Jean-Marie Cavada

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Jean-Marie Cavada (2014)

Jean-Marie Cavada (* 24. Februar 1940 in Épinal, Département Vosges) ist ein französischer Journalist und Politiker. Er war von 2004 bis 2019 Mitglied des Europäischen Parlaments.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cavada wurde 1960 Journalist bei der RTF. 1969 wechselt er zu France Inter als Nachrichtenmoderator und Spezialist für europäische Fragestellungen, ab 1987 produzierte und moderierte er die Sendung „La Marche du siècle“ auf Antenne 2, von 1998 bis 2001 war er Präsident von Radio France.

Er wurde 2004 erstmals als Mitglied der Union pour la démocratie française (UDF) und Vertreter des Wahlkreises Südwest-Frankreich in das Europäische Parlament gewählt. Dort saß er bis 2009 in der Fraktion der Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa (ALDE), deren Vorstandsmitglied er von 2005 bis 2009 war. Von 2004 bis Februar 2005 war Cavada stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für internationalen Handel, anschließend Vorsitzender des Ausschusses für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres. Nach der Spaltung der UDF 2007 gründete Cavada mit seinen Europaparlaments-Kolleginnen Janelly Fourtou und Claire Gibault die Kleinpartei Alliance citoyenne pour la démocratie en Europe/Avenir démocrate, deren Vorsitzender Cavada war. Im Januar 2008 trat er von seinem Ausschussvorsitz im EU-Parlament zurück, um an den französischen Kommunalwahlen teilzunehmen. Er gewann einen Sitz im Stadtrat von Paris, wo er bis zu seinem Rücktritt im Dezember 2010 das 12. Arrondissement vertrat.

Im Vorfeld der Europawahl 2009 schloss sich Cavada dem Nouveau Centre (NC) an, das zu dieser Wahl im Bündnis mit der konservativen UMP antrat. Jean-Marie Cavada wurde erneut in das Europäische Parlament gewählt, wo er in der Legislaturperiode bis 2014 Vorstandsmitglied der christdemokratischen Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP) war. Er gehörte dem Ausschuss für Kultur und Bildung an und war Delegierter für die Beziehungen zu den Ländern der Andengemeinschaft sowie in der Parlamentarischen Versammlung Europa-Lateinamerika. Cavada hat sich für eine Vereinfachung von Auslandsadoptionen innerhalb der EU eingesetzt.[1]

Von Dezember 2011 bis Dezember 2016 war Cavada Präsident der Europäischen Bewegung Frankreich[2] und seit 2014 Vizepräsident der Europäischen Bewegung International.[3]

2014 wurde Cavada über die Liste L’Alliance der pro-europäischen Mitte-Parteien UDI und MoDem für eine weitere Legislaturperiode ins Europaparlament gewählt. Dort saß er bis 2019 erneut in der liberalen ALDE-Fraktion. Er war stellvertretender Vorsitzender des Rechtsausschusses. Bis September 2014 war er stellvertretender Vorsitzender des Parteienbündnisses Union des démocrates et indépendants (UDI), zu dem sich das Nouveau Centre mit anderen Parteien der Mitte und rechten Mitte zusammengeschlossen hatte. Dann trat er aus NC und UDI aus und der neuen Partei Nous Citoyens des Unternehmers Denis Payre bei. Er wurde sogleich als Nachfolger Payres zum Vorsitzenden dieser Kleinpartei gewählt.[4] Ende Juni 2015 verließ er Nous Citoyens wieder[5] und gründete die neue Partei Génération Citoyens.

Im Rechtsausschuss des Europaparlaments schlug Cavada im Juni 2015 eine Einschränkung der Panoramafreiheit vor.[6][7][8] Seiner Meinung nach diene deren kommerzielle Nutzung in erster Linie „amerikanischen Monopolen wie Facebook oder auch Wikimedia“, während eine Beschränkung auf nicht-kommerzielle Nutzung nicht nur den Urheberrechtsinhabern, sondern auch den Verbrauchern diene.[9] In Cavadas Herkunftsland Frankreich ist die Panoramafreiheit bisher nicht vorgesehen. Die Änderung wurde schlussendlich mit 502 zu 40 Stimmen abgelehnt, auch Cavada selbst stimmte dagegen.[10]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thomas Schuler: Glück auf Bestellung. In: Berliner Zeitung, 12. Januar 2010.
  2. Communiqué de presse : Jean-Marie CAVADA élu Président du ME-F, 3 décembre 2011. In: mouvement-europeen.eu. Archiviert vom Original am 26. Juni 2015.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.mouvement-europeen.eu
  3. European Movement International elects new Board and decides political future. Europäische Bewegung International, 1. Dezember 2014, abgerufen am 15. Mai 2015.
  4. Jean-Marie Cavada. « Hors des partis ». In: Le Télégramme (Online), 2. Oktober 2014.
  5. Tristan Quinault Maupoil: Jean-Marie Cavada quitte Nous Citoyens pour créer une nouvelle structure. In: LeFigaro.fr, 29. Juni 2015.
  6. Torsten Kleinz: Urheberrecht: Die Panoramafreiheit ist bedroht. Zeit Online, 25. Juni 2015, abgerufen am 25. Juni 2015.
  7. EU-Urheberrechtsreform – Facebook-­Selfie könnte teuer werden. In: Legal Tribune Online, 25. Juni 2015.
  8. Änderunganträge zum Bericht – deutsche Fassung, siehe dort Änderungsantrag #421
  9. Jean-Marie Cavada: Ma position sur le droit de panorama (Memento des Originals vom 1. Juli 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/jeanmariecavada.eu, JeanmarieCavada.eu, 26. Juni 2015.
  10. A German pirate just saved our right to take public selfies, Wired.com vom 10. Juli 2015

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Jean-Marie Cavada – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien