Carl Peter Thunberg

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Carl Peter Thunberg, Porträt von Krafft dem Jüngeren (1777–1863) aus dem Jahre 1808, Öl auf Leinwand, Uppsala University Art Collections
Titelblatt des Prodromus Plantarum Capensium (1794)
Dissertation von Thunbergs Schüler Clas Fredrik Hornstedt (1782) über Pflanzen, die Thunberg in der Kapkolonie und Japan gesammelt hatte
Von Thunbergs Schüler Johann Arnold Stützer übersetzte Abhandlung
Gedenkstein für Engelbert Kaempfer und Carl Peter Thunberg (aus Ph.Fr. von Siebold: Nippon. 1897)

Carl Peter Thunberg, auch bekannt als Karl Peter von Thunberg (* 11. November 1743 in Jönköping; † 8. August 1828 in Tunaberg bei Uppsala), war ein schwedischer Mediziner, Botaniker und Naturforscher. Er gilt als Pionier der neuzeitlichen Erforschung der südafrikanischen und japanischen Pflanzenwelt, machte sich aber auch einen Namen als Malakologe (Weichtierforscher) und Entomologe (Insektenkundler). Sein Autorenkürzel in der wissenschaftlichen Nomenklatur lautet „Thunb.“.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carl Peter Thunberg wurde in der südschwedischen Stadt Jönköping geboren. Er studierte ab 1761 Medizin und Naturphilosophie an der Universität Uppsala unter anderem bei Carl von Linné. Im Jahr 1767 verteidigte er eine Dissertation De venis resorbentibus unter Linné[1] und 1770 eine zweite De Ishiade unter dem Anatomen Jonas Sidrèn. Sein Studium wurde durch ein Gudmund Kåhres Stipendium ermöglicht. 1770 erhielt er weitere 3300 Daler (Thaler), um seine Studien in Frankreich fortzusetzen.

Linné hatte großes Interesse daran, seine neue Taxonomie weiträumig zu überprüfen und regte seine Schüler zu Reisen in alle Welt an. 1770 erhielt Thunberg weitere 3300 Daler (Thaler), um seine Studien in Paris fortzusetzen. Im folgenden Jahr zog er nach Amsterdam und Leiden, wo er den Arzt und Botaniker Johannes Burman traf. Nach Rücksprache mit Linnaeus verschaffte ihm Burmann Zugang zur Niederländischen Ostindien-Kompanie (Verenigde Oost-Indische Compagnie, VOC) und bat ihn, in den überseeischen Kolonien Pflanzen für den botanischen Garten in Leiden zu sammeln. Im Dezember 1771 lief Thunberg als Schiffschirurg auf einem Kompanie-Schiff aus. Im April des folgenden Jahres erreichte er Kapstadt, wo man Proviant und Wasser für die Weiterreise aufnahm, doch Thunberg entschloss sich zu einem längeren Aufenthalt in der Kapkolonie.

Südafrika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Südafrika führte er drei längere Reisen durch, um die Pflanzenwelt der Region zu erforschen[2]. Zudem diente der Aufenthalt in Südafrika dazu, sein Niederländisch zu verbessern für die Reise nach Japan, wo Europäer aus anderen Ländern als den Niederlanden nicht zugelassen waren[3].

  1. Reise vom 7. September 1772 bis 4. Januar 1773 über Swellendam zum Fluss Gamtoosfloden
  2. Reise vom 11. September 1773 bis 28. Januar 1774 über Citrusdal nach Swellendam bis Port Elizabeth
  3. Reise vom 29. September 1774 bis 29. Dezember 1774 ins weitere Hinterland von Kapstadt

Java[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im März 1775 zog Thunberg nach Batavia weiter, dem Hauptstützpunkt von Niederländisch-Indien auf der Insel Java. Während seines zweimonatigen Aufenthaltes besuchte er u. a. Samarang und Buitenzorg.

Japan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thunbergs Bewerbung um eine Chirurgenstelle in der VOC-Niederlassung in Japan wurde angenommen. Im August 1775 traf er in Nagasaki ein, wo er sich bis 1776 auf der kleinen künstlichen Insel Deshima (Dejima) um das Wohl der Kompanie-Angestellten kümmerte. In Südafrika konnte er sich frei bewegen, war jedoch durch knappe finanzielle Ressourcen behindert. Nunmehr hatte er ein festes Einkommen, doch die Europäer auf Deshima konnten ihre Niederlassung nicht verlassen. Allerdings gab es unter den Dolmetschern einige, die im engen Kontakt mit den Europäern große natur- und heilkundliche Sammlungen angelegt und ein beachtliches Wissen akkumuliert hatten.

Thunberg zog besonders aus dem Austausch mit dem eminenten Dolmetscher Yoshio Kōgyū alias Kōsaku (吉雄 耕牛; 幸作) großen Gewinn. Zudem durfte er als Arzt den Leiter der Niederlassung Arend Willem Feith im Frühjahr 1776 bei der Reise nach Edo begleiten, wo dieser dem Shogun in einer obligatorischen Reverenzerweisung den Dank der Kompanie übermittelte. Wie die Pioniere des 17. Jahrhunderts George Meister, Andreas Cleyer und Engelbert Kaempfer, an denen er sich bei seinen Erkundungen orientierte, nutzte Thunberg diese „Hofreise“ zum Botanisieren und zu Beobachtungen von Land und Leuten. Auch kam es zu Begegnungen mit führenden japanischen Vertretern der „Holland-Kunde“ (Rangaku), besonders mit Katsuragawa Hoshū und Nakagawa Jun’an. Trotz der Kontrollen durch die japanischen Behörden, die eine Erkundung des Landes nach Kräften zu verhindern suchten, gelang es Thunberg, diese Kontakte auch nach seiner Rückkehr in die Heimat für einige Zeit aufrechtzuerhalten. Mehrere Briefe von Katsuragawa und Nakagawa werden in Thunbergs alma mater, der Universität von Uppsala, gehütet.

Rückkehr nach Europa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thunbergs Dienstzeit auf Deshima endete im November 1776. Nach einem kurzen Aufenthalt auf Java erreichte er im Juli 1777 Colombo auf der Insel Ceylon. Auch hier unternahm er botanische Exkursionen und besuchte unter anderem die niederländische Siedlung Galle. Er verließ Ceylon im Februar 1778 und erreichte, nach einem zweiwöchigen Aufenthalt in Kapstadt, Amsterdam im Oktober 1778.

Bevor er nach Schweden zurückkehrte, zog er nach London und besuchte unter anderem das Britische Museum (British Museum), das 1753 auf dem Nachlass des Sammlers und Gelehrten Hans Sloane aufbauend gegründet worden war und unter anderem die Aufzeichnungen und Herbarien Kaempfers hütete. Bei dieser Gelegenheit lernte er den Naturforscher Sir Joseph Banks kennen, der an der ersten Reise von James Cook teilgenommen hatte, sowie Johann Reinhold Forster, dem Naturalisten von Cooks zweiter Pazifik-Reise.

Thunberg erreichte Schweden im März 1779, wo er vom Tode Linnés erfuhr. Er wurde zunächst zum botanischen Demonstrator an der Universität Uppsala ernannt und schließlich 1784 zum Professor für Medizin und Naturphilosophie. Diese Position hatte er bis zu seinem Tode inne. Viermal (1785, 1786, 1795 und 1804) amtierte er als Rektor der Universität.

Leistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine Reiseerlebnisse und Beobachtungen veröffentlichte Thunberg 1788 unter dem Titel Resa Uti Europa, Africa, Asia, Förrättad Åren 1770-1779 (Reisen in Afrika und Asien während der Jahre 1772–1779). Dazu kamen ein Werk über die Pflanzen am Kap, eine Flora Japonica und zahlreiche Dissertationen seiner Schüler, die aus seiner Feder stammten.

Zwar gab es schon seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wissenschaftlich ambitionierte Arbeiten über japanische Pflanzen (s. Andreas Cleyer, Engelbert Kaempfer), doch war Thunberg der erste, der Linnés System anwendete. Seine Publikationen führten zu einer Vielzahl neuer Taxa. Er selbst benannte 254 Spezies, das schließt sowohl Pflanzen als auch Tiere ein, wenngleich deutlich mehr Pflanzen. Über 800 Pflanzenproben, die er aus Japan ausführte, werden heute in der Universität Uppsala aufbewahrt.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1776 wurde er zum Mitglied der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften gewählt, 1778 zum Mitglied der Leopoldina.[4] 1804 wurde er zum auswärtigen Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften gewählt.[5] Insgesamt gehörte er 66 Akademien oder Gelehrtengesellschaften an. Die Gattung tropischer Pflanzen Thunbergia aus der Familie der Acanthaceae wurde nach ihm benannt.

In Japan zählt Thunberg mit Engelbert Kaempfer und Philipp Franz von Siebold zu den "Drei Dejima Gelehrten" (Dejima no san gakusha 出島の三学者). Siebold errichtete zu Ehren seiner beiden eminenten Vorgänger einen noch heute erhaltenen Gedenkstein auf dem Areal der Handelsniederlassung ein.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hrn. Carl Peter Thunberg der Arzeneiwissenschaft Doktor und Professor zu Upsala ... Abhandlung von den Münzsorten, welche in ältern und neuern Zeiten im Kaiserthum Japan geschlagen worden und gangbar gewesen sind. Stendal 1784
  • Caroli Petri Thunberg ... Flora Japonica sistens plantas insularum Japonicarum: Secundum systema sexuale emendatum redactas ad XX classes, ordines, genera et species. Leipzig: Müller 1784. (Faksimile Druck, New York: Oriole Editions, 1975)
  • Karl Peter Thunbergs ... Reise durch einen Theil von Europa, Afrika und Asien, hauptsächlich in Japan, in den Jahren 1770 bis 1779. Aus dem Schwedischen frey übers. von Christian Heinrich Groskurd. Bd. 1. Haude und Spener, Berlin 1792 (Digitalisat und Volltext im Deutschen Textarchiv) / Bd. 2. Haude und Spener, Berlin 1794 (Digitalisat und Volltext im Deutschen Textarchiv)
  • Karl Peter Thunberg: Reisen in Afrika und Asien, vorzüglich in Japan, während der Jahre 1772–1779. Auszugsweise übersetzt von Kurt Sprengel. Berlin 1792.
  • Travels in Europe, Africa and Asia. Uppsala 1788–1893.
  • Prodromus plantarum Capensium: quas in promontorio Bonæ Spei Africes, annis 1772–1775 collegit Carol. Pet. Thunberg. Upsalla: J. Edman 1794–1800.
  • Voyages De C. P. Thunberg, Au Japon, Par le Cap de Bonne-Espérance, Les îles de la Sonde &c. Traduits, rédigés ... Par L. Langles,... Et revus, quant à la partie d’Histoire Naturelle, par J.B. Lamarck ... Paris : Benoît Dandré, Garnery, Obré, An IV [1796]. Tome 1–4.
  • Icones plantarum Japonicarum / quas in insulis Japonicis annis 1775 et 1776 collegit et descripsit Carolus Petrus Thunberg. Uppsala, Edman 1794–1805.
  • Donationis Thunbergianae 1785 continuatio I. Museum naturalium Academiae Upsaliensis, pars III, 33–42 pp. (1787).
  • Dissertatio Entomologica Novas Insectorum species sistens, cujus partem quintam. Publico examini subjicit Johannes Olai Noraeus, Uplandus. Upsaliae, pp. 85–106, pl. 5. (1789).
  • D. D. Dissertatio entomologica sistens Insecta Suecica. Exam. Jonas Kullberg. Upsaliae, pp. 99–104 (1794).
  • Characteres generum insectorum, variis cum adnotationibus, Herausgeber Friedrich Albrecht Anton Meyer, Göttingen 1792
  • Flora Capensis, Sistens Plantas Promontorii Bonae Spei Africes, Secundum Systema Sexuale Emendatum Redactas Ad Classes, Ordines, Genera Et Species. Uppsala 1807–1823.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Peter Thunberg: Reise durch einen Theil von Europa, Afrika und Asien, hauptsächlich in Japan, in den Jahren 1770–1779. Berlin, Haude und Spener, 1794. (Nachdruck, herausgegeben und eingeleitet von Eberhard Friese. Manutius Verlag, Heidelberg 1990, ISBN 3-925678-15-8)
  • Carl Jung: Kaross und Kimono – „Hottentotten“ und Japaner im Spiegel des Reiseberichts von Carl Peter Thunberg (1743–1828). 1. Auflage. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 3-515-08120-8
  • Wolfgang Michel, Torii Yumiko, Kawashima Mabito: Kyûshû no rangaku – ekkyô to kôryû (ヴォルフガング・ミヒェル・鳥井裕美子・川嶌眞人共編『九州の蘭学 ー 越境と交流』, dt. Hollandkunde in Kyushu – Grenzüberschreitung und Austausch). Shibunkaku Shuppan, Kyôto 2009. ISBN 978-4-7842-1410-5
  • Timon Screech: Japan Extolled and Decried: Carl Peter Thunberg and Japan. Routledge Curzon, London, ISBN 978-0-7007-1719-4
  • Marie-Christine Skuncke: Carl Peter Thunberg, Botanist and Physician, Swedish Collegium for Advanced Study, 2014
  • Barbara I. Tshisuaka: Thunberg, Carl Peter. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/ New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1397.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Carl Peter Thunberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dissertationem physiologicam de venis resorbentibus ... Præside ... Carolo von Linné ... offert Carolus Petr. Thunberg. Uppsala, Edmann 1767. Hauptautor war, wie seinerzeit üblich, Linné, weshalb der Text zu dessen Schriften zählt.
  2. Mia C. Karsten: Journal of South African Botany 5, 1939. Seiten 1–27 und 87–191
  3. Peter Rietbergen: "Becoming famous in the eighteenth century Carl-Peter Thunberg (1743-1828) between Sweden, the Netherlands and Japan"
  4. Mitgliedseintrag von Carl Peter Thunberg bei der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 16. Oktober 2015.
  5. Holger Krahnke: Die Mitglieder der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 1751–2001 (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Philologisch-Historische Klasse. Folge 3, Bd. 246 = Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Mathematisch-Physikalische Klasse. Folge 3, Bd. 50). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-82516-1, S. 240.