gebuehren/Geschaeftsordnung_der_IHK_Hannover.pdf Geschäftsordnung
  13. Dr. Herbert Wenn: 125 Jahre Industrie- und Handelskammer Hannover. 1991
  14. Albert Lefèvre: 100 Jahre Industrie- und Handelskammer Hannover. Auftrag und Erfüllung. 1966
  15. Waldemar R. Röhrbein: Cölln, Georg von, in: Stadtlexikon Hannover, S. 115
  16. Waldemar R. Röhrbein: Werner, (1) August, in: Stadtlexikon Hannover, S. 672
  17. Waldemar R. Röhrbein: PLEISTER, Wilhelm, in: Hannoversches Biographisches Lexikon, S. 287f.; online über Google-Bücher
  18. Gerda Valentin: Nordstadt / Der Großhandel Bumke 
blickt auf 100-jähriges Bestehen zurück / Als Orientierungspunkt ist das Gebäude fast so markant wie die Christuskirche: „Bei Bumke“ sagen viele Nordstädter, wenn sie die südlichste Ecke des E-Damms meinen. In: Stadtanzeiger Nord, Beilage zur HAZ vom 16. Oktober 2009, zuletzt abgerufen am 24. Juli 2016
  19. Nomen nominandum: Die Pure Lust am Fortschritt, in: Stefan Noort (Ges.-Ltg.), Viktoria Ernst, Pia-Felicitas Homann, Klaus Pohlmann (Red.): Rückblick vorwärts. Zeitsprünge aus 150 Jahren IHK Hannover, hrsg. von der IHK Hannover, mit Beiträgen von Hannes Rehm und Horst Schrage, 1. Auflage, Hannover: IHK Hannover, 2015, S. 36ff.; zudem Bildnachweis auf S. 179
  20. N.N.: Wilh. Boetticher, in: Das Buch der alten Firmen der Stadt Hannover 1954, unter textlicher und redaktioneller Mitarbeit von Heinz Lauenroth (Direktor vom Städtischen Presseamt), Ewald Brix (IHK Hannover), Herbert Mundhenke (städt. Archivrat) und der Handwerkskammer Hannover, Adolf Sponholtz Verlag, Hannover 1954, S. 142f.

Koordinaten: 52° 22′ 33,2″ N, 9° 45′ 4,4″ O