Ignaz Franz Castelli

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Ignaz Franz Castelli, Lithographie von Joseph Kriehuber, 1835

Ignaz Vinzenz Franz Castelli (* 6. März 1781 in Wien; † 5. Februar 1862 ebenda) war ein österreichischer Dichter und Dramatiker. Die Reihenfolge seiner Vornamen variiert in der Literatur. Er veröffentlichte auch unter den Pseudonymen Bruder Fatalis, Höhler,[1] Kosmas, Kosmos, Rosenfeld, C. A. Stille.[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Castelli studierte Rechtswissenschaften, widmete sich aber bald der literarischen Tätigkeit. Mit seinem Kriegslied für die österreichische Armee, das in großer Auflage an die österreichischen Soldaten verteilt wurde, war er einer der ersten patriotischen Dichter der Befreiungskriege. Durch Entsendung nach Ungarn brachte ihn die österreichische Regierung vor den Nachstellungen der Franzosen in Sicherheit.

Ignaz Franz Castelli, Gemälde von Friedrich von Amerling

Zu seinem Bekanntenkreis gehörte auch Ludwig van Beethoven, mit dem zusammen er am 26. September 1825 an dem Abschiedsessen für den Verleger Maurice Schlesinger teilnahm.[3]

Ignaz Franz Castelli starb am 5. Februar 1862 im Alter von 81 Jahren in Wien. Sein Grab befindet sich auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gr. 0, R 1, Nr. 18).[4]

Sein Grab befand sich zunächst auf dem Hütteldorfer Friedhof. Als es im Jahre 1895 aufgelassen werden sollte, setzte sich der Wiener Tierschutzverein dafür ein, seinem Mitbegründer (s. u.) ein Ehrengrab auf dem Zentralfriedhof zu widmen. Am 23. Juni 1895 wurde der Leichnam feierlich umgebettet.[5]

Im Jahr 1874 wurde in Wien-Margareten (5. Bezirk) die Castelligasse nach ihm benannt.

Einsatz für den Tierschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1846 war er Mitbegründer des Niederösterreichischen Vereins gegen Misshandlung der Tiere in Wien, der als Wiener Tierschutzverein heute noch existiert. Am 23. Juli 1860 fand in Dresden der erste Kongress aller deutschen Tierschutzvereine statt, zu dessen Präsident er gewählt wurde.[6] Dem Verein vermachte er testamentarisch 1.000 Gulden in Nationalanlehen-Obligationen.[7]

Tätigkeit als Autor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1811 bis 1814 war Castelli Hoftheaterdichter am Wiener Kärntnertortheater. Auf der Bühne hat sich von seinen 199 Lustspielen nichts mehr erhalten, doch seine Singspiel-Libretti Die Schweizer Familie (1809) für Joseph Weigl und Die Verschworenen, komponiert von Franz Schubert, Georg Abraham Schneider und Franz de Paula Roser erlangten große Popularität. Die Opern von Weigl und Schubert wurden auch in der Gegenwart wieder aufgeführt.

Als Herausgeber und Mitarbeiter diverser Periodika in Wien und im deutschsprachigen Raum trug er (in teils pseudonymen und anonymen Berichten mit Verfassernamen wie „Bruder Fatalis“, „Kosmas“, „Rosenfeld“, „C. A. Stille“ und „Höhler“) maßgeblich dazu bei, ein spezifisches Bild von Wien zu vermitteln. Das Beste dürften seine Gedichte in niederösterreichischer Mundart (Wien, 1828) sein, womit er die österreichische Dialektpoesie (Johann Gabriel Seidl, Franz Stelzhamer, Carl Adam Kaltenbrunner) anregte. 1819 gründete er die literarische Gesellschaft Ludlamshöhle. Er hatte Kontakt zu zahlreichen berühmten Schriftstellern und Künstlern seiner Zeit und war u. a. mit Moritz Gottlieb Saphir und Antonio Salieri befreundet.

Sein konfliktscheues, friedliches Temperament, das ihm große Beliebtheit bei Schriftstellerfreunden und Kollegen und ebensolche Popularität beim Publikum eintrug, spiegelt sich in seinen Memoiren, die unter dem Titel Aus dem Leben eines Wiener Phäaken[8] noch vielfach nachgedruckt wurden und Schillers ironisches Wort von der „Phäakenstadt“,[9] auf Wien gemünzt, als einer Stadt des Wohllebens verbreitet haben. Publizistisch war er auch für die Wiener Zeitung tätig.[10]

Castelli schrieb auch „populair-politische“[11] Texte, etwa einen Text über die Cholera;[12] das Motto dieses Werkes lautet: „Wer für das Volk schreibt, dessen erste Sogre sey ihm verständlich zu schreiben.“

