Il prigioniero

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Werkdaten
Titel: Der Gefangene
Originaltitel: Il prigioniero
Form: Oper in einem Prolog und einem Akt
Originalsprache: Italienisch
Musik: Luigi Dallapiccola
Libretto: Luigi Dallapiccola
Literarische Vorlage: La torture par l’espérance von Auguste de Villiers de L’Isle-Adam und La légende d’Ulenspiegel et de Lamme Goedzak von Charles De Coster
Uraufführung: 1. Dezember 1949 (konzertant);
20. Mai 1950 (szenisch)
Ort der Uraufführung: Turin (konzertant); Florenz, Teatro Comunale (szenisch)
Spieldauer: ca. 50 Minuten
Ort und Zeit der Handlung: Saragossa um 1550
Personen
  • die Mutter (dramatischer Sopran)
  • der Gefangene (Bariton)
  • der Kerkermeister (Tenor)
  • Fra Redemptor (stumme Rolle)
  • 1. Priester (Tenor)
  • 2. Priester (Bariton)
  • der Großinquisitor (Tenor, derselbe Sänger wie der Kerkermeister)
  • großer Chor (hinter der Szene)

Il prigioniero (deutsch: Der Gefangene) ist eine Oper in einem Prolog und einem Akt von Luigi Dallapiccola, der auch das Libretto schrieb. Dieses basiert auf der Erzählung La torture par l’espérance von Auguste de Villiers de L’Isle-Adam und dem Roman La légende d’Ulenspiegel et de Lamme Goedzak von Charles De Coster. Die konzertante Uraufführung erfolgte am 1. Dezember 1949 durch die Radiotelevisione Italiana Turin. Szenisch wurde das Werk erstmals am 20. Mai 1950 im Teatro Comunale in Florenz gespielt.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Oper spielt im Spanien des 16. Jahrhunderts in einem Gefängnis der Inquisition.

Prolog[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mutter wartet darauf, ihren gefangenen Sohn im Gefängnis zu besuchen. Eine innere Stimme sagt ihr, dass es das letzte Mal sein wird. Sie singt von einem Traum, der ihr immer wieder den Schlaf raubt. In diesem Traum erscheint ihr König Philipp am Ende eines finsteren Gewölbes. Er kommt auf sie zu und verwandelt sich in den Tod. Der Chor von außen beendet den Prolog.

Erster Akt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1. Bild. Unterirdische Zelle mit Strohlager und Folterbank

Der Gefangene in der Zelle erzählt seiner Mutter von seinen Schmerzen und von der Folter, aber auch vom Kerkermeister, der ihn „Bruder“ nannte und ihm damit die Hoffnung auf Freiheit zurückgebracht hat. Sie werden vom Kerkermeister unterbrochen.

2. Bild. Dieselbe Gefängniszelle

Der Kerkermeister erscheint in der Zelle und macht dem Gefangenen Hoffnung: In Flandern erhebe sich die Revolte. Die Glocke Roelandt könne bald wieder klingen und König Philipp und dem Großinquisitor den Untergang verkünden. Der Kerkermeister verlässt die Zelle, lässt aber die Zellentür einen Spalt offen. Der Gefangene kann sein Glück kaum fassen und schlüpft durch die offene Gefängnistür.

3. Bild. Unterirdische Gewölbe, von bläulichem Licht schwach erhellt

Die langen Gewölbe erinnern an den Traum der Mutter aus dem Prolog. Der Gefangene ist auf der Flucht. Es sieht einen „Fra Redemptor“ und kann sich ungesehen vor ihm verstecken. Zwei im theologischen Gespräch vertiefte Priester laufen an ihm vorbei, sehen ihn aber auch nicht. Der Gefangene meint, frische Luft spüren zu können. Als er eine Glocke hört, glaubt er, es sei die Glocke Roelandt. Er wähnt sich am Ziel und in Freiheit. Der Chor beendet die dritte Szene.

4. Bild. Großer Garten, Sternenhimmel

Der Gefangene meint, entkommen zu sein und bewegt sich auf eine große Zeder zu. Er will die Zeder umarmen. Die Arme des Großinquisitor tauchen aus der Zeder auf und nehmen ihn wieder gefangen. Er erkennt in dem Großinquisitor den Kerkermeister wieder, der ihn die ganze Zeit getäuscht hat. Die Hoffnung wird zur letzten Form der Folter. Ohne Gegenwehr lässt sich der Gefangene zum Scheiterhaufen führen.

Instrumentation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orchesterbesetzung der Oper enthält die folgenden Instrumente:[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Luigi Dallapiccola: The Genesis of the Canti di Prigionia and Il Prigioniero: An Autobiographical Fragment. In: The Musical Quarterly, Volume XXXIX, Issue 3. 1. Juli 1953, S. 355–372, doi:10.1093/mq/XXXIX.3.355.
  • Fiamma Nicolodi (Hrsg.): Luigi Dallapiccola. Parole e musica. Edizione aggiornata ed ampliata. Il Saggiatore, Mailand 1980.
  • Dietrich Kämper: Gefangenschaft und Freiheit. Leben und Werk des Komponisten L. Dallapiccola. Gitarre+Laute, Köln 1984.
  • Jessica Harrison Howard: Luigi Dallapiccola’s »Prigioniero«: a music-dramatic analysis of scene 4. Ann Arbor (UMI) 1989.
  • Jürg Stenzl: Von Giacomo Puccini zu Luigi Nono. Italienische Musik 1922–1952: Faschismus ─ Resistenza ─ Republik. Frits Knuf, Buren 1990.
  • Arrigo Quattrocchi (Hrsg.): Studi su Luigi Dallapiccola. LIM, Lucca 1993.
  • Joachim Noller: Dodekaphonie via Proust und Joyce. Zur musikalischen Poetik Luigi Dallapiccolas. In: Archiv für Musikwissenschaft 51/1994, S. 131–144.
  • Mila De Santis (Hrsg.): Dallapiccola. Letture e prospettive, Atti del Convegno Internazionale di Studi (Empoli/Firenze, 16-19 febbraio 1995). Ricordi/LIM, Mailand/Lucca 1997.
  • Raymond Fearn: The music of Luigi Dallapiccola. University of Rochester Press, Rochester/NY 2003.
  • Roberto Illiano (Hrsg.): Italian Music during the Fascist Period. Brepols, Turnhout 2004.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Horst Weber: Il prigioniero. In: Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters. Band 1: Werke. Abbatini – Donizetti. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02411-4, S. 661–662.