Jean Baptiste Feilner

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Revers einer Bremer CDV mit Darstellung der Auszeichnungen
Porträt des Braunschweiger Lehrers Konrad Koch, der 1874 das Fußballspiel in Deutschland einführte
Werbeanzeige in: "Braunschweigisches Adreß-Buch für das Jahr 1894"

Jean (Johann) Baptiste (Baptist) Feilner (* 12. Februar 1844; † 1912)[1][2] war ein Fotograf mit Ateliers in verschiedenen deutschen Städten und Verleger von Ansichtskarten.[3]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über das Leben und Wirken von Jean Baptiste Feilner ist nur wenig bekannt. Sein Vater war der Maler, Zeichner und spätere Daguerreotypist Johann Everhard Feilner, der einer der ersten in Bremen war, der sich der Photographie zugewendet hatte. Ob und welche Ausbildung der Sohn Jean Baptiste hatte, ist nicht bekannt. 1867 hatte er einen Pass beantragt, um nach Wien zu reisen, möglicherweise um bei einem Photographen in die Lehre zu gehen. Ab 1868 betrieb er ein eigenes photographisches Atelier. Er übernahm nicht die Lokalität, in der sein Vater gearbeitet hatte, und annoncierte auch unter seinem Namen.[4] In den ersten sechs Jahren wechselte die Adresse nahezu jährlich. Das spricht dafür, dass er nicht über Räumlichkeiten für ein eigenes Atelier verfügt hat. Erst ab 1875 scheint er ein praktikables Atelier im Wall 185 gefunden zu haben oder sich gebaut zu haben. Hier arbeitete er bis zum Jahr 1883.

Im Jahr 1878 ging er eine Partnerschaft mit dem Photographen Louis Oscar Grienwaldt ein. Unter dem Namen „Feilner & Grienwaldt“ wurden photographische Artikel angeboten. Die Geschäftsadresse war identisch mit der des Ateliers von Grienwaldt Wall 86. Seit 1864 hatte er hier ein eigenes Atelier betrieben. Diese Geschäftsbeziehung wurde 1883 beendet.

In Oldenburg hatte der Vetter Hans Jürgen Feilner 1873 ein photographisches Atelier eröffnet (oder ein bestehendes von Johann Everhard Feilner jun. übernommen). Hier eröffnete Jean Baptiste Feilner 1880 seine erste Filiale. Es gibt keine Erkenntnisse, wer die Filiale geführt hat oder ob Feilner hier für einige Zeit gearbeitet hat.

Für einen Filialbetrieb, wie ihn Feilner im Lauf der Jahre aufgebaut hatte, gilt, dass die Urheberschaft seiner Photographien kaum zu ermitteln ist.

Im Jahr 1883 war Jean Baptiste Feilner wohl nach Braunschweig gezogen, Gründe dafür sind nicht bekannt.[5] Hier übernahm er das Atelier und auch die Räumlichkeiten, denn der Photograph Hermann Reuter betrieb 1876 in der Wilhelmstraße 88 nachweislich ein Atelier. Die Adresse blieb bis 1900. Nicht eindeutig ist die Angabe seiner Atelierbezeichnung: nennt er sich zu Beginn „A. Reuter Hofphotograph Nachfolger“, wie man die Angabe auf dem Revers einiger Fotografien deuten könnte, oder nutzt er seinen Namen, wie Einträge in den Adressbüchern belegen.

1888 verkaufte J.B. Feilner die Oldenburger Filiale, um in der Stadt Emden eine neue zu eröffnen. Dort übernahm er das Atelier des Photographen und Malers Bernhard Mateling.

Im Bremer Adressbuch findet sich der letzte Eintrag von Jean Baptiste Feilner im Jahr 1896.[6] Dort wird seine private Adresse mit Wall 185 angegeben. Käufer des Ateliers, das ab 1896 den Namen „Jean Baptiste Feilner Nachfolger, Photographisches Atelier“ trug, war gemäß der Einträge in den Bremer Adressbüchern Fritz Krüger gewesen, der im selben Jahr zum Hofphotografen ernannt worden war.[7] Krüger verkaufte das Atelier im Jahr 1907 an Oscar Ernst Hense, der es unter Beibehaltung des Namens weiterführte. Nach dem Verkauf reiste Feilner nach Italien. 1899 beantragte er ein weiteres Mal einen Pass. Zu diesem Zeitpunkt wohnte er als Bremer Bürger in Braunschweig. Das Ziel seiner Reise lautete lediglich „Ausland“.

Feilner war um 1901 nach München gezogen. Nachweislich des Adressbuchs für die Stadt München hatte Johann Baptist Feilner, wie die Einträge lauteten, von 1902 bis 1906 am Thierschplatz und bis 1910 in der Herzog Rudolfstraße gewohnt. Einen Eintrag als Inhaber oder Betreiber eines photographischen Ateliers fand sich nicht.

Anhand der Auszeichnungen, die Feilner im Laufe der Jahre erhielt, ist zu erkennen, dass sein besonderes Interesse der Porträtfotografie galt. Dafür spricht auch, dass Feilner 1878 ein spezielles Abtönungsverfahren bei Porträtvignetten zum Patent angemeldet hatte.[8][9]

Der überwiegende Teil der Auszeichnungen, die J.B. Feilner auf den Revers seiner Fotografien angegeben hatte, sind dort auf das Jahr 1879 datiert: Sidney, Neapel, Amsterdam, Hannover, Dresden, auf das Jahr 1880 Melbourne, 1881 Hamburg, Frankfurt und Wien. Da diese Angaben werblichen Zwecken dienten, entsprachen die Angaben nicht immer den Tatsachen.

In der Familie Feilner gab es weitere Mitglieder, deren Interesse der Photographie galt. So verzeichnete das Bremer Adressbuch für die Jahre 1860 und 1861 einen Photographen Johann Matthias Feilner, möglicherweise ein Sohn des Buchdruckers Franz Feilner. Ein weiterer Sohn war der Maler Hans Jürgen Feilner, der um 1873 in Oldenburg ein photographisches Atelier eröffnet hatte. Größere Bedeutung erlangte Anna Feilner, die eine Tochter von Johann Everhard Feilner jun. war. Sie betrieb ein Atelier in Oldenburg und ihre Leistungen wurden mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt. Ab 1912 war als Eintrag im Adressbuch der Stadt München Alexander Feilner (Photochemiker) zu finden. 1918 lautete ein Eintrag: „Fa. A. E. Feilner & Co Fabrikation photographischer Bedarfsgegenstände“, (Inhaber Alexander Eberhard Feilner (Fkft/M), Karl Seidel und Marie Brandstetter).[10]

Jean Baptiste Feilner war verheiratet mit Charlotte, geb. Lemcke (1859-?). Ihre Tochter Catharine Christine Wilhelmine war 1881 geboren worden und der Sohn Eberhard Alexander 1883. Weitere Kinder sind nicht bekannt. Feilners Sterbedatum findet sich ausschließlich bei Kempe (Literatur). Auch der Ort seines Todes ist nicht bekannt.

Jean Baptiste Feilner — Ateliers und Filialen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bremen, mit Adresse Wall 154 im Jahr 1869, mit Obernstraße 42 im Jahr 1870, mit Obernstraße 48 im Jahr 1871 und 1872, mit Wall 158 im Jahr 1873, mit Wall 165 im Jahr 1874 und im Wall 185 von 1875 bis 1883. Für die Folgejahre war die Adresse des Ateliers Richtweg 6b.
  • Hannover, Georgstraße 25
  • Braunschweig, „südliche“ Wilhelmstraße 88 und Bohlweg 46, 1. Etage, in der Zeit von 1883 bis 1911. Feilner hatte 1883 seine Emigration von Bremen nach Braunschweig beantragt.[2] Nachweislich der Braunschweiger Adressbücher hatte Feilner 1884 das Atelier des Photographen August Reuter übernommen und unter „A. Reuter Nachf.“ bis zum Jahr 1900 in der Wilhelmstraße 88 betrieben. Ab dem Jahr 1900 verlegte er sein Atelier in die 1. Etage im Bohlweg 46. Von 1900 bis 1902 läßt sich der Photograph Hugo Julius als Geschäftsführer nachweisen. 1911 verkaufte er das Atelier an Dietrich Driebe.[11]
  • in Oldenburg Rosenstraße 29 ca. von 1880 bis 1888 und in Teilhaberschaft mit August Mohaupt bis 1910.
  • Borkum
  • Emden in der Neuthorstraße in der Zeit von 1888 bis 1892. Der Maler und Photograph Bernhard Mateling hatte 1864 in Emden in der Neuthorstraße ein photographisches Atelier eröffnet. 1888 wurde es von Jean Baptiste Feilner erworben und 1892 an Hermann Wilhelm Mohaupt (1866–1909)[12] verkauft;.[13]
  • Jever, Burgstraße, (später alleiniger) Inhaber H. Koch[14]
  • Bonn, Bahnhofstraße 13, in der Zeit von 1900 bis 1904. In der Adresse Bahnhofstraße 13 existierte vermutlich seit 1890[15] das photographische Atelier von Emil Koch, der seit 1875 in der Hofgartenstraße 5 sein Atelier gehabt hatte. Koch war in der Bahnhofstraße bis 1895 verzeichnet. Von 1897 bis einschließlich 1900 war dort der Photograph Hans Schaf(f)ganz tätig. Im selben Jahr zog der Photograph Georg Gollas (1874–1915) von Bregenz nach Bonn, „vermutlich um in der neuen Filiale des Bremer Fotofilialisten Jean Baptiste Feilner zu arbeiten“.[16] Ende 1904 wurde das Bonner Atelier von den Brüdern Carl und Georg Gollas übernommen und unter dem Namen „J.B. Feilner Nachf.“ geführt.
  • Koblenz, Goebenplatz 12, in der Zeit von 1904 bis 1912. Ende 1904 hatte Feilner eine weitere Filiale eröffnet. Ab 1905 arbeitete hier Carl Gollas. 1912 hat vermutlich Georg Gollas das Koblenzer Atelier übernommen.

Um 1895 lässt sich neben Oldenburg, Jever und Borkum noch ein Atelier in Wittmund belegen.[17]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1876 eine „ehrenvolle Erwähnung“ bei der Photographischen Ausstellung in Paris[18]
  • 1876 ein „Goldenes Kreuz“ für Porträts auf der Internationalen Kunstausstellung (3. Ausstellung und Bazar für Kunstindustrie) in Utrecht[19]
  • 1877 eine „Silberne Medaille“ für beste Porträts bei der „Internationale Ausstellung von Photogrammen“[20] in Amsterdam in der (Vereniging Arti et Amicitiae)[21]
  • 1880 die „Silberne Voigtländer Medaille“ der Photographischen Gesellschaft in Wien für die der Gesellschaft gewidmete Sammlung von künstlerisch ausgeführten Porträtstudien[22]
  • 1895 eine „goldene Medaille“ auf der Landesausstellung in Oldenburg[23]

Nachweislich des Revers einer Photographie war das Atelier „prämiirt auf 14 Ausstellungen“,[24]

  • 1879 in Teplitz auf der dortigen „Gewerbe und Industrie Ausstellung“, Neapel und Sydney
  • 1880 in Melbourne[25]
  • 1881 in (Wien)[26], Frankfurt am Main und Hamburg
  • 1882 in Paris
  • Hannover, Dresden und London.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sekundärliteratur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jens Thiele, Detlef Hoffmann (Hrsg.): Lichtbilder, Lichtspiele: Anfänge der Fotografie und des Kinos in Ostfriesland, Jonas Verlag, Weimar 1989 ISBN 978-3-92256-184-2
  • Fritz Kempe: Daguerreotypie in Deutschland. Vom Charme der frühen Fotografien, Seebruck am Chiemsee: Heering, 1979, ISBN 3-7763-5190-X, S. 180
  • Harald Goergens, Alfred Löhr: Bilder für Alle. Bremer Photographie im 19. Jahrhundert. In: Rosemarie Pohl-Weber, (Hrsg.): Hefte des Focke-Museums. Band 68, 1985, S. 33, 108.
  • Rolf Ahlers, Kurt Dröge, u.a.: Das Gedächtnis der Stadt: Fotografiegeschichte in Oldenburg (= Lioba Meyer [Hrsg.]: Veröffentlichungen des Stadtmuseums Oldenburg. Band 64). Isensee, Oldenburg 2012, ISBN 978-3-89995-908-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jean Baptiste Feilner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Zeitschriften (Photographie) – Quellen und Volltexte

Fotografien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fritz Kempe: Daguerreotypie in Deutschland, S. 180
  2. a b Detaillierter Eintrag: Feilner, Eberhard Johann, Emigration Bremer Bürger.
  3. Udo Elerd: Gruss aus Oldenburg. Frühe Ansichtskarten aus der Sammlung des Stadtmuseums, Ausstellung vom 17. Januar - 21. Februar 1988. Hrsg.: Stadt Oldenburg. Isensee, Oldenburg 1988, ISBN 3-920557-76-X, S. 52, 82.
  4. Nach Kempe (Daguerreotypie in Deutschland, S. 180) soll er das väterliche Geschäft übernommen haben, was sich aus den Einträgen in den Bremer Adressbüchern nicht ergibt.
  5. Im Straßen/Bewohnerverzeichnis der Ausgabe des Braunschweiger Adressbuches von 1882 findet sich unter Wilhelmstr. 88 der Hinweis auf das Atelier von Feilner.
  6. Ein Indiz, dass J.B. Feilner Bremen tatsächlich verließ, ist, dass er 1896 seine Mitgliedschaft des Naturwissenschaftlichen Vereins zu Bremen aufgab, da er Bremen verließ (Quelle: Einundreissigster Jahresbericht des Naturwissenschaftlichen Vereins zu Bremen, C. Ed. Müller, Bremen 1896, S. 13 Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttps%3A%2F%2Farchive.org%2Fstream%2Fabhandlungenhera13natu%23page%2F13%2Fmode%2F2up~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  7. Photographische Mitteilungen, 33. Jg., 1897, S. 362.
  8. Man sprach in der Fotografie von vignettierten Aufnahmen, wenn z.B. bei ein Porträtaufnahme, die nur den Kopf abbildete, dieser verlaufend freigestellt worden war. Vignettierte Porträtaufnahmen war eine Modeerscheinung.
  9. Rudolf Biedermann: Technisch Chemisches Jahrbuch 1882-1883, 5. Jg., Julius Springer, Berlin 1884, S. 513. (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3Dtechnischchemis05biedgoog%23page%2Fn527%2Fmode%2F2up~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D)
  10. Die Hintergrundfolien von A. Feilner & Co in München, in Photographische Korrespondenz, 51. Jg., 1914, S. 133
  11. Photographische Chronik, 18. Jg., 1911, S. 565.
  12. Aiko Schmidt: Gruss aus Emden und Ostfriesland. frühe Ansichtskarten. Hrsg.: Friedrich Scheele (= Ostfriesisches Landesmuseum Emden [Hrsg.]: Veröffentlichungen des Ostfriesischen Landesmuseums Emden. Band 26). Isensee, 2008, ISBN 3-89995-564-1, S. 29.
  13. Menno Dirks: Emden. Neue Kirche. In: Kunstwerk des Monats Februar 2003(2). Ostfriesisches Landesmuseum Emden, 2003; abgerufen am 23. März 2017.
  14. Dorfbürgerverein Sandelermöns und Umgebung e.V: 20. - Dörpslü - auf sandelerburg.de
  15. siehe Bonner Adressbücher
  16. Stadtarchiv: Jüngling in Damenkleidung. In: Zeitfenster Juli 2014. Stadtarchiv Bonn Presseamt, Juli 2014; abgerufen am 20. März 2017.
  17. siehe beispielsweise für Hannover bei Commons
  18. Photoghraphische Korrespondenz, Nr. 13, 1876, S. 178
  19. Photoghraphische Korrespondenz, Nr. 13, 1876, S. 195
  20. siehe Ausstellungen der Photographie (1855–1915)
  21. Photoghraphische Korrespondenz, Nr. 14, 1877, S. 266
  22. Photoghraphische Korrespondenz, Nr. 17, 1880, S. 245
  23. Photographische Chronik Band 12, 1905, S. 391
  24. Revers einer CDV aus Koblenz
  25. Siehe Ausstellungen der Photographie (1855–1915)
  26. Es ist keine Medaille oder Ehrenpreis für Feilner verliehen worden. Quelle: Verzeichniss der zuerkannten Preise, in: Photographische Korrespondenz, Nr. 18, 1881, S. 93-96