Jet (Tankstelle)

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Jet-Logo

Jet ist der Markenname des Tankstellennetzes und der Mineralölprodukte der US-amerikanischen Mineralölgesellschaft Phillips 66, die 2012 durch Aufspaltung der ConocoPhillips entstand.

In Deutschland betreibt die Marke ca. 800 Tankstellen,[1] in Österreich rund 150.

Geschichte und Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jet-Tanklastwagen

Der Brite Bill Roberts verwendete 1953 in Rotherham in der englischen Grafschaft Yorkshire erstmals den Markennamen „Jet“ für sein zukünftiges Tankstellenunternehmen. Der Name entstand aus der Buchstabenkolonne auf dem Nummernschild seines ersten Tankwagens: JET 855. Roberts erste Tankstelle war eine kleine Station auf einem privaten Grundstück und konnte günstig betrieben werden, da außer Tanken kein weiterer Service angeboten wurde. Daraus entwickelte sich die das Markenbild prägende Discounter-Strategie.

1960 wurde die Marke von dem amerikanischen Ölmulti Conoco in Deutschland eingeführt, wo der Konzern Mitte der 1980er Jahre – kurz nach der Übernahme von Conoco durch den US-Chemie-Konzern DuPont – bereits rund 5 Prozent des deutschen Treibstoffgeschäfts mit seinen Jet-Tankstellen beherrschte. Ausschlaggebend dafür war eine Nischenpolitik, mit der sich JET als günstiger Anbieter von Markenkraftstoff genau zwischen die Märkte der großen Markengesellschaften und der Unabhängigen drängte.[2]

377 Tankstellen in Belgien, Luxemburg, Tschechien, Ungarn, Polen, der Slowakei und Finnland wurden im Dezember 2006 vom russischen Ölkonzern Lukoil übernommen. ConocoPhillips erhielt im Gegenzug eine Beteiligung von 20 % an Lukoil, die bis zum Jahr 2012 sukzessive wieder veräußert wurde.[3] Das Umflaggen der Jet-Tankstellen auf den Namen Lukoil erfolgte bis 2009, sodass der Markenname JET in diesen Ländern aus dem Straßenbild verschwand.

Bereits 1996 erwarb die norwegische Statoil das JET-Tankstellennetz in Irland. Zum 31. Dezember 2007 wurden auch die Tankstellen in Dänemark, Norwegen und Schweden an Statoil verkauft, die den Markennamen in den nordischen Ländern zunächst weiternutzte. 2014 wurden die Stationen in Dänemark und Schweden in INGO umbenannt. In Dänemark war die Umbenennung im August 2014 abgeschlossen. In Norwegen ist die Marke schon seit ungefähr 2010 nicht mehr präsent.

2012 gliederte ConocoPhillips das Endkundengeschäft aus und gründete die Tankstellen-Betreiber-Gesellschaft Phillips 66, die weltweit rund 14.000 Mitarbeiter beschäftigt. Hauptsitz der Phillips 66 Company ist Houston (Texas), Sitz der JET Tankstellen Deutschland GmbH ist Hamburg. Das Unternehmen verarbeitet und vermarktet Mineralölprodukte in über 15 Ländern und betreibt insgesamt rund 10.000 Tankstellen in den USA, Deutschland, Großbritannien, Österreich und (in einem Joint Venture) auch in der Schweiz.[4]

Vertrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jet-Tankstelle

In Deutschland sind die meisten Tankstellen in dem gelb-blauen Markendesign gehalten und mit dem Jet-Logo ausgezeichnet. Etwa 180 Stationen werden als so genannte Supermarkt-Tankstellen geführt, die äußerlich nicht als Jet-Tankstellen zu erkennen sind. Jet hat in Deutschland einen Marktanteil von etwa 10 Prozent.[5]

Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jet bietet in Deutschland fünf Produkte an. Dies sind Diesel, Super E10 (95 Oktan), Super (95 Oktan), Super Plus (98 Oktan) und Autogas. Premiumprodukte wie V-Power (Shell) oder Ultimate (Aral) werden nicht angeboten.

Werbung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2002 erregte Jet in Deutschland Aufsehen durch eine familienfeindliche Werbekampagne, die nach heftigen Protesten eingestellt werden musste.[6]

Ab 2006 warb Jet eine Zeitlang mit Comicfiguren aus der Feder von Rötger „Brösel“ Feldmann und dem Werbeslogan Schlauer ist das (in Anlehnung an den Spruch Besser ist das aus den Werner-Comics).[7]

Shops[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Jahreswechsel 2005/06 sorgte der Konkurrenzkampf zwischen dem Edeka-Konzern und dem Frechener Lebensmittelgroßhändler Lekkerland um die Belieferung der Jet-Tankstellenshops für Aufsehen in der Einzelhandelsbranche. Nachdem die Geschäfte bis dahin von der Edeka-Tochter Spar betrieben wurden, stand überraschend ein Lieferantenwechsel im Raum.[8] Anfang 2006 wurde dann eine Zusammenarbeit zwischen Edeka und Lekkerland vereinbart, die auf drei Jahre befristet war.[9] In dieser Zeit versorgten die beiden Shoplieferanten die Jet-Tankstellen gemeinsam. Heute betreibt der Hamburger Edeka-Konzern die Jet-Tankstellenshops unter dem Namen „Spar Express“ wieder allein und plant, sein Geschäft auf andere Tankstellenbetreiber auszudehnen.[10]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Im Januar 2015 lag JET mit 792 Tankstellen auf Rang 6 hinter Aral, Shell, Esso, Total und AVIA: ADAC-Statistik zur Anzahl der Tankstellen seit 1965, abgerufen am 22. Oktober 2016.
  2. Im Jet-Stream. In: Der Spiegel. Heft 28/1984, 9. Juli 1984, S. 36.
  3. ConocoPhillips Sells Russian Venture Stake to Partner Lukoil. Agenturmeldung vom 22. August 2012, abgerufen am 22. Oktober 2016.
  4. Vgl. Marken-Homepage, abgerufen am 22. Oktober 2016.
  5. S. Liebrich und S. Weber: Ölkonzerne diktieren den Preis. In: SZ vom 22. Mai 2011, abgerufen am 22. Oktober 2016.
  6. "Brutale Botschaft" In: Spiegel Online. 19. April 2002; abgerufen am 12. Dezember 2016.
  7. Jet lässt Brösel zeichnen. Meldung auf horizont.net vom 2. Februar 2006, abgerufen am 22. Oktober 2016.
  8. Edeka eröffnet neue Läden an Jet-Tankstellen. In: Handelsblatt. 24. Oktober 2005; Birger Nicolai: Lekkerland erwartet Großauftrag für Jet-Tankstellen. In: Die Welt. 17. November 2005; beide abgerufen am 12. Dezember 2016.
  9. Mit Lekkerland in die Tankstellen. In: Manager Magazin. 3. Januar 2006; abgerufen am 12. Dezember 2016.
  10. Edeka, MCS und Lekkerland im Vergleich. In: Sprit+. 22. Oktober 2015; abgerufen am 12. Dezember 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jet – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien