Zum Inhalt springen

Igal Talmi

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Igal Talmi (2003)

Igal Talmi (* 31. Januar 1925 in Kiew, Ukrainische SSR, Sowjetunion; † 4. Februar 2026[1]) war ein israelischer theoretischer Kernphysiker.

Talmis Familie wanderte 1925 ins damalige Palästina ein. Sie lebten in der 1921 gegründeten landwirtschaftlichen Siedlung („Moschav“) Kfar Yehezkel bei Afula in der Jesreelebene. Talmi besuchte das Hebräische Herzlia-Gymnasium in Tel Aviv (Abschluss 1942) und studierte ab 1943 Physik bei Giulio Racah an der Hebräischen Universität Jerusalem, wo er 1947 seinen Abschluss machte. Von 1947 bis 1949 kämpfte er in der Hagana (Palmach) im israelischen Unabhängigkeitskrieg.

1949 ging Talmi an die ETH Zürich, wo er 1952 bei Wolfgang Pauli promovierte. Von 1952 bis 1954 war er als Post-Doc an der Princeton University bei Eugene Paul Wigner. Ab 1954 war er wie sein Kollege Amos de-Shalit am Weizmann-Institut für Wissenschaften, wo er 1958 Professor wurde.

Ab 1963 gehörte Talmi der Israelischen Akademie der Wissenschaften an, wo er 1974 bis 1980 Vorsitzender der Wissenschafts-Abteilung (Chairman of the Division of Science) war. 1972 wurde er Fellow der American Physical Society.

Von 1967 bis 1976 leitete Talmi die Abteilung Kernphysik am Weizmann-Institut (als Nachfolger von de Shalit, der Direktor wurde, aber schon 1969 verstarb). Von 1970 bis 1984 war er Dekan der Physik-Fakultät am Weizmann-Institut. 1994 wurde er emeritiert.

Er war unter anderem Gastprofessor an der Princeton University, der Stanford University, am Massachusetts Institute of Technology, der Yale University und der State University of New York (SUNY).

Er war seit 1949 verheiratet und hatte einen Sohn und eine Tochter. Im Februar 2026 starb er kurz nach seinem 101. Geburtstag.

Talmi wurde vor allem für Arbeiten über das Schalenmodell der Atomkerne bekannt, über das er gemeinsam mit de Shalit ein Lehrbuch verfasste.[2] In den 1980er Jahren beschäftigte er sich mit der Schalenmodell-Basis der Interacting Boson Approximation.[3][4]

Er war auch am israelischen Kerntechnikprogramm beteiligt[5] und Mitglied der israelischen Atomenergiekommission.[2]

Schriften (Auswahl)

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fachartikel und Kapitel

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  • Igal Talmi: Effective Interactions and Coupling Schemes in Nuclei. In: Reviews of Modern Physics. Band 34, Nr. 4, 1. Oktober 1962, S. 704–722, doi:10.1103/RevModPhys.34.704 (englisch).
  • F. Iachello, I. Talmi: Shell-model foundations of the interacting boson model. In: Reviews of Modern Physics. Band 59, Nr. 2, 1. April 1987, S. 339–361, doi:10.1103/RevModPhys.59.339 (englisch).
  • Igal Talmi: Fifty Years of the Shell Model — The Quest for the Effective Interaction. In: J. W. Negele, E. W. Vogt (Hrsg.): Advances in Nuclear Physics (= Advances in Nuclear Physics). Band 27. Springer US, Boston, MA 2003, ISBN 0-306-47708-4, S. 1–275, doi:10.1007/0-306-47916-8_1 (englisch).

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. Prof. Igal Talmi, 1925–2026. In: Weizmann Wonder Wander. Abgerufen am 8. Februar 2026 (englisch).
  2. a b In a Nuclear Shell - Weizmann Wonder Wander - News, Features and Discoveries. Weizmann Institute of Science, 4. Januar 2021, abgerufen am 8. April 2024 (englisch).
  3. F. Iachello, I. Talmi: Shell-model foundations of the interacting boson model. In: Reviews of Modern Physics. Band 59, Nr. 2, 1. April 1987, S. 339–361, doi:10.1103/RevModPhys.59.339 (englisch, aps.org [abgerufen am 8. April 2024]).
  4. I. Talmi: Shell model foundations of the interacting boson model. In: Progress in Particle and Nuclear Physics. Band 9, Januar 1983, S. 27–50, doi:10.1016/0146-6410(83)90012-1 (englisch, elsevier.com [abgerufen am 8. April 2024]).
  5. Israel and the Bomb : Principal Players. National Security Archive, abgerufen am 8. April 2024 (englisch).