Gottfried Fuchs

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Gottfried Fuchs
Gottfried Fuchs.jpg
Gottfried Fuchs
Spielerinformationen
Geburtstag 3. Mai 1889
Geburtsort KarlsruheDeutschland
Sterbedatum 25. Februar 1972
Sterbeort Montreal, QuébecKanada
Position Angriff
Herren
Jahre Station Spiele (Tore)1
1904–1907
1907–1914
1914–1920
Düsseldorfer SC 99
Karlsruher FV
Düsseldorfer SC 99
Nationalmannschaft
Jahre Auswahl Spiele (Tore)
1911–1913 Deutschland 6 (13)
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.

Gottfried Fuchs (* 3. Mai 1889 in Karlsruhe; † 25. Februar 1972 in Montreal, Québec) war ein deutscher Fußballspieler. Er spielte unter anderem mit Fritz Förderer und Julius Hirsch.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fuchs spielte als Stürmer für den Düsseldorfer SC 99 und den Karlsruher FV und wurde mit diesem 1910 Deutscher Fußballmeister.

Er war von 1911 bis 1913 sechs Mal für die deutsche Fußballnationalmannschaft in internationalen Spielen aktiv und erzielte dabei insgesamt 13 Tore. Dies ist bis heute (Stand August 2015) die beste Quote (2,17) eines deutschen Nationalspielers. Bei den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm erzielte er im Spiel gegen Russland zehn Tore (beim Endstand von 16:0), eine bis heute in einem Länderspiel eines deutschen Nationalspielers unübertroffene Zahl. (Den Weltrekord hält seit 2001 der Australier Archie Thompson, dem beim 31:0 gegen Amerikanisch-Samoa 13 Tore gelangen.) Mit diesen zehn Toren übertraf Fuchs den bis dahin führenden deutschen Länderspiel-Rekordtorschützen Eugen Kipp, der es zuvor in elf Länderspielen auf acht Tore gebracht hatte. Sein sechstes und letztes Länderspiel bestritt er 1913 bei der 2:6-Niederlage in Belgien, in dem er sein 13. Tor für die Nationalmannschaft erzielte.

Im Ersten Weltkrieg diente Fuchs als Artillerieoffizier und wurde vier Mal verwundet. Nach Kriegsende spielte er noch einmal für kurze Zeit beim Karlsruher FV und beendete dann seine Karriere. Sein Bruder war der Architekt und Komponist Richard Fuchs.

Beruflich im väterlichen Familienbetrieb, die Holzhandlung Fuchs Söhne, eingestiegen, zog Fuchs 1928 nach Berlin, wo er bis 1935 dem dortigen Tennisclub angehörte, ehe er aufgrund seiner jüdischen Abstammung den Verein verlassen musste.[1]

Da Fuchs jüdischer Herkunft war, musste er 1937 über die Schweiz zunächst nach Frankreich und 1940 schließlich nach Kanada emigrieren, wo er – nunmehr unter dem Namen Godfrey Fochs – 1972 in Montreal an einem Herzinfarkt starb. Wegen der Nürnberger Rassengesetze wurde sein Name aus vielen deutschen Fußballstatistiken gelöscht.[2] Diese Lücke wurde bislang nicht überall wieder revidiert. Das klare Bekenntnis Sepp Herbergers zu seinem früheren fußballerischen Idol (dem „Franz Beckenbauer seiner Jugend“) trug wesentlich dazu bei, dass in der Öffentlichkeit Fuchs' Leistungen für den deutschen Fußball allmählich wieder gewürdigt wurden.[3]

Der Spiegel schrieb 2012:

„Am 24. Mai 1972 schien die Gelegenheit gekommen, das neue Münchner Olympiastadion sollte mit einem Spiel gegen die Sowjetunion eingeweiht werden. Herberger schlug dem damaligen DFB-Vize Hermann Neuberger in einem Schreiben vor, Gottfried Fuchs als Ehrengast auf Verbandskosten einzuladen. Dies würde ‚als ein Versuch der Wiedergutmachung willfahrenen Unrechtes sicherlich nicht nur im Kreis der Fußballer und Sportler, sondern überall in Deutschland ein gutes Echo finden‘. Er hoffe, so schloss Herberger, auf Billigung des Vorstands. […] Die Antwort des DFB an Herberger war perfide. Es bestehe ‚keine Neigung, im Sinne Ihres Vorschlages zu verfahren‘, schrieb der damalige Schatzmeister Hubert Claessen. Das Präsidium sei der Ansicht, ‚dass ein Präzedenzfall geschaffen würde, der auch für die Zukunft noch erhebliche Belastungen mit sich bringen könnte‘. Es folgte ein dürrer Hinweis auf die ‚angespannte Haushaltslage‘.

