Innozenz X.

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Innozenz X., Porträt von Diego Velázquez
Papstwappen Innozenz' X.
Detail des Grabmals für Innozenz X. in der Kirche Sant' Agnese in Rom

Innozenz X. (eigentlich Giovanni Battista Pamphilj; * 6. Mai 1574 in Rom; † 7. Januar 1655 ebenda) war Papst von 1644 bis 1655.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Giovanni Battista Pamphilj wurde 1604 Auditor der Römischen Rota. Ab 1625 war er päpstlicher Legat in Frankreich und 1626 Spanien. Im selben Jahr wurde er auch Lateinischer Patriarch von Antiochia. Papst Urban VIII. nahm ihn im Konsistorium vom 30. August 1627 als Kardinalpriester von San Eusebio ins Kardinalskollegium auf. 1639 wurde er Präfekt der Konzilskongregation.

Pontifikat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 15. September 1644 wurde Innozenz X. durch das Konklave gewählt. Bei seiner Wahl war er schon 70 Jahre alt und wurde fortan sehr von seiner Schwägerin Olimpia Maidalchini beeinflusst, die sich dadurch bereichern konnte.

Innozenz X. zog die Nepoten seines Vorgängers Urban VIII. zur Rechenschaft, doch diese flohen nach Frankreich zu Kardinal Mazarin. Auf dessen Einwirken hin wurde der Prozess 1646 niedergeschlagen. Mit der ersten Ernennung eines Kardinalstaatssekretärs brach der Papst jedoch mit der Tradition, einen Neffen (Nepoten) als wichtigsten Berater zu haben. Vielleicht sollte der Papstname „Innozenz“ (= der Unschuldige) den Bruch mit dem Nepotismus ankündigen oder wenigstens auf das mittelalterliche Vorbild des Römers Innozenz III. zurückverweisen.

Während seines Pontifikats wurde 1648 der Westfälische Friede geschlossen, der den Herrschafts- und Einflussbereich der Protestanten für alle Zeit festschrieb. Das war eine empfindliche Niederlage für die katholische Kirche; daher verweigerte der päpstliche Gesandte Fabio Chigi als Einziger unter den Verhandlungsführern seine Unterschrift auf dem Friedensvertrag. Der Papst legte erfolglos mit dem Schreiben Zelo domus Dei vom 26. November 1648 Einspruch dagegen ein.

Im Krieg gegen den Herzog von Parma eroberten seine Truppen 1649 die Stadt Castro und machten sie nach der Kapitulation dem Erdboden gleich. Ihr Gebiet wurde dem Kirchenstaat eingegliedert und an Stelle der Stadt errichtete man eine Säule mit der Aufschrift „Qui fu Castro“ („Hier stand Castro“).

In einem Breve vom 17. Dezember 1649 ordnete Papst Innozenz X. eine breitangelegte Umfrage unter allen Ordensleuten Italiens an, in der Angaben über die finanzielle und personelle Situation aller Konvente gesammelt werden sollten. Das Ergebnis dieser Datenerhebung stellt heute eine Fundgrube für die Geschichtswissenschaft dar. Marcella Campanelli hat 1987 die für diese Umfrage verfassten Berichte und Statistiken bezüglich der Theatiner ediert und ausgewertet.

Nach heutigen Kriterien „ex cathedra“ verurteilte er mit der Päpstlichen Bulle Cum occasione 1653 fünf Lehrsätze des Jansenismus als Häresie, was von den Jansenisten zwar anerkannt wurde, insgesamt im Streit mit dem Jansenismus aber keinen großen Erfolg brachte. Denn die Anhänger des Jansenius meinten, diese Sätze stammten nicht von ihm.

In seiner Sterbestunde plünderte seine Schwägerin die päpstlichen Gemächer und weigerte sich, eine standesgemäße Beisetzung zu finanzieren. Es soll sich drei Tage niemand um den Toten gekümmert haben, bevor er schließlich ohne jede Feierlichkeiten bestattet wurde.

Der für seine realistischen Porträts berühmte spanische Maler Diego Velázquez malte 1650 in nur wenigen Sitzungen einen Pontifex, der alles andere als ein frommer und gütiger Kirchenvater war. Im Gegenteil lassen der misstrauische, durchdringende Blick und die zusammengepressten Lippen auf einen illusionslosen Machtpolitiker schließen. Der für seine Zornesausbrüche gefürchtete Papst soll es mit den Worten „troppo vero“ („allzu wahr“) kommentiert haben.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Innozenz X. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorgänger Amt Nachfolger
Urban VIII. Papst
1644–1655
Alexander VII.