Ida Freund

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Ida Freund (* 15. April 1863 in Wien, Österreich; † 15. Mai 1914 in Cambridge) war die erste Universitätsdozentin im Vereinigten Königreich.[1] Sie ist bekannt für ihren Einfluss auf den naturwissenschaftlichen Unterricht, insbesondere für Frauen und Mädchen. Sie schrieb zwei Chemielehrbücher, backte als Erste einen Periodic Table Cupcakes und erfand die nach ihr benannte Gasmessröhre.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Tod ihrer Mutter zog sie zu ihren Großeltern mütterlicherseits nach Wien. Dort besuchte sie eine staatliche Schule und ließ sich dann zur Lehrerin ausbilden. 1881 starben ihre Großeltern und sie zog zu ihrem Vormund und Onkel Ludwig Straus nach England um ihn den Haushalt zu führen. Dieser war Geiger im Joachimquartett und Leiter des Hallé-Orchester (1875–88).[2] Sie schrieb sich im Juli 1882 am Girton College ein und schloss den Natural Sciences Tripos Course (Chemie und Physik) mit Auszeichnung ab, obwohl sie die englische Sprache nur aus dem Unterricht kannte und es damals schwierig war, als Frau Unterricht in fortgeschrittener Chemie zu erhalten. Am Cambridge Training College arbeitete 1886 sie als Chemielehrerin und ein Jahr später Newnham College in Cambridge als Demonstrator. 1890 stieg sie zur Dozentin für Chemie auf. Ab 1890 war sie Dozentin der Chemie. Dies war die erste Ernennung einer Frau in Lecturer in Großbritannien. Sie war Mitarbeiterin am Newnham College und später Mitglied des Council. Ihr Onkel starb 1899. Im Jahre 1903 erhielt er den Gable-Preis.

Da sie sich mehr auf den Unterricht konzentrierte, blieb wenig Zeit für Forschung. Sie versuchte weder einen Master noch einen Doktortitel zu erwerben. Sie war verantwortlich für Laborausbildung ihrer Studenten, welche meist ohne oder mit geringen Kenntnissen der Chemie an das College kamen.[3] Unter ihren Student war sie als inspirierende Lehrerin und einzigartige Persönlichkeit geschätzt.

Als Kind hatte sie bei einem Fahrradunfall ein Bein verloren. Um dies auszugleichen, benutzte sie verschiedene Spazierstöcke, eine Beinprothese und ein handbetriebenes Dreirad.[4] Ihre Behinderung und ihr unkonventioneller Kleindungstil machen sie zu einer unverwechselbaren Figur, von Kollegen und Zeitgenossen bemerkt wurde.[5][6]

Ida Freund war ein aktive Feministin und Verfechterin des Frauenwahlrechts. Sie gehörte zu den Frauen, die Anfang des 20. Jahrhunderts für die Aufnahme in die Chemical Society kämpften.[7] 1920, sechs Jahre nach ihrem Tod, wurde die Forderung umgesetzt.[8] Sie blieb in Newnham bis zu ihrer Pensionierung aus gesundheitlichen Gründen. Das Chemielabor in Newnham wurde nach ihrer Pensionierung geschlossen, da mittlerweile Studentinnen im Labor der Chemieabteilung der Universität zugelassen waren. Sie starb am 15. Mai 1914 nach einer Operation in ihrem Haus in Cambridge während sie an ihrem zweiten Buch arbeitete.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ida Freund veröffentlichte eine Arbeit mit dem Titel "Die Auswirkung der Temperatur auf die Volumenänderung einhergehend mit der Neutralisierung bei einer Anzahl von Salzen in verschiedenen Konzentrationen" und zwei Chemielehrbücher:[9] The Study of Chemical Composition: An Account of its Method and Historical Development with Illustrative Quotations (1904)[10] (Das Studium der chemischen Zusammensetzungen: Ein Bericht über seine Methode und die historische Entwicklung mit illustrativen Zitaten. Nachgedruckt im Jahre 2014[11]) und The Experimental Basis of Chemistry: Suggestions for a Series of Experiments Illustrative of the Fundamental Principles of Chemistry (Die experimentelle Basis der Chemie: Vorschläge für eine Reihe von Experimenten zur Veranschaulichung der grundlegenden Prinzipien der Chemie. Veröffentlicht nach ihrem Tod 1920).[12] Sie hatte ursprünglich für das Buch zwanzig Kapitel geplant, konnte aber bis zu ihren Tod nur zehn Kapitel abschließen. Das Buch wurde später von Kollegen und Freund, wie zum Beispiel Mary Beatrice Thomas, Direktorin für Science Studies am Girton College, herausgegeben.[13]

Beide Bücher von Freund gelten als bedeutend und werden oft zitiert.[14]

Unterricht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ida Freund war bekannt für ihr Interesse an Naturwissenschaftlichen Bildung, insbesondere die Verbesserung des naturwissenschaftlichen Unterrichts an Mädchenschulen. Zu ihrer Zeit in Cambridge durften Frauen nicht in den allgemeinen Labors zusammen mit Männern unterrichtet. Deshalb unterrichtete Freund auch in speziellen Klassen im Chemielabor des Newnham College. Sie organisierte Ferienworkshops für Lehrerinnen.[15][16] Freund experimentierte mit verschiedenen Unterrichtsmethoden und den Ansatz von Wilhelm Ostwald bei welchem wesentliche Fakten der Chemie in Form eines Dialogs zwischen dem Lehrer und seinen Schüler behandelt werden. Sie bestand darauf, dass ihre Schüler echte Forschungsarbeiten leisten sollten und die Gültigkeit dann überprüfen sollten.[17] Dies war damals eine neue Herangehensweise, welche auch kritisiert wurde. Ihre Herangehensweise hatte aber Einfluss auf die Unterrichtsmethoden ihrer Zeit und waren bei ihren Schülern sehr beliebt.

Sie widersetzte sich dem Hausunterricht in Mädchenschulen als Ersatz für grundlegende wissenschaftliche Bildung.[18]

Periodic Table Cupcakes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Periodic Table Cupcakes

Freud war die erste Person, die Periodic Table Cupcakes herstellte.[19] Sie benutzte sie als Lernmittel in ihrem Klassenzimmer. Sie backte hierfür ein großes Periodensystem. Jedes Element wurde durch einen Cupcake, der mit Namen und Ordnungszahl in der Glasur beschreiben war, dargestellt.[20]

Periodic Table Cupcakes wurden auch zu einer beliebten Methode, die Chemie auf Buffets zu repräsentieren.[21][22][23][24]

Erfindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außer den Periodic Table Cupcakes erfand sie auch eine Gasmessröhre, die nach ihr benannt ist. Das Instrument wird aber nicht mehr verwendet.[14]

Denkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In April 1998 wurde ein Labor in Newnham als Gedenkstätte für Freund restauriert.[3] Der Ida Freund Memorial Fund wurde gegründet, um die Ausbildung von naturwissenschaftlichen Lehrerinnen zu verbessern, indem ihnen weitere Studien ermöglicht werden. Der Ida Freund Memorial Prize wird vom Newnham College verliehen.[25] Darüber hinaus vergibt das Girton College den Ida Freund Prize an seine Studenten der Physik für erstklassige akademische Leistungen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ida Freund biography. Newnham college, Cambridge.
  2. Margaret Hill: Ida Freund, the first woman chemistry lecturer. In: RSC Historical Society Newsletter. RSC Historical Group, QMUL. S. 14–20. Abgerufen am 19. Oktober 2012.
  3. a b Freund, Ida (1863–1914), chemist | Oxford Dictionary of National Biography. (oxforddnb.com [abgerufen am 6. Mai 2018]).
  4. Marilyn Bailey Ogilvie: Freund, Ida. In: Oxford Dictionary of National Biography.
  5. Smith, Jonathan, 1961-, Stray, Christopher.: Teaching and learning in nineteenth-century Cambridge. Boydell Press, Woodbridge, Suffolk, UK 2002, ISBN 0-85115-783-1.
  6. ABC-Clio Information Services.: Women and science : social impact and interaction. ABC-CLIO, Santa Barbara, Calif. 2004, ISBN 1-85109-465-2.
  7. Rayner-Canham, Geoffrey.: Women in chemistry : their changing roles from alchemical times to the mid-twentieth century. American Chemical Society, Washington, DC 1998, ISBN 0-8412-3522-8, S. 60 ([1]).
  8. Fight for Rights. rsc.org.
  9. Ida Freund: für Physikalische Chemie. In: für Physikalische Chemie. 66, 1909, S. 555.
  10. Freund Ida: The study of chemical composition.: An account of its method and historical development, with illustrative quotations. University press. 9. April 2018.
  11. Ida Freund: The Study of Chemical Composition. Cambridge University Press, 2014, ISBN 978-1-107-69030-1 (com.au [abgerufen am 4. Mai 2018]).
  12. The experimental basis of chemistry: suggestions for a series of experiments illustrative of the fundamental principles of chemistry. The University press. 9. April 2018.
  13. Personal Papers of M B Thomas. Girton College Archive.
  14. a b Bill Palmer: Ida Freund: Teacher, Educator, Feminist, and Chemistry Textbook Writer. In: Transactions on Internet Research. Juli 2007. Abgerufen am 6. Mai 2018.
  15. Fara, Patricia (2005) Scientists Anonymous p158
  16. Brock, William H.: The case of the pisonous socks: tales from chemistry. RSC Pub., 2011, ISBN 978-1-84973-324-3, S. 213.
  17. Brock, William H.: The case of the pisonous socks: tales from chemistry. RSC Pub., 2011, ISBN 978-1-84973-324-3, S. 212.
  18. Ida Freund: Domestic science—a protest. In: The Englishwoman. Nr. 10, 1911, S. 147–63, 279–96.
  19. Marelene Rayner-Canham, Geoff Rayner-Canham: Chemistry was Their Life. In: World Scientific Publishing Company. 2008, ISBN 978-1-86094-986-9, S. 227, doi:10.1142/p538 (worldscientific.com [abgerufen am 6. Mai 2018]).
  20. Ida Freund. In: 175 Faces of Chemistry. Royal Society of Chemistry.
  21. Periodic Videos: Periodic Table of Cupcakes - Periodic Table of Videos. 14. Dezember 2011, abgerufen am 5. Mai 2018.
  22. Periodic Table of Cupcakes. WomansDay.com.
  23. Periodic Table Cupcakes. In: HuffPost.
  24. A Periodic Table of Cupcakes. Chembark. Abgerufen am 6. Mai 2018.
  25. Awards from Newnham college. University of Cambridge.