Ignaz Döllinger

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Mediziner Ignaz Döllinger. Für den Theologen gleichen Namens siehe Ignaz von Döllinger (1799–1890).
Ignaz Döllinger, Ölgemälde
Grab von Ignaz Döllinger auf dem Alten Südlichen Friedhof in München

Ignaz Döllinger (* 24. Mai 1770 in Bamberg; † 14. Januar 1841 in München) war ein deutscher Mediziner und Professor für Anatomie und Physiologie.

Ignaz Döllingers Vater - Ignaz Döllinger sr. (1721–1800) - war ein Arzt aus Hildesheim, der später in Würzburg praktizierte und ab dem Jahre 1769 Professor der Medizin und fürstbischöflicher Leibarzt zu Bamberg wurde. Ignaz Döllingers Sohn Ignaz von Döllinger, der spätere Priester und Theologe Johann Joseph Ignaz von Döllinger, wurde am 28. Februar 1799 in Bamberg geboren.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Döllinger begann sein Studium in seiner Heimatstadt Bamberg, setzte es dann in Würzburg, Wien und in Pavia fort. Er kehrte dann aber zunächst nach Bamberg zurück. Wichtige Hochschullehrer waren in Würzburg Carl Caspar von Siebold und in Pavia Antonio Scarpa.[1]

1787 hatte er in Bamberg zunächst die philosophische Doktorwürde erworben. Kurz nach seiner medizinischen Promotion im Jahr 1794 war er in Bamberg zunächst als Armenarzt tätig. Im gleichen Jahr wurde er dann außerordentlicher Professor für Theoretische Medizin, Physiologie und Allgemeine Pathologie an der Universität Bamberg. Im Jahre 1803 erhielt er einen Ruf für Physiologie und 1804 einen für Anatomie an die Universität Würzburg.[2]

In Würzburg, wo er der erste Fachvertreter der Vergleichenden Anatomie war, brachte ihm sein reges wissenschaftliches Handeln eine Reihe von Schülern ein, so etwa Lorenz Oken, Christian Heinrich Pander und Karl Ernst von Baer. Johann Lukas Schönlein war mit seiner Arbeit zur vergleichenden Anatomie des Gehirns Doktorand Döllingers. Der Anatom und Künstler Joseph Eduard d’Alton beteiligte sich in Würzburg an den entwicklungsgeschichtlichen Arbeiten Panders, indem er nicht nur die Kupfertafeln zu dessen Werk über die Entwicklung des Huhns schuf.[3] Döllinger war auch Doktorvater des späteren Japanforschers Philipp Franz von Siebold, welcher als Student zeitweise in Döllingers Wohnung in der Würzburger Karmelitenstraße wohnte.[4]

Im Jahr 1816 wurde Döllinger zum Mitglied der Leopoldina gewählt und erhielt dort den Beinamen „Eustachius I“.[5] 1823 nahm Döllinger eine Professur für Anatomie und Physiologie an der Medizinischen Schule in München an und wechselte 1826 an die Anatomie der Universität, als diese von Landshut nach München verlegt worden war. Ab 1819 war er korrespondierendes[6] und seit 1823 ordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München.

Die Grabstätte von Döllinger, der infolge von Magenkrebs starb, befindet sich auf dem Alten Südlichen Friedhof in München (Mauer Links Platz 241 bei Gräberfeld 11) Standort. In diesem Grab liegt auch sein bekannter Sohn, der Theologe Ignaz von Döllinger, dessen Büste das Grabmal ziert.

