Joachim van Plettenberg

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Baron Joachim Ammena van Plettenberg (* 8. März 1739 in Leeuwarden, Niederlande; † 18. August 1793 auf Haus Windesheim in Zwolle, Niederlande) war Gouverneur der Kapkolonie vom 11. August 1771 bis 14. Februar 1785.

Leben[Bearbeiten]

Plettenberg entstammte dem westfälischen Uradelsgeschlecht von Plettenberg. Seine Eltern waren Henrik Casimir van Plettenberg, Oberst in der Oranier-Garnison in Leeuwarden und Agatha Petronella van Ammena. Nach dem Studium der Rechte an der Universität Utrecht verließ er das Land 1764 und wurde für 2 Jahre Mitglied des Justizrates in Batavia (heute Jakarta, Indonesien). 1767, im Alter von 28 Jahren, wurde er zum obersten Justizbeamten (Independent-Fiscaal) von Kapstadt berufen. Nach dem Tod des Gouverneurs Ryk Tulbagh (oder Tulbach) übernahm er am 11. August 1771 provisorisch dessen Amtsgeschäfte und wurde am 18. Mai 1774 im Amt des Gouverneurs bestätigt. In der stark von Frankreich beeinflussten Patriotiebewegung (Patriotte beweging) erwuchs ihm ein starker Gegner. Bürgerpetitionen von 1779 und 1782 an den Rat der Siebzehn und von 1784 an die Generalstaaten im Mutterland weisen auf die Schwierigkeiten und Probleme der Kolonisten hin, die sie mit der Verwaltung ihres Gouverneurs hatten.[1][2] 1781 schickte er auf Anforderung eine ausführliche Verteidigungsschrift nach Holland, um den Anklagen entgegenzutreten. 1785 reichte er seinen Rücktritt ein und wurde „ehrenvoll“ entlassen. Am 14. Februar 1785 legte er sein Amt nieder und kehrte in die Niederlande auf Huis Windesheim bei Zwolle zurück, wo er am 18. August 1793 starb. Als Kap-Gouverneur folgte ihm Oberstleutnant Cornelis Jacob van de Graeff.

Bei der Beurteilung seiner Persönlichkeit ist noch immer die Propaganda der Patriotiebewegung des ausgehenden 18. Jahrhunderts wirksam, stark geprägt von Gegnern, die ihn als selbstsüchtigen Mann mit übertriebenem Hang zur Selbstdarstellung beschreiben. Aus den vorliegenden Quellen lässt sich das in diesem Umfang nicht belegen, bzw. teilweise sogar widerlegen. Quellen zu seiner Verwaltungstätigkeit zwischen 1778 und 1783 wurden im 20. Jahrhundert veröffentlicht [3]

Plettenberg hatte großes Interesse an der Erforschung bisher unbekannter Gegenden und unterstützte die Erforschung Südafrikas. In seine Zeit fallen die Forschungsreisen von Joseph Karl Kindermann (1744–1801), Carl Peter Thunberg, Anders Sparrman, Francis Masson, William Patterson (1755–1810), Jan Splinter Stavornius, Robert Jacob Gordon (1743–1795) und François Levaillant (1753–1824). Er unternahm selbst mehrere Rundreisen zur Festlegung der Grenzen der Kapkolonie und besuchte 47 Außenposten. U.a. ließ er am 6. November 1778 ein Seezeichen für die Niederländische Ostindien-Kompanie (VOC) errichten, das sog. Van Plettenberg Beacon. Seitdem wird der Ort Plettenberg Bay genannt. Er ist heute ein beliebtes Reiseziel an der Garden Route.

Mit großem Interesse beobachtete er auch die großen Seeexpeditionen seiner Zeit. Die Seefahrer landeten am Kap, um ihre Vorräte zu ergänzen und machten ihm bei dieser Gelegenheit ihre Aufwartung. Er bot ihnen seine Unterstützung an und erfuhr aus erster Hand von neuen Forschungsvorhaben und Entdeckungen. Dieses Wissen nutzte er in den Gesprächen mit den Kapitänen, die ihn als kompetenten Gesprächspartner schätzten und förderte so die Entschleierung des Globus auf seine Weise. James Cook und Georg Forster erwähnen ihn in ihren Reiseberichten.

Schriftlicher Nachlass[Bearbeiten]

im Niederländischen Nationalarchiv [1] (PDF; 17 kB)

Literatur[Bearbeiten]

  • Andreas Weyl: Joachim van Plettenberg, Gouverneur der niederländischen Kapkolonie. In: An Bigge, Lenne und Fretter, Teil 1: Heft 35, Dezember 2011. S. 25−40. Teil 2: Heft 36, Juni 2012. S. 48−61.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://databases.tanap.net/cgh/make_pdf.cfm?artikelid=24735
  2. http://databases.tanap.net/cgh/make_pdf.cfm?artikelid=24478
  3. Kaapse Archiefstukken lopende over het jaar 1778 (- 1783). Afgeschreven en van een Register voorzien door Kathleen M. Jeffreys, M.A., van het Kaapse Archief met een voorwoord door E.A. Walker. Cape Town: Cape Times, 1926. (- Pretoria: De Staatsdrukker, 1938) 7 Bände.

Siehe auch[Bearbeiten]