Julie Payette

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Julie Payette, Generalgouverneurin von Kanada, 2017

Julie Payette, OC, CQ (* 20. Oktober 1963 in Montreal, Québec) ist eine ehemalige kanadische Astronautin. Seit dem 2. Oktober 2017 ist sie die 29. Generalgouverneurin von Kanada.

Studium und wissenschaftliche Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Payette besuchte in Montreal die Grund- und eine weiterführende Schule. Mit einem Stipendium gelang ihr 1980 die Aufnahme am United World College of the Atlantic in Großbritannien, wo sie zwei Jahre später ihren Hochschulabschluss erwarb. Zurück in Kanada studierte sie an der Faculty of Engineering der McGill University in Montreal Ingenieurwissenschaften und erhielt 1986 einen Bachelor mit Auszeichnung.

Bei IBM Kanada nahm Payette dann für zwei Jahre eine Stelle als Systemingenieurin an, bevor sie an der University of Toronto in der Provinz Ontario ihr Studium fortsetzte. 1990 erwarb sie einen Master im Fach Informatik und ging dann an das IBM-Forschungslabor in Zürich (Schweiz). Als Gastwissenschaftlerin arbeitete sie an automatischer Spracherkennung für Computer. 1992 kehrte sie nach Kanada zurück und forschte ab Januar in Montreal bei Bell-Northern Research auf diesem Gebiet weiter.

Astronautentätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Julie Payette
Julie Payette
Land: KanadaKanada Kanada
Organisation: CSA
Datum der Auswahl: 9. Juni 1992
Anzahl der Raumflüge: 2
Start erster Raumflug: 27. Mai 1999
Landung letzter Raumflug: 31. Juli 2009
Gesamtdauer: 25d 11h 58min
Ausgeschieden: Mai 2013
Raumflüge

Als die kanadische Raumfahrtbehörde (CSA) Anfang der 1990er Jahre neue Astronauten suchte, bewarben sich 5.330 Interessierte. Nach einem halben Jahr Tests und Bewerbungsgesprächen blieben vier Kandidaten übrig, die im Juni 1992 ausgewählt wurden. Julie Payette war die einzige Frau aus dieser Auswahlgruppe.

Im Anschluss an die Grundausbildung arbeitete sie am Hauptbeitrag Kanadas zur Internationalen Raumstation, den Roboterarmen, und gründete eine CSA-Gruppe, die sich mit der Beziehung von Mensch und Computer in der Raumfahrt beschäftigt. Außerdem machte sie 1996 ihren Piloten- und den Tauchschein. Sie lernte die russische Sprache und spricht außerdem ihre Muttersprache Französisch sowie Englisch, Spanisch, Italienisch und Deutsch.

Gemeinsam mit ihrem Kollegen Steve MacLean nahm Payette am Johnson Space Center (JSC) ab Herbst 1996 an der Raumfahrerausbildung der NASA teil. Sie wurde mit der 16. US-Astronautengruppe zur Missionsspezialistin geschult.

Unmittelbar danach wurde Payette für ihren ersten Weltraumflug ernannt, den sie im Mai/Juni 1999 an Bord des Space Shuttles Discovery unternahm. STS-96 brachte mehrere Tonnen Ausrüstungsteile zur ISS, die für deren Ausbau benötigt wurden. Die Kanadierin bediente auf dieser Mission den Roboterarm der Raumfähre.

Anschließend war Payette als Ansprechpartnerin der kanadischen Astronauten tätig und vertrat die CSA gegenüber der NASA, Roskosmos und der ESA. Von 2000 bis 2008 stand sie dem Astronautenkorps Kanadas vor.[1]

Im Februar 2008 wurde Payette ihrem zweiten Raumflug zugeteilt. Unter dem Kommando von Mark Polansky nahm sie an der Mission STS-127 teil, bei der Teile des japanischen Kibō-Moduls zur ISS gebracht wurden.[2] Der Start erfolgte nach mehreren Verschiebungen am 15. Juli 2009, die Landung am 31. Juli 2009.

Zusammenfassung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nr Mission Position Flugzeitraum Flugdauer
1 STS-96 Missionsspezialistin 27.05.–06.06.1999 9d 19h 13m
2 STS-127 Missionsspezialistin 15.–31.07.2009 15d 16h 45m

Nach der CSA und Generalgouverneurin von Kanada[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 15. Juli 2013 übernahm Payette einen Direktorenposten im staatlichen Montreal Science Centre. Zeitgleich wurde sie Vizepräsidentin der staatlichen Immobilienfirma Canada Lands Company.[3] Am 13. Juli 2017 ließ Premierminister Justin Trudeau verlauten, dass Königin Elisabeth II. seinen Vorschlag, Payette zur Generalgouverneurin zu ernennen, angenommen habe.[4] Am 2. Oktober 2017 trat sie als Nachfolgerin von David Johnston ihr Amt an.[5]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Payette ist zweimal geschieden und hat einen Sohn.[6][7] Sie liebt klassische Musik. Sie sang vor ihrer Raumfahrtkarriere im Kammerchor des Symphonischen Orchesters Montreal, im Orchesterchor Tafelmusik Baroque in Toronto und während ihres Aufenthalts in der Schweiz im Piacere Vocale in Basel.

2010 gehörte sie zu den Trägern der Olympischen Fahne bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Julie Payette named new Chief of Montréal Science Centre. Wall Street Journal, 8. Mai 2013; abgerufen am 23. Mai 2013 (englisch).
  2. NASA Assigns Crews for STS-127 and Expedition 19 Missions. In: News release 08-052. NASA, 11. Februar 2008; abgerufen am 13. Juli 2009 (englisch).
  3. Astronaut Julie Payette to head federal science museum. CTV News, 8. Mai 2013; abgerufen am 23. Mai 2013 (englisch).
  4. Prime Minister Trudeau announces The Queen’s approval of Canada’s next Governor General Pressemitteilung auf der Website des Premierministers vom 13. Juli 2017, abgerufen am 3. Oktober 2017 (englisch)
  5. Julie Payette becomes Canada’s 29th Governor General. Toronto Star, 2. Oktober 2017, abgerufen am Tage darauf (englisch)
  6. Julie Payette. In: Encyclopedia Astronautica. Abgerufen am 13. August 2017.
  7. Radio Canada International: Julie Payette named Canada's next Governor General. In: RCI | English. 13. Juli 2017 (rcinet.ca [abgerufen am 13. August 2017]).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Julie Payette – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien