Johann von Waller

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Johann von Waller, porträtiert von Eduard von Engerth (1855)

Johann Waller, ab 1871 Ritter von Waller (* 12. Oktober 1811 in Flöhau bei Podersam, Böhmen; † 17. Oktober 1880 in Prag)[1] war ein österreichischer Arzt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Waller war Sohn des Bürgers Karl Waller und der Maria Anna Rudiger. Er studierte Medizin an der Karls-Universität Prag, wo er 1838 als Dr. med et chir. promoviert wurde. 1844 bis 1845 war er vertretungsweise Lehrer an der medizinischen Klinik für Wundärzte. Zwei Jahre später wurde er Primararzt der Abteilung für Syphilis und Hautkrankheiten im allgemeinen Krankenhaus. Ab 14. Juli 1850[2] war er Professor der allgemeinen Pathologie und Pharmakologie an der Prager Universität, am 9. Juni 1859 wurde er dort zum ordentlichen Professor ernannt. Im Jahr 1879 ging er aus gesundheitlichen Gründen in Pension.

Johann war ein Bruder des Chirurgen an der Prager Universität und Saazer Stadtarztes Karl Waller († 1878 Saaz). Ritter von Waller ist ein Onkel der Maria Katharina Balogh de Böd geb. Waller (* 1838 Saaz), Ehefrau des Rittmeisters im 5. Radetzky Husarenregiment Julius Balogh de Böd. Ritter v. Waller heiratete 1846 die aus Prag stammende Laura Pleischel (Pleischl), aus der Ehe stammen zwei Töchter die in Prag geboren wurden. Seine Ehefrau Laura Edle von Waller verstarb am 25. Juli 1889 in Wien, sie ist die Schwester von Maria von Oppolzer geb. Pleischl (Pleischel), Ehefrau des österreichischen Arztes und Internisten Johann Oppolzer. Johann Ritter von Waller wurde am 19. Oktober 1880 auf dem Wolschaner Friedhof in Prag beigesetzt und 1907 enterdet und nach Wien überführt. Im Familiengrab auf dem Grinzinger Friedhof sind auch seine Töchter Laura und Helene beigesetzt.

Wallers Leistungen bewegen sich hauptsächlich auf dem Gebiet der Syphiliskunde. Im Jahr 1851 wies er durch den positiven Ausfall einer Übertragung (Überimpfung) des Sekrets von nässenden Pusteln und Blut Syphiliskranker an nicht an Syphilis erkrankte Kinder[3] die Kontagiosität der sekundären Syphilis nach, was durch Franz von Rinecker, Joseph-Frédéric Guyenot und Léon Bassereau (1810–1887) im Folgejahr 1852 bestätigt wurde.

Waller wurde mit Verleihung des Eisernen Kronenordens 3. Klasse am 5. August 1871 in Wien in den österreichischen Ritterstand erhoben.

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • De la contagion de la syphilis secondaire. In: Gazette des hôpitaux, 1851
    • Die Contagiosität der secundären Syphilis. In: Vierteljahresschrift für praktische Heilkunde. Band 29, 1851, S. 112–132.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band XV, S. 417, Band 134 der Gesamtreihe. C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 2004, ISBN 3-7980-0834-5
  • Johann Karl Proksch: Die Geschichte der venerischen Krankheiten. 1895, S. 870
  • Die Deutsche Karl-Ferdinands-Universität. Universität Prag (Hrsg.), 1899, S. 230
  • Hubert Partisch: Österreicher aus sudetendeutschem Stamme. Sudetendeutsche Wissenschaftler. 1961, S. 121
  • Julius Pagel (Hrsg.): Biographisches Lexikon hervorragender Ärzte des neunzehnten Jahrhunderts, Verlag Urban & Schwarzenberg, Berlin und Wien 1901, Spalte 1807 (Digitalisat)
  • Vita Nostra Servis, The internal newsletter of the Third Faculty of Medicine CU, wöchentlicher Newsletter der Karls-Universität Prag vom 4. Juni 2009 (Nr. 16), Prag 2009 (Waller-Lebenslauf englisch)
  • Julius Pagel: Waller, Johann Ritter von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 40, Duncker & Humblot, Leipzig 1896, S. 736.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Waller, Johann Ritter von in der Deutschen Biographie
  2. Wilhelm K Titz: Ulrich von Eschenbach und der Alexander boëmicalis. K.K. Hofbuchdruckerei A. Haase, Prag 1881, S. 50 (Auszug)
  3. Barbara Elkeles: Syphilis, medizinische Forschung und Humanität. Neues zu Rineckers Prozeß (1854–1856). In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 9, 1991, S. 57–71, hier: S. 58 f.