James D. Bindenagel

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Bindenagel während eines Vortrags am Center for International Security and Governance der Universität Bonn (2016)

James D. Bindenagel (* 30. Juni 1949 in Huron, South Dakota) ist ein US-amerikanischer Politikwissenschaftler und ehemaliger Diplomat, der 1996 und 1997 als Geschäftsträger a.i. die US-Botschaft in Bonn leitete.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

James D. Bindenagel studierte Politikwissenschaft an der University of Illinois in Urbana, wo er 1971 einen B.A. und 1977 einen M.A.-Abschluss in Public Administration machte.[1] Bindenagel war von 1972 bis 2002 im diplomatischen Dienst der USA tätig. Von 1972 bis 1974 machte er seinen Wehrdienst in der US Army und war in Würzburg stationiert.[1] Nach einer Abordnung nach Seoul war er von 1977 bis 1979 Konsul in Bremen.[1]

Nach weiteren Tätigkeiten im Außenministerium der USA war er 1989/90 leitender Diplomat (Deputy American Ambassador) in der amerikanischen Botschaft in der DDR in Ost-Berlin.[1] 1991/92 fungierte er als Manager bei Rockwell International. Zwischen 1992 und 1994 war er Central European Director im State Department in Washington, D.C. Ab 1994 war er in der amerikanischen Botschaft in Bonn als Stellvertreter des Botschafters tätig. Vom 17. Juni 1996 bis 10. September 1997 leitete er die Bonner US-Botschaft als Geschäftsträger a.i. (chargé d’affaires).

Bindenagel verhandelte anschließend die erweiterte Mitgliedschaft Deutschlands im NATO-Bündnis. Ab 1999 war er im Range eines Botschafters an den Verhandlungen über die internationalen Verträge zu einer deutschen Zwangsarbeiterentschädigung beteiligt.[2] Bindenagel wirkt in einer Vielzahl halbstaatlicher und privater Organisationen und ist u.a. Mitglied im Verwaltungsrat des Woodrow Wilson International Center for Scholars, der Arthur F. Burns Fellowship und des American Jewish Committee Berlin sowie Mitglied im American Council on Germany, American Institute for Contemporary German Studies (AICGS) und in der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik.[3] Als Lobbyist der DePaul University wirkt er auf die kommunale Bildungspolitik Chicagos ein.[3]

2014 wurde Bindenagel auf den neu eingerichteten Lehrstuhl für Internationale Beziehungen und Völkerrechtsordnung an der Universität Bonn berufen. Es handelt sich um eine Stiftungsprofessur zu Ehren des früheren US-Außenministers Henry Kissinger, die vom Bundesverteidigungsministerium und Auswärtigen Amt gemeinsam finanziert wird.[4] Die Professur ist ob der Widmung an Henry Kissinger umstritten.[5] Zusätzlich wurde in der deutschen Presse argumentiert, dass Bindenagel die akademische Qualifikation für eine Professur fehlen würde.[6]

Bindenagel erhielt den State Department's Distinguished Service Award, das Große Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland und den Presidential Meritorious Service Award.[3]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • The German Experience, in: M. Cherif Bassiouni (Hrsg.): Pursuit of international criminal justice: a world study on conflicts, victimization and post-conflict justice Pursuit of International Criminal Justice : a World Study on Conflicts, Victimization and Post-conflict Justice. Antwerpen : Intersentia, 2010, S. 709–733
  • Erinnerung, Verantwortung und Zukunft. Die Erfüllung des Versprechens von Gerechtigkeit durch würdige Zahlungen, in: Dieter Stiefel: Die politische Ökonomie des Holocaust : zur wirtschaftlichen Logik von Verfolgung und "Wiedergutmachung". Wien : Verlag für Geschichte und Politik, 2001
  • Afghanistan: The German Factor, in: Institute for National Strategic Studies (INSS) (Hrsg.): PRISM, Band 1, Heft 4, 2010, S. 95–112
  • (Mhrsg.): The German Remembrance Fund and the issue of forced and slave labor. Washington, D.C. : Friedrich-Ebert-Stiftung, 2001
  • (Hrsg.): Proceedings. Washington Conference on Holocaust Era Assets. Nov. 30 – Dec. 3, 1998. Washington, D. C.: GPO 1999

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: James D. Bindenagel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d James D. Bindenagel, Vita bei Europäisches Forum Alpbach, 2001
  2. Otto Wolff-Lecture: »Deutsch-amerikanische Beziehungen: eine starke Partnerschaft für ein sichereres 21. Jahrhundert«, bei Amerikahaus, Nordrhein-Westfalen, 12. November 2014
  3. a b c J. D. Bindenagel. Senior Advisor to the President for International and Global Chicago Affairs, bei DePaul University
  4. http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Infoservice/Presse/Meldungen/2013/130526_Kissinger_Professur.html
  5. Willi Winkler: Deutschlands Bester, in: Süddeutsche Zeitung, 20. September 2014, S. 3
  6. Oliver Fuchs, Hans-Martin Tillack: Peinlicher Eiertanz an der Uni Bonn, Stern, 23. Juli 2014
VorgängerAmtNachfolger
Charles E. RedmanUS-Botschafter in Deutschland
17. Juni 1996 – 10. September 1997
John Kornblum