Wissenschaftliche Leistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Döllinger besaß eine umfangreiche Allgemeinbildung, war ein Meister der anatomischen Technik und einer der ersten, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Bedeutung des Mikroskops für die medizinische Forschung erkannte und seine Schüler am Mikroskop ausbildete. Die Bedeutung Döllingers liegt in den Verdiensten, die er sich um die Embryologie und die vergleichende Anatomie erworben hat. Sie basiert auf seinen Erkenntnisse in allen Gebieten der Morphologie und Physiologie. Er faßte die Medizin als Naturwissenschaft auf. Als Beispiel seien hier seine Abhandlungen über den Blutkreislauf, die Absonderungsvorgänge und die erste Anlage des Embryo erwähnt. Würzburg verdankt ihm die Gründung einer Zoologisch-Physiologischen Gesellschaft und eine Blüte seiner medizinischen Fakultät.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Über die Metamorphose der Erd- und Steinarten aus der Kieselreihe. Erlangen 1803.
  • Grundriss der Naturlehre des menschlichen Organismus. Zum Gebrauche bei seinen Vorlesungen. Bamberg und Würzburg 1805. (Online bei Google books)
  • Bemerkungen über die Vertheilung der feinsten Blutgefässe in den beweglichen Theilen des thierischen Körpers. J. Fr. Meckel's Archiv, IV, S. 186
  • Was ist Absonderung und wie geschieht sie? Eine akademische Abhandlung. Würzburg 1819
  • Denkschriften der Münchener Akademie VII, S. 179
  • Blutlauf. In Meckel's Archiv. II
  • Beiträge zur Entwicklungsgeschichte des menschlichen Gehirns. Frankfurt a. M. 1814.
  • Üeber das Strahlenblättchen im menschlichen Auge. Nova aeta Aca Döllinger Caes. Leop. nat. Curiosorum, IX, S. 268
  • Illustratio ichnograpidca fabricae oculi humani. Würzburg 1817.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Philipp Franz von Walther: Rede zum Andenken an Ignaz Döllinger Dr. In der zur Feier des allerhöchsten Namens- und Geburtstages Sr. Majestät des Königs am 25. August 1841 gehaltenen öffentlichen Sitzung der Königl. Bayerischen Akademie der Wissenschaften. München 1841 Digitalisat
  • Robert Herrlinger: Döllinger, Ignaz. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 4, Duncker & Humblot, Berlin 1959, ISBN 3-428-00185-0, S. 20 f. (Digitalisat).
  • Gudula Metze: Ignaz Christoph Döllinger. In: Jürgen Wurst, Alexander Langheiter (Hrsg.): Monachia. München: Städtische Galerie im Lenbachhaus, 2005. S. 73. ISBN 3-88645-156-9.
  • Eckhard Struck: Ignaz Döllinger. Ein Physiologe der Goethe-Zeit und der Entwicklungsgedanke in seinem Leben und Werk. München 1977.
  • Carl von Voit: Döllinger, Ignaz. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 5, Duncker & Humblot, Leipzig 1877, S. 315–318.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Robert Herrlinger: Döllinger, Ignaz. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 4, Duncker & Humblot, Berlin 1959, ISBN 3-428-00185-0, S. 20 f. (Digitalisat).
  2. Henning Bärmig: Die Personalbibliographien der an der Medizinischen Fakultät der Alma Mater Julia zu Würzburg von 1582 bis 1803 lehrenden Professoren mit biographischen Angaben. Medizinische Dissertation, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg 1969, S. 77
  3. Philipp Franz von Walther 1841, S. 85 f.
  4. Andreas Mettenleiter: Ein unbekannter Brief Philipp Franz von Siebold an seinen Onkel Damian vom 1. Januar 1821. In: Tempora mutantur et nos? Festschrift für Walter M. Brod zum 95. Geburtstag. Mit Beiträgen von Freunden, Weggefährten und Zeitgenossen. Hrsg. von Andreas Mettenleiter, Akamedon, Pfaffenhofen 2007 (= Aus Würzburgs Stadt- und Universitätsgeschichte, 2), ISBN 3-940072-01-X, S. 134 f.
  5. J. D. F. Neigebaur: Geschichte der kaiserlichen Leopoldino-Carolinischen deutschen Akademie der Naturforscher während des zweiten Jahrhunderts ihres Bestehens. Friedrich Prommann, Jena 1860
  6. Henning Bärmig, S. 78