Joachim Lange

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Dieser Artikel beschreibt den Theologen Joachim Lange. Zum Zimmerer siehe Joachim Lange (Zimmerer); zu anderen Personen siehe Joachim Lang.
Joachim Lange

Joachim Lange (* 26. Oktober 1670 in Gardelegen; † 7. Mai 1744 in Halle (Saale)) war ein deutscher evangelischer Theologe.

Leben[Bearbeiten]

Mosaisches Licht und Recht, 2. Auflage 1733, Titelblatt

Der Sohn des Ratsmannes Mauritius Lange und der Maria (geb. Lange) besuchte anfänglich die Schulen seiner Heimatstadt. Durch den großen Brand in Gardelegen 1685 verlor sein Vater jeglichen Besitz. Durch die Hilfe des Stadtvogts von Osterwieck konnte er 1687 das Gymnasium in Quedlinburg besuchen und 1689 das Altstädter Gymnasium in Magdeburg. Seine Studien begann er 1689 an der Universität Leipzig, wo er im Haus von August Hermann Francke Aufnahme fand. Dieser förderte den jungen Studenten und verschaffte ihm eine Hauslehrerstelle bei Christian Thomasius. Später setzte Lange seine Studien an der Universität Erfurt und im Frühjahr 1693 an der Universität Halle fort.

In Halle besuchte er weiter die Vorlesungen von Francke und Joachim Justus Breithaupt. Dabei bildete er sich in der Hebräischen Sprache, wobei er außergewöhnliche Fertigkeiten entwickelte. Ende 1693 ging er als Hofmeister des Friedrich Rudolph Ludwig von Canitz (1654–1699) nach Berlin, trieb dort orientalische Literaturstudien und lernte Philipp Jacob Spener kennen. Dieser ließ ihn auch gelegentlich predigen. Zwischenzeitlich hatte er von der Hallenser Hochschule in Abwesenheit den akademischen Grad eines Magisters verliehen bekommen, wurde 1696 Rektor der Schule in Köslin, kehrte 1698 nach Berlin als Rektor des Friedrichwerderschen Gymnasiums zurück und übernahm dazu 1699 eine Pfarrstelle an der Kirche in Friedrichswerder.

Nach neunjähriger Tätigkeit in diesen Ämtern wechselte er als Adjunkt von Breithaupt wieder an die Hallenser Hochschule. Als Breithaupt 1709 als Abt des Klosters Bergen aus seiner Professur ausschied, wurde Lange Professor an der Theologischen Fakultät, promovierte 1717 zum Doktor der Theologie und blieb trotz anderer Angebote bis zu seinem Tod an der Hallenser Hochschule. Lange beteiligte sich auch an den organisatorischen Aufgaben der Hallenser Hochschule und war 1721/22, sowie 1730/31 Prorektor der Hallenser Hochschule.

Lange war einer der führenden Kontroverstheologen auf Seiten des Pietismus im 18. Jahrhundert. Vor allem mit Christian Wolff hat er sich auseinandergesetzt. Er wurde auf dem halleschen Stadtgottesacker bestattet. Sein Grab befindet sich im Gruftbogen 72, Grabinschriften sind nicht mehr erhalten.

Familie[Bearbeiten]

Lange war zwei Mal verheiratet. Seine erste Ehe schloss er im September 1698 mit Johanna Elisabeth († 25. Februar 1715 in Halle), der Tochter des Perleberger Archidiakons und späteren Inspektors in Werben Joachim Rouen. Aus dieser Ehe gingen sieben Söhne und zwei Töchter hervor. Von diesen Kindern verstarben zwei bereits in jungen Jahren. Von den Söhnen weiß man, dass der älteste Sohn Johann Joachim Lange Professor der Mathematik an der Universität Halle wurde, Christian Polycarp wurde Pastor in Zehden/Neumark und dann Inspektor in Loburg, Theophilus Nathanel wurde Bürgermeister und Syndikus in Landsberg/Warthe, Samuel Gotthold Lange wurde Pastor in Laublingen/Saale, Timotheus Justus wurde Doktor der Medizin und Physikus in Burg. Johanna Elisabeth war mit Johann Jakob Rambach verheiratet und eine Tochter heiratete den Pfarrer von Marlitzhausen Polycarp Brömel. Beide Töchter verstarben vor ihrem Vater.

Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete Lange eine Urenkelin von Polycarp Leyser dem Älteren. Sie hieß Carlotte Elisabeth (geb. Leyser) und war die Witwe des Hallenser Ratskämmerers und Handelsmanns Johann Dreyßig. Aus dieser Ehe stammt ein Sohn August Joachim, der Jurist wurde und 1750 in Den Haag verstarb.

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinrich Döring: Die Gelehrten Theologen Deutschlands im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert. Zweiter Band. Wagner, Neustadt an der Orla 1832, S. 251–255 Internet Archive.
  • Eduard Emil Koch: Geschichte des Kirchenlieds und Kirchengesangs der christlichen, insbesondere der deutschen evangelischen Kirchen. Erster Haupttheil: Die Dichter und Sänger. Vierter Band. Dritte umgearbeitete, durchaus vermehrte Auflage. Belser, Stuttgart 1868 (Reprint: Olms, Hildesheim 1973), S. 343−346 Internet Archive.
  • Christoph Schmitt: Lange, Joachim. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 4, Bautz, Herzberg 1992, ISBN 3-88309-038-7, Sp. 1097–1104.
  • Johann Christoph von Dreyhaupt: Pagus Neletizi et Nudzici, oder ausführliche diplomatisch-historische Beschreibung des zum ehemaligen Primat und Ertz-Stifft, nunmehr aber durch den westphälischen Friedens-Schluß secularisirten Hertzogthum Magdeburg gehörigen Saal-Creyses und aller darinnen befindlichen Städte, Schlösser, Aemter, Rittergüter, adelichen Familien, Kirchen, Clöster, Pfarren und Dörffer, insonderheit der Städte Halle, Neumarckt, Glaucha, Wettin, Löbegün, Cönnern und Alsleben; aus Actis publicis und glaubwürdigen Nachrichten mit Fleiß zusammen getragen, mit vielen ungedruckten Documenten bestärcket, mit Kupferstichen und Abrissen gezieret, und mit nöthigen Registern versehen. Zweyter Theil. Schneider, Halle 1750 (Reprint: Fliegenkopf Verlag, Halle 2002), S. 656 f.
  • Jendris Alwast: Lange, Joachim. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 13, Duncker & Humblot, Berlin 1982, ISBN 3-428-00194-X, S. 548 f. (Digitalisat).
  • Paul TschackertLange, Joachim. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 17, Duncker & Humblot, Leipzig 1883, S. 634 f.
  • Julius August Wagenmann, Georg Müller: Lange, Joachim. In: Realencyklopädie für protestantische Theologie und Kirche (RE). 3. Auflage. Band 11, Hinrichs, Leipzig 1902, S. 261–264. Internet Archive.

Weblinks[Bearbeiten]