Imre Schlosser

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Imre Schlosser, gerufen „Slozi“ (* 24. Januar 1889 in Budapest; † 19. Juli 1959 ebenda) war ein ungarischer Fußballspieler, der es zu 16 nationalen Titelgewinnen in Ungarn brachte. Zeitweise nannte er sich Imre Schlosser-Lakatos (Letzteres ist das ungarische Wort für Schlosser).

Karriere[Bearbeiten]

Vereine[Bearbeiten]

Bei Remeny FC begann Imre Schlosser mit 11 Jahren in der Jugend mit dem Fußballspiel. Als 15-Jähriger wechselte er 1904 zu Ferencvaros Budapest. Mit 18 Jahren gewann er in der Runde 1906/07 den ersten Meistertitel mit den Weiß-Grünen von FTC. Als er nach elf Runden im Jahre 1915 zum Lokalrivalen MTK Budapest wechselte, standen acht Meisterschaften und zusätzlich in der Runde 1912/13 der Gewinn des Pokals auf seiner Visitenkarte. Sechs Mal in Folge errang er von 1909 bis 1914 dabei auch den ungarischen Torjägertitel[1] - 1911, 1912, 1913 und 1914 war er zugleich der beste Ligatorschütze Europas[2]. Herausragend war seine Trefferquote in der Runde 1910/11 als er in 18 Spielen 38 Treffer erzielte.

Seine Bilanz in den sieben Jahren MTK von 1915 bis 1922 mit sechs Meistertiteln und ebenfalls einem Pokalgewinn in der Saison 1921/22 setzte dem fast noch die Krone auf. Auch bei den Blau-Weißen von MTK hatte er zwei besonders erwähnenswerte Torjägerbilanzen: 1916/17 traf er in 17 Spielen 38 mal in das Tor; 1917/18 in 22 Spielen wurden es sogar 41 Tore, in letzterem Jahr wurde er allerdings vom sensationellen Alfréd Schaffer, ebenfalls vom MTK, mit 42 Toren noch übertroffen. In beiden Runden gewann er mit seinen Kameraden von MTK Hungaria FC selbstverständlich auch den Meistertitel. Mit 33 Jahren unterbrach er seine Spielerkarriere und unternahm bei Magyar Athletikai Club, IF Norrköping und Wisla Krakau bis 1925 die ersten Gehversuche als Trainer. In der Saison 1925/26 war er Spieler-Trainer beim Wiener Athletik Sport-Club. Als der 37-Jährige in der Runde 1926/27 wieder die Stiefel für Ferencvaros schnürte holte er seine neunte Meisterschaft mit FTC und erneut den Pokal. In der Runde 1927/28 gewann der 39-Jährige auch das Double mit 33 FC Budapest. Insgesamt gewann er 16 mal die ungarische Meisterschaft, vier mal den Pokal und holte 11 mal den nationalen Titel des Torschützenkönigs. Von 1905/06 bis 1927/28 (ohne die Jahre 1922/23 bis 1924/25) kam er auf 318 Liga-Spiele mit 417 Toren. Nicht umsonst wurde Imre Schlosser, seine Stammposition war auf Halblinks, der erste Superstar des europäischen Festlandes genannt.

Nationalmannschaft[Bearbeiten]

Das Debüt in der Länderelf hatte der Techniker und Torjäger beim Spiel am 7. Oktober 1906 in Prag gegen Böhmen bei einem 4:4 Unentschieden. Es war das neunte Länderspiel von Ungarn. Vier Wochen später, am 4. November in Budapest, beim 3:1 Erfolg gegen Österreich, gelang ihm in seinem zweiten Länderspiel das erste Tor in der Nationalmannschaft. Mit dem Spiel am 10. April 1927 in Wien gegen Österreich beendete er seine Laufbahn in der Nationalmannschaft. Von 1906 bis 1927 hatte er in 68 Länderspielen 59 Tore für Ungarn erzielt. Dabei waren auch die Spiele am 29. Oktober 1911 in Budapest gegen die Schweiz, wobei Schlosser beim 9:0 Sieg alleine sechs Treffer gelangen, und das Spiel bei der Olympiade 1912 in Stockholm gegen Deutschland am 3. Juli, wo er alle drei Tore für den Sieg von Ungarn erzielte. Bei der deutschen Fußballnationalmannschaft spielte an diesem Tag der „Karlsruher“-Sturm mit Karl Wegele, Fritz Förderer, Gottfried Fuchs, Julius Hirsch und Emil Oberle. In diesem Spiel gelang ihm auch als erstem Spieler das 30. Länderspieltor. 31 mal war er der Kapitän der Ländermannschaft. Berühmter Mannschaftskollege war der „Fußballkönig“ genannte Alfred Schaffer. Mit 8 Toren war er der erfolgreichste Gegenspieler der Deutschen Nationalmannschaft. Sein Weltrekord von 59 Länderspieltoren wurde erst am 25. November 1953 beim 6:3 Sieg Ungarns gegen England von Ferenc Puskás überboten, der in diesem Spiel seine Tore Nummer 60 und 61 erzielte.[3]

Karriereende[Bearbeiten]

Im Sommer 1928 nahm er mit einem Match, in dem sich die Auswahlteams der 1. und 2. Liga gegenüberstanden und er das Trikot der letzteren trug, endgültig Abschied von seiner aktiven Laufbahn. Fortan war er nur noch als Trainer tätig. Bei der Jahrhundert-Wahl kam er in Ungarn auf Rang vier, in Europa auf Rang 42. KIRN/NATAN heben ihn in ihrem Taschenbuch aus dem Jahre 1958 als „den populärsten Fußballer Ungarns in allen Zeiten“ hervor.

Literatur[Bearbeiten]

  • 211 weltbesten Erst-Liga-Torschützen des Jahrhunderts, Wiesbaden 1998, IFFHS
  • Michael Horn: Lexikon der internationalen Fußballstars. Verlag Die Werkstatt. Göttingen 2004. ISBN 3-89533-466-9
  • Rohr, Simon: Fussball Lexikon. Copress Verlag, München 2004, ISBN 3-7679-0829-8

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sorin Arotaritei: Hungary - Topscorers, Rec.Sport.Soccer Statistics Foundation, 17. September 2010
  2. Hernán Speroni: European Topscorers before 1967/68, Rec.Sport.Soccer Statistics Foundation, 10. September 2005
  3. rsssf.com: Ferenc Puskás - Goals in International Matches