Dürrwurz

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Dürrwurz
Blütenstand mit Blütenkörbchen der Dürrwurz (Inula conyzae)

Blütenstand mit Blütenkörbchen der Dürrwurz (Inula conyzae)

Systematik
Ordnung: Asternartige (Asterales)
Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Unterfamilie: Asteroideae
Tribus: Inuleae
Gattung: Pentanema
Art: Dürrwurz
Wissenschaftlicher Name
Pentanema conyzae
(Griess.) D.Gut.Larr., Santos-Vicente, Anderb., E.Rico & M.M.Mart.Ort.

Die Dürrwurz (Pentanema conyzae (Griess.) D.Gut.Larr., Santos-Vicente, Anderb., E.Rico & M.M.Mart.Ort., Syn.: Inula conyzae Griess. DC. Augustin Pyrame de Candolle), auch Dürrwurz-Alant genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Pentanema innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae).

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration aus Köhler's Medizinalpflanzen, 1887
Ausschnitt eines Blütenstandes mit Blütenkörbchen im Detail
Fruchtstand mit Achänen mit Pappus

Die Dürrwurz unterscheidet sich durch die fehlenden Zungenblüten und die zurückgekrümmten Hüllblätter des Blütenkörbchen von anderen Arten dieser Gattung.

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Dürrwurz handelt es sich um eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von meist 40 bis 80, selten bis zu 120 Zentimetern erreicht. Ihr „Wurzelstock“ ist verholzt, kurz und dick.[1] Der Stängel wächst aufrecht und ist meist erst im Bereich des Blütenstandes verzweigt. Die oberirdischen Pflanzenteile sind dünn und weich filzig behaart, allerdings nicht oder nur wenig drüsig.

Die Laubblätter sind eiförmig bis lanzettlich, wobei sie nach oben am Stängel immer kleiner werden. Die unteren und mittleren Laubblätter sind gestielt und stumpf, die oberen Laubblätter sind in den Blattgrund verschmälert und kurz gestielt oder sitzend. Bei der Blattunterseite tritt des Nervennetz deutlich hervor.[1]

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blütezeit reicht Juli bis September. In einem doldig ausgebreiteten rispigen Gesamtblütenstand stehen die körbchenförmigen Teilblütenstände zusammen. Die Blütenkörbchen haben einen Durchmesser von 5 bis 10 Millimetern und sind ungefähr doppelt so hoch. Die Hüllblätter, insbesondere die äußeren, sind zurückgekrümmt und stehen vom Blütenkörbchen ab. Die äußeren Hüllblätter sind grün, die inneren oft rötlich überlaufen. Zungenblüten fehlen oder sind kürzer als die Hüllblätter. Die Röhrenblüten sind hell bräunlich bis gelb.

Es werden Achänen mit Pappus gebildet.[1]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 32.[2]

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dürrwurz kommt in Mittel- und Südeuropa vor. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich im Norden bis nach Dänemark, im Süden und Osten bis zum Kaukasusraum und in den Iran.[1] In Algerien ist die Dürrwurz sehr selten.[1] In Deutschland fehlt sie im Norden fast völlig, in den Mittelgebirgen ist sie zwar weit verbreitet, kommt aber nur recht zerstreut vor. In den Allgäuer Alpen steigt sie im Tiroler Teil nahe dem Bernhardseck bei Elbigenalp bis in eine Höhenlage von 1800 Meter auf.[3]

Die Dürrwurz wächst an trockenen Waldrändern und Kahlschlägen oder auf Trockenhängen. Sie ist in Mitteleuropa eine Charakterart der Ordnung Origanetalia, kommt aber auch in Pflanzengesellschaften der Ordnungen Prunetalia, Quercetalia pubescentis oder des Verbands Erico-Pinion vor.[2]

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2+ (frisch), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 3+ (unter-montan und ober-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).[4]

Taxonomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstbeschreibungerfolgte 1836 durch Ludwig Griesselich unter dem Namen (Basionym) Aster conyzae Griess. in Kleine Botanische Schriften ... Erster Theil, S. 122.[5] Noch im selben Jahr wurde diese Art durch Augustin Pyramus de Candolle unter dem Namen Inula conyzae (Griess.) DC. zur Gattung Inula gestellt.

Nach Gutiérrez-Larruscain et al. 2018 sind einige Arten aus der Gattung Inula in die Gattung Pentanema zu stellen. Es erfolgte eine Neukombination zu Pentanema conyzae (Griess.) D.Gut.Larr., Santos-Vicente, Anderb., E.Rico & M.M.Mart.Ort. in David Gutiérrez-Larruscain, Maria Santos-Vicente, Arne A. Anderberg, Enrique Rico, María Montserrat Martínez-Ortega: Phylogeny of the Inula group (Asteraceae: Inuleae): evidence from nuclear and plastid genomes and a recircumscription of Pentanema. In: Taxon, Volume 67, Issue 1, März 2018 auf Seite 159.[6][7] Weitere Synonyme für Pentanema conyzae (Griess.) D.Gut. Larr. et al. sind:[5] Conyza squarrosa L. non Aster squarrosus All., Conyza vulgaris Lam. nom. illeg., Inula squarrosa (L.) Bernh. non L., Inula vulgaris Trevis. nom. illeg. und Jacobaea conzyae (Griess.) Merino.[8]

Nach Gutiérrez et al. 2018 ist diese Art besser als Pentanema conyzae (Griess.) D.Gut.Larr., Santos-Vicente, Anderb., E.Rico & M.M.Mart.Ort. in die Gattung Pentanema zu stellen.[6] Dieser Ansicht folgen nicht alle Arbeitsgruppen und erörtern stattdessen einen noch größeren Umfang der Gattung Inula.[9]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Henning Haeupler, Thomas Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands (= Die Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Band 2). Herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz. Ulmer, Stuttgart 2000, ISBN 3-8001-3364-4.
  • Werner Rothmaler: Exkursionsflora für die Gebiete der DDR und der BRD. Band 2: Gefäßpflanzen, 14. Auflage. Volk und Wissen, Berlin 1988, ISBN 3-060-12539-2.
  • Otto Schmeil, Jost Fitschen, Werner Rauh: Flora von Deutschland und seinen angrenzenden Gebieten. 84. Auflage. Quelle & Meyer, Heidelberg 1968.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Dürrwurz (Pentanema conyzae) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Gerhard Wagenitz: Inula conyza. In: Gerhard Wagenitz (Hrsg.): Illustrierte Flora von Mitteleuropa. Pteridophyta, Spermatophyta. Begründet von Gustav Hegi. 2., völlig neubearbeitete Auflage. Band VI. Teil 3: Angiospermae, Dicotyledones 4 (Compositae 1, Allgemeiner Teil, Eupatorium – Achillea). Paul Parey, Berlin/Hamburg 1979, ISBN 3-489-84020-8, S. 185–187 (erschienen in Lieferungen 1964–1979)..
  2. a b Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer, 2001, ISBN 3-8001-3131-5. S. 922.
  3. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 587.
  4. Inula conyzae (Griess.) Meikle In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am 21. April 2021.
  5. a b Pentanema conyzae bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis, abgerufen am 1. Mai 2021
  6. a b David Gutiérrez-Larruscain, Maria Santos-Vicente, Arne A. Anderberg, Enrique Rico, María Montserrat Martínez-Ortega: Phylogeny of the Inula group (Asteraceae: Inuleae): evidence from nuclear and plastid genomes and a recircumscription of Pentanema. In: Taxon, Volume 67, Issue 1, März 2018, S. 149–164. doi:10.12705/671.9
  7. Pentanema conyzae im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 23. Januar 2019.
  8. Werner Greuter (2006+): Compositae (pro parte majore). In: W. Greuter, E. von Raab-Straube (Hrsg.): Compositae.: Datenblatt Inula conyzae, In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.
  9. Ralf Hand, Karl Peter Buttler: Beiträge zur Fortschreibung der Florenliste Deutschlands (Pteridophyta, Spermatophyta) – Elfte Folge. In Kochia, Volume 12, Februar 2019, S. 139–148. hier S. 143.