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grabstätte von Ignaz Franz Castelli
  • Die Schweizer Familie, 1809 (Singspiel)
  • Neue Wehrmanns-Lieder, 1813
  • Der Hund des Aubry, 1816 (Drama)
  • Die Waise und der Mörder, 1819 (Drama)
  • 100 vierversige Fabeln, 1822
  • Der Ehemann als Liebhaber oder der Liebhaber als Ehemann, 1823 (Lustspiel)
  • Die Verschworenen, 1823 (Singspiel)
  • Gedichte in niederösterreichischer Mundart, 1828
  • Wiener Lebensbilder (derbhumoristische Skizzendichtung), 1828
  • Eine für die Andere, 1830 (Lustspiel)
  • Uniform und Schlafrock, 1831 (Lustspiel)
  • Die Scheidewand, 1833 (Lustspiel)
  • Wörterbuch der Mundart in Oesterreich unter der Enns (…) ein Hülfsbuch, um den Oesterreicher über seine Nationalsprache aufzuklären und Fremden dieselbe verständlich zu machen, Wien 1847
  • Memoiren meines Lebens, 4 Bände, 1861
  • Sankt Martin
  • Aus dem Leben eines Wiener Phäaken 1781–1862. Die Memoiren des I. F. Castelli, neu herausgegeben von Adolf Saager (Memoirenbibliothek, IV. Serie Achter Band). Verlag von Robert Lutz, Stuttgart 1912 (Digitalisat der 2. Auflage im Internet Archive)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ignaz Franz Castelli – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Ignaz Franz Castelli – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. T. G. Waidelich: „er soll’s Maul aufmachen“, Schubert im „Tagebuch aus Wien“ der Dresdner „Abend-Zeitung“ von Ignaz Franz Castelli. In: Schubert durch die Brille 18 (1997), S. 25–40.
  2. Birgit Scholz: Biographie von Ignaz Vinzenz Franz Castelli (1781 bis 1862). Zs LiTheS der Uni Graz, Germanistisches Institut, 2008, im Internet Biographie von Ignaz Vinzenz Franz Castelli (1781 bis 1862) und Biographie von Ignaz Vinzenz Franz Castelli (PDF) abgerufen am 4. Juni 2015
  3. Klaus Martin Kopitz, Rainer Cadenbach (Hrsg.) u. a.: Beethoven aus der Sicht seiner Zeitgenossen in Tagebüchern, Briefen, Gedichten und Erinnerungen. Band 1: Adamberger – Kuffner. Hrsg. von der Beethoven-Forschungsstelle an der Universität der Künste Berlin. Henle, München 2009, ISBN 978-3-87328-120-2, S. 181–183.
  4. viennatouristguide.at
  5. Das Grab eines Vergessenen. In: Prager Tagblatt, 23. Juni 1895, S. 10 (Online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/ptb
  6. Castelli, F. I.: Memoiren meines Lebens. 4. Bd. Wien 1861, S. 401
  7. Ignaz Franz Castelli.Der Thierfreund. Zeitblätter für Menschenveredelung und Thierschutz / Der Thierfreund. Zeitblätter des Wiener-Thierschutz-Central-Vereines für Menschenveredelung und Thierschutz / Der Thierfreund. Zeitblätter für Menschenveredelung und Thierschutz. Organ des Wiener Thierschutz-(Central-)Vereines / Der Thierfreund. Organ des Wiener Thierschutz-Vereines / Beilagen: Der Kinderfreund. Eine eine Sammlung von Erzählungen, Gedichten, Naturgeschichtlichen (sic!) und Anekdoten (1855) / Die Biene. Eine Sammlung von Erzählungen, Gedichten, Kulturgeschichtlichem und allerlei Interresantem (1856), Jahrgang 1862, S. 6 (Online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/wtv
  8. Aus dem Leben eines Wiener Phäaken 1781-1862. Die Memoiren des I. F. Castelli. Neu herausgegeben von Adolf Saager, 2. Auflage, Verlag Robert Lutz, Stuttgart 1912, 3. Auflage, Stuttgart 1927. Im Faksimile von der Library of the University of Toronto online und zum Download zugänglich gemacht, Ignaz Franz Castelli, abgerufen am 4. Juli 2014. In dieser Ausgabe ist der Text der originalen Ausgabe von 1861 chronologisch mit Kürzungen des Nebensächlichen und mancher Wiederholungen neugeordnet, vgl. Saagers Einleitung, S. 20.
  9. In Schillers Distichon „Donau in **“ ist Wien verschwiegen: Mich umwohnt mit glänzendem Aug’ das Volk der Phaiaken:/ Immer ist’s Sonntag, es dreht immer am Herd sich der Spieß (zit. nach Gesamtausgabe, 1. Band, Zahme Xenien)
  10. Rebecca Unterberger: Vom Diarium zur Zeitung: Wiener Zeitung auf litkult1920er.aau.at, verfasst März 2017, redaktionell ergänzt Februar 2019
  11. Ignaz Franz Castelli: mit Portait Cassel 1854, S. 13.
  12. Castell, F. I.: Wohlgemeinte Worte an Oesterreichs Landvolk über die jetzt allgemein herrschende Seuche Cholera morbus […]. Wien: Strauß’ Witwe 1831. (Digitalisat)