Ich seh Ich seh

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Filmdaten
OriginaltitelIch seh Ich seh
ProduktionslandÖsterreich
OriginalspracheDeutsch
Erscheinungsjahr2014
Länge99 Minuten
AltersfreigabeFSK 16[1]
JMK 16
Stab
RegieVeronika Franz,
Severin Fiala
DrehbuchVeronika Franz,
Severin Fiala
ProduktionUlrich Seidl
MusikOlga Neuwirth
KameraMartin Gschlacht
SchnittMichael Palm
Besetzung

Ich seh Ich seh ist ein österreichischer Film von Veronika Franz und Severin Fiala. Produziert wurde er von Ulrich Seidl. Der Film basiert auf dem Capgras-Syndrom. Der englische Titel ist Goodnight Mommy.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film beginnt mit einigen Einstellungen, die die zehnjährigen Zwillinge Elias und Lukas bei ihren von kindlicher Neugierde getriebenen Erkundungstouren und Versteckspielen in einem Maisfeld, einem Wald und an einem See zeigen. Nach diesem Prolog setzt die Haupthandlung ein.

Die Mutter der Kinder kehrt von einer aufwendigen Gesichtsoperation wieder in ihr modernes, einsam gelegenes Haus zurück. Der aus der Sicht der Kinder erzählte Film bietet den Zuschauern nur bruchstückhaft Hinweise auf den Kontext der Geschichte: Aus Gesprächsfetzen und Internetrecherchen der Zwillinge wird ersichtlich, dass der Handlung eine Trennung und ein Unfall vorausgingen, dass das Haus zum Verkauf steht und die Mutter mit Online-Dating begonnen hat.

Für die Jungen scheint die stark einbandagierte Mutter seit ihrer Rückkehr verändert. Sie ignoriert Lukas und fordert Elias auf, es ihr gleichzutun. Außerdem müssen die Zwillinge die Jalousien tagsüber geschlossen halten und dürfen nur noch leise und draußen spielen. Daher zweifeln die Zwillinge daran, dass die Frau in ihrem Haus tatsächlich ihre Mutter ist. Diese Zweifel erhärten sich, als sie ein Bild finden, das die Mutter scheinbar mit einer Zwillingsschwester zeigt. Ein Wechselspiel von trotzigem, misstrauischem Verhalten der Zwillinge und zunehmend aggressiven Bestrafungen der Mutter beginnt. In diese Handlung werden surreale Visionen oder Träume aus der Perspektive der Zwillinge eingeflochten, in denen die Aggressionen gegen die Mutter und die Zweifel an ihrer Identität visuell umgesetzt sind. In einer Sequenz sieht man die Mutter nackt in fahlem Licht im Wald, ihr Gesicht unidentifizierbar durch einen Verzerrungseffekt.

Als sich die Möglichkeit ergibt, fesseln die Zwillinge die Mutter ans Bett. Die Mutter bittet erst verärgert, dann zunehmend verzweifelt darum, losgemacht zu werden, während die Zwillinge sie zwingen wollen, den Aufenthaltsort ihrer wahren Mutter preiszugeben. Schließlich verkleben sie ihr den Mund mit Klebeband. Zwischenzeitlich erscheinen zwei Mitarbeiter des Roten Kreuzes, um Spenden zu sammeln. Obwohl sie zunächst auf die Rückkehr der Mutter warten, verlassen sie schließlich das Haus, nachdem sie von Elias 50 Euro als Spende erhalten haben.

Als es der Mutter kurz darauf gelingt, sich vom Klebeband um den Mund zu befreien und um Hilfe zu schreien, kleben die Zwillinge die Lippen der Mutter mit Sekundenkleber zusammen. Später wollen sie ihr eine Pizza bringen und erkennen, dass sie in diesem Zustand nichts essen kann; daher schneiden sie die Lippen mit einer Nagelschere wieder auf, weshalb die Mutter fortan mit blutigem Gesicht zu sehen ist. Da die Mutter weiterhin ans Bett gefesselt ist, nässt sie sich ein. Daraufhin befreien die Zwillinge sie von den Fesseln und die Mutter beginnt einen Fluchtversuch, stürzt dabei jedoch über einen über dem Boden gespannten Draht.

In der nächsten Szene liegt die Mutter auf dem Boden des Wohnzimmers festgeklebt. Elias fordert sie auf, zur Bestätigung, dass sie seine Mutter ist, ihm zu sagen, was der neben ihm stehende und eine brennende Kerze vor die Vorhänge haltende Lukas tut. Die Antwort der Mutter bestätigt erstmals explizit, was im bisherigen Verlauf des Films durch das Verhalten der Figuren angedeutet wurde: Nur Elias kann Lukas wahrnehmen, der vor Beginn der Haupthandlung bei einem Unfall gestorben ist. Er ertrank bei einem Tauchwettbewerb zwischen den Zwillingen, der im Prolog zu sehen war. Alle bisherigen Handlungen der Zwillinge gingen allein von Elias aus. Da die Mutter den imaginären Lukas nicht sehen und demzufolge nicht die von Elias verlangte Antwort geben kann, zündet er die Vorhänge an. Die Mutter verbrennt. Die am brennenden Haus eintreffende Feuerwehr kann nichts mehr ausrichten. In der Szene, in der das brennende Haus von außen gezeigt wird und es von Feuerwehrmännern umzingelt ist, sieht man links im Bild eine weiße Gestalt am Löschfahrzeug vorbeilaufen. Diese wird von den Feuerwehrmännern jedoch nicht beachtet, weshalb zu vermuten ist, dass es der Geist der verbrannten Mutter ist.

In der Schlussszene steht die Mutter mit ihren Söhnen wieder glücklich vereint auf einer Lichtung eines Maisfeldes.

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einer Dokumentation über Peter Kern ist Ich seh Ich seh der erste Langspielfilm von Veronika Franz, seit 1997 Co-Autorin und künstlerische Mitarbeiterin aller Filme Ulrich Seidls, und Severin Fiala.

Gedreht wurde im Sommer 2013 in einem Haus bei Haugschlag im niederösterreichischen Waldviertel.[2][3] Für die Rollen der Zwillinge wurden die Gaishorner Elias und Lukas Schwarz gecastet, die Rolle der Mutter wurde mit Susanne Wuest besetzt.[4]

Der Film wurde ab dem 11. September 2015 unter dem Titel Goodnight Mommy von Radius, dem Verleih der Weinstein Company, in den US-amerikanischen Kinos gezeigt.[5] Der für die englischsprachige Fassung veröffentlichte Trailer erreichte acht Millionen Aufrufe auf Youtube, was deutlich über der durchschnittlichen Reichweite von Radius’ Kanal liegt. Internationale Medien bezeichneten ihn als den „unheimlichsten Filmtrailer aller Zeiten“.[6]

Festivals und Preise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film feierte am 30. August 2014 bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig Premiere. Er wurde bei den Filmfestspielen von Ljubljana, Thessaloniki und Sitges ausgezeichnet und erhielt im März 2015 den Großen Diagonale-Preis.[7] Martin Gschlacht wurde im Oktober der Europäische Filmpreis für die beste Kameraarbeit zugesprochen. Ich seh Ich seh war die österreichische Einreichung für die Oscarverleihung 2016, wurde allerdings nicht unter die fünf besten nominiert.[6]

Im Rahmen der Viennale wurde der Film 2015 mit dem Wiener Filmpreis ausgezeichnet.[8]

Beim Österreichischen Filmpreis 2016 wurde der Film in den fünf Kategorien Bester Spielfilm, Beste Regie, Beste Kamera, Beste Maske und Bestes Szenenbild ausgezeichnet.[9]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Ich seh Ich seh. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, April 2015 (PDF; Prüf­nummer: 151 107 V).
  2. Archivlink (Memento des Originals vom 21. Januar 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.noen.at
  3. http://www.meinbezirk.at/waidhofen-an-der-thaya/chronik/horrorfilm-wird-im-waldviertel-gedreht-d642746.html
  4. http://www.kleinezeitung.at/s/steiermark/ennstal/4640635/Steirer-des-Tages_Zwolfjaehrige-Stars-im-Horrorthriller
  5. Andrey Arnold: „Die Schabe ist ein tolles Symbol“. In: diepresse.com. 9. Januar 2015, abgerufen am 23. Januar 2016.
  6. a b Yasmin Vihaus: Unheimlichster Trailer aller Zeiten. The Gap, 14. August 2015, abgerufen am 23. Januar 2016.
  7. orf.at – Diagonale-Preis an „Ich seh Ich seh“ (Memento des Originals vom 21. März 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/orf.at. Artikel vom 21. März 2015, abgerufen am 21. März 2015.Vorlage:Toter Link/!...nourl (Seite nicht mehr abrufbar)
  8. Viennale: Wiener Filmpreis 2015. Abgerufen am 24. April 2016.
  9. Österreichischer Filmpreis: 13 Auszeichnungen für sechs Kinofilme mit ORF-Beteiligung. APA-Meldung vom 20. Jänner 2016, abgerufen am 20. Jänner 2016.