STX France

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STX France SA
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Rechtsform S.A.
Gründung 1861
Sitz Saint-Nazaire FrankreichFrankreich Frankreich
Leitung Jacques Hardelay (CEO)
Mitarbeiter 2.300 (Saint Nazaire)[1]

145 (Lorient)[2]

Umsatz US$ 1,4 Mrd. (2016)[3]
Branche Schiffbau

Die Werft STX France S.A., früher Chantiers de l’Atlantique (dt. Atlantikwerften), befindet sich in Saint-Nazaire, Frankreich, an der Atlantik-Mündung der Loire. Sie gehört zu den größten Schiffbauunternehmen der Welt, die Produktion betrug im Jahr 2016 etwa 1,4 Milliarden EUR. Seit dem 4. Januar 2010 ist die STX France SA als Tochtergesellschaft von STX Europe ASA tätig. Mit ihren Tochtergesellschaften entwirft und baut STX France Schiffe und Offshore-Anlagen. Es sind Fahrgastschiffe, Seeschiffe und Spezialschiffe für das Militär.[4] Im Mai 2017 hat die italienische Gruppe Fincantieri insgesamt zwei Drittel der Anteile an STX France übernommen.[5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte der Werft beginnt mit der maritimen Industrialisierung Frankreichs Mitte des 19. Jahrhunderts. Von Beginn an verband sich die Existenz der Werft mit dem Bau von Linienschiffen. Zu dieser Zeit wurde Saint-Nazaire durch ein Gesetz vom 18. Juli 1840 als Haupthafen der Linie nach Südamerika vorgesehen, das durch drei Dekrete 1857, 1858 und 1861 bestätigt wurde. Die Ligne postale des Antilles et du Mexique der Compagnie Générale Transatlantique (CGT) wurde geschaffen. Damals fehlte jedoch das technische Wissen für den Bau moderner Schiffe mit Dampfantrieb und Metallhülle in Frankreich vollständig. Die CGT, von Napoleon III. verpflichtet, bis April 1862 die Verbindung herzustellen, kaufte daher in England drei Linienschiffe. Die Linie nach Fort-de-France wurde am 14. April 1862 eröffnet. Parallel dazu gründete die CGT eine Werft in Saint-Nazaire.

Das technische Wissen kam aus Großbritannien, wo 1857 die Great Eastern gebaut worden war – ein Schiff aus Metall mit einer Länge von 230 m. Der Schotte John Scott verließ die Werft in Greenock und brachte deren Techniken nach Frankreich. Er fertigte bei Penhoët die Außenhüllen an und konstruierte zusammen mit 15 englischen Vorarbeitern und einer in der Brière rekrutierten Belegschaft vier Schiffe. Am 24. April 1864 wurde mit der 108 m langen „Impératrice Eugénie“ das erste Schiff der Chantiers John Scott vom Stapel gelassen. Die Euphorie dauerte jedoch nur kurz: 1866 ging die Scott-Werft, die 1800 Personen beschäftigte, in Konkurs. Später eröffnete die CGT die Werft als Chantiers de Penhoët wieder. Im Jahr 1882 siedelte sich die Société Anonyme des Ateliers et Chantiers de la Loire aus Nantes ebenfalls dort an.

Die Werft Chantiers de l’Atlantique

20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chantiers de la Loire und Chantiers de Penhoët fusionierten im Jahr 1955 zur Chantiers de l’Atlantique.

Neben dem Bau von Linienschiffen war vor allem die Konstruktion von Tankern lange Zeit ein Hauptstandbein der Werft: Nach dem Bau der Le France modernisierte die Werft Anfang der 1960er Jahre ihre Produktionsanlagen, um den Anforderungen des Ölmarktes entsprechen zu können. Bis zum Bau der Le France baute die Werft die Schiffe auf einer Helling; sobald die Außenhülle und die Aufbauten fertig waren, wurden sie vom Stapel gelassen und rutschten über den Boden ins Meer. Anschließend wurden sie am Kai fertiggestellt. Bei den damals zunehmend größeren Neubauten war diese Methode aufgrund der auftretenden Rumpfbelastungen nicht mehr praktikabel.

1984 übernahm der Konzern Alstom die Werft, die Teil des Alstom Leroux Naval bildete.

21. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Januar 2006 verkaufte Alstom 75 % der Anteile an Chantiers de l’Atlantique an das norwegische Schiffbauunternehmen Aker Yards (heute STX Europe), damals ein Tochterunternehmen des Konzerns Aker Solutions und verpflichtete sich, die restlichen 25 % bis 2010 zu behalten.

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Im Mai 2016 wurde der Verkauf der Werft in Lanester im Herbst 2016 an Kership bekannt gegeben.[6] Die Übernahme wurde am 8. Oktober 2016 abgeschlossen.[7] Als letzte von 19 Werften der STX Europe stand der der Standort Saint-Nazaire zum Verkauf. Interesse an einer Übernahme bestand sowohl bei CMN in Cherbourg, als auch bei Fincantieri in Italien.[8] Das zuständige Gericht in Seoul verständigte sich auf Fincantieri als bevorzugten Käufer.[9] Die französische Regierung gestattete Fincantieri jedoch nicht, die Mehrheit an Frankreichs größter Werft STX France zu erwerben. So erwarb Fincantieri 48 % der Anteile an STX France und wurde zum größten Shareholder des Unternehmens. Der französische Staat war auch weiterhin mit 33,34 % an der Marine- und Kreuzfahrtschiff-Werft beteiligt. Der Industriekonzern Direction des Constructions Navales (DCNS), selbst in öffentlicher Hand, hat zwölf Prozent der Anteile übernommen. Die restlichen sieben Prozent gingen an den italienischen Investor Fondazione CR Trieste. Darüber hinaus sicherte sich der französische Staat verschiedene Vetorechte bei Umstrukturierungsmaßnahmen, beim Wissenstransfer, strategischen Neuausrichtungen, angedachten Partnerschaften und Akquisitionen. Fincantieri darf danach acht Jahre lang keine absolute Mehrheit erwerben und auch der Verkauf der eigenen Anteile muss mit Paris abgestimmt werden.[10] Fincantieri sollte daraufhin zwei Drittel der Anteile für 79,5 Mio. Euro übernehmen.[11][veraltet]

Der neue Französische Staatspräsident Macron wollte allerdings den italienischen Einfluss (Fincantieri ist zu 72,5 % staatlich) begrenzen und deshalb Royal Caribbean und MSC an der Werft beteiligen.[12] Im Juli 2017 wurde die Werft temporär unter staatliche Kontrolle gestellt, um eine Übernahme durch Fincantieri zu verhindern.[13][14] Im September 2017 wurde entschieden, dass Frankreich von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch macht und Fincantieri nur 50 % der Anteile erhalten soll.[15] Da aber der französische Staat darüber hinaus ein Prozent der STX-Anteile an Italien ausleiht, haben diese mit dann 51 % das unternehmerische Sagen. Die Franzosen können diesen kleinen Anteil wieder zurück fordern, falls die Italiener ihre Verpflichtung nicht einhalten.[16]

Die Chantiers de l’Atlantique bauen In den 2010er Jahren Kreuzfahrtschiffe, Gastanker, Fregatten und Forschungsschiffe.

Werfteinrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausrüstungskai der Werft

Das in den Jahren 1929 bis 1934 gebaute Trockendock Forme Joubert ist mit seiner Länge von 350 m und Breite von 50 m eines der größten Trockendocks der Welt. Am 27./28. März 1942 wurde das Schleusentor durch einen britischen Angriff (Operation Chariot) zerstört, um die Einsatzmöglichkeiten deutscher Großkampfschiffe (z.B. Schlachtschiff Tirpitz) zu beeinträchtigen. Heute dient es vor allem der Ausrüstung vor der Auslieferung der Schiffe und deren Überholung.

In den 1970er Jahren wurde ein Konstruktionsbecken angelegt, das 1.200 m lang und 60 m breit ist. Es weist unterschiedliche Tiefen auf und ermöglicht den gleichzeitigen Bau von bis zu drei Schiffen. Dieses Becken erlaubte den Bau von vier der größten Tanker der Welt: Batillus, Bellamya, Pierre Guillaumat und Prairial. (Jeder von ihnen mit einer Ladekapazität von etwa 500.000 t Öl).

Verursacht wurde das Größenwachstum der Tanker durch die Ölkrise in den 1970er Jahren, als der Sueskanal gesperrt wurde. Dadurch waren die Tanker gezwungen, die längere Reise um Afrika und das Kap der Guten Hoffnung zu nehmen. So wurde bei den Chantiers de l’Atlantique ein weiteres Bassin angelegt, das Bassin C. Es sollte eigentlich für den Bau von 1.000.000-tdw-Tankern dienen, aber nach Wiedereröffnung des Suezkanals war es nicht mehr erforderlich. Dieses Becken dient heute für die Abschlussarbeiten an den Schiffen.

Die Werft hat das größte Trockendock in Frankreich, das Trockendock B, mit einer Länge von 415 Metern und einer Breite von 66 Metern.

Gebaute Schiffe (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die fertiggestellte Batillus

Passagierschiffe:

darunter alle zwischen 2000 und Mai 2017 gebauten Kreuzfahrtschiffe der MSC Crociere und weitere:

Fracht- und Kriegsschiffe:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Chantiers de l’Atlantique – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. moyens industriels. Abgerufen am 22. Mai 2016.
  2. moyens industriels. Abgerufen am 22. Mai 2016.
  3. Fincantieri übernimmt STX France schiffundhafen.de, abgerufen am 8. August 2017
  4. Company Overview of STX France SA Bloomberg.com, abgerufen am 8. August 2017 (englisch)
  5. Fincantieri übernimmt STX France schiffundhafen.de, abgerufen am 8. August 2017
  6. STX France va céder son chantier de Lanester à KERSHIP. 20. Mai 2016; abgerufen am 22. Mai 2016 (französisch).
  7. Kership officiellement propriétaire du chantier de Lanester. Mer et Marine, 7. Oktober 2016; abgerufen am 7. Oktober 2016.
  8. CMN in for yard?, TradeWinds, 30. Januar 2015 (engl.)
  9. Fincantieri’s bid for STX France approved by South Korean court. 3. Januar 2017; abgerufen am 1. Juni 2017.
  10. Einigung über STX France. In: Täglicher Hafenbericht vom 11. April 2017
  11. Fincantieri signs an agreement with STX Europe for the acquisition of a majority stake of STX France. Fincantieri, 19. Mai 2017; abgerufen am 19. Mai 2017.
  12. Macron will keine Übernahme aus Italien, FAZ, 2. Juni 2017, S. 18.
  13. Michael Stothard, James Politi: France angers Italy with threat to nationalise shipyard. In: Financial Times, 26. Juli 2017, abgerufen am 28. Juli 2017.
  14. Leigh Thomas, Crispian Balmer: France nationalises shipyard to thwart Italian majority, angering Rome, Reuters, 27. Juli 2017, abgerufen am 28. Juli 2017.
  15. Streit um STX beigelegt – Frankreich und Italien kooperieren. 28. September 2017; abgerufen am 28. September 2017.
  16. Wolfhart Fabarius: Italiener können STX France übernehmen · Paris und Rom erzielen Einigung · Fincantieri bekommt 51 Prozent der Anteile an der Großwerft. In: Täglicher Hafenbericht vom 29. September 2017, S. 13

Koordinaten: 47° 16′ 50″ N, 2° 12′ 31″ W