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Walter Bruno Iltz

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Walter Bruno Iltz, 1938

Walter Bruno Iltz (* 17. November 1886 in Praust bei Danzig; † 5. November 1965 in Tegernsee) war ein deutscher Theaterdirektor, Regisseur und Schauspieler.

Frühe Jahre und Dresden

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Walter Bruno Iltz sollte eigentlich Apotheker werden[1] und ging 1907 nach München, um dort zu studieren. Er entschied sich jedoch für die Laufbahn des Schauspielers und debütierte 1908 in Schweidnitz. Anschließend war er 1909 am Stadttheater Zittau und von 1910 bis 1913 am Lobe-Theater in Breslau engagiert.[2] Es folgten Engagements als jugendlicher Charakterdarsteller von 1913 bis 1924 am königlichen Schauspielhaus und ab 1923 am staatlichen Schauspielhaus Dresden unter der Direktion von Karl Zeiss. Dort spielte er unter anderem die Titelrolle in Hofmannsthals Jedermann und Franz Moor in Schillers Die Räuber, Ferdinand in Kabale und Liebe und die Titelrolle von Hanns Johsts Drama Der König. Max Brod gewidmete Iltz den Einakter Die Höhe des Gefühls, die Uraufführung fand mit Iltz als Darsteller 1918 in Dresden statt.[3] In der Uraufführung von Walter Hasenclevers Drama Jenseits (Regie: Berthold Viertel) verkörperte er 1920 den Raul.[4]

Iltz war, inspiriert von Max Reinhardts Arbeit ab 1921 in Dresden auch als Regisseur erfolgreich tätig.[5]

Reußisches Theater Gera (1924–1927)

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Iltz ging von 1924 bis 1927 als Generalintendant an das Fürstlich Reußische Theater in Gera, als Landestheater mit den Sparten Schauspiel, Oper und Operette.[6] Als Schwerpunkte im klassischen Repertoire setzte Iltz Werke von Schiller (Die Jungfrau von Orléans), Shakespeare (Der Kaufmann von Venedig), Kleist, Lessing (Nathan der Weise) und Goethes Clavigo sowie von Pedro Calderon, Anton Tschechow und Georg Büchner auf den Spielplan.

Als Regisseur widmete er sich besonders der Aufführung von Werken neuer Autoren wie zum Beispiel Georg Kaiser, Fritz von Unruh, Arnolt Bronnen, Ernst Barlach (Die Sündflut, 1925, in eigener Inszenierung, sowie Die gute Zeit, 1925 und Der arme Vetter, 1927), Bertolt Brecht (Mann ist Mann), Walter Hasenclever (Ein besserer Herr) und Carl Zuckmayer (Der fröhliche Weinberg, 1926 in einer Inszenierung von Zuckmayer).[6] Unter Iltz’ Direktion fanden zahlreiche Uraufführungen statt. So zum Beispiel Saul von Alexander Lernet-Holenia, Die Rückkehr des verlorenen Sohnes von André Gide, Ist er gut? Ist er böse? von Denis Diderot oder Die Treppe von Rosso di San Secondo (1927) sowie Opern von Johann Staden, Georg Friedrich Händel (Otto und Theophano), Manuel de Falla (Ein kurzes Leben, 1926), Roderich Mojsisovics von Mojsvár (Der Zauberer, 1926) und Vittorio Gnecchi (Rosiera, 1927). In der Spielzeit 1925/1926 erreichte das Theater mit 240.832 Zuschauern seine höchste Besucherzahl.

Auf seinen Reisen durch Deutschland besuchte Iltz unerkannt Aufführungen kleiner Provinzbühnen, um junge Talente zu entdecken und zu fördern.[7]

Städtische Bühnen Düsseldorf (1927–1937)

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Nach Gera war Iltz von 1927 bis 1937 Generalintendant an den Städtischen Bühnen Düsseldorf, ein 3-Spartenhaus für Oper, Schauspiel und Operette an zwei Spielorten. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde ihm 1933 als städtischem Generalintendanten zusätzlich das Schauspielhaus Düsseldorf unterstellt.

Unter anderem wirkten an seinem Haus Schauspieler wie Bruno Hübner, Will Quadflieg, Peter Lühr, Karl Paryla, Ludwig Schmitz, Hanne Mertens, Marieluise Claudius, Wolfgang Langhoff und Leon Askin, Kapellmeister Otto Ackermann und der ukrainisch-jüdische Dirigent Jascha Horenstein[8] sowie Leopold Lindtberg als Oberspielleiter, was Iltz wegen deren jüdischer Abstammung von der NSDAP und vom „Kampfbund für Deutsche Kultur“ vorgeworfen wurde.

Neben dem klassischen Repertoire förderte Iltz auch in Düsseldorf die Avantgarde, besonders im Bereich des Musiktheaters, um diesem ein eigenes Profil zu geben und überregionale Bedeutung zu erlangen. Er produzierte bereits in der ersten Spielzeit unter der Regie von Friedrich Schramm und dem Dirigat von Hugo Balzer mehrere Erstaufführungen moderner Opern, darunter 1927 Cardillac von Paul Hindemith, 1928 Oedipus Rex von Igor Strawinsky sowie Der Zar lässt sich photographieren von Kurt Weills. Hindemith schrieb über Cardillac an Iltz: „Erst Ihre Düsseldorfer Aufführung hat mir bewiesen, dass der ‚Cardillac‘ im regulären Opernbetrieb bestehen kann!“[9] Im Jahr 1930 folgten die Erstaufführung von Ernst Kreneks Operette Schwergewicht oder Die Ehre der Nation und Angélique von Jacques Iberts sowie 1930 eine spektakuläre Aufführung von Wozzeck von Alban Berg in Anwesenheit des Komponisten. Daraufhin schrieb Berg an Iltz: „Diese Reprise freut mich mehr als manche Erstaufführungen, ja sie macht mich stolz“. Unter der Leitung von Kapellmeister Jascha Horenstein wurde 1929 Jaromír Weinbergers Oper Schwanda, der Dudelsackpfeifer uraufgeführt. 1933 folgte die Uraufführung von Der Rossknecht von Winfried Zillig.

Die Düsseldorfer Bühne hatte überregional den Ruf als vorbildlich fortschrittlich, auch in Berlin. Früh meldeten sich jedoch auch politische Stimmen, insbesondere wegen der Mitwirkung des Dirigenten Horenstein wurde eine „Verjudung“ des deutschen Theaterwesens reklamiert. Horenstein wurde 1933 von den Nationalsozialisten gezwungen, das Haus zu verlassen. Mit der Rückkehr von Hugo Balzer als Generalmusikdirektor standen dann vermehrt Werke von Richard Wagner, Mozart und Richard Strauss auf dem Programm.

Ebenfalls förderte Iltz das moderne Ballett und engagierte 1929 die Laban-Schülerin Ruth Loeser als erste Solotänzerin und Ballettmeisterin. Als „Tanzbühne der Stadt Düsseldorf“ sollte dem Ballett die Selbständigkeit einer eigenen Kunstgattung gegeben werden.[10] Da Ruth Loeser Jüdin war, wurde auch sie 1933 entlassen. Bekannte Tänzer wie unter anderem Harald Kreutzberg, Niddy Impekoven, Yvonne Georgi und Gret Palucca gastierten in der von Iltz initiierten Reihe „Deutsche Meistertänzer“, Mary Wigman wurde mit ihrer Tanztruppe 1935 zu einem Gastspiel eingeladen.

Iltz’ Theaterinszenierungen mussten sich auch an den politischen Anforderungen ausrichten. Auf dem Programm stand zum Beispiel Schlageter des NS-Dramatikers Hanns Johst. Uraufführungen waren Das Gastmahl der Götter von Paul Joseph Cremers und das Goya-Drama Genie ohne Volk von Viktor Warsitz für die „4. Reichstheaterwoche“ im Juni 1937[11] sowie Pentheus von Hans Schwarz (1935). Erfolgreich war 1936 die Bühnen-Uraufführung von Christian Dietrich Grabbes Die Hermannsschlacht in einer eigenen Bearbeitung von Iltz. Das Stück wurde in Düsseldorf propagandistisch als „Führerdrama“ aufgeführt.[12] Der Gauamtsleiter Walter Steinecke fertigte nach dieser Inszenierung 12 Radierungen an,[13] die 1937 in Buchform Adolf Hitler übergeben wurden.[14] Diese Inszenierung wurde zudem als Abschluss der „Grabbe-Woche“ im Oktober 1936 in Detmold gezeigt und von der Presse bejubelt. Der Präsident der Reichstheaterkammer, Rainer Schlösser, gratulierte Iltz zur „Eroberung eines großartigen Stückes für die deutsche Theaterwelt“.[15]

Konflikt mit der NSDAP

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In Konflikt mit der NSDAP geriet Iltz bereits im März 1932, nachdem der Kampfbund für Deutsche Kultur die Absetzung von Kurt Weills Oper Die Bürgschaft verlangt hatte. Im April forderte die Düsseldorfer Gauleitung einen „deutschen Spielplan“ und verlangte von Iltz, deutsche Künstlern den Juden gegenüber zu bevorzugen.[16][17] Iltz verbat sich jede Einflussnahme[18][19] und weigerte sich, die personalpolitischen Forderungen der NSDAP an seinem Theater umzusetzen. In einem neunseitigen Schreiben[20] wies er darauf hin, dass Meisterwerke deutscher Opernkunst aus der Zusammenarbeit mit Juden hervorgegangen seien, so zum Beispiel bei Mozart und Da Ponte oder Nicolai und Mosenthal.

„Der Spielplan einer öffentlich subventionierten Bühne muß sich nach einem einheitlichen Willen richten, und das kann nur der Wille […] des Theaterleiters sein. Von diesem ist zu verlangen, daß er Fachkenntnis und Bühnenerfahrung vereine mit unbefangenem künstlerischen Sinn, mit wahrhaft unparteiischem Urteil. Ich für meine Person glaube, mir diese Unparteilichkeit erhalten zu haben. […] Während ich grundsätzlich in der Ausländerfrage ihrer Meinung bin, daß deutsche Kräfte ausländischen gleichrangigen vorzuziehen sind, weiche ich, was die Beschäftigung von Juden betrifft, gerade im Grundsätzlichen von ihrer Auffassung ab. […] Hier gibt es Unterschiede, die sogar ein blinder Antisemitismus, den Sie ja selbst nicht vertreten, kaum leugnen könnte, die Unterschiede nämlich zwischen jüdischem Ungeist, der gewiß bekämpfenswert ist, und jüdischem Geist. – Wohl sind wir alle gebunden an Rasse und Volk, aber neben und über den Naturgesetzen bestehen doch noch Geist und Willen. Gerade in den reproduzierende Künsten gibt es zahlreiche Juden, die mit aufrichtiger Liebe und Bewunderung dem deutschen Wesen zugetan sind und die sich in den Dienst deutscher Kunstwerke stellen. Gerade der Fremde kann unser Wesen in machem besser erkennen als wir selbst.“

Walter Bruno Iltz: Antwortschreiben an die NSDAP Gauleitung Düsseldorf, Organisationsabteilung I, Abteilung für Rasse und Kultur vom 28. April 1932

Das Schreiben sandte Iltz nicht nur an die NSDAP, sondern auch an den Deutschen Bühnenverein und an verschiedene Intendanten in Deutschland.[21] Ernst Josef Aufricht schrieb an Iltz: „Ich bewundere Ihre unerhört geschickte und saubere Antwort.“ Der Komponist Kurt Weill schrieb: „Sie haben immer genug persönliche Überzeugung und persönliche Courage gehabt, um das, was Sie als künstlerisch wichtig und notwendig erachtet haben, auch durchzusetzen.“[22] Nach dieser offenen Verteidigung seiner jüdischen Kollegen und nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten verschärfte sich der Konflikt. Im Februar 1933 wurde Iltz in der NSDAP-Zeitung Volksparole wegen seiner Zusammenarbeit mit dem jüdischen Dirigenten Jascha Horenstein kritisiert:

„Leider hat Herr Horenstein die Weihestunde dirigiert. Wir müssen sagen ‚leider‘, denn es ist unerhört, daß das deutsche Theater in Düsseldorf für eine Wagnerfeier keinen deutschen Dirigenten findet, daß man hierzu Herrn Sascha (!) Horenstein bemühen muß. (…) Oberbürgermeister Lehr und Generalintendant Iltz werden sich noch umstellen müssen, sonst wird hier eines Tages auf irgend eine Weise doch dafür gesorgt werden müssen, daß im deutschen Düsseldorf wirklich deutscher Geist und deutsche Kultur in allen Zweigen zur Geltung kommt.[23] Zunehmend fokussierte sich die Kritik auf Iltz: ‚Herr Iltz verstand die Zeichen der Zeit immer noch nicht und wollte von seinem Liebling nicht lassen. Herr Iltz, der nicht hören wollte, als es noch Zeit war, wird nun sehen müssen, daß das, was er versäumt hat, aus freien Stücken zu tun, wider seinen Willen durchgeführt wird. Der russische Jude Horenstein muß aus dem Düsseldorfer Theater verschwinden.‘“

Alexander Schneider: Wie Düsseldorf Richard Wagner feiert. Ein Skandal. In: Volksparole, Organ der NSDAP, 13. Februar 1933

Eine SA-Einheit belagerte am 7. März 1933 die von Horenstein dirigierte Aufführung von Beethovens Fidelio und forderte die sofortige Absetzung des Dirigenten. Horenstein floh während der Vorstellung aus dem Theater, wurde beurlaubt und verließ Düsseldorf.[24] Gauleiter Friedrich Karl Florian veranlasste polizeiliche Ermittlungen gegen Iltz. Im April 1933 forderte die Stadtverwaltung Düsseldorf bei Reichsminister Hermann Göring Iltz’ Entlassung, was Göring aber ablehnte. Jedoch wurde Iltz’ Spielraum als Generalintendant beschnitten, indem ihm der nationalsozialistisch gesinnte Dramaturg Alexander Schneider an die Seite gestellt wurde, Verfasser des gegen Iltz zitierten Artikels in der Volksparole und Leiter der Abteilung „Kunst und Kultur“ im „Völkischen Verlag“. In künstlerischer Hinsicht wurde Iltz freie Hand gelassen mit der Bedingung, der Spielplan müsse den Auflagen der „nationalen Regierung“ entsprechen.[25] Zahlreiche jüdische Ensemblemitglieder mussten 1933 das Düsseldorfer Theater verlassen. Iltz wandte sich besonders der Oper zu und delegierte das Schauspiel vermehrt seinem Dramaturgen.[26] Iltz beklagte 1936 bei Propagandaminister Joseph Goebbels, der im Dezember 1933 drei Vorstellungen besucht hatte und seine schützende Hand über Iltz hielt,[27] die „resonanzlose Atmosphäre“.[28]

Iltz’ Vertrag als Generalintendant lief im Jahr 1937 aus, die Stadtverwaltung verweigerte eine mögliche Verlängerung. Sein Nachfolger wurde das NSDAP-Mitglied Otto Krauß. Düsseldorfs Oberbürgermeister Hans Wagenführ begründete gegenüber Joseph Goebbels die Ablehnung der Vertragsverlängerung damit, Iltz habe sich durch „Bevorzugung von Juden und Kommunisten“ gegen den Nationalsozialismus gestellt. Goebbels vermerkte in seinem Tagebuch, Iltz werde „von den dortigen Instanzen saumässig behandelt“.[29][30] Der Eintritt in die NSDAP wurde Iltz im Dezember 1937 durch die Ortsgruppe Düsseldorf-Pempelfort wegen einer „liberalistisch-marxistischen Gesinnung“ verwehrt. Weiter hieß es, er habe sich nicht ausreichend „mit dem NS-Geiste in Einklang gebracht“.[31]

Eine Tätigkeit von Iltz als Intendant in Stuttgart wurde durch Manipulationen der Düsseldorfer NSDAP verhindert. 1937 inszenierte Iltz bei den „Reichsfestspielen“ in Heidelberg Shakespeares Romeo und Julia, mit unter anderem Gisela Uhlen, Lina Carstens und René Deltgen.

