Radio France

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Radio France
Logo von Radio France
Rechtsform Aktiengesellschaft im öffentlichen Eigentum, service public
Gründung 1. Januar 1975
Sitz Paris, Frankreich
Leitung Mathieu Gallet, Président-Directeur général
Mitarbeiter 4300
Branche Rundfunk
Website radiofrance.fr

Radio France ist der öffentlich-rechtliche Hörfunksender Frankreichs.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maison de Radio France, der Sitz von Radio France in Paris

Radio France ging aus der Zerschlagung des Office de Radiodiffusion Télévision Française (ORTF) hervor, als zur Jahreswende 1974/1975 der einheitliche Träger für das öffentlich-rechtliche Fernsehen und den Hörfunk in Frankreich durch Gesetz[1] aufgelöst wurde. Der neu gegründete Sender übernahm zum 1. Januar 1975 die drei bis dahin bereits bestehenden großen Radioprogramme France Inter, France Culture, France Musique sowie die zehn regionalen FIP-Wellen.[2]

Der Auslandsrundfunk wurde unter dem Namen Radio France Internationale (RFI) in eigener Trägerschaft ebenfalls neu gegründet, jedoch mit einer mehrere Jahre dauernden Verzögerung. RFI wurde zunächst zum „fünften Programm“ von Radio France.[3] Seit 1982 bestand RFI dann als eine Tochtergesellschaft der Radio-France-Gruppe, ab 1987 wurde der Sender selbständig.[2]

Sitz von Radio France ist seit seiner Gründung das weitläufig angelegte Funkhaus Maison de Radio France im 16. Pariser Arrondissement.

Im Jahr 1980 wurden zwei Programme neu eingeführt: Radio Bleue, ein Programm für die ältere Generation, das ursprünglich nur auf der Mittelwelle sendete, sowie das Jugendprogramm Radio 7.[4] Außerdem gingen in diesem Jahr drei Lokalradios auf Sendung: Fréquence Nord (am 19. Mai), Radio Mayenne (16. Juni) und Melun FM (11. September). Radio Bleue und die Lokalradios wurden im September 2000 zum Netz der Regionalradios France Bleu weiterentwickelt.

Das Nachrichtenprogramm France Info wurde 1987 zuerst ausgestrahlt. Es war das erste Informationsradio, das rund um die Uhr sendete. Alle 30 Minuten gibt es seitdem einen point sur l’info, in dem die laufenden Nachrichten zusammengefasst werden. Außerdem gab es Rubriken zu ausgewählten Themen.

Ab 1989 wurde das Musikprogramm Hector, ein Ableger des Klassikprogramms France Musique und Victor, von France Culture Europe digital über den Satelliten TDF 1 ausgestrahlt.

Das Verkehrsradio 107,7 FM begann auf einem Gleichwellennetz in Zusammenarbeit mit dem Autobahnbetreiber SANEF. Es ist der einzige nicht-private französische Verkehrssender, der rund um die Uhr über die Lage auf den Autobahnen im Norden Frankreichs berichtet.

Seit 1996 gibt es unter dem Namen Sophia eine Datenbank mit Beiträgen, die andere freie und kommerzielle Hörfunkanbieter übernehmen können. Im gleichen Jahr war der Sendebeginn des Programms Elisa, das ausschließlich französische Chansons bringt. Es wurde analog und digital ausgestrahlt, auch über das Bouquet der neun Stationen, die Radio France über CanalSatellite sendete.

Das Jugendprogramm Le Mouv' wurde 1997 gegründet. Es wurde nur digital zunächst aus Toulouse, seit 2001 aus Paris gesendet.

Vom September 2002 bis zum Jahr 2006 betrieb Radio France unter dem Namen La City Radio de Paris auf der Frequenz 107,1 MHz ein Stadtradio für Paris. Es wurde unter dem Namen France Bleu Ile de France in das Programm France Bleu integriert.

Podcasts von Sendungen sind seit 2006 verfügbar. Im selben Jahr wurde auch das Programm France Vivace aus der Taufe gehoben, das rund um die Uhr klassische Musik im Kabel, über Satellit und über das Internet sendete. Es ersetzte das Programm Hector. Das Nachtprogramm wurde auf France Musique übernommen. Ende August 2010 wurde France Vivace im Zuge einer Programmreform eingestellt.

Seit 2007 sendet Radio France auch auf DAB (französisch Radio numérique terrestre, RNT).

Am 31. Oktober 2014 musste Radio France die Sendung wegen eines Vorfalls im Maison de Radio France abbrechen, da im Gebäude Rauch und Flammen bemerkt worden waren. Vor dem Abbruch der Sendung informierte Radio France die Zuhörer: "Meine Damen und Herren, wir müssen Sie informieren, dass wir wegen eines Brandes im Funkhaus gezwungen sind, die Sendung abzubrechen und uns zusammen mit der ganzen Redaktion zu evakuieren. Wir hoffen, dass wir unser Programm so schnell wie möglich wieder beginnen können."

Am 1. Januar 2016 zwischen 0:15 und 1:15 Uhr schaltete Radio France aus Spargründen fast sämtliche Mittelwellensender ab, die die Programme France Info und France Bleu übertrugen. Die Sender Lyon auf 603 kHz und Rennes auf 711 kHz bleiben jedoch vorerst in Betrieb. Im Falle des Senders Lyon geschieht dies aufgrund der Übertragung der „Radiomesse für die Kranken“ des Bistums Lyon am 3. Januar 2016, am 4. Januar 2016 um 0:30 Uhr wurde auch diese Frequenz abgeschaltet. Der Sender Rennes wurde am 2. Januar 2016 um 10 Uhr durch einen Techniker abgeschaltet, da er sich aus der Ferne nur mitsamt der Kühlung ausschalten ließ. Um einen eventuellen Brand durch die fehlende Kühlung zu vermeiden, entschied man sich den Sender Rennes noch einmal einzuschalten und am Folgetag manuell vor Ort abzuschalten.[5]

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Radio France wird, wie alle französischen Rundfunksender,[6] in der Rechtsform einer privatrechtlichen Aktiengesellschaft im öffentlichen Eigentum (société anonyme à capitaux publics) betrieben. Einziger Aktionär ist der französische Staat.[7] Das Unternehmen wird im öffentlichen Interesse als service public betrieben, was im deutschen Recht der Daseinsvorsorge vergleichbar ist, mit der der Staat einen Infrastrukturauftrag erfüllt.[8]

An der Spitze steht ein Intendant (Président-Directeur général), der die Gesellschaft leitet und gegenüber Dritten rechtlich vertritt. Er ist insoweit mit dem Intendanten einer deutschen Rundfunkanstalt vergleichbar, allerdings wird er nicht wie sein deutsches Gegenüber von einem Kollegium gewählt, sondern vom französischen Staatspräsidenten ernannt, und zwar auf Vorschlag der Aufsichtsbehörde für den Rundfunk, dem Conseil supérieur de l’audiovisuel (CSA). Die Intendanten von Radio France waren bisher in zeitlicher Folge:

  • Jacqueline Baudrier, von Januar 1975 bis Juli 1981
  • Michèle Cotta, von Juli 1981 bis August 1982
  • Jean-Noël Jeanneney, von Oktober 1982 bis Dezember 1986
  • Roland Faure, von Dezember 1986 bis Januar 1989
  • Jean Maheu, von Februar 1989 bis November 1995
  • Michel Boyon, von November 1995 bis November 1998
  • Jean-Marie Cavada, von November 1998 bis April 2004
  • Jean-Paul Cluzel, von Mai 2004 bis Mai 2009
  • Jean-Luc Hees, von Mai 2009 bis Mai 2014
  • Mathieu Gallet, seit Mai 2014

Ein weiteres Organ des Senders ist der Verwaltungsrat (conseil d’administration de Radio France, CA), der sich aus zwölf Mitgliedern zusammensetzt: Dem Intendanten von Radio France, vier Mitgliedern des CSA, vier Vertretern des französischen Staates, zwei Abgeordneten des französischen Parlaments und zwei Vertretern der Belegschaft von Radio France.[9]

Radio France hat im Jahr 2012 rund 4300 Mitarbeiter,[10] davon 42 Prozent Frauen.[11]

Der Haushalt des Senders belief sich im Jahr 2011 auf insgesamt 652,4 Millionen Euro.[7] Die Finanzierung erfolgt über Rundfunkgebühren.

Radio France hält auch Beteiligungen an anderen Sendern. So gehören Radio France 15 Prozent der Anteile von ARTE France, dem französischen Mitgesellschafter des französisch-deutschen Kultursenders ARTE. Außerdem betreibt Radio France in Kooperation mit der Autobahnbetreibergesellschaft SANEF das Verkehrsinformationsprogramm 107,7 FM (Autoroute Info).

Klangkörper[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Radio France unterhält mehrere Klangkörper, die das musikalische Leben Frankreichs bereichern und auch in den Programmen eine bedeutsame Rolle einnehmen. Am bekanntesten ist das Orchestre National de France, das schon seit 1934 besteht. Daneben gibt es das Orchestre Philharmonique de Radio France und den Rundfunkchor Chœurs de Radio France sowie den Kinderchor Maîtrise de Radio France. Es gibt eigene Konzertreihen mit namhaften Künstlern. Radio France zeichnet alle Konzerte seiner Klangkörper auf und sendet sie in den Programmen France Musique oder auch in den regelmäßigen Sendungen mit klassischer Musik in France Inter.[12]

Programme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Programme
Hörfunkwelle von Radio France Schwerpunkt Anmerkung
France Inter radio généraliste (etwa: Vollprogramm) mit dominierendem Wortanteil in Form von Gesprächen, Diskussionen, Telefonschaltungen, Nachrichten, Kurzfeatures, Reportagen und Sportberichterstattung. Im Musiksegment eine große Bandbreite oft nach Genre geordneter thematischer Sendungen aus den Bereichen Klassik, Chanson, Jazz, Weltmusik und Pop. RDS-Signal: INTER, Verbreitung: UKW, Langwelle, DAB+, Kabel, Satellit, Internetstreams, Smartphoneapp
France Bleu Leichte Unterhaltung für erwachsene Zielgruppen. Chanson und Oldies dominieren den hohen Musikanteil. France Bleu ist ein Mantelprogramm aus 45 Regionalen und lokalen Stationen, die zu bestimmten Tageszeiten eigene Regionalsendungen anbieten und dann unter ihrem jeweiligen Namen (France Bleu Alsace, France Bleu Provence usw.) firmieren und in den Abendstunden zu einem nationalen France-Bleu-Programm zusammengeschaltet werden. RDS-Signal variiert regional: z.B.: BLEUALSA (im Elsass) oder BLEUAZUR (für die Côte d'Azur); Verbreitung: UKW, DAB+, Kabel, Satellit, Internetstreams, Smartphoneapp
France Musique E-Musikwelle mit hauptsächlich klassischer Musik, Kammerkonzerten, Opern, Chormusik, moderner akustischer Musik und Jazz-Sendungen RDS-Signal: MUSIQUE; Verbreitung: UKW, DAB+, Kabel, Satellit, Internetstreams, Smartphoneapp
France Info Informationswelle mit 24 Stunden Nachrichten und Hintergründen zu Politik, Kultur, Sport und Wirtschaft France Info war das Vorbild für viele Nachrichtenradios auch im deutschsprachigen Raum. Seit September 2016 arbeitet France Info in einer Kooperation mit dem Informationsangebot von France Télévisions zusammen. RDS-Signal: INFO; Verbreitung: UKW, Mittelwelle, DAB+, Kabel, Satellit, Internetstreams, Smartphoneapp
France Culture Kultur-, wissenschafts- und bildungsorientiertes Wortprogramm. Dieses beinhaltet morgens, am Mittag, Abends und Nachts jeweils ausführlichere Nachrichtenmagazine. Wichtige Genres des Programmes sind Diskussionen, Wissenschaftssendungen, Chroniken, Features, Lesungen und Hörspiele. Inhaltliche Schwerpunkte stellen sowohl Literatur und Kunst als auch Gesellschaft und Wissenschaft dar. RDS-Signal: CULTURE; Verbreitung: UKW, DAB+, Kabel, Satellit, Internetstreams, Smartphoneapp
Mouv' Jugendprogramm mit Hip-Hop, Rapmusik und R'n'B RDS-Signal: MOUV; Verbreitung: UKW, DAB+, Kabel, Satellit, Internetstreams, Smartphoneapp
Mouv'Xtra Jugendradio mit Underground- oder Newcomer-Rap Verbreitung: Internetstreams, Smartphoneapp
FIP Musikprogramm zusammengesetzt aus Stücken aller Genres in einer durchgängigen Playlist ohne spezifische Spartenabgrenzungen. Kurze Moderationen oder Nachrichtenbeiträge ergänzen das Programm FIP war das erste regionale Netzwerk von Radio France. Ursprünglich existierte nur in der Hauptstadt der France Inter-Ableger France Inter Paris. Später kamen weitere Stationen, wie FIP Strasbourg oder FIP Lille hinzu. RDS-Signal: FIP; Verbreitung: UKW, DAB+, Kabel, Satellit, Internetstreams, Smartphoneapp
FIP autour du Rock Spartenprogramm für Rockmusik Verbreitung: Internetstreams,

Smartphoneapp

FIP autour du Jazz Spartenprogramm für Jazz Verbreitung: Internetstreams, Smartphoneapp
FIP autour du Groove Spartenprogramm für rhythmische Unterhaltungsmusik Verbreitung: Internetstreams, Smartphoneapp
FIP autour du Monde Spartenprogramm für Weltmusik Verbreitung: Internetstreams, Smartphoneapp
Tout nouveau tout FIP Spartenprogramm für Neuerscheinungen in der Popmusik Verbreitung: Internetstreams, Smartphoneapp
FIP l'été reggae Spartenprogramm für Reggaemusik Verbreitung: Internetstreams, Smartphoneapp
107.7 FM Spartenprogramm Verkehrsfunk. Verkehrsinformationen kommen im Bedarfsfall ins Programm, sonst alle 15 Minuten. Dazwischen dominieren touristisch und verkehrsrelevante Beiträge sowie Musik aller Sparten das Programm. RDS-Signal: 107,7; Verbreitung: UKW

107.7 wird über ein schwaches Gleichwellen-UKW-Netz nur entlang von Fernstraßen und Autobahnen gesendet. Entlang der Privatautobahnen bestehen private Sender nach dem gleichen System, die von den Betreiber- und Mautgesellschaften ohne Beteiligung von Radio France betrieben werden.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Regelung findet sich in Art. 2 des Loi n° 74-696 vom 7. August 1974 relative à la radiodiffusion et à la télévision: Anna Keller: Der neue Rechtsrahmen für den öffentlichen Rundfunk in Frankreich. Schriften zum internationalen und zum öffentlichen Recht. Band 93. Verlag Peter Lang. Frankfurt am Main u. a. 2011. Zugl.: Berlin, Freie Univ., Diss., 2009. ISBN 978-3-631-60001-6. S. 64ff. mit Fn. 214.
  2. a b Société Nationale de Radiodiffusion. In: radiofrance.fr. 2012. Abgerufen am 8. Mai 2012.
  3. 1975: Radio France Internationale, la cinquième chaîne de Radio France. In: rfi.fr. 27. Januar 2010. Abgerufen am 9. Mai 2012.
  4. Die Angaben zur Entwicklung der Programme von Radio France, wenn nicht anders vermerkt, sind entnommen: Société Nationale de Radiodiffusion. In: radiofrance.fr. 2012. Abgerufen am 9. Mai 2012.
  5. http://www.radioeins.de/programm/sendungen/medienmagazin/radio_news/beitraege/2015/france_mw.html
  6. Man spricht insoweit auch von „staatlichen Programmgesellschaften“ (sociétés nationales de programme): Anna Keller: Der neue Rechtsrahmen für den öffentlichen Rundfunk in Frankreich. Schriften zum internationalen und zum öffentlichen Recht. Band 93. Verlag Peter Lang. Frankfurt am Main u. a. 2011. Zugl.: Berlin, Freie Univ., Diss., 2009. ISBN 978-3-631-60001-6. S. 122ff., 122.
  7. a b Repères. In: radiofrance.fr. 2012. Abgerufen am 8. Mai 2012.
  8. Tanja Braum-Schleicher: Daseinsvorsorge und service public durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk: Eine Analyse im Lichte der Dienstleistungsfreiheit und des europäischen Beihilfesystems. Schriften zum Europa- und Völkerrecht und zur Rechtsvergleichung. Band 22. Verlag Peter Lang. Frankfurt am Main u. a. Zugl.: Frankfurt (Main), Univ., Diss., 2005. ISBN 978-3-631-55028-1. S. 31ff., 50f.
  9. Le conseil d’administration de Radio France. In: radiofrance.fr. 2012. Abgerufen am 8. Mai 2012.
  10. Ressources humaines. Editorial. 2012. Abgerufen am 8. Mai 2012.
  11. Les engagements de l'entreprise. In: radiofrance.fr. 2012. Abgerufen am 8. Mai 2012.
  12. Concerts de Radio France. In: radiofrance.fr. 2012. Abgerufen am 9. Mai 2012.