John Burgoyne

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"Gentleman Johnny" Burgoyne

John Burgoyne, auch Gentleman Johnny genannt, (* 24. Februar 1722 in Bedfordshire, England; † 4. Juni 1792 in London) war ein britischer General und Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Burgoyne war der Sohn des Hauptmanns John Burgoyne und dessen Ehefrau Anna Maria Burnestone. Seine Schulzeit verbrachte Burgoyne an der Schule von Westminster, wo er eine außergewöhnlich vielseitige Ausbildung genoss. Dort befreundete er sich auch mit Lord Strange, einem Sohn von Sir Edward Stanley, 11. Earl of Derby.

Als Fähnrich trat Burgoyne 1740 mit 18 Jahren in die Armee (13th Dragoons) ein und konnte sich bereits im darauffolgenden Jahr eine Stelle als Leutnant kaufen. 1743 heiratete er heimlich Lady Charlotte Stanley, eine Schwester seines Schulfreundes, Lord Strange. Nach ihrem Tod hatte er mit der Opernsängerin Susan Caulfield einen illegitimen Sohn, den späteren Feldmarschall John Fox Burgoyne.[1]

Sein Schwiegervater setzte der Braut zwar eine kleine Mitgift aus, enterbte sie aber, da er mit der Heirat nicht einverstanden war. Mit dieser Mitgift erwarb Burgoyne eine Stelle als Hauptmann; verschuldete sich durch diesen Kauf aber derart, dass er dieses Amt bereits vier Jahre später wieder verkaufen musste. Mit dem Erlös konnte er die dringendsten Schulden begleichen; anschließend ließ er sich mit seiner Frau in Frankreich nieder.

Während dieser Zeit reiste Burgoyne durch fast alle europäischen Länder und lernte dabei die Möglichkeiten des Kriegseinsatzes von leichten berittenen Truppen kennen, welche in der britischen Armee unbekannt waren. Burgoyne war davon begeistert und entwickelte einen Plan, um diese Truppenart auch in Großbritannien einzuführen. Nach einiger Überzeugungsarbeit wurde 1759 ein erstes solches Regiment (die 16th Light Dragoons) aufgestellt.

Bereits 1756 hatte sich Burgoyne mit seinem Schwiegervater versöhnt. Dieser verschaffte ihm durch seine Vermittlung einen Posten als Hauptmann bei den 11th Dragoons. Im darauffolgenden Jahr wechselte Burgoyne zu den Coldstream Guards, wo er als Oberstleutnant Dienst tat. Während des Siebenjährigen Krieges nahm Burgoyne an den Feldzügen 1758 nach Cherbourg und 1759 nach Saint-Malo teil. Ende 1759 wurde er als Oberst zu den 16th Light Dragoons versetzt.

Nachdem Burgoyne 1761 als Abgeordneter von Midhurst (West Sussex) in das britische Unterhaus gewählt worden war, beschäftigte er sich einige Zeit nur mit Fragen der Außenpolitik. 1762 beauftragte man Burgoyne, mit einem Kontingent nach Portugal zu gehen, um das Land im so genannten „Fantastischen Krieg“ (Guerra Fantástica) gegen Spanien zu unterstützen. Hier diente er unter Graf Wilhelm Friedrich Ernst zu Schaumburg-Lippe und war im Rang eines Brigadegenerals maßgeblich an der Eroberung mehrerer Städte beteiligt.

Seit Anfang der 1760er Jahre hatte sich Burgoyne nebenbei einigen literarischen Versuchen gewidmet. Nach seiner Rückkehr aus Portugal erzielte er Anfang 1775 mit dem Debüt seines Theaterstückes Maid of the oaks einen ersten bemerkenswerten Erfolg; u.a. wirkte der berühmte Schauspieler David Garrick bei der Premiere mit.

Beim Ausbruch des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges entsandte man Burgoyne nach Boston, wo er aber kein direktes Kommando erhielt. Aus dieser Zeit sind mehrere Briefe erhalten, in denen er sich z.T. sehr kritisch über die Mängel von Offizieren und Mannschaft auslässt. An die Rebellen richtete Burgoyne ein Pamphlet, welches allein schon seiner exaltierten Sprache wegen, sowohl in den Kolonie als auch im Mutterland für Aufsehen sorgte. Der Schriftsteller Horace Walpole bezeichnete Burgoyne deshalb als Pomposo und Hurlothrumbo.

Im November 1775 reiste Burgoyne nach London, um - allerdings vergeblich - ein eigenes unabhängiges Kommando zu erhalten. Erst im März 1776 übergab man ihm den Befehl über Truppen, welche er zur Verstärkung der Armee von Guy Carleton nach Québec bringen sollte, da dieser dort von Rebellen unter dem Befehl von Benedict Arnold belagert wurde. Die ersten Schiffe landeten mit den Truppen im Mai, Burgoyne kam mit dem letzten Schiff erst Ende Juni.

Die Kapitulation von General Burgoyne. Gemälde von John Trumbull.

Als die Rebellen sich in Richtung Lake Champlain zurückzogen, verfolgten sie britische Truppen unter dem Befehl von Carleton, dessen Stellvertreter Burgoyne nun war. Burgoyne eroberte zwar Fort Ticonderoga in der letzten Schlacht von Ticonderoga, doch wurde dieser Erfolg nutzlos nach der Niederlage in der Schlacht von Saratoga am 17. Oktober 1777, als er mit seinem gesamten Heer vor den überlegenen Streitkräften des Generals Horatio Gates kapitulieren musste und den Winter 1777/78 mit seinem gesamten Stab in Kriegsgefangenschaft in Boston verbrachte. Burgoyne wurde daraufhin seines Amtes enthoben und kehrte im Frühjahr 1778 nach Großbritannien zurück.

Von der Regierung fallen gelassen, schloss sich Burgoyne den Whigs an. Immer wieder Anfeindungen ausgesetzt, veröffentlichte Burgoyne 1780 seine Denkschrift State of the expedition from Canada als Versuch einer Verteidigung. Als 1782 die Whigs wieder an die Regierung kamen, wurde er erneut Oberbefehlshaber, diesmal in Irland. Allerdings verlor er dieses Amt bereits 1783 wieder.

Nachdem seine Ehefrau 1776 gestorben war, hatte er noch vier Kinder mit seiner Mätresse Susan Caulfield, die er aber nie anerkannte. Politisch unterstützte Burgoyne die Opposition von Premierminister William Pitt dem Jüngeren. Sein letzter großer öffentlicher Auftritt war 1787 die öffentliche Anklage gegen den Generalgouverneur Britisch-Ostindiens, Warren Hastings.

Im Alter von 70 Jahren starb General John Burgoyne am 4. Juni 1792 in London und fand seine letzte Ruhestätte am 13. August in der Westminster Abbey.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Sachbücher

  • Thoughts for conducting the war from the side of Canada. 1777
  • State of the expedition from Canada 1780

Belletristik

  • Maid of the oaks. London 1775
  • The heiress. A comedy. 1786

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. T.A. Heathcote, The British Field Marshals 1736 - 1997, Page 60, 1999, ISBN 0 85052 6965

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Graf: The dramatic works of General John Burgoyne. Fischer—Lehmann, Bern 1915
  • Richard J. Hargrove: General John Burgoyne. University Press, Newark, N.J. 1983, ISBN 087413-200-2
  • James D. Lunt: John Burgoyne of Saratoga. Harcourt Brace Jovanovich, London 1975
  • Laurin Paine: Gentleman Johnny. The life of General John Burgoyne. Hale, London 1973

Weblinks[Bearbeiten]