J. G. Fichte (Schiff)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel beschreibt das Kombischiff J. G. Fichte. Für das umbenannte gleichnamige Dampfschiff siehe Ernst Moritz Arndt (Schiff, 1943).
J. G. Fichte
Die J. G. Fichte 1973
Die J. G. Fichte 1973
Schiffsdaten
Flagge Deutschland Demokratische Republik 1949DDR Deutsche Demokratische Republik
FrankreichFrankreich (Nationalflagge zur See) Frankreich
andere Schiffsnamen
  • Claude Bernard
Schiffstyp Kombischiff
Bauwerft Ateliers et Chantiers de la Loire, Saint-Nazaire
Baunummer 340
Stapellauf 31. Oktober 1948
Indienststellung Februar 1950
Verbleib 1981 abgewrackt
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
163,4 m (Lüa)
Breite 19,6 m
Vermessung 11.045 BRT
 
Besatzung 74 Mann
Maschinenanlage
Maschine 2 8-Zyl.-Dieselmotoren
Maschinen-
leistung
11.200 PS (8.238 kW)
Höchst-
geschwindigkeit
14,0 kn (26 km/h)
Propeller 2
Transportkapazitäten
Tragfähigkeit 9.331 tdw
Zugelassene Passagierzahl 324
Sonstiges
Registrier-
nummern

IMO 5166574

Die J. G. Fichte war ein Fracht- und Ausbildungsschiff des VEB Deutsche Seereederei Rostock (DSR). Es wurde nach dem deutschen Philosophen Johann Gottlieb Fichte benannt. Zwischen 1974 und 1976 wurde auf dem Schiff die DFF-Fernsehserie Zur See produziert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schiff lief am 31. Oktober 1948 als Claude Bernard bei Ateliers et Chantiers de la Loire in Saint-Nazaire vom Stapel und gehörte zur Lavoisier-Klasse. Die Indienststellung erfolgte im Februar 1950 bei der Reederei Maritime de Chargeurs Réunis in Le Havre. Zwischen 1950 und 1962 wurde sie im Liniendienst nach Südamerika, zeitweise auch nach Afrika, eingesetzt.

Am 7. August 1962 wurde die Claude Bernard vom VEB DSR übernommen. Umbenannt in J. G. Fichte, wurde sie als drittes Ausbildungsschiff der DSR, nach der Theodor Körner und der Heinrich Heine, in Dienst gestellt. Sie wurde auf der Linie DDRKuba/Mexiko eingesetzt. Neben Matrosen im ersten Lehrjahr wurden an Bord nautische Offiziere und Funkoffiziere ausgebildet.

Die J. G. Fichte wurde am 9. Juli 1979 von der DSR außer Dienst gestellt und zum Verkauf ausgeschrieben. Zunächst wurde sie von der Estrella Christal Nav. S. A. mit Sitz in Panama erworben und in Sunrise umbenannt. 1980 erhielt sie den Namen Sunrise IV. 1981 wurde S. Athanasiou registrierter Eigentümer des Schiffes, das in Pegancia umbenannt wurde. Es kam jedoch unter diesem Namen nicht in Fahrt, sondern wurde von Colombo aus zum Abwracken nach Gadani geschleppt, wo es am 24. Mai 1981 eintraf.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei ihrer Indienststellung 1950 war die Claude Bernard mit 12.021 BRT vermessen. Sie hatte 94 Plätze für Passagiere der ersten und 230 Plätze für Passagiere der zweiten Klasse. Als Ausbildungsschiff der DSR war sie mit 11.045 BRT vermessen und hatte Unterbringungsmöglichkeiten für 289 Auszubildende und Ausbilder an Bord.

Erwähnenswertes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. August 1973 lief die J. G. Fichte unter der Führung des Kapitäns Lothar Prause mit einer aus Lebensmitteln bestehenden Hilfsladung von Rostock nach Chile aus zur Unterstützung der sozialistischen Regierung der Unidad Popular. Die Besatzung bestand aus 257 Besatzungsmitgliedern, darunter 101 Matrosenlehrlingen und etwa 50 Praktikanten der Ingenieurhochschule für Seefahrt Warnemünde-Wustrow. Unterwegs wurde ein Hafen auf den Kap Verden und Montevideo angelaufen. Anfang September 1973 passierte das Schiff die Magellanstraße und erreichte in der ersten Septemberwoche den Hafen Coquimbo im Norden Chiles. Dort wurde mit dem Löschen der Hilfsladung begonnen. Am 11. September 1973 wurde die Besatzung dort vom Militärputsch überrascht. Die J. G. Fichte stand während ihres Aufenthaltes in den chilenischen Häfen Coquimbo, Antofagasta und Valparaíso unter ständiger Bewachung schwerbewaffneter Posten der Militärjunta. Täglich wurden Durchsuchungen an Bord durchgeführt. Viele Besatzungsmitglieder wurden Augenzeuge von gewaltsamen Übergriffen auf Teile der Bevölkerung. Nach dem Löschen der Ladung konnte eine Teilladung Kupfer an Bord genommen werden, und das Schiff verließ Chile via Magellanstraße. Mit einem kurzen Zwischenstopp in Santos erreichte das Schiff am 8. November 1973 den Heimathafen Rostock.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Claus Rothe: Deutsche Ozean-Passagierschiffe. 1919 bis 1985. In: Bibliothek der Schiffstypen. transpress Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1987, ISBN 3-344-00164-7, S. 34, S. 145–146.
  • Deutsche Reedereien Band 23 VEB Deutsche Seereederei Rostock Autorenkollektiv Verlag Gert Uwe Detlefsen ISBN 3-928473-81-6 Seite 148

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: J. G. Fichte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien