Ignaz von Döllinger

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel befasst sich mit dem Theologen. Für den Mediziner, siehe Ignaz Döllinger.
Ignaz von Döllinger, ca. 1860
Ignaz von Döllinger, Porträt von Franz von Lenbach

Johann Joseph Ignaz, seit 1868 Ritter von, Döllinger (* 28. Februar 1799 in Bamberg; † 10. Januar 1890 in München) war ein deutscher katholischer Theologe und Kirchenhistoriker, sowie einer der geistigen Väter der altkatholischen Kirche.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Johann Joseph Ignaz Döllinger wurde 1799 als Sohn des Mediziners und Professors Ignaz Döllinger geboren. Im Jahre 1826 von König Ludwig I. von Bayern an die Universität München berufen, trat er zunächst als entschiedener Gegner des Protestantismus und der Aufklärung hervor. 1837–1847 war er neben seiner Professur für Kirchengeschichte und Kirchenrecht als Oberbibliothekar (d. h. als Direktor) der Universitätsbibliothek München tätig. Er schloss sich dem Görres-Kreis an und wurde 1848 in die Frankfurter Nationalversammlung gewählt. Er war einer der Hauptgegner des Ersten Vatikanums. Entscheidender Anstoß war das Dogma der Unfehlbarkeit des Papsttums, das er ablehnte. Weiterhin setzte er sich für die Trennung von Staat und Kirche ein.

Obwohl Döllinger mit Johann Friedrich von Schulte, Franz Heinrich Reusch und dem späteren Bischof Joseph Hubert Reinkens den Grundstein für die Altkatholische Kirche in Deutschland gelegt hatte, wehrte er sich lange gegen das Schisma mit Rom, wofür ihn sein Zeitgenosse Schulte kritisierte. Auf Döllingers scharfe Attacken reagierte der Erzbischof von München und Freising, Gregor von Scherr, mit dessen Exkommunikation im Jahre 1871. Damit war die akademische Karriere des 72–Jährigen jedoch keineswegs beendet: 1872 wurde er Rektor der Universität München, und 1873 berief ihn König Ludwig II. von Bayern auf das Präsidium der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

In den letzten Jahren seines Lebens setzte er sich für die Wiedervereinigung der Christen als sein kirchliches Ideal ein. Döllinger gilt als Vordenker des Gedankens der Ökumene und wird von der altkatholischen Kirche als ihr geistiger Vater betrachtet.

Döllinger machte sich auch als Kirchenhistoriker einen Namen. Der Wandlungsprozess Döllingers vom Katholiken zu einem „Altkatholiken“, der der altkatholischen Kirche jedoch nicht formal beitrat, lässt sich auch in seinem Verhältnis zu Luther nachweisen. Die Radikalität der Ablehnung Luthers, die sich in Döllingers Schriften der 1840er und 1850er Jahre zeigt, findet sich bereits Anfang der 1860er Jahre so nicht mehr. Die Ablehnung der Unfehlbarkeit des Papsttums mag vielleicht einer der Gründe hierfür sein. Die Schriften Döllingers aus den 1840er und 1850er Jahren hatten auf die ultramontane Geschichtsschreibung zum Beispiel hinsichtlich deren Bewertung von Luther und der Reformation einigen Einfluss und zeigte Langzeitwirkung z. B. bei Johannes Janssen, Ludwig von Pastor, Hartmann Grisar und Heinrich Denifle.

Eine jahrzehntelange Freundschaft verband Ignaz von Döllinger mit Lord Acton (1834-1902), dem englischen Historiker und liberalen Katholiken. Döllingers Schüler waren unter anderem der Kölner Sozialreformer Adolph Kolping, der nach seinem Studium in München (1840-1842) den Rest seines Lebens in Briefkontakt zu Döllinger stand und der spätere Professor und Ehrendoktor der altkatholischen Fakultät in Bern Franz Hirschwälder.

Döllinger erhielt 1853 den Bayerischen Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst.[1] 1868 wurde er mit dem Ritterkreuz des Verdienstordens der Bayerischen Krone ausgezeichnet und damit in den persönlichen Ritterstand erhoben.

Auszeichnung[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Ignaz von Döllinger – Quellen und Volltexte
 Commons: Ignaz von Döllinger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hans Körner: Der Bayerische Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst und seine Mitglieder. In: Zeitschrift für Bayerische Landesgeschichte, Bd. 47 (1984), S. 299-398. Online unter: http://periodika.digitale-sammlungen.de/zblg/kapitel/zblg47_kap28.