Karls-Universität Prag

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Karls-Universität Prag
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Gründung 1348
1556 (Gründung von Clementinum)
1653 (Vereinigung von Carolinum und Clementinum)
1882 (Teilung)
Trägerschaft Tschechische Republik
Ort Prag
Staat Tschechien
Rektor Tomáš Zima
Studenten 45.915 (2005)
Mitarbeiter 7.000 (2005)
davon Professoren 745 (2005)
Jahresetat 6.036.148.000 (2005)
Website www.cuni.cz

Die Karls-Universität Prag (tschechisch Univerzita Karlova v Praze, lateinisch Universitas Carolina) ist die größte Universität Tschechiens und die älteste Universität nördlich der Alpen.[1] Von ihren 17 Fakultäten sind zwei in Königgrätz und eine in Pilsen. Die Karls-Universität hat mehr als 53.000 Studenten.[2]

Die Prager Universität wurde am 7. April 1348 von Karl IV. (HRR) gegründet. 1654 vereinigte Ferdinand III. (HRR) die Karls-Universität mit der 1556 gegründeten Jesuitenhochschule im Clementinum. Die Universität trug fortan bis 1920 den Namen Karl-Ferdinands-Universität (Universitas Carolo-Ferdinandea). 1882 wurde sie in eine tschechische und eine deutschsprachige Universität geteilt.[1] Nach Entstehung der Ersten Tschechoslowakischen Republik nahm die tschechische Universität den Namen Karls-Universität an, während die deutschsprachige (böhmische) Universität bis 1945 den Namen Deutsche Universität Prag (tschechisch Německá univerzita v Praze) führte.[3][4][5][6]

Geschichte[Bearbeiten]

Denkmal zu Ehren Karls IV., des Gründers der Universität, von Ernst Hähnel

Gründung und erste Blütezeit[Bearbeiten]

Unter Kaiser Karl IV. und seinem Sohn Wenzel IV. erreichte die Stadt Prag als Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wirtschaftlich, kulturell und politisch eine Hochzeit. Im Laufe dieser Entwicklung wurde am 7. April 1348 durch einen Stiftungsbrief Karls IV. die Karls-Universität als erste Universität in Mitteleuropa gegründet („Alma Mater Carolina“).[7] Bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts blieb sie die wichtigste Bildungsstätte des Reiches. Sie zog nicht nur Studenten aus Böhmen an, sondern auch aus Sachsen, Bayern, Schlesien und dem übrigen östlichen Reichsgebiet sowie aus Frankreich, England und Italien.[8]

Die Universität Prag war nach dem Vorbild der Pariser Universität gegliedert und lehrte in den vier klassischen Fakultäten: Theologie, Rechtswissenschaft, Medizin und Philosophie. Besondere Studienfächer, die sich nicht ohne weiteres in dieses Schema einfügen ließen, wie etwa die Disziplinen der Schönen Künste, Rhetorik oder Mathematik, wurden der philosophischen Fakultät zugeordnet,[9] die deshalb auch als Artistenfakultät bezeichnet wurde. Die Magister und Scholaren waren ihrer Herkunft nach vier Nationes zugeordnet: Böhmen, Polen, Baiern und Sachsen.

„Deutsche Universität“[Bearbeiten]

Hauptartikel: Böhmen, Reichskreis und Böhme (Tscheche)

Auch für die Brockhaus Enzyklopädie ist die Carolina die älteste „deutsche“ Universität. Das gilt für das Heilige Römische Reich (deutscher Nation). Ein deutscher Nationalstaat entstand erst 1871. Den Stiftungsbrief von 1348 hatte Karl IV. in seiner Eigenschaft als böhmischer König unterzeichnet. Im Namen des Reichs bestätigte er durch das Eisenacher Diplom von 14. Januar 1349 das Privileg.[10] Dadurch erhielt Prag wie Neapel, Bologna und Florenz den Rang einer Reichsuniversität.

Eine „tschechische“ Kontinuität der Prager Universität lässt sich aus Wenzels Unterschrift nicht ableiten; denn nach dem Reichsrecht konnte nur der römische König oder der Papst oder – wie bei Prag – nur der römische König und der Papst im Zusammenwirken ein „Generalstudium“ ins Leben rufen. Und zur „böhmischen Nation“ (im Sinne von Nation) gehörten auch die Deutschen.[11]

In Böhmen war, besonders seit dem Dreißigjährigen Krieg, Deutsch die alleinige Kultursprache geworden. Kein Offizier, kein Adeliger, kein Arzt oder Richter, der nicht mit Vorliebe Deutsch gesprochen hätte. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in Prag und Böhmen nur deutsche Gymnasien. Die tschechische Sprache war trotz aller Bemühungen der Slawophilen für den wissenschaftlichen Gebrauch noch nicht weit genug entwickelt. Studieren konnte nur, wer die deutsche Sprache beherrschte.[12]

Die Unterrichtssprache war selbstverständlich über Jahrhunderte Latein. Erst Professor Karl Heinrich Seibt begann 1764, Vorlesungen in Prag auf Deutsch zu halten.[13] Schon 20 Jahre später wurde dann die lateinische Unterrichtssprache offiziell durch die deutsche ersetzt. 1848 – im Völkerfrühling – erreichten die Studenten mit der Aufnahme des Tschechischen als Lehrsprache die Zweisprachigkeit.

Nationalitätenkonflikt[Bearbeiten]

Hauptartikel: Hussiten

Schon 50 Jahre nach der Gründung begann der deutsch-tschechische Nationalitätenkonflikt um die Prager Universität. Die im Konzil von Pisa versammelten Kardinäle wollten Gregor XII. und den Gegenpapst Benedikt XIII. absetzen und warben um die Unterstützung des Königs von Böhmen. Wenzel (HRR) entschied sich bis zur endgültigen Beschlußfassung des Konzils beiden Päpsten gegenüber für Neutralität. Die Prager Universität sollte dieser Erklärung des Königs beitreten und sie mit dem Gewicht ihres Ansehens in geistlichen Dingen stützen; aber seine Universität bereitete dem Landesherrn eine ärgerliche Enttäuschung: Die drei deutschen Nationes anerkannten Gregor XII. als rechtmäßigen Papst, hielten sich an die Gehorsamspflicht ihm gegenüber gebunden und verwarfen die königliche Neutralität. Nur die vierte Nation – die böhmische – stimmte Wenzel bei.[11]

Ihr Führer war Jan Hus, Professor an der Prager Universität und Prediger an der Bethlehemskapelle. Seine Angriffe gegen den Klerus hatten schon unliebsames Aufsehen erregt und seine Lehren machten ihn der Ketzerei verdächtig. Er führte auch den Widerstand gegen den Einfluss der Deutschen und schürte den Hass auf sie.

„Um das Haupt des Magisters Johannes Hus hat die protestantische Geschichtsschreibung den Glorienschein eines Märtyrers und Vorläufer Luthers gewoben. Sie hat nicht sehen wollen, dass seine religiöse Einstellung ihren psychologischen Grundlagen nach politisch war, daß mit ihm ein nationaler Fanatiker des Wortes und der Tat die Gewalt über die Geister an sich gerissen hatte. Dieser schlaue und tatkräftige Prediger und Professor hatte erkannt, daß jetzt der Augenblick gekommen sei, den Fremden ihre Vorrechte zu entreißen. Der König hatte sich für die Neutralität entschieden, die Deutschen weigerten sich, diesen Standpunkt ihres Landesfürsten gutzuheißen. Hus verstand es, ganz Böhmen zu überzeugen, daß dies eine empörende Frechheit sei und daß nun sie, die Landeskinder, um so fester zu Wenzel halten müßten. So kam es zu Unterdrückungsmaßnahmen gegen die deutschen Lehrer und Hörer der Universität, zu ihrem Auszug nach Leipzig und damit zum Niedergang der Hochschule Prag, der bis ins 18. Jahrhundert hinein anhielt.“

Karl Hans Strobl

Bei König Wenzel IV. konnten die Böhmen erreichen, dass ihre Nation ebenso viele Stimmen erhielt wie die anderen drei zusammen. Nachdem dieses Kuttenberger Dekret am 18. Januar 1409 unterzeichnet worden war, kam es im Mai 1409 zum Auszug vieler deutschsprechender Studenten und Professoren aus der Prager Karls-Universität. Etwa 1000 Studenten und Professoren gingen nach Leipzig und gründeten die Universität Leipzig. Drei deutschsprachige Lehrer, die den Hussiten anhingen – Peter von Dresden, Nikolaus und Friedrich von Dresden – übernahmen die Dresdner Kreuzschule.

Die Hussiten waren inzwischen vom Papst und vom Konzil in Konstanz zu Ketzern erklärt worden. Die Prager Universität aber hat 1417 offiziell das hussitische Bekenntnis angenommen. Dies führte im Laufe des 15. Jahrhunderts zu einer weitgehenden Isolierung der Universität von der übrigen europäischen Universitätslandschaft und ihre Bedeutung sank. In Prag studierten und lehrten fortan nur noch böhmische Utraquisten. Selbst böhmische Katholiken gingen zum Studium ins Ausland.

Vom 15. Jahrhundert bis 1621 (Weißer Berg)[Bearbeiten]

Im Laufe der Hussitenkriege verfiel die Universität. Von 1419 bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts bestand sie nur noch aus der Artistenfakultät. 1556 kamen die Jesuiten auf Einladung des römisch-deutschen und böhmischen Königs Ferdinand I. (Kaiser ab 1558) nach Prag und gründeten am Clementinum eine philosophisch-theologische Hochschule, die auch das Recht zur Promotion hatte. Diese katholische Einrichtung wirkte als starke Konkurrenz zur utraquistischen Universität. 1616 wurde das Clementinum zur katholischen Universität erhoben.

1609 kam es durch den Majestätsbrief Kaiser Rudolfs II. auch zu einer Reform der Universität. 1618 beteiligte sich die Universität aktiv am böhmischen Ständeaufstand gegen die katholischen Habsburger. Nach der Niederlage der Stände verlor die Universität ihre Autonomie, wurde den Jesuiten übergeben und rekatholisiert.

17. und 18. Jahrhundert[Bearbeiten]

1638 wurden die medizinische und die juristische Fakultät begründet. Kaiser Ferdinand III. vereinigte 1654 das Clementinum mit der Karls-Universität. Die Universität trug fortan bis zum Ende der Habsburgermonarchie im Jahre 1918 (tschechische Universität) bzw. bis 1939 (deutschsprachige Universität) den Namen Universitas Carolo-Ferdinandea. 1718 wurde der barocke Neubau des Universitätsgebäudes unter Leitung des Architekten Franz Maximilian Kaňka vollendet.

Nach der Aufhebung des Jesuitenordens wurde die Universität 1773 eine staatliche Einrichtung. Unter Kaiser Josef II. begann 1781 eine tiefgreifende Universitätsreform. Erstmals seit 1622 wurden Nichtkatholiken wieder zum Studium zugelassen. 1784 wurde die eigene Gerichtsbarkeit der Universität aufgehoben und Deutsch zur Hauptunterrichtssprache erklärt.

Am Prager Pfingstaufstand beteiligten sich Studenten und Professoren beider Nationalitäten. Sie verlangten die Freiheit in Forschung und Lehre. Tschechisch sollte wahlweise als zweite Unterrichtssprache zugelassen werden. In den folgenden Jahrzehnten nahmen die nationalen Auseinandersetzungen an der Universität zu. Tschechen und Deutsche stritten um die Sprache und die Besetzung der Stellen. Mehrfach kam es zwischen den Studenten zu Prügeleien. Durch die Unruhen war zeitweise ein geordneter Lehrbetrieb nicht möglich.

Eintracht und Nationalismus im 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Dass die Prager Universität im 19. Jahrhundert einen Aufschwung nahm und die tschechische Sprache und Kultur wieder aufblühte, war vor allem Deutschen zu verdanken. Johann Gottfried Herder trug zu dieser Wiedergeburt bei. Für Jernej Kopitar ist August Ludwig von Schlözer der Sprecher des Slawentums in Deutschland. Wilhelm von Humboldt beschäftigte sich mit der „Darstellung der böhmischen Sprache“. Die Romantiker beider Völker standen sich sehr nahe. Johann Wolfgang von Goethe übertrug ein tschechisches Volkslied ins Deutsche. Und ein Deutscher – Johann Nepomuk Grün, der Abt des Klosters Strahov – drückte 1816 das bedeutsame Hofkammerdekret durch. Es bestimmte, dass für die Mittelschulen in tschechischen oder gemischtsprachigen Orten nur Lehrer in Frage kamen, die des Tschechischen mächtig waren. Außerdem sollten bei der Aufnahme von politischen Beamten in den „böhmischen Ländern“ die des Tschechischen Kundigen vorgezogen werden. Gedankt wurde diese kulturelle Unterstützung den Deutschen nicht. Vielmehr wiederholte sich das Hauen und Stechen – „stachin und slugin“ – des 15. Jahrhunderts.[11]

Nachdem an der Technischen Hochschule schon seit 1861/62 tschechische Vorlesungen gehalten worden waren und man sie seit 1864/65 utraquistisch eingerichtet hatte, begann auch der Kampf um die Universität. Dort wurden 1864 neben 155 deutschen und 17 lateinischen nur 22 tschechische Kollegien gelesen. Noch in jenem Jahr bekannte ein Vertrauensmann der Tschechen seine Furcht, dass mit einer Zweiteilung der Universität „zwei Kinder in die Welt gesetzt werden würden, ein totgeborenes und ein totgeschlagenes“. Im Jahre 1880 waren es aber schon die Deutschen selbst, die die Zweiteilung einem weiteren Zusammenleben mit den Tschechen vorzogen. Noch im selben Jahre entfloss die kaiserliche Entschließung, dass die Prager Universität in zwei Hochschulen zerfallen solle, eine mit deutscher und eine mit tschechischer Vortragssprache.[11]

Mehrere hervorragende Juristen wechselten von der juristischen zur philosophischen Fakultät. Die Verluste wurden durch Berufungen aus dem Reich ersetzt. Auf diesem Wege kamen Adolf Merkel und Heinrich Brunner nach Prag. Prominente Rechtslehrer waren auch Karl Esmarch und Johann Friedrich von Schulte. Die medizinische Fakultät war immer noch vorzüglich besetzt. Während der deutsch-liberalen Herrschaft in Österreich waren viele Dozenten aus Deutschland berufen worden. Der Physiologe Ewald Hering (1870) reformierte die medizinische Fakultät und betrieb die Teilung der Universität. Er war der erste Rektor der deutschen Karl-Ferdinands-Universität. Aus dem Reich kamen auch Wilhelm von Henke (1872), Karl Hugo Huppert (1872), Edwin Klebs (1873), Siegmund Mayer (1872/1887) und Carl Wilhelm von Heine (1873). Zur philosophischen Fakultät gehörten der Mathematiker Heinrich Durège, der Psychologe Wilhelm Fridolin Volkmann (1846), Constantin von Höfler (1851), Otto Benndorf (1872) und Otto Hirschfeld (1872). Bedeutende tschechische Professoren waren Jan Evangelista Purkyně und Antonín von Randa.[12]

Um 1870 wurde die Prager Universität von 800 Deutschen und 1500 Tschechen besucht. Die reichsdeutschen Professoren fühlten sich in Prag wie in der Verbannung. Sie hofften auf eine Berufung an eine deutsche Universität oder auf eine gehobene Stellung in Wien. Mit ihren (hochgebildeten) Frauen bildeten sie einen fest geschlossenen Block. Deutsche und tschechische Studenten gingen sich aus dem Weg, auch wenn sie auf der Schule befreundet gewesen waren. Da die Institution der Mensur fehlte, wurde an kritischen Tagen ohne jeden Comment „geholzt“. Bei solchen Zusammenstößen machte der Prager Pöbel mit den tschechischen Studenten oft gemeinsame Sache. Den deutschen Studenten fiel dann die Aufgabe zu, die eigenen Professoren zu schützen. Der tschechischen Masse konnte keine deutsche Masse entgegengestellt werden. Mit der Teilung der Universität wurden die Reibungsflächen kleiner. Der Verdrängungskampf verlagerte sich von der Universität auf den Graben, die breiteste und vornehmste Straße der Stadt.[12]

Protest der tschechischen Studenten in Straßburg

Zur Zeit der Deutschen Reichsgründung, im Frühjahr 1871, wurde in Wien ein konservativ-slawisches Ministerium eingesetzt. Es sorgte für die Errichtung mehrerer tschechischer Professuren in Prag. Zur Einweihung der Kaiser-Wilhelms-Universität am 1. Mai 1872 wurde neben sämtlichen Universitäten Deutschlands und der Schweiz auch die Karls-Universität eingeladen. Die deutsche Studentenschaft wählte eine Deputation, der sich nach einigem Zögern auch der Rektor v. Höfler anschloss. Die tschechische Reaktion war heftig. Die tschechischen Zeitungen drohten jedem, der nach Straßburg mitgehen wollte. Die tschechischen Studenten protestierten in einem Telegramm an Léon Gambetta und in einem Brief an Ernest Denis.[12]

Teilung[Bearbeiten]

Franz Joseph I. gab den Forderungen der nationalistischen Tschechen nach und teilte 1882 die Universität in eine tschechische und eine deutsche (mithin böhmische) Lehranstalt. Am längsten hatte der Prager Erzbischof Friedrich zu Schwarzenberg Widerstand dagegen geleistet; er wollte verhindern, dass auch die theologische Fakultät nach nationalen Kriterien geteilt würde. Die Priesteramtskandidaten seiner Diözese sollten im Geist der Versöhnung und der übernationalen Einheit des Katholizismus ausgebildet werden. Er konnte sich nicht durchsetzen.

Tschechoslowakei[Bearbeiten]

Die Gründung der Tschechoslowakei im Jahr 1918 verschärfte die Trennung. Das „Gesetz über das Verhältnis der Prager Universitäten“ vom 19. Februar 1920 wurde von der tschechischen Nationalversammlung ohne Debatte angenommen, obwohl sie ohne Wahlen aus eigener Machtvollkommenheit ohne einen einzigen Deutschen zusammengetreten war.[11] Durch die „Lex Maresch“ wurde die tschechische Universität zur alleinigen Rechtsnachfolgerin der Karls-Universität erklärt und in Karlova universita zurückbenannt, unter Verzicht auf den Namen des habsburgischen Kaisers. Die deutsche hielt am Namen Karl-Ferdinands-Universität fest. 1921 gab es Überlegungen, die Deutsche Universität nach Reichenberg im Sudetenland zu verlegen.

1934 kam es zum Insignienstreit. Das tschechoslowakische Ministerium für Schulwesen und Volkskultur verpflichtete die Deutschen zur Aushändigung der mittelalterlichen Universitätsinsignien, ein Vorfall, der an deutschen Universitäten für starke Proteste sorgte.

Am 2. August 1939, knapp fünf Monate nach der Schaffung des Reichsprotektorats Böhmen und Mähren, wurde die Deutsche Universität in die Reichsverwaltung übernommen. Nach studentischen Unruhen wurde im November die tschechische Karls-Universität für zunächst drei Jahre geschlossen, neun „Rädelsführer“ standrechtlich erschossen und etwa 1200 Studenten und jüdische Professoren in Konzentrationslager deportiert („Sonderaktion Prag“). Die Universitätsinsignien sollten am 17. April 1945 wegen der näherrückenden Front nach Deutschland in Sicherheit geschafft werden, fielen aber auf dem Bahnhof von Pilsen einem US-amerikanischen Fliegerangriff zum Opfer.[14] Die Deutsche Universität wurde in Konkurrenz zu Reichsuniversität Posen und zur Reichsuniversität Straßburg zur Frontuniversität und arbeitete bis zum Mai 1945. Das Dekret Nr. 112 des tschechoslowakischen Präsidenten Edvard Beneš vom 18. Oktober 1945 verfügte die Auflösung der Deutschen Universität in Prag, rückwirkend zum 17. November 1939, dem Tag, an dem die Nazis die tschechische Universität geschlossen hatten. Laut Dekret gilt die Auflösung ausdrücklich „auf ewig“, mit der Begründung, die deutsche Universität in Prag wäre „eine dem tschechischen Volk feindliche Anstalt“.

Gegenwart[Bearbeiten]

Universitas Carolina

Die Samtene Revolution am 17. November 1989 war nicht nur ein bedeutendes Ereignis für die tschechische Gesellschaft als Ganzes. Das Ende des Realsozialismus hat auch der Universität neuen Schub gegeben. Tiefgreifende Reformen wurden begonnen. Die Universität hat sich der Coimbra-Gruppe angeschlossen.

In der Folge der Bologna-Erklärung hat die Karls-Universität Prag im Jahre 2001 neue Abschlüsse eingeführt und das European Credit Transfer System umgesetzt. In den 17 Fakultäten können derzeit 270 verschiedene Studienabschlüsse erreicht werden. Es wird in der Regel in tschechischer Sprache unterrichtet; zunehmend werden auch Programme auf Englisch und gelegentlich wieder auf Deutsch angeboten. In Deutschland kooperiert die Karls-Universität Prag unter anderem mit der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. Beide Städte sind durch eine langjährige Partnerschaft verbunden.

Fakultäten[Bearbeiten]

Katholisch-Theologische Fakultät
Philosophische Fakultät
  • Katholisch-Theologische Fakultät
  • Evangelisch-Theologische_Fakultät der Karls-Universität Prag
  • Hussitisch-Theologische Fakultät
  • Juristische Fakultät
  • 1. Medizinische Fakultät der Karls-Universität
  • 2. Medizinische Fakultät
  • 3. Medizinische Fakultät
  • Medizinische Fakultät in Pilsen
  • Medizinische Fakultät in Hradec Králové
  • Pharmazeutische Fakultät in Hradec Králové
  • Philosophische Fakultät
  • Naturwissenschaftliche Fakultät
  • Fakultät für Mathematik und Physik
  • Pädagogische Fakultät
  • Fakultät für Sozialwissenschaften
  • Fakultät für Sportpädagogik und Sportwissenschaft
  • Fakultät für Geisteswissenschaften

Universitätsmedizin[Bearbeiten]

Die Karls-Universität ist mit fünf medizinischen Fakultäten die größte medizinische Bildungseinrichtung in Tschechien. An die Fakultäten sind sieben Universitätskliniken angegliedert. Fünf Kliniken davon werden durch die drei Prager Fakultäten und jeweils eines durch die Fakultäten in Pilsen und Königgrätz (Hradec Králové) genutzt.

  • Fakultní Thomayerova nemocnice (Thomayer-Universitätsklinik)
  • Fakultní nemocnice Na Bulovce (Universitätsklinik Na Bulovce)
  • Všeobecná fakultní nemocnice (Allgemeines Universitätskrankenhaus)
  • Fakultní nemocnice v Motole (Universitätskrankenhaus Motol)
  • Fakultní nemocnice Královské Vinohrady (Universitätskrankenhaus Kgl. Weinberge)
  • Fakultní nemocnice Plzeň (Universitätskrankenhaus Pilsen)
  • Fakultní nemocnice v Hradci Králové (Universitätskrankenhaus Königgrätz)

Fünf weitere Kliniken befinden sich am Militärzentralkrankenhaus Prag (Ústřední vojenská nemocnice Praha). Auch weitere medizinische Einrichtungen in Prag sind in an der Universitätsmedizin beteiligt.

Seit 2004 besteht ein Kooperationsvertrag zwischen der 1. Medizinischen Fakultät der Karls-Universität und dem Klinikum Chemnitz zur Zusammenarbeit für den internationalen Studiengang Humanmedizin.[15]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Bibliographie[Bearbeiten]

Monographien[Bearbeiten]

  • Adolf Siegl: Die Gründung der mittelalterlichen Universität zu Prag. Einst und Jetzt, Bd. 30 (1985), S. 87–112
  • Renate Dix: Frühgeschichte der Prager Universität. Bonn 1988.
  • Hans Lemberg (Hg.): Universitäten in nationaler Konkurrenz. Zur Geschichte der Prager Universitäten im 19. und 20. Jahrhundert. (Veröffentlichungen des Collegium Carolinum, Band 86). München 2003, ISBN 3-486-56392-0.(Inhaltsverzeichnis)
  • Harald Lönnecker: „… freiwillig nimmer von hier zu weichen …“ Die Prager deutsche Studentenschaft 1867-1945 (Abhandlungen zum Studenten- und Hochschulwesen, Bd. 16), Köln 2008, ISBN 978-3-89498-187-7.
  • Frank Rexroth: Deutsche Universitätsstiftungen von Prag bis Köln. Die Intention des Stifters und die Wege und Chancen ihrer Verwirklichung im spätmittelalterlichen Territorialstaat. Köln / Weimar / Wien 1992, S. 59–107.
  • Wenzel Wladiwoj Tomek: Geschichte der Prager Universität. Zur Feier der fünfhundertjährigen Gründung derselben. Hofbuchdruckerei Gottlieb Haase Söhne, Prag 1849, 378 Seiten (online).
  • Teresa Wróblewska: Die Reichsuniversitäten Posen, Prag und Strassburg als Modelle nationalsozialistischer Hochschulen in den von Deutschland besetzten Gebieten, Wydawnictwo Adam Marszalek, Toruń 2000, (Rezension), ISBN 83-7174-674-1.

Aufsätze[Bearbeiten]

  • Anton Blaschka: Vom Sinn der Prager Hohen Schule nach Wort und Bild ihrer Gründungsurkunden. In: Rudolf Schreiber: Studien zur Geschichte der Karls-Universität zu Prag (= Forschungen zur Geschichte und Landeskunde der Sudetenländer; Bd. II), Freilassing-Salzburg 1954; S. 39–80,
  • Josef Hemmerle: Die Universität Prag im Mittelalter bis 1409. In: Eberhard Günter Schulz: Leistung und Schicksal. Abhandlungen und Berichte über die Deutschen im Osten, Köln 1967, S. 137–146.
  • Peter Moraw: Die Universität Prag im Mittelalter. Grundzüge ihrer Geschichte im europäischen Zusammenhang. In: Die Universität zu Prag (= Schriften der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste; Bd. 7), S. 9–134.
  • Peter Moraw: Prag. Die älteste Universität in Mitteleuropa. In: Alexander Demandt (Hg.): Stätten des Wissens. Köln / Weimar / Wien 1999, S. 127–145.
  • Roderich Schmidt: Begründung und Bestätigung der Universität Prag durch Karl IV. und die kaiserliche Privilegierung von Generalstudien. In: Blätter für deutsche Landesgeschichte (BDLG), Jg. 114/1978, S. 695–719.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Karls-Universität Prag – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b History of the Charles University
  2. About the University
  3. Verdrängte Elite. Vergessene Gelehrte der Deutschen Universität in Prag (tschechisch)
  4. Registries of the German University in Prague (englisch)
  5. Doktoren-Matrik der Deutschen Universität Prag (englisch/deutsch)
  6. Alena Míšková: Německá (Karlova) univerzita od Mnichova k 9. květnu 1945 (vedení univerzity a obměna profesorského sboru). Univerzita Karlova, Nakladatelství Karolinum: Praha 2002, S. 19. ISBN 80-246-0129-X
  7. Franz Machilek: Kirche und Universität im Spätmittelalter: die Gründungen Prag und Erfurt. In: Peter Wörster (Hg.): Universitäten im östlichen Mitteleuropa. Zwischen Kirche, Staat und Nation – Sozialgeschichtliche und politische Entwicklungen. Oldenbourg, München 2008, ISBN 9783486584943, S. 165–194, hier: S. 176.
  8. František Palacký: Geschichte von Böhmen – Größtenteils nach Urkunden und Handschriften, Band 2, Teil 2: Böhmen unter dem Hause Luxenburg, bis zum Tode Kaiser Karls IV. – Jahre 1306–1378, Prag 1850, S. 293.
  9. Vgl. z. B. Josef Dobrovský: Zustand der Universität Prag, Böhmische Literatur, Band 1 (1779), S. 12 ff..
  10. Wenzel Wladiwoj Tomek: Geschichte der Prager Universität - Zur Feier der fünfhundertjährigen Gründung verfasst, Prag 1849, S. 4.
  11. a b c d e Karl Hans Strobl: Prag, in: Vivat Academia. 600 Jahre deutsches Hochschulleben, mit 144 Abbildungen auf Kunstdrucktafeln. Carl Behrendt, Verlagsbuchhandlung, Essen o. J. (um 1931).
  12. a b c d Adolf Siegl: Die Prager deutschen Hochschulen und ihre Studenten in den Jahren von 1870 bis 1914. Einst und Jetzt, Jahrbuch des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung, Bd. 21 (1976), S. 95–133, hier S. 95 f.
  13. Hans Lemberg: Universität oder Universitäten in Prag – und der Wandel der Lehrsprache. In: Hans Lemberg (Hg.): Universitäten in nationaler Konkurrenz (Veröffentlichungen des Collegium Carolinum Bd. 86) München 2003, S. 25. (online)
  14. Harald Lönnecker: … freiwillig nimmer von hier zu weichen …. Bd. 1, SH-Verlag, Köln 2008, S. 217 f.
  15. Website des internationalen Studiengangs Humanmedizin