Präzedenzfall? Gottfried Fuchs war 1972 der einzige lebende jüdische Fußballer, der jemals für Deutschland gespielt hatte.

Angespannte Haushaltslage? Der DFB zahlte im Sommer 1972 jedem Nationalspieler für den Sieg bei der Europameisterschaft 10 000 Mark. Ein Hin- und Rückflug mit der Lufthansa von Montreal nach Frankfurt kostete zu jener Zeit in der Economy-Klasse 1760 Mark.“[3]

„Im Vorstand des DFB saßen damals 13 Männer. Zwei, der Schweinfurter Hans Deckert und der Kölner Degenhard Wolf, waren Mitglieder der NSDAP gewesen. Ein Präsidiumsmitglied, der Frankfurter Rudolf Gramlich, später Träger des Bundesverdienstkreuzes und der Goldenen Ehrennadel des DFB, hatte unmittelbar nach Kriegsbeginn einem SS-Totenkopfverband angehört, der in Polen mordete.“[3]

Herberger schrieb am 22. März 1972 seinem Brieffreund Fuchs tief enttäuscht von der Absage des DFB. Die Nachricht erreichte Fuchs nicht mehr. Er war bereits einen Monat zuvor verstorben.[3]

Am 16. Juni 2013 beschloss der Gemeinderat von Karlsruhe die Umbenennung eines Teilstücks des Karlsruher Weges in Gottfried-Fuchs-Platz.[4]

Die drei baden-württembergischen Fußballverbände Baden, Südbaden und Württemberg zeichnen in Erinnerung an Gottfried Fuchs seit der Fußballsaison 2016/17 mit einem nach Fuchs benannten Jugendpreis Vereine, Abteilungen oder einzelne Mannschaften aus dem Jugendbereich der drei Verbände aus. Das Motto des Jugendpreises lautet: „Für Menschlichkeit und Toleranz – gegen Rassismus und Antisemitismus“.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Harald Kaiser: Als Fuchs auf Torjagd ging: Zehn Treffer in einem Spiel. In: Der Kicker, 29. Juni 2009, S. 78–79.
  • Werner Skrentny: Gottfried Fuchs – Nationalspieler mit Torrekord. In: Schulze-Marmeling (Hrsg.): Davidstern und Lederball. Die Werkstatt, Göttingen. ISBN 3-89533-407-3. S. 123–130.
  • „Gotti“ schoss zehn Tore in einem Länderspiel. In: Badische Neueste Nachrichten, 24. Mai 2003.
  • Karlsruher Fußballstar flüchtet vor Nazi-Schergen nach Kanada. In: Badische Neueste Nachrichten, 28. Mai 2003.
  • Gottfried Fuchs auf dem Weg ins Exil / Ein Briefwechsel mit Herberger. In: Skrentny: Julius Hirsch. Nationalspieler. Ermordet. Biografie eines jüdischen Fußballers. Die Werkstatt, Göttingen, 2012, ISBN 978-3-89533-858-8, S. 226–236 und S. 281–293.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://ka.stadtwiki.net/Gottfried_Fuchs
  2. Jedoch nicht aus dem Kicker Almanach, dessen Ausgabe 1941/42 Fuchs an mehreren Stellen erwähnt.
  3. a b c d M. Wulzinger: Herbergers Held. In: Der Spiegel Ausgabe 14, 2012, S. 107.
  4. Pressemitteilung des Karlsruher FV: Einweihung der Julius Hirsch-Straße und des Gottfried Fuchs-Platzes
  5. Jugendpreis Gottfried Fuchs für Vereine mit besonderem Engagement. Pressemitteilung des Badischen Fußballverbandes, abgerufen am 26. August 2016.