Deutsches Volkstheater Wien (1938–1944)

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Im Jahr 1938 übernahm Iltz die Intendanz am Deutschen Volkstheater Wien. Dieses war als erstes Theater in das NS-Freizeitprogramm „Kraft durch Freude“ eingegliedert worden. Iltz gestaltete dort ein ruhiges Klima und schützte sein Ensemble während des Zweiten Weltkriegs.[32] Er engagierte unter anderem O. W. Fischer, Curd Jürgens, Gert Fröbe, Paul Hubschmid, Judith Holzmeister, Inge Konradi, Dorothea Neff, Annie Rosar, Lotte Lang, Karl Skraup und Robert Lindner. Auch die späteren Direktoren des Hauses Leon Epp und Gustav Manker wurden engagiert – Epp als Schauspieler und Regisseur, Manker als Bühnenbildner und Regisseur.

Iltz knüfte in der Gestaltung des Spielplans einerseits an die Wiener Tradition an und musste bei seiner Arbeit gleichzeitig darauf achten, die Machthaber zufriedenzustellen, die linientreues Propagandatheater erwarteten.[33] Tendenzstücke wurden vor allem von ihm selbst, Walter Ullmann und dem nationalsozialistisch agierenden Oberspielleiter Erhard Siedel inszeniert, Günther Haenel übernahm ab 1942 die Regie der „literarisch hochwertigen Stücke“. Unter Haenals Regie wurden während der letzten Jahre unter Iltz’ Intendanz auch Aufführungen produziert, die eine oppositionelle Haltung zum Regime durchblicken ließen.[34] Um Haenel hatte sich ein Kreis von Künstlern versammelt, die dem NS-Regime ablehnend gegenüberstanden und bereit waren, dies vorsichtig auf der Bühne zum Ausdruck zu bringen, worüber Zeitzeugen wie Inge Konradi, Gustav Manker und Judith Holzmeister berichteten.[34] Konradi würdigte die Bedeutung von Iltz’ liberaler Haltung und seine Einstellung zum Ensemble:

„Daß das Volkstheater eine Insel für uns war, ist dem großen Einsatz und Mut von Walter Bruno Iltz zu verdanken. Man müsste ihn eigentlich auf ein Podesterl stellen, denn er war der Lebensretter des Volkstheaters. Er hat viele belastete Künstler an seinem Haus gehabt, sie über den Krieg hin beschützt und viele unkündbare Stellungen erreicht. Er hat genau gewusst welches Risiko er eingeht, wenn er Haenel mit der Regie für ‚Die heilige Johanna‘ und ‚Der Diamant des Geisterkönigs‘ beauftragt. Sein persönlicher Mut besitzt Seltenheitswert.“

Inge Konradi: Walter Bruno Iltz am Deutschen Volkstheater. In: Evelyn Schreiner (Hrsg.): 100 Jahre Volkstheater. Theater, Zeit, Geschichte. Jugend und Volk, Wien 1989

Den Spielplan gestaltete Iltz nach der vorgegebenen „Reichsdramaturgie“ des Berliner Ministeriums für Volksaufklärung und Propaganda, vorgegeben wurde dabei die Anzahl der Klassiker, Tendenzstücke, deutschen Gegenwartsdramen sowie auch wenige ausländische Werke.[34] Auch am Deutschen Volkstheater Wien zeigten zahlreiche Ur- und Erstaufführungen Iltz’ Engagement für die Förderung neuer Stücke und die Erweiterung des Repertoires.[34] Uraufgeführt wurde zum Beispiel 1939 Der Komet von Rudolf Kremser. Für die Umsetzung der Inszenierung von Friedrich Hebbels Demetrius ersuchte Iltz 1942 bei der „Reichsdramaturgie“ um eine Sondergenehmigung, denn seit dem Russlandfeldzug waren russischen Stoffe verboten. In den beiden letzten Jahren unter Iltz’ Leitung wurden mehr literatrisch hochwertige Werke statt der vom Regime gewünschten neuen deutschen Stücke minderer Qualität gezeigt, Iltz berief sich dabei auf die Vorgabe von lediglich zwei Tendenzstücken pro Saison.[34] Am 1. September 1944 wurde das Deutsche Volkstheater Wien im Zuge der kriegsbedingten allgemeinen Theatersperre im Deutschen Reich geschlossen.

Nürnberg und Braunschweig (1946–1951)

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In der Nachkriegszeit war Iltz von 1946 bis Februar 1947 Intendant am Stadttheater Nürnberg.[35] Ein Verfahren gegen Iltz vor der Spruchkammer Nürnberg im Sinne des Gesetzes zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus wurde 1947 eingestellt mit der Begründung, er habe sich „zu keiner Zeit in propagandistischem Sinne für die Partei“ eingesetzt.[36] Auch im Entnazifizierungsverfahren wurde Iltz 1949 entlastet.[19] Ihm wurde bescheinigt, er habe in der „Judenfrage“ eine „mutige Haltung“ eingenommen:

„I. stellte am 28. 11. 1937 Aufnahme-Antrag in die NSDAP, der aber am 31. 10. 1938 abgelehnt wurde. Weitere belastende Verbindungen zur NSDAP bestanden nicht. In der Judenfrage nahm I. eine mutige Haltung ein. In der Wiener Zeit versuchte er im Rahmen des Möglichen, NS-Geist von den KdF-Bühnen fernzuhalten. Das Verfahren vor der Spruchkammer Nürnberg wurde eingestellt mit der Feststellung, dass der Betroffene niemals mit der Partei sympathisiert hat.“

Entnazifizierungs-Hauptausschuss für Kulturschaffende der Stadt Hannover R/H 4561 Kult., Hannover, 7. April 1949

Mitte Oktober 1947 wurde Iltz zum Intendanten des Staatstheaters in Braunschweig ernannt,[37] wo er bis 1951 wirkte. Während dieser Zeit avancierte das Theater als „Theaterwunder von Braunschweig“ zum bestbesuchten Theater Westdeutschlands. Im November 1950 gab Iltz seinen Entschluss bekannt, auf eine mögliche Verlängerung seines Vertrages zu verzichten und gab als Grund Kompetenzprobleme mit dem Generalmusikdirektor Eugen Szenkar an: „Weil mir die Möglichkeit genommen wird, meinen Aufgaben als Intendant gerecht zu werden.“[38]

Städtische Bühnen Düsseldorf und letzte Jahre

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1951 wurde Iltz mit Vertrag vom April desselben Jahres von der Stadtverwaltung Düsseldorf als Generalintendant an die Städtischen Bühnen Düsseldorf berufen,[39][40] nachdem sich Gustaf Gründgens mit der Gründung der „Neuen Schauspiel-Gesellschaft mbH“ auf das Sprechtheater konzentrierte und Intendant des Düsseldorfer Schauspielhauses wurde.[41] Zwar galt Iltz als „Übergangslösung“, verwirklichte jedoch „solides Musiktheater mit interessanten Akzenten“.[42] Das Tanztheater förderte Iltz besonders und engagierte die Choreografin Yvonne Georgi, die während drei Spielzeiten an diesem Hause 13 Ballette einstudierte. Wichtige Opernpremieren während Iltz’ Aera waren die Erstaufführungen von Igor Strawinskys The Rake’s Progress unter der musikalischen Leitung von Heinrich Hollreiser und Hans Werner Henzes Ballettoper Boulevard Solitude, Salome von Richard Strauss unter dem Dirigat von Eugen Szenkar, die Uraufführung der Ballettkomödie Das Goldfischglas von Jurriaan Andriessen (1952) und im Jahr 1953 ein Doppelabend mit Béla Bartóks Herzog Blaubarts Burg sowie die erst zweite Aufführung in Deutschland von Strawinskys Le sacre du printemps, choreographiert von Yvonne Georgi.

Mit Erreichen der Altersgrenze aber auch wegen Angriffen auf seinen Spielplan beendete Iltz 1956 seine Laufbahn am Theater.[43] Danach kam es zu einer Neuordnung des Musiktheater- und Ballettbereiches in Düsseldorf, die dann im Rahmen einer Zweistädtepartnerschaft von Düsseldorf und Duisburg zur Gründung der Deutschen Oper am Rhein führte.

Iltz starb 1965 kurz vor Vollendung seines 79. Lebensjahres auf seinem Landsitz „Iltzenhof“ in der oberbayerischen Gemeinde Tegernsee.

1917 heiratete Iltz die Sängerin Helena Forti, die ab 1911 Mitglied der Hofoper Dresden war und bei den Bayreuther Festspielen mitwirkte. Durch sie wurde das Ehepaar mit Siegfried und Winifred Wagner bekannt.[1] In zweiter Ehe war er mit der Sängerin Käthe (Katharina) Königs (* 1890[44]) verheiratet.

Commons: Walter Bruno Iltz – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise und Anmerkungen

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  1. 1 2 Deutsches Bühnen-Jahrbuch. Spielzeit 1966/67. Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehörigen, Deutscher Bühnenverein, F. A. Günther & Sohn, Hamburg 1967
  2. Stadtarchiv Düsseldorf, V 71568
  3. Heinz Schöffler (Hrsg.): Der jüngste Tag. Die Bücherei einer Epoche. Band 57. Faksimile-Ausgabe. Scheffler, Frankfurt am Main, 1970 (Band 1) und 1972 (Band 2)
  4. Ludwika Gajek: Das Breslauer Schauspiel im Spiegel der Tagespresse. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2008
  5. Oskar Walzel: Wachstum und Wandel. Lebenserinnerungen. Erich Schmidt Verlag, Berlin 1956
  6. 1 2 Ulrich Bubrowski (Hrsg.): Ernst Barlachs Drama „Der Arme Vetter“. Aufnahme, Kritik. Wirkung. Piper, München 1988
  7. Walter Bruno Iltz im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  8. Erich Kleiber, der in der Spielzeit 1921/1922 in Düsseldorf musikalischer Oberleiter war, brachte in einem Kammerkonzert im Rahmen des 52. Tonkünstlerfestes Kompositionen der „Berliner Gruppe“ und der Wiener Schule zur Aufführung, darunter auch Lieder von Horenstein. Martin Thrun: Neue Musik im deutschen Musikleben bis 1933. Bonn, 1995. Bd. 2
  9. Heinrich Riemenschneider: Theatergeschichte der Stadt Düsseldorf. 2 Bände.
  10. Ulrich Krempel: Am Anfang: das junge Rheinland. Städtische Kunsthalle Düsseldorf, 1985
  11. Theater der Welt: Zeitschrift für die gesamte Theaterkultur, Band 1, Tiefland-Verlag, 1937
  12. Julia Freifrau Hiller von Gaertringen: Der einzige völkische Visionär seiner Zeit. Grabbes „Hermannsschlacht“ auf dem Theater. llb-detmold.de
  13. Aus der Hermannsschlacht. Lemgo, o.Dr. (1937). Fol. Mit 12 mont. Original-Radierungen von Walter Steinecke. 20 Textbl. Olwd. mit Goldpräg. – Bergmann 1954 (gibt 13 Radierungen an).
  14. Zentrales Staatsarchiv Potsdam, Reichsministerium für Propaganda und Volksaufklärung, Band 141.
  15. Brief vom 8. Oktober 1936, Bundesarchiv Berlin, ehem. zentrales Staatsarchiv, Bestand: Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, Band 141.
  16. Barbara Suchy: Jüdische Musiker, Komponisten und Musikwissenschaftler in Düsseldorf und in der Emigration. In: Vertreibung jüdischer Künstler und Wissenschaftler aus Düsseldorf 1933–1945. Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Droste, 1998
  17. Jakob Bracht: Das Schauspiel der städtischen Theater Düsseldorf 1933–1945. Magisterarbeit, Berlin 1992
  18. Winfried Hartkopf, Winrich Meiszies, Michael Matzigkeit: Bilanz Düsseldorf ’45: Kultur und Gesellschaft von 1933 bis in die Nachkriegszeit. Grupello, 1992
  19. 1 2 Entnazifizierungs-Hauptausschuss für Kulturschaffende, Hannover, 7. April 1949
  20. Stadtarchiv Düsseldorf IV b11. In: Christoph Guddorf: Konzert und Oper in Düsseldorf unter der Kulturpolitik der Nationalsozialisten. Magisterarbeit, Osnabrück 2006
  21. Schreiben der NSDAP vom 13. Februar 1939 an Joseph Goebbels, Bundesarchiv Berlin, ehem. zentrales Staatsarchiv, Bestand: Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, Band 141.
  22. David Farneth, Elmar Juchem, Dave Stein: Kurt Weill: a life in pictures and documents. 2000
  23. Volksparole, Organ der NSDAP, 13. Februar 1933
  24. Zum Wirken des Dirigenten Jascha Horenstein in Düsseldorf (1928–1933). (PDF; 1,34 MB)
  25. Hans-Peter Görgen: Düsseldorf und der Nationalsozialismus. Gouder u. Hansen, 1969
  26. Barbara Suchy: Jüdische Musiker, Komponisten und Musikwissenschaftler in Düsseldorf und in der Emigration. In: Vertreibung jüdischer Künstler und Wissenschaftler aus Düsseldorf 1933–1945. Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Droste, 1998
  27. Oliver Rathkolb: Das Deutsche Volkstheater unter Walter Bruno Iltz. In: Führertreu und Gottbegnadet. ÖBV, Wien 1991, ISBN 3-215-07490-7
  28. Brief vom 22. November 1936, Bundesarchiv Berlin, ehem. zentrales Staatsarchiv, Bestand: Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, Band 141.
  29. Joseph Goebbels, Tagebuch 5. Februar 1937, in: Die Tagebücher, Saur, München 2001
  30. Hans-Peter Görgen: Düsseldorf und der Nationalsozialismus. Gouder u. Hansen, 1969
  31. Paulus Manker: Der Theatermann Gustav Manker. Amalthea, Wien, 2010, ISBN 978-3-85002-738-0 manker.at
  32. Irene Löwy: Kulturpolitik im Nationalsozialismus von 1938 bis 1945 am Beispiel des Deutschen Volkstheaters in Wien. Diplomarbeit, Wien 2010
  33. Dietrich Hübsch: Das Volkstheater 1889–1966. In: Maske und Kothurn, 13, Böhlau, Wien 1967
  34. 1 2 3 4 5 Evelyn Schreiner (Hrsg.): 100 Jahre Volkstheater. Theater, Zeit, Geschichte. Jugend und Volk, Wien 1989, ISBN 3-224-10713-8.
  35. Clemens Wachter: Kultur in Nürnberg, 1945–1950: Kulturpolitik, kulturelles Leben und Bild der Stadt zwischen dem Ende der NS-Diktatur und der Prosperität der fünfziger Jahre. Korn und Berg, 1999
  36. Spruchkammer III des Stadtkreises Nürnberg, III/1546, 11. April 1947
  37. Walter Bruno Iltz. In: Munzinger Archiv. Abgerufen am 18. Juli 2026.
  38. Konkurs trotz Konjunktur. In: Der Spiegel. Nr. 3, 1951 (online). (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Juli 2026.)
  39. Wolfgang Horn, Rolf Willhardt: Rheinische Symphonie: 700 Jahre Musik in Düsseldorf. G. Horn, 1987
  40. Düsseldorfer Stadtchronik 1951
  41. Hans Hubert Schieffer, Hermann-Josef Müller, Jutta Scholl: Neue Musik in Düsseldorf seit 1945, ein Beitrag zur Musikgeschichte und zum Musikleben der Stadt. Musikbibliothek der Stadtbüchereien Düsseldorf, 1998
  42. Aus Trümmern entstanden, Theater in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Gesellschaft für Theatergeschichte, Berlin 1991
  43. Wolfgang Horn, Rolf Willhardt: Rheinische Symphonie: 700 Jahre Musik in Düsseldorf. G. Horn, 1987
  44. Datensatz zu Käthe Königs im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek