John F. Kennedy Center for the Performing Arts

Das John F. Kennedy Center for the Performing Arts (dt. John-F.-Kennedy-Zentrum für Darstellende Kunst; kurz: Kennedy Center) in Washington, D.C. ist das nationale Kulturzentrum der Vereinigten Staaten. Es wurde 1971 eröffnet und postum nach John F. Kennedy benannt, dem 35. Präsidenten der Vereinigten Staaten. Das Kulturzentrum bietet ein breites Spektrum an darstellenden Künsten in neun verschiedenen Räumlichkeiten mit Kapazitäten von 2465 bis 160 Plätzen, darunter Theater, Oper, Tanz, klassische Musik, Jazz, Rock, Pop, psychedelische Musik, Folkmusik und Comedy. Es ist der offizielle Sitz des National Symphony Orchestra und der Washington National Opera.
Anfang 2025, kurz nach seiner Wahl, übernahm Präsident Trump den Vorstand des Zentrums, entließ die bisherigen Vorstandsmitglieder und setzte sich selbst als Vorsitzenden ein. Seine neuen Vorstandsmitglieder beschlossen im Dezember 2025, das Kulturzentrum in „The Donald J. Trump and The John F. Kennedy Memorial Center for the Performing Arts“ oder kurz „Trump Kennedy Center“ umzubenennen.[1]
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Seit den 1930er Jahren hatte es in den USA Bestrebungen gegeben, ein National Cultural Center (nationales Kulturzentrum) in Washington, DC, zu errichten. Erst 1950 wurden diese Pläne auf Initiative des Abgeordneten im US-Repräsentantenhaus Arthur George Klein konkreter. 1958 unterzeichnete der damalige US-Präsident Eisenhower das National Cultural Center Act Gesetz, wodurch das Projekt Fördermittel auf Bundesebene erhielt. Als Architekt wurde 1959 Edward Durell Stone verpflichtet, für dessen Entwurf letztlich Kosten in Höhe von 61 Millionen US-Dollar veranschlagt wurden. Nach seiner Wahl zum US-Präsidenten 1961 übernahm John F. Kennedy die Leitung des Projekts; seine Ehefrau Jacqueline und die Ehefrau des ehemaligen US-Präsidenten Eisenhower, Mamie Eisenhower, wurden zu Ehren-Vorsitzenden der Kuratoriums ernannt.
Die Baukosten beliefen sich am Ende auf 70 Millionen US-Dollar, wovon der Kongress 43 Millionen aus öffentlichen Geldern bewilligte. Spenden in Millionenhöhe erhielt das Projekt von namhaften US-amerikanischen Unternehmen und von der Kennedy-Familie (ca. 500.000 Dollar). Hinzu kamen Sachspenden aus dem Ausland, bspw. Carrara-Marmor der italienischen Regierung. Nach der Ermordung John F. Kennedys im November 1963 wurde das Projekt National Cultural Center ihm zu Ehren in Kennedy Center for the Performing Arts umbenannt. Der Spatenstich erfolgte durch Kennedys Nachfolger Lyndon B. Johnson am 2. Dezember 1964. Erst im Januar 1967 wurde mit der Errichtung des Gebäudes begonnen, nachdem das Baugrundstück im Stadtteil Foggy Bottom freigeräumt worden war. Die Eröffnung fand am 8. September 1971 mit der Weltpremiere von Leonard Bernsteins Mass zu Ehren des verstorbenen Präsidenten Kennedy statt.
Übernahme und Umbenennung durch Donald Trump
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Donald Trump machte sich im Februar 2025, kurz nach seinem zweiten Amtsantritt als US-Präsident, selbst zum Vorstandsvorsitzenden, entließ im paritätisch besetzten Verwaltungsrat die Demokraten, setzte Vertraute ein und ernannte den früheren US-Botschafter in Deutschland Richard Grenell zum Direktor und sagte: „Wir haben das Kennedy Center übernommen. Uns gefiel nicht, was sie dort zeigen“, wobei er sich besonders auf Drag- und LBTQ-Performances bezog.[2][3]
Mehrfach protestierten Künstler gegen die Machtübernahme durch die Verweigerung des Auftritts oder die Absage von Aufführungen, darunter die gesamte Saison von Hamilton zum 250. Jubiläumsjahr der Vereinigten Staaten. Das Publikum buhte wiederholt anwesende Regierungsmitglieder, darunter auch den Präsidenten und Vizepräsidenten aus. Die Institution wurde anschließend gründlich durch rechte Ideologen gesäubert, die zahlreiche „woke“ Künstler und Mitarbeiter entließen,[4] ideologisch unliebsame Produktionen einstellten, und rechtspopulistische Aufführungen in Auftrag gaben. Ticketverkäufe für das Kennedy Center sanken stark, 36 % der Abonnenten kündigten angesichts der Änderungen. Für den Herbst 2025 wurde vermeldet, dass trotz stark ausgedünntem Programm nur 57 % der verfügbaren Tickets gebucht wurden, während im Vorjahreszeitraum noch 93 % der Tickets verkauft werden konnten,[5] und dies obwohl zum Teil Freikarten für Produktionen vergeben wurden. Der autoritär regierte Staat Kasachstan sprang hingegen als neuer Geldgeber für das Kennedy Center ein. Die Trump-Regierung feierte all diese Änderungen als notwendige Rettung des sowohl „physisch wie auch finanziell sowie in allen anderen Belangen heruntergekommenen“ Kennedy-Centers. Im Dezember 2025 diente das Kennedy-Center zur Vergabe des eigens für ihn eingeführten FIFA-Friedenspreises an Donald Trump; auch die Vergabe des jährlichen Kennedy-Preises erfolgte 2025 erstmals mit parteipolitischer Einflussnahme durch den Präsidenten selbst.[6]
Trump kündigte an, das Opernhaus im Kennedy Center nach seiner Frau in „First Lady Melania Trump Opera House“ umbenennen zu wollen.[7] Am 18. Dezember 2025 beschloss hingegen der Verwaltungsrat des Kennedy Centers, Trumps Namen dem Zentrum hinzuzufügen, und das Kulturzentrum in Zukunft The Donald J. Trump and The John F. Kennedy Memorial Center for the Performing Arts oder kurz The Trump Kennedy Center zu nennen. Diese Umbenennung erfolgte auch für den Verwaltungsrat überraschend, da sie nicht auf der Tagesordnung stand; sie erfolgte allerdings einstimmig, weil allen regierungskritischen Teilnehmern an der Verwaltungsratssitzung das Mitspracherecht entzogen wurde. Sowohl auf der Web-Seite wie auch am Standort des Kennedy-Centers wurde die Namensänderung unverzüglich durch einen neuen Schriftzug durchgeführt. Weil zu einer gültigen Umbenennung zunächst eine Gesetzesänderung durch den US-Kongress nötig ist, ist sie allerdings nicht rechtskräftig.[1][8]
Mehrere Mitglieder der Kennedy-Familie – John F. Kennedys Nichten Kerry Kennedy und Maria Shriver sowie sein Enkel Jack Schlossberg – sprachen sich gegen die Umbenennung aus.[9]
Gebäudekomplex
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In dem Gebäudekomplex befindet sich eine Concert Hall mit 2.465 Sitzplätzen (Sitz des National Symphony Orchestras), das Opera House mit 2.362 Plätzen (Sitz der Washington National Opera) und das Eisenhower Theater mit 1.100 Sitzplätzen. Darüber hinaus gibt es weitere, kleinere Theater mit jeweils zwischen 320 und 475 Sitzplätzen (Terrace Theater, Theater Lab, Family Theater) und einen Jazz Club mit 160 Sitzplätzen. Im Foyer befindet sich eine von dem US-amerikanischen Bildhauer Robert Berks (1922–2011) geschaffene Büste Präsident Kennedys. In der Hall of States hängen die Fahnen der amerikanischen Bundesstaaten, in der Hall of Nations die Flaggen aller Nationen der Erde, mit denen die Vereinigten Staaten diplomatische Beziehungen unterhalten. Im Dachgeschoss sind mehrere Restaurants mit Zugang zu den Dachterrassen untergebracht, die nicht nur Theaterbesuchern zur Verfügung stehen. Auf dem Außengelände befinden sich zudem zwei Bronze-Reliefs des Bildhauers Jürgen Weber (1928–2007) – beide ein Geschenk der Bundesrepublik Deutschland zur Eröffnung des Kennedy Centers im Jahre 1971: gegenüber dem Haupteingang vor der Hall of States steht das 1968 erschaffene Bronze-Relief mit dem Titel Amerika; in der Nähe des Eingangs zu der Hall of Nations ist die Skulptur Krieg und Frieden zu sehen.[10]
Kennedy Center Honors
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Seit 1978 wird jedes Jahr im Dezember der Kennedy-Preis (engl. Kennedy Center Honors) an ausgewählte darstellende Künstler für deren lebenslangen Beitrag zur amerikanischen Kultur verliehen. Die Feierlichkeiten erstrecken sich über ein Wochenende und schließen ein festliches Mittagessen im Kennedy Center, einen Empfang samt Abendessen im Außenministerium der Vereinigten Staaten, die Überreichung der Medaillen am Band im Weißen Haus durch den US-Präsidenten und eine feierliche Abendgala im Opera House des Kennedy Centers ein.
2019 wurde vom Kennedy Center International Committee on the Arts dem Schauspieler Christoph Waltz, dem Dirigenten Franz Welser-Möst, der Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler und dem Komponisten Iván Eröd eine Goldmedaille zuerkannt.[11] Frühere Preisträger der Medaille sind der Schauspieler Jeremy Irons, der Filmregisseur Pedro Almodóvar, der Opernsänger Plácido Domingo und der Musiker Quincy Jones.[12]
Mark Twain Prize for American Humor
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Seit 1998 verleiht das Kennedy-Center jährlich den Mark-Twain-Preis an jeweils einen Preisträger, der sich um den amerikanischen Humor verdient gemacht hat.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ralph E. Becker: Miracle on the Potomac: the Kennedy Center From the Beginning. Bartleby Press, Silver Spring, Maryland 1990, ISBN 0-910155-15-1.
- Brendan Gill: John F. Kennedy Center for the Performing Arts. Harry N. Abrams, Inc., New York 1981, ISBN 0-8109-1206-6.
- Barbara Bladen Morris: The Kennedy Center: An Insider’s Guide to Washington’s Liveliest Memorial. EPM Publications, McLean, Virginia 1994, ISBN 0-939009-79-X.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Offizielle Website in englischer Sprache
- The John F. Kennedy Center for the Performing Arts bei Google Cultural Institute
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ a b Betsy Klein: Kennedy Center board votes to rename it ‘Trump Kennedy Center’, CNN am 18. Dezember 2025; abgerufen am 19. Dezember 2025.
- ↑ David Smith: ‘Not what we signed up for’: inside Trump’s ‘shocking’ Kennedy Center takeover. In: The Guardian. 24. Februar 2025, abgerufen am 20. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Trumps Kulturkampf (7. Mai 2025)
- ↑ Andrew Limbong: Kennedy Center terminates dance programming team. In: NPR. 21. August 2025 (npr.org [abgerufen am 20. Dezember 2025]).
- ↑ Kennedy Center ticket sales fall to lowest in years after Trump’s takeover, The Guardian am 31. Oktober 2025; abgerufen am 19. Dezember 2025.
- ↑ Charlotte Higgins: Trump’s takeover of the Kennedy Center should serve as a warning to UK arts institutions, The Guardian am 15. Dezember 2025; abgerufen am 19. Dezember 2025.
- ↑ Julia Schölzel: Eine Oper zeigt Haltung. 12. August 2025, abgerufen am 12. August 2025.
- ↑ Sarah Fortinsky: Ohio Dem on Kennedy Center board call says she was muted: Renaming ‘was not unanimous’, The Hill am 18. Dezember 2025; abgerufen am 19. Dezember 2025.
- ↑ Rebecca Falconer: JFK's family erupts over "Trump-Kennedy Center" renaming plan. In: axios.com. 18. Dezember 2025, abgerufen am 1. Januar 2026 (englisch).
- ↑ Kennedy Center – Skulpturen von Jürgen Weber, goethe.de, abgerufen: 21. Mai 2014
- ↑ US-Kulturmedaille für Waltz, Eröd, Welser-Möst und Rabl-Stadler. Abgerufen am 20. Juni 2019.
- ↑ US-Ehrung für Waltz, Welser-Möst, Rabl-Stadler und Eröd. Abgerufen am 22. Juni 2019.
Koordinaten: 38° 53′ 45″ N, 77° 3′ 20″ W