Joachim Bischoff

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Joachim Bischoff im Juni 2011.

Joachim Bischoff (* 28. Mai 1944 in Swinemünde) ist ein deutscher Soziologe, Publizist und Politiker (Die Linke). Er war Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Joachim Bischoff ging in Reutlingen Baden-Württemberg zur Schule und musste in einer Fabrik arbeiten, um das Schulgeld für das Gymnasium aufzubringen. Die harte Realität der Arbeit in der Industrie brachte ihn in Verbindung mit der Sozialdemokratie. Schon als Schüler las er Karl Marx. Im Anschluss studierte er in West-Berlin. Dutschke, Horkheimer, Adorno und allem Wolfgang Abendroth waren die prägenden Personen der Zeit für ihn. Er war Wissenschaftlicher Mitarbeiter und von 1976 bis 1979 Lehrbeauftragter für das Fach Soziologie an der FU Berlin. Seine Stelle wurde aus politischen Gründen nicht verlängert. Später arbeitete er als Buchhändler von 1973 bis 1998 in einem genossenschaftlichen Betrieb, als Journalist und als Lektor. Er war 1972 Mitbegründer des VSA-Verlages. Seit 1974 lebt er in Hamburg-St. Georg.[1]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bischoff hat zahlreiche Arbeiten zur Politischen Ökonomie des Kapitalismus veröffentlicht. Schwerpunkt seiner Arbeit seit dem Ende der 1960er-Jahre waren Versuche, das Werk von Karl Marx – gegen die „marxistisch-leninistische Lesart“ – neu zu erschließen. Er ist Mitherausgeber und Autor der Zeitschrift Sozialismus. Regelmäßig veröffentlicht er Beiträge im Newsletter der Zeitschrift. Zudem ist er im Lektorat des VSA-Verlags tätig. Ferner gehört er zum Redaktionsbeirat der Z. Zeitschrift Marxistische Erneuerung.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bischoff war Mitglied der Falken, des SDS und der SPD, die er 1966 aus Protest gegen den Vietnamkrieg verließ. Anfang der 1980er-Jahre gehörte er den Demokratischen Sozialisten an. Er ist Mitglied der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik („Memorandum-Gruppe“), der Sozialistischen Studiengruppen „SOST e.V.“ und Gewerkschafter bei ver.di.

Bischoff war bis Ende 2004 Mitglied der PDS. In den 1990er-Jahren sowie kurzfristig im Jahr 2000 war er Mitglied des Bundesvorstands der Partei. Er arbeitete unter anderem in der Arbeitsgemeinschaft Wirtschaftspolitik mit. 2004 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der WASG, bis April 2006 war er Mitglied des Bundesvorstands der Partei. Seit ihrer Gründung 2007 ist er Mitglied der Partei Die Linke und Mitglied im Ältestenrat der Linkspartei.[2]

Bei der Bürgerschaftswahl 2008 in Hamburg wurde er für diese Partei in die Hamburgische Bürgerschaft gewählt. Er zog über den Bürgerschaftswahlkreis Hamburg-Mitte in das Parlament ein. Dort war er für seine Fraktion Fachsprecher für Haushalt/Finanzen, Stadtentwicklung und Sport. Zudem saß er in mehreren Ausschüssen und nahm verschiedene Funktionen wahr: Haushaltsausschuss, Prüfung der Haushaltsrechnung, Sportausschuss, Stadtentwicklungsausschuss, Vermögen und öffentliche Unternehmen sowie Wissenschaftsausschuss.

Im März 2009 wurde Bischoff als Direktkandidat für den Bundestagswahlkreis Hamburg-Mitte für die Bundestagswahl 2009 nominiert.[3]

Bei der Bürgerschaftswahl 2011 verteidigte er sein Mandat im Wahlkreis Hamburg-Mitte, das er jedoch aus gesundheitlichen Gründen Ende November 2011 niederlegte.[4] Für ihn rückte Tim Golke nach.[5]

Seit einigen Jahren werden in Hamburg unter seiner Leitung Kapital-Lesekurse durchgeführt.

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Joachim Bischoff – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der lachende Drache, Stadtteilzeitung für St. Georg, Einwohnerverein St. Georg, Juni 2021, S. 2
  2. Der lachende Drache, Stadtteilzeitung für St. Georg, Einwohnerverein St. Georg, Juni 2021, S. 2
  3. Hamburger Abendblatt vom 23. März 2009
  4. Hamburger Abendblatt vom 17. November 2011
  5. Tim Golke: Tim Golke rückt für Joachim Bischoff in die Bürgerschaft nach (Memento vom 29. März 2013 im Internet Archive) 28. November 2011. Abgerufen am 15. Januar 2012.