Joachim Ganzert

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Joachim Ganzert (* 1948) ist ein deutscher Architekt und Bauhistoriker, Sachbuchautor und Herausgeber[1] sowie Professor für Baugeschichte, Bauaufnahme und Stadtbaugeschichte.[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Joachim Ganzert studierte von 1970 bis 1975 Architektur in München an der dortigen Technischen Universität und schloss 1976 mit dem Titel Dipl.-Ing. ab. 1976 bis 1977 nahm er ein Reisestipendium des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) wahr und forschte ab 1977 bis 1980 mittels eines weiteren Stipendiums des DAI zum Kenotaph des Gaius Caesar in Limyra in der Türkei,[2] das ihm zur Grundlage seiner Dissertation 1981 in Karlsruhe an der dortigen Universität diente, an der er im selben Jahr arbeitete.[1]

1982 bis 1992 leitete Joachim Ganzert in Kooperation mit dem DAI in Rom sowie der Comune di Roma das Projekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) unter seinem 1994 als Habilitation veröffentlichten Titel Der Mars-Ultor-Tempel auf dem Augustusforum in Rom. Zeitweilig parallel zu seinen Studien nahm Ganzert von 1990 bis 1991 eine Gastprofessur am Institut für Klassische Archäologie der Universität Wien wahr. Anschließend arbeitete er für rund ein Jahrzehnt von 1992 bis 2002 als Professor für Baugeschichte und Bauaufnahme am Fachbereich Architektur der Fachhochschule Biberach. In dieser Zeit wurde er 1995 Korrespondierendes Mitglied des DAI mit Sitz in Berlin und hatte 1997 und 1998 eine „[...] Membership Institute for Advanced Study, School of Historical Studies, Princeton, NJ, USA“ inne.[2]

2002 wurde Ganzert an die Leibniz Universität Hannover berufen als Professor für Bau- und Stadtgeschichte am Institut für Geschichte und Theorie der Architektur, Fakultät für Architektur und Landschaft. Während er 2004 als Mitglied durch das Comitato Scientifico „Rileggere L'Antico“: Ministero per i Beni e le Attività Culturali, Roma / Soprintendenza per i Beni Archeologici del Lazio / Università degli Studi di Roma Tor Vergata aufgenommen wurde, arbeitete er von 2004 bis 2008 und später nochmals im Jahr 2010 an einem von der DFG sowie der Gerda Henkel Stiftung geförderten Forschungsprojekt unter dem Arbeitstitel Das Theater von Patara/Türkei.[2]

Unterdessen war Joachim Ganzert bereits 2007 als ordentliches Mitglied der Klasse für Geisteswissenschaften in die Braunschweigische Wissenschaftliche Gesellschaft aufgenommen worden. Ebenfalls 2007 war Ganzert gemeinsam mit dem Landschaftsarchitekten Joachim Wolschke-Bulmahn vom Lehrgebiet Geschichte der Freiraumplanung der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover Hauptverantwortlicher des Internationalen Workshops Geschichte und Gegenwart von Bau- und Gartenkultur im Kontext steter Orient-Okzident-Interdependenzen. Untersuchungen zu kultureller Herkunft und Identität.[2]

Gemeinsam mit dem Kunsthistoriker Hermann Hipp von der Universität Hamburg arbeitete Ganzert von 2008 bis 2011 an dem von der DFG und der Hermann Reemtsma Stiftung geförderten Forschungsprojekt Das Lüneburger Rathaus. Bau- und kunstgeschichtliche Grundlagenerforschung /-erschließung/-interpretation. Das Projekt fand 2012 bis 2014 eine Fortsetzung und 2015 seinen Abschluss[2] sowie einen Niederschlag in einer von mehreren Autoren verfassten Publikation.[1]

Gemeinsam mit der Archäologin Inge Nielsen von der Universität Hamburg zeichnete Joachim Ganzert verantwortlich für das 2014 und 2015 abgehaltene Symposion Herrschaftsverhältnisse und Herrschaftslegitimation, dessen Tagungsband er herausgab.[2]

Das nahezu menschenleere Leibnizufer in Hannovers Zentrum: „»autogerecht« oder
 »reichsautobahngerecht?«“

In seiner 2016 erschienenen Publikation unter dem Titel „Hannovers verrückte Mitte ...“ nehmen Ganzert und sein wissenschaftlicher Mitarbeiter Gregor Janböcke Stellung zur jüngeren Stadtbaukultur der niedersächsischen Landeshauptstadt.[1] Am Beispiel der ehemals 1824 vereinigten Städte Hannover und Calenberger Neustadt[3] und ihrer städtebaulichen Situation entlang der Leine und dem Leibnizufer untersuchen die Autoren den „Idealtypus der modernen Stadt“ in Hannovers Mitte und stellen – nicht zuletzt mit Bezugnahme auf die innerstädtischen Umgestaltungspläne Hannover City 2020 + und Mein Hannover 2030 – die Fragen „»autogerecht« oder »reichsautobahngerecht?«“ Mit der Darstellung der in der Nachkriegsmoderne seit Rudolf Hillebrecht geschaffenen „[...] baukulturellen Bewußtseinshohlräume [...] rufen sie zur stadtcharakterlichen Rehabilitierung von Hannovers topografischer und historischer Mitte auf“.[4]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Kenotaph für Gaius Caesar in Limyra. Architektur und Bauornamentik (= Istanbuler Forschungen, Bd. 35), zugleich Dissertation 1981 an der Universität Karlsruhe, mit Beiträgen von M. Grünewald und P. Herz, Tübingen: Wasmuth, 1984, ISBN 3-8030-1756-4
  • Der Mars-Ultor-Tempel auf dem Augustusforum in Rom, Habilitationsschrift 1994 an der Universität Karlsruhe, 1994
  • Joachim Ganzert (Hrg.), Bernd Adam, Michael A. Flechtner, Katrina Obert, Edgar Ring, Birte Rogacki-Thiemann, Hansjörg Rümelin, Gisela Jaacks, Barbara Uppenkamp: Das Lüneburger Rathaus. Ergebnisse der Untersuchungen 2008 bis 2011 (= Beiträge zur Architektur- und Kulturgeschichte, Bd. 19), 3 Bände, Titelzusatz zu Band 3: Ergebnisse der Untersuchungen 2012 bis 2014, Petersberg: Michael Imhof Verlag, 2014–2015, ISBN 978-3-7319-0052-8
  • Joachim Ganzert, Gregor Janböcke: Hannovers „verrückte“ Mitte. Prinzipielles und Konkretes zu Stadt-Bau-Kultur (= Beiträge zur Architektur- und Kulturgeschichte, Bd. 12), Berlin: Jovis, 2016, ISBN 978-3-86859-426-3 und ISBN 3-86859-426-4; Inhaltsverzeichnis als PDF-Dokument

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Schriftenverzeichnis von Joachim Ganzert auf der Seite des Instituts für Geschichte und Theorie der Architektur der Leibniz Universität Hannover

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Vergleiche die Angaben nebst Querverweisen unter der GND-Nummer der Deutschen Nationalbibliothek
  2. a b c d e f g J. Eberhard (Bearb.): Univ.-Prof. Dr.-Ing.habil. Joachim Ganzert auf der Seite igt-arch.uni-hannover.de des Instituts für Geschichte und Theorie der Architektur in der Bearbeitung vom 21. Feb. 2018, zuletzt abgerufen am 21. Februar 2018
  3. Klaus Mlynek: Calenberger Neustadt. In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 105f.
  4. Vergleiche etwa den Text auf dem hinteren Umschlagdeckel des Werkes