Jeremejewit

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Jeremejewit
Jeremjevite colorless needles - Ochtendung, Eifel, Germany.jpg
Farbloser, nadeliger Jeremejewit aus Ochtendung in der Eifel
Allgemeines und Klassifikation
Chemische Formel Al6[(F,OH)3|(BO3)5]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Borate (ehemals „Carbonate, Nitrate und Borate“, siehe Klassifikation)
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
6.AB.15 (8. Auflage: V/G.05)
25.08.01.01
Ähnliche Minerale Fluoborit, Hydroxylborit
Kristallographische Daten
Kristallsystem hexagonal
Kristallklasse; Symbol hexagonal-dipyramidal; 6/m[1]
Raumgruppe P63/m (Nr. 176)Vorlage:Raumgruppe/176[2]
Gitterparameter a = 8,56 Å; c = 8,18 Å[2]
Formeleinheiten Z = 2[2]
Häufige Kristallflächen {1120}
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 6,5 bis 7,5
Dichte (g/cm3) 3,28 bis 3,29[3]
Spaltbarkeit fehlt
Bruch; Tenazität muschelig
Farbe farblos, weiß, gelblich, blau
Strichfarbe weiß
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Glasglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nω = 1,653
nε = 1,640[4]
Doppelbrechung δ = 0,013
Optischer Charakter einachsig negativ
Pleochroismus farblos bis hellblauviolett

Jeremejewit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Borate“ (ehemals „Carbonate, Nitrate und Borate“, siehe Klassifikation). Es kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Al6[(F,OH)3|(BO3)5][2] und entwickelt meist nadelige bis prismatische Kristalle mit hexagonalem Habitus, die entweder farblos oder durch Fremdbeimengungen von blauer oder gelbbrauner Farbe sind.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste farblose Kristalle wurden im Pegmatit des Soktuj Gora im Adun-Cholon-Gebirge bei Nertschinsk in der russischen Region Transbaikalien gefunden und 1883 von dem französischen Mineralogen Augustin Alexis Damour beschrieben[5], der das Mineral zu Ehren des russischen Mineralogen, Kristallographen und Ingenieurs Pawel Wladimirowitsch Jeremejew (1830–1899) nach diesem benannte.

Klassifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Jeremejewit zur gemeinsamen Mineralklasse der „Carbonate, Nitrate und Borate“ und dort zur Abteilung der „Inselborate“, wo er zusammen mit Fluoborit, Karlit und Painit eine eigenständige Gruppe bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik ordnet den Jeremejewit in die neue Klasse der „Borate“ und dort in die Abteilung der „Monoborate“ ein. Diese Abteilung ist allerdings weiter unterteilt nach dem Aufbau des Boratkomplexes und der möglichen Anwesenheit weitere Anionen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „BO3 mit zusätzlichen Anionen; 1(D) + OH usw.“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 6.AB.15 bildet.

Die Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Jeremejewit wie die alte Strunz'sche Systematik in die Klasse der „Carbonate, Nitrate und Borate“, dort allerdings in die Abteilung der „Wasserfreien Borate mit Hydroxyl oder Halogen“. Hier ist er einziges Mitglied der unbenannten Gruppe 25.08.01 innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Borate mit Hydroxyl oder Halogen“ zu finden.

Kristallstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jeremejewit kristallisiert hexagonal in der Raumgruppe P63/m (Raumgruppen-Nr. 176)Vorlage:Raumgruppe/176 mit den Gitterparametern a = 8,56 Å und c = 8,18 Å sowie 2 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[2]

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blauer Jeremejewit in seltener, klarer Kristallform

Morphologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die meisten der intensiv blauen Jeremejewite haben keine exakten Kanten und Kristallflächen. Jeremejewit-Kristalle können bis zu ca. 6 cm lang und ca. 5 mm dick sein, aber auch eine nadelartige Ausbildung mit Durchmessern von ca. 1 mm aufweisen. Viele Kristalle werden zum oberen Ende hin etwas schmaler. Größere Kristalle, die noch auf der Matrix sitzen, sind selten. Der Grund hierfür ist noch unbekannt.

Physikalische Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jeremejewit hat piezoelektrische Eigenschaften, das heißt durch wechselnde elastische Verformung baut sich wie auch beim bekannten Quarz im Kristall eine elektrische Spannung auf.[3]

Bildung und Fundorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jeremejewit bildet sich durch hydrothermale Vorgänge in granitischen Pegmatiten. Begleitminerale sind unter anderem Albit, Turmaline, Quarz und Gips.

Weltweit konnte Jeremejewit bisher an 13 Fundorten nachgewiesen werden. In Deutschland wurde das Mineral an mehreren Orten in der Eifel gefunden: Am Nickenicher Sattel bei Eich (Andernach), am Emmelberg bei Üdersdorf, am Niveligsberg bei Drees, am Rothenberg bei Bell, am Herchenberg bei Burgbrohl und an den Wannenköpfen bei Ochtendung.

Weitere Fundorte sind neben der Typlokalität Soktuj Gora in Russland noch die „Pantahole Mine“ bei Momeik in der burmesischen Mandalay-Division; Madagaskar; mehrere Orte in der namibischen Region Erongo sowie Chorugh (Khorog) in Tadschikistan.[4]

Verwendung als Schmuckstein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jeremejewit-Kristalle können farblos, hautfarben, gelblich, blaugrün, violett oder blau sein. Die seltenste und wertvollste Farbe ist ein sattes Kornblumenblau. Hell- oder mittelblaue Kristalle sind ebenfalls sehr gesucht. Einige farblose oder hellblaue Kristalle gehen im unteren Bereich allmählich in ein tieferes Blau über.

Wie bei anderen Schmucksteinen hängt der Wert eines Jeremejewiten vor allem von der Reinheit, der Farbe und dem Gewicht ab: Die wertvollsten Steine sollten augenrein bzw. lupenrein sein, eine intensiv kornblumenblaue Farbe haben und groß (> 1 Karat) sein. Jeremejewite sind üblicherweise im Baguette- oder Smaragdschliff facettiert, werden aber auch oval facettiert angeboten.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Webmineral – Jeremejevite (englisch)
  2. a b c d Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 331.
  3. a b Handbook of Mineralogy – Jeremejevite (englisch, PDF 65,9 kB)
  4. a b Jeremejevite bei mindat.org (engl.)
  5. Damour A. Note sur un borate d'alumine cristallisé de la Siberie. Nouvelle espèce minerale // Bulletin de la Societe mineralogique de France. 1883. 6. N 1. P. 20-23.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jeremejevite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien