Zum Inhalt springen

Judith Holzmeister

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Judith Holzmeister (* 14. Februar 1920 in Innsbruck; † 23. Juni 2008 in Baden bei Wien) war eine österreichische Schauspielerin.

Judith Holzmeister wurde 1920 als Tochter des Architekten Clemens Holzmeister geboren. Ihre Schauspielausbildung nach dem Besuch eines Realgymnasiums erhielt sie in Wien am Reinhardt-Seminar unter anderem bei Tilla Durieux. Nach Engagements als Theaterschauspielerin am Stadt- bzw. Landestheater Linz war sie am Deutschen Volkstheater in Wien engagiert. Von 1947 bis zu ihrer Pensionierung 1985 gehörte sie dem Wiener Burgtheater an. In dieser Zeit gab sie auch Gastspiele, unter anderem in Deutschland. Ab 1948 trat Judith Holzmeister wiederholt auch bei den Salzburger Festspielen auf.

Am Deutschen Volkstheater debütierte sie 1942 bei Walter Bruno Iltz als Schillers Jungfrau von Orléans mit O.W. Fischer als Lionel und spielte dort im selben Jahr auch Lessings Minna von Barnhelm mit Inge Konradi als Franziska und 1943 Schillers Maria Stuart mit Dorothea Neff als Königin Elisabeth. Weitere Rollen am Deutschen Volkstheater waren die Kunigunde in Grillparzers König Ottokars Glück und Ende (1940), Agathe in Gerhart Hauptmanns "Die Jungfern vom Bischofsberg" (1942) und Das Gewissen in "Das deutsche große Welttheater" von Wilhelm von Scholz nach Calderon (1943)[1].

Holzmeister zählte während des Zweiten Weltkriegs und ihres Engagements am Volkstheater zu den Künstlern, die den Nationalsozialismus entschieden ablehnten. Das Ensemble trug dazu bei, dass die Kollegin Dorothea Neff jahrelang eine jüdische Freundin in ihrer Wohnung verstecken konnte. In der ORF-Dokumentation Die Sterne verlöschen nicht wurde 2005 diese bislang in der Öffentlichkeit kaum bekannte Episode in Holzmeisters Leben behandelt und in Paulus Mankers Buch "Enttarnung eines Helden" über den Intendanten Walter Bruno Iltz wird Judith Holzmeister zu ihrer Gesinnung in der NS-Zeit zitiert:

  • "Es ist das Wesen, dass man sich selber aufrichtet, nicht. Ich meine, geboren, blöd oder gescheit, oder, oder was, aber dann muss man schon selber machen. Einen Charakter aufbauen. Und eine Gesinnung. Es gibts – man kann. Wenn man will, kann man."[2]

Ihre Filmkarriere startete sie als 19-Jährige mit der weiblichen Hauptrolle in Luis Trenkers Befreiungsdrama Der Feuerteufel, wobei sich bei ihr physische Schönheit mit schauspielerischem Können paarte. Vor allem am Theater spielte sie über Jahrzehnte hinweg große Rollen. Auch in zwei Uraufführungen von Stücken des Schriftstellers Thomas Bernhard wirkte sie mit. Besondere Gestaltungskraft widmete sie Stücken der Antike, und am Burgtheater wurde sie darin zumal vom Regisseur Luca Ronconi eingesetzt. Holzmeister und Ronconi verband eine große gegenseitige Sympathie, die Schauspielerin hielt bei einer Preisverleihung an Ronconi 2003 in Taormina eine Ansprache.

Holzmeister war von 1947 bis 1955 mit dem deutsch-österreichischen Schauspieler Curd Jürgens verheiratet, mit dem sie in dem Musikfilm Wiener Mädeln spielte. Nach der Scheidung war sie ab 1959 mit dem österreichischen Schauspieler Bruno Dallansky verheiratet. Sie hatten eine gemeinsame Tochter,[3] die 1960 geborene Judith.

Im Jahr 1963 erhielt Holzmeister das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst Erster Klass, 1973 die Kainz-Medaille und seit 1991 war sie die erste Trägerin des Liselotte-Schreiner-Rings.

Wiener Zentralfriedhof – Ehrengrab von Judith Holzmeister

Judith Holzmeister lebte in der Grinzinger Straße in Wien. Nach ihrem Tod wurde ihr Leichnam am 11. September 2008 auf der Wiener Burgtheaterstiege (Volksgartenseite) verabschiedet, nach der Tradition einmal um das Haus getragen und anschließend in der Feuerhalle Simmering, die ihr Vater entworfen hatte, eingeäschert. Ihre Urne ist auf dem Wiener Zentralfriedhof in einem Ehrengrab der Stadt Wien (Gruppe 33G, Nummer 40) beigesetzt.[4]

Im Jahr 2016 wurde im 23. Wiener Gemeindebezirk Liesing der Judith-Holzmeister-Weg nach ihr benannt.

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. Paulus Manker: Gustav Manker. Spurensuche. 2. Auflage. Amalthea Verlag, Wien 2010, ISBN 978-3-85002-738-0.
  2. Paulus Manker: Enttarnung eines Helden. Das völlig unbekannte Leben des Walter Bruno Iltz. 1. Auflage. Alexander Verlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-89581-340-5, S. 156.
  3. Judith Holzmeister. Abgerufen am 11. April 2023.
  4. knerger.de: Das Grab von Judith Holzmeister