Kloster Schäftlarn

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Benediktinerabtei Schäftlarn von Südosten

Kloster Schäftlarn ist eine Benediktinerabtei (Abtei zu den heiligen Dionysius und Juliana) im gleichnamigen Ortsteil der Gemeinde Schäftlarn in Oberbayern.

Die Abtei liegt im Isartal südlich von München und gehört zur Bayerischen Benediktinerkongregation.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stich des Klosters aus dem „Churbaierischen Atlas“

Das Kloster wurde 762 von Waltrich, einem aus einer fränkischen Adelsfamilie stammenden Benediktiner, auf seinem Land (Pippinsbach) gegründet. In den nächsten beiden Jahrhunderten wuchs das Kloster durch verschiedene Schenkungen (darunter Schwabing und Hesselohe, s.a. Pullach). Im 10. Jahrhundert war die Abtei erloschen.

Um das Jahr 1140 vermachte Graf Konrad I. von Valley seinen ganzen Besitz zu Ilmungeshofen „zu seinem und seiner Eltern Seelenheil“ dem Kloster Schäftlarn in einer Urkunde. Weil die Fläche dieser Schenkung nur als Weideland benutzt werden konnte, machte das Kloster daraus einen Viehhof, also eine Schwaige, die nach dem heiligen Georg St. Georgenschwaige genannt wurde.[1]

1140 wurde das Kloster Schäftlarn durch Bischof Otto von Freising dem Prämonstratenser-Orden übertragen, dem der Konvent bis zu seiner Auflösung im Rahmen der Säkularisation am 1. April 1803 angehörte.

Im Jahr 1721/22 wurde ein Fischgewässer, durch den Abt beauftragt, unweit des Konvents angelegt.

Am 17. Mai 1866 übergab Ludwig I. von Bayern die Klosteranlage den Benediktinern. Es wurde ein Benediktinerkloster und ein Gymnasium eingerichtet. Am 17. April 1910 wurde das Kloster durch Prinzregent Luitpold wieder in den Rang einer Abtei erhoben.

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem Privatgymnasium mit Tagesheim und Internat betreiben die Mönche Forstwirtschaft, eine Schnapsbrennerei und eine Imkerei. Die erzeugten Produkte werden in einem Klosterladen angeboten. Seinen kulturellen Auftrag erfüllt das Kloster Schäftlarn insbesondere als Veranstalter der Schäftlarner Konzerte. Das Kloster ist Ausgangspunkt für die erste Etappe des 2009/2010 ausgeschilderten Jakobsweg Isar–Loisach–Leutascher Ache–Inn.

Gymnasium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1941 bis 1945 wurde die Schule durch die Nationalsozialisten geschlossen. Nach dem Krieg nahm das Kloster Schäftlarn als eine der ersten Höheren Schulen Bayerns den Schulbetrieb am 5. November 1945 in Form eines Progymnasiums für die Klassen 5 bis 10 wieder auf. Abiturprüfungen fanden im Kloster Schäftlarn erstmals 1973 statt.

Heute besuchen rund 470 Schüler das private Gymnasium mit Tagesheim (für Jungen und Mädchen) und Internat (für Jungen). Fünf Patres sind im Schulbetrieb tätig. Die Schule nahm bis vor kurzem am Schulversuch Europäisches Gymnasium teil und bietet einen neusprachlichen und humanistischen Zweig an. Die ehemaligen Absolventen des Gymnasiums (Altschäftlarner) sind im Verein der Freunde Schäftlarns organisiert.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klosterkirche
Orgel
Blick auf das Kloster Schäftlarn vom Isarhochufer bei Baierbrunn
Ansicht von Süden

Der heutige Klosterbau wurde 1707 nach Plänen von Giovanni Antonio Viscardi fertiggestellt. Die als Klosterkirche erbaute St.-Dionys-Kirche ist ein Juwel des Rokoko. 1733 bis 1740 wurde unter François de Cuvilliés d.Ä. ein Neubau begonnen. 1751 bis 1760 wurde der Bau von Johann Baptist Gunetzrhainer und Johann Michael Fischer vollendet. 1754 bis 1756 malte und stuckierte Johann Baptist Zimmermann die Kirche aus. 1756 bis 1764 stellte Johann Baptist Straub die Altäre und die Kanzel auf. Die Kirche und ihre Ausstattung wurden von 2004 bis 2011 komplett restauriert.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel wurde 1996 von Orgelbau Vleugels gebaut. Sie hat 31 Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Spieltrakturen und Registertrakturen sind mechanisch. Das Gehäuse stammt noch von Anton Bayr um 1762. Sie besitzt folgende Disposition:

I Hauptwerk C–f3
1. Prinzipal 8′
2. Viola da Gamba 8′
3. Copl 8′
4. Oktave 4′
5. Flöte 4′
6. Quinte 3′
7. Superoktave 2′
8. Mixtur IV 112
9. Cornet V 8′
10. Trompete 8′
11. Clairon 4′
II Hinterwerk C–f3
12. Bifara 8′
13. Salicet 8′
14. Rohrflöte 8′
15. Fugara 4′
16. Blockflöte 4′
17. Quintflöte 3′
18. Flageolet 2′
19. Terzflöte 135
20. Cymbel IV 1′
21. Fagotto 16′
22. Krumphorn 8′
Pedal C–d1

23. Prinzipalbass 16′
24. Subbass 16′
25. Oktavbass 8′
26. Cellobass 8′
27. Gedacktbass 8′
28. Flötenbass 4′
29. Cornetbass III 3′ 2′ 135
30. Posaunenenbass 16′
31. Trompetenbass 8′
  • Koppel: I/P, II/P, II/I
  • Glockenspiel, Pauke, Vogelschrei, Tremulant

Prälatengarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Prälatengarten

Im Kloster liegt der 1998 neu gestaltete Prälatengarten.[2] Der Eingang liegt 20 Meter rechts der Klosterpforte.

Höhere Obere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Äbte[3]

  • Waltrich, 762–790
  • Petto, 790–820
  • Engelbert, 1140–1153
  • Eberhard, 1153–1160
  • Arnold, 1160–1164
  • Heinrich I., 1164–1200
  • Wernher I., 1200–1218
  • Conrad I., 1218–1238
  • Linpmann, 1238–1240
  • Conrad II. Wishaimer, 1240
  • Ulrich I., 1240–1249
  • Berchther (1. Amtszeit), 1249–1259
  • Heinrich II. Chozmer, 1259
  • Sighard, 1259–1264
  • Dietrich, 1264–1273
  • Berchther (2. Amtszeit), 1273–1277
  • Gerwin, Friedrich Schwabinger, 1277–1286
  • Conrad III., 1286–1290
  • Conrad IV. Witscheid, 1290–1295
  • Heinrich III. Giesinger, 1295–1301
  • Friedrich Schwabinger (2. Amtszeit), 1301–1305
  • Ulrich II. Teufelhart, 1305
  • Conrad V. Schwabinger, 1305–1317
  • Rudolf, 1317–1320
  • Conrad VI. Sachsenhauser, 1320–1346
  • Berchtold Nörderdorfer, 1346–1348
  • Wernher II., 1348–1352
  • Heinrich IV. Phaner, 1352–1362
  • Ulrich III. Osterhofer, 1363–1380
  • Johann I. Valer, 1380–1410
  • Johann II. Trostberger, 1410–1438
  • Heinrich V. Saxtsch, 1438–1457
  • Wilhelm Oberndorfer, 1457–1463
  • Erasmus Golhueter, 1463–1468
  • Leonhard I. Volkl, 1468–1476
  • Georg I. Trumetter, 1476–1490
  • Leonhard II. Schmid, 1490–1527
  • Georg II. Veckenbeurer, 1527–1544
  • Johann III. Ecker, 1544–1556
  • Georg III. Pachberger, 1556–1562
  • Ludwig Holtzmayr, 1562–1590
  • Leonhard III. Klotz, 1591–1619; erhielt 1598 die Pontifikalien
  • Michael Graf, 1619–1626
  • Dionys Keller, 1626–1634
  • Albert Stainpacher, 1634–1640
  • Carl Hieber, 1640–1653
  • Anian Mayr, 1653–1680
  • Melchior Schussmann, 1680–1719
  • Hermann Josef Frey, 1719–1751
  • Felix Gege, 1752–1776
  • Godefried (Gottfried) Spindler OPraem (1750–1808), 1777–1803, letzter Abt des Klosters vor der Säkularisation, Taufname Johann Peter[4]

Prioren

  • Benedikt Zenetti, 1866–1872 (1872–1904 Abt von St. Bonifaz)
  • Thaddäus Brunner, 1872–1883
  • Gregor Lindemann, 1884–1887
  • Pius Bayer, 1887–1888
  • Placidus Auracher, 1889–1899
  • Raphael Barth, 1899–1904
  • Sigisbert Liebert, 1904–1910

Äbte

Gewalt- und Missbrauchsfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2010 geriet das Benediktinergymnasium Schäftlarn im Rahmen der öffentlich bekannt gewordenen Fälle sexuellen Missbrauchs in katholischen Einrichtungen in die Schlagzeilen.[6][7] 1991 gab es bereits einen ähnlichen Vorfall, als zwei Patres wieder in das Kloster aufgenommen wurden, nachdem sie ihre Haftstrafen wegen sexueller Übergriffe gegenüber Schutzbedürftigen verbüßt hatten.[8][9]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Winhard: Kloster Schäftlarn: Geschichte und Kunst. Fotos von Gregor Peda. Kunstverlag Peda, Passau 1993, ISBN 3-927296-80-5.
  • Sigisbert Mitterer: 1200 Jahre Kloster Schäftlarn. 762–1962. Seitz, München 1962.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kloster Schäftlarn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.total-lokal.de/pdf/80331_89_01_10_02.pdf
  2. abtei-schaeftlarn.de: Prälatengarten
  3. Michael Hartig: Die oberbayerischen Stifte, Band II: Die Prämonstratenserstifte, die Klöster Altomünster und Altenhohenau, die Collegiatstifte, der Deutsch- und der Malteserorden, die nachmittelalterlichen begüterten Orden und Stifte. Verlag vorm. G. J. Manz, München 1935, DNB 560552157, S. 10 f.
  4. „Oberpfalz“-Biographien (PDF; 148 kB), eingesehen am 28. Oktober 2008
  5. Artikel: Neuer Abt in Schäftlarn vom 11. Juli 2008 auf ORDEN online abgerufen am 11. Juli 2008
  6. tz.de: Missbrauch auch in Kloster Schäftlarn, vom 26. Februar 2010
  7. Missbrauchsskandal jetzt auch in Schäftlarn: Sex nach der Dusche, Abendzeitung vom 28. Februar 2010
  8. [Stern-Spezial Die Scheinheiligen], Stern vom 31. Oktober 1991
  9. http://www.menschenrechtsbuero.de/html/teil3.htm

Koordinaten: 47° 58′ 43″ N, 11° 28′ 1″ O