Josy Meidinger

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Josy Meidinger (* 19. Dezember 1899 in Schäftlarn; † 7. Juni 1971 in Neuburg an der Donau) war eine deutsche Malerin, Scherenschnittkünstlerin und Illustratorin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Josy Meidinger wurde 1899 als drittes Kind des Gymnasialassistenten Johann Meidinger und seiner Ehefrau Magdalena in Kloster Schäftlarn geboren. Nach kurzer Zeit in Donauwörth kam sie 1909 (durch Versetzung ihres Vaters) mit ihrer Familie nach Neuburg an der Donau. Dem Mädchenlyzeum folgte 1916 bis 1919 das Studium an der Königlichen Kunstgewerbeschule in München, damals für Mädchen Ersatz der Akademie. 1920 ließ sie sich in Neuburg an der Donau als freischaffende Künstlerin nieder, wo sie, abgesehen von längeren Aufenthalten in Augsburg und Nürnberg, bis an ihr Lebensende blieb. Ihr Leben war geprägt vom christlichen Glauben, Verehrung für ihre großen Gönner, Kronprinz Rupprecht von Bayern und seine Gattin Herzogin Marie in Bayern, welche ihr freie Wohnung in Schloss Neuburg, nach Verwüstung ihrer Räume im Schloss durch internierte Fremdarbeiter ab 1945 im Jagdschloss Grünau bei Neuburg, gewährten, und durch selbstlose Liebe zu Mensch, Tier und Natur.[1] Sie kennzeichnet auch ihr gesamtes Lebenswerk.[2]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

So vielseitig die Arbeiten Josy Meidingers inhaltlich und technisch sind, Grundlage ist stets eine emotional fundierte Zeichnung. Aus ihr entwickelte sie Gemälde, Holz- und Linolschnitte, vielfältige Grafiken und selbst Bühnenbilder,[3] besonders aber die filigranen Scherenschnitte, nur mit der Schere und aus traditionell einem Stück, teilweise mehrschichtig farbig hinterlegt. Bekannt sind über 1800 Scherenschnitte, wovon bis 1938 viele Hunderte als Illustrationen in Büchern, Zeitschriften, auf Kalendern und Postkarten des In- und Auslands veröffentlicht wurden. [4] 1938 versiegten die Verbindungen zum Ausland und den unterdrückten christlichen Verlagen.
Für die Jahre 1920 bis etwa 1939 gilt Josy Meidinger neben Johanna Beckmann und Lotte Reiniger als die wohl profilierteste deutsche Scherenschnittkünstlerin, auch „ebenbürtig Künstlern wie Ernst Moritz Engert“.[5]

Hauptwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • „Drei-Königs-Legende“, 34 mit bis zu 7 Schichten farbig hinterlegte Scherenschnitte, 9 × 10 cm, 1926, in Glas gefasst zur Wandprojektion bei den Aufführungen der „Legende von den Heiligen 3 Königen“ von Gustav Schwab,[6]
  • „TOTENTANZ“, 14 schwarze Scherenschnitte, 1930, 8,5 × 10 cm, als Glasdias zur Wandprojektion anläßlich der Aufführungen des Mysterienspiels „Totentanz“ von Gottfried Haaß-Berkow, eingerichtet von Max Gümbel-Seiling,[7] und 22 Blätter „Totentanz“, mit einigen Grafiken als Buch 1996 erschienen,[8] und
  • 39 „Habsburg-Schnitte“ zur Illustration von Märchenschriften und Gedichten der Kaiserin Elisabeth von Österreich, im Auftrag von Frau Marie Luise von Wallersee, der Nichte der Kaiserin. Die Schnitte entstanden zwar 1932/1933,[9] die Verträge zur Veröffentlichung wurden 1934 geschlossen,[10] doch infolge Krankheit und Tod von Frau von Wallersee scheiterte die Publikation.

An Ausstellungen nahm Josy Meidinger u.a. von 1922 bis 1939 jährlich mit bis zu 50 Arbeiten in München teil, dazu 1926 in Chicago, Nürnberg und Augsburg, 1934 und 1948 in Neuburg a. d. Donau.[11] Nach ihrem Tod fanden Einzelausstellungen 1978 und 1994 in Neuburg a.d.Donau, 1995 in Pfaffenhofen an der Ilm, 1999/2000 mit über 300 Arbeiten im staatlichen Schloss Neuburg und Wittelsbacher Jagdschloss Grünau statt, 2003/2004 schließlich in der städtischen Galerie Neuburgs.[12]

Nachlass[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arbeiten von Josy Meidinger befinden sich unter anderem im Eigentum des Hauses Wittelsbach, der Stadt Neuburg a. d. Donau, des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg, des städtischen Spielzeugmuseums Nürnberg, des Historischen Vereins Neuburg an der Donau e.V., sowie unzähliger Sammler und Privatpersonen.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2000 wurde die Neuzüchtung einer Fuchsienart nach Josy Meidinger benannt.[13]

2010 erklärte der Stadtrat von Neuburg a. d. Donau das Grab von Josy Meidinger zum städtischen Ehrengrab, beschloss die Gründung eines Josy-Meidinger-Museums und mit dem Verschönerungsverein Neuburg e.V. die Errichtung eines Josy-Meidinger-Denkmals.[14] Es wurde am 3. November 2010, gestaltet nach einem Scherenschnitt der Künstlerin, in einer Mauernische des Schlosses Neuburg a.d.Donau enthüllt.[15]

Weiterführende Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ingrid von der Dollen in Malerinnen im 20. Jahrhundert, Hirmer München 2000, S. 335, ISBN 3-7774-8700-7
  • Lore Lorenz in Erste Berührung-Bleibende Begegnung, in „Schwabenspiegel“ 4–5/2004, S. 428–431, ISBN 3-89639-460-6
  • Barbara Höglmeier MA in „Neuburger Kollektaneenblatt“ 148/2000 S. 161–179, ISSN 0302-5934
  • Hans Wellmann in Schwabenspiegel 1/2000 S. 73, ISBN 3-89639-244-1 und 4–5/2004 S. 368–370, ISBN 3-89639-460-6
  • Elmar Gernert in TOTENTANZ, Eigenverlag Nürnberg 1996 und Josy Meidinger, Scherenschnitte, Grafik, Stadt Neuburg a.d.Donau 2001, S. 7–34 u. 253–258.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. "Ein Leben für christliche Kunst" in Neuburger Tagespost vom 3. Mai 1949
  2. Monografie Josy Meidinger, Scherenschnitte, Grafik, Stadt Neuburg a.d.Donau, 2001, S. 22–27.
  3. "Alt-Nürnberger-Künstlermarionetten" im Bayerischen Volksbildungsverband, Nürnberger Nachrichten vom 7. September 1971 S. 13, Neuburger Neueste Nachrichten vom 22. September 1927
  4. Liste der Publikationen bis 2000 in der Monografie Josy Meidinger, Scherenschnitte, Grafik S. 253–255
  5. Claus Weber, bis Februar 1998 1. Vorsitzender des Deutschen Scherenschnittvereins e.V., in Schwarz Auf Weiß, Zeitschrift des Vereins, Nr. 3 S. 28
  6. Aus zahlreichen Beiträgen Ingolstädter Tagblatt vom 28. März 1928 „ausgezeichnete Arbeiten von ganz besonderem künstlerischen Wert“
  7. Verlag Breitkopf&Härtel, Leipzig 1919, Uraufführung am 20. Juli 1930 im Stadttheater Neuburg a.d.D., Neuburger Neueste Nachrichten vom 16. Juli, 19. Juli und 22. Juli
  8. Bildband „TOTENTANZ“, Hg. Elmar Gernert, Nürnberg 1996, Besprechung von Hans Helmut Jansen in „Schwarz-Auf-Weiß“ Nr.3 S. 13/14, und „TOTENTANZ actuell“, Zeitschrift der Association Danses Macabres d'Europe Nr. 14, 1996
  9. handschriftlicher Brief Frau von Wallersee's an Josy Meidinger vom 2. Oktober 1932 „Liebe Josy, ich bin entzückt, einfach entzückt!“
  10. Vereinbarung „zwischen Frau Marie Louise Meyers, geb. Baronesse von Wallersee, ci devant Gräfin Larisch, und Fräulein Josefine Meidinger“ vom 29. Februar 1932, und „Vertragliche Vereinbarung zwischen Frau Marie Louise Meyers von Wallersee, Mr. A. Paul Maerker-Branden, 910 Westend-Avenue, New York City, und Frl. Josy Meidinger, wohnhaft auf Schloß Neuburg a.d.Donau“ vom 10. Juli 1934
  11. unzählige Besprechungen, u.a. in Fränkischer Kurier vom 4. April 1926, München-Augsburger Abendzeitung vom 8. Juli 1926, Neuburger Neueste Nachrichten vom 9. Januar 1927, Bayernkurier vom 3. April 1930, Münchener Neueste Nachrichten vom 30. März 1930 und 20. Januar 1939, und viele weitere
  12. Neuburger Rundschau vom 14. September, 22. September, 25. September, 26. September und 30. September 1978, Donaukurier vom 24., 25. und 26. Dezember 1994, Süddeutsche Zeitung vom 23. Dezember 1999, Weltkunst Nr.2/2000 S. 264 und Bayernkurier vom 26. Februar 2000
  13. Bay. Fernsehen, Infokanal „Gartenmagazin“ vom 2. Juli 2000
  14. u.a. Neuburger Rundschau vom 2. Januar und 12. Juni 2010
  15. Neuburger Rundschau vom 4. November 2010 S. 33, Donaukurier vom 5. November 2010