Jules Isaac

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Jules Isaac (* 1877 in Rennes; † 6. September 1963 in Aix-en-Provence) war ein französischer Historiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jules Isaac war Sohn des Berufsoffiziers jüdischer Familie Edouard Marx Isaac, der nach dem Deutsch-Französischen Krieg aus dem Elsass nach Frankreich übersiedelt war. Nachdem Jules mit 13 Jahren beide Eltern verloren hatte, besuchte er eine Internatsschule, wo er Charles Péguy kennenlernte, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. Sein Philosophielehrer im Gymnasium war Henri Bergson.

1902 heiratete er die Malerin Laure Ettinghausen: Aus dieser Ehe wurden eine Tochter, Juliette (1903), und zwei Söhne, Daniel (1907) und Jean-Claude (1918) geboren. Nach seiner Habilitation lehrte er in zwei Gymnasien in Paris und wirkte an der Herausgabe und Überarbeitung einer Buchreihe des Verlags Hachette für den Geschichtsunterricht in den Oberschulen mit, die unter der Bezeichnung Malet-Isaac bekannt wurde: Die Bücher dieser Reihe wurden in Frankreich bis in die siebziger Jahre hinein verwendet. Sie wurden auch ins Spanische übersetzt und noch 1992 neu aufgelegt.

Im Ersten Weltkrieg war Isaac 4 Jahre lang in der französischen Armee und wurde in Verdun verletzt. Als engagierter Antifaschist setzte er sich nach dem Krieg für ein besseres Verständnis zwischen Frankreich und Deutschland und für eine Reform des Schulunterrichts ein. Isaac war Generalinspekteur des Bildungsministeriums von 1936 bis 1940, als er von diesem Amt durch die Vichy-Regierung enthoben wurde und Lehrverbot erhielt. In diesem Jahr flieht er mit der Familie nach Aix-en-Provence und dann nach Clermont-Ferrand. Nach allen anderen Mitgliedern seiner Familie wird 1943 auch Isaacs Frau von der Gestapo verhaftet. Allein der Sohn Jean-Claude wird das Konzentrationslager überleben.

1945 wird Isaac das Amt des Generalinspekteurs, diesmal als Ehrenamt, wieder zuerkannt.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jules Isaac hat außer den Handbüchern für den Schulunterricht nach dem Zweiten Weltkrieg mehrere Bücher geschrieben, die sich mit der Frage des Ursprungs des Hasses gegen die Juden befassen. Bereits während des Kriegs hatte Isaac angefangen, die bis dahin gemeingültige Annahme, dass die Evangelien antisemitisch seien, zu hinterfragen, und eine exegetische Arbeit an den evangelischen Texten begonnen. Das Buch Jésus et Israël, das er während des Kriegs „von Zufluchtsstätte zu Zufluchtsstätte“ schrieb, löste nach seinem Erscheinen im Jahr 1948 feindselige, aber auch enthusiastische Reaktionen aus.

Das als Fortsetzung von Jésus et Israël geschriebene Buch Genesis des Antisemitismus analysiert auf Grund rein historischer Erörterungen die Erscheinungsformen und Auswirkungen des Antisemitismus in der Antike und im Mittelalter, um festzustellen, dass von allen Spielarten des Antisemitismus der christlich motivierte alle anderen "hinsichtlich Dauer, Aufbaus des Systems, schädlicher Wirkung, Umfangs und Tiefe weit übertrifft." (J. Isaac, Genesis des Antisemitismus, S. 16.)

Jules Isaac engagierte sich auch innerhalb der katholischen Gemeinschaft in Frankreich und rief mehrere Vereinigungen der "Jüdisch-Christlichen Freundschaft" (Amitié Judéo-Chrétienne) ins Leben. Umfangreiches Material, das er bei seinen Aktivitäten gesammelt hatte, übergab er während einer Privataudienz Papst Johannes XXIII., der es an eine von Kardinal Augustin Bea gegründete Arbeitsgruppe für die Beziehungen der Kirche zum Judentum (Commissione della Santa Sede per i Rapporti Religiosi con l'Ebraismo) weiterleitete. Diese Kommission erarbeitete die Grundlage, auf der es im Rahmen des Zweiten Vatikanischen Konzils zur Erklärung Nostra Aetate kam.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jésus et Israël, Albin Michel, Paris, 1948 (dt: Jesus und Israel, Wien, 1968)
  • Genèse de l'antisémitisme, Paris, 1956 (dt: Genesis des Antisemitismus, Wien, 1969)
  • Expériences de ma vie, Calman-Lévy, Paris, 1959
  • L'Enseignement du mépris (1962), Grasset, Paris, 2004 ISBN 2-246-17182-2

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]