Zum Inhalt springen

Kötitz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Kötitz
Große Kreisstadt Coswig
Koordinaten: 51° 7′ N, 13° 34′ OKoordinaten: 51° 7′ 0″ N, 13° 34′ 20″ O
Höhe: 108 m ü. NN
Eingemeindung: 1. April 1935
Postleitzahl: 01640
Vorwahl: 03523
Blick vom Spaargebirge nach Südosten, in der Mitte des Elbtalkessels steht der weithin sichtbare Schornstein des Kötitzer Industriegebiets Naundorfer Straße
Kötitzer Altarm der Elbe mit der Gauernitzer Insel, 1986

Kötitz ist ein Ort und eine Gemarkung in Coswig im sächsischen Landkreis Meißen.

Kötitz befindet sich im äußersten Süden des Coswiger Stadtgebiets. Im Norden grenzt der Coswiger Ortskern an, im Nordwesten der Ortsteil Brockwitz. Kötitz liegt am Ufer der Elbe, knapp oberhalb der Gauernitzer Elbinsel, im nordwestlichen Teil des Elbtalkessels. Auf dem gegenüberliegenden Ufer befindet sich Gauernitz, eine Ortschaft in der Gemeinde Klipphausen. Östlich benachbart liegt der Radebeuler Stadtteil Naundorf.

Etwa im Zentrum der Flur blieb der Dorfkern in Form eines Straßenangerdorfs erhalten. Im Süd- und Nordosten von Kötitz liegen die Industriegebiete Naundorfer Straße und Grenzstraße. Der Westteil der Flur ist weitgehend unbebaut, dort befindet sich auch die Kötitzer Kiesgrube, ein geflutetes, als Badesee genutztes Tagebaurestloch.

Windmühle und Schiffmühle auf einer historischen Darstellung, im Hintergrund die Deutsche Bosel
Kötitz mit Coswig und Neucoswig auf einer 1906 erschienenen Karte
Elbfähre Kötitz–Gauernitz
Rathaus Kötitz (eingeweiht 1907), heute gehört es zur Oberschule Kötitz
Schulgebäude Kötitz (eingeweiht 1900), heute eine Oberschule

Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Dorf gleich zweimal im Lehnbuch Friedrichs des Strengen, das von Ende 1349 bis Ende 1350 entstand und in Ausnahmen 1351 und ganz rar auch später ergänzt wurde. Die Ersterwähnung lautet:

  • 7. Item Andree de Meideburg allodium in Makruz; allodium in Rosenticz; in villa Stresen 8 1/2 marcas reddituum; in Sachsendorf 9 1/2 marcas et 22 modios frumenti et avene; item 2 curias in Dresden; item in Hermansdorf [Anm. 4] 4 talenta minus 4 solidis; item piscinam et ortum ante opidum Dresden; item 1 lacum situm inter Koswik et Kothenewicz (LBFS, 37; im Districtus Dresdensis).[1]

Der zweite Eintrag lautet (als letzter des districtus Dresdensis erst 1351 ergänzt):

  • LBFS, 49: 93. Andricus de Meideburg habet a domino allodium in Rosenticz; allodium in Mockerus; villam Sachsindorf; villam Koterwicz [Anm. 55] totam; item in Stresen 8 1/2 talenta reddituum; item 1/2 villam Hermansdorf; item lacum, piscinam, 3 ortos ante civitatem Dresden, item habet in civitate 2 curias liberas.[2][3]

Das im Jahre 1203 als „villa Chottenwiz“ im Rahmen einer Schenkung Dietrichs des Bedrängten an das Kloster Altzella[4] erwähnte Dorf ist Ketzergasse (Kottenewitz), eine Wüstung in Leuben (heute zu Nossen).[5]

Im Laufe der Jahrhunderte wandelte sich der Ortsname von Kötitz unter anderem über die Formen „Koterwicz“, „Köthewitz“, „Caititz“ und „Kädewitz“ hin zur heutigen Bezeichnung. Er geht auf das Altsorbische zurück und ist entweder von „Chotên“, einem Lokatornamen, oder von „kotici“, deutsch Katze, abgeleitet.

Funde eines 300 Gräber umfassenden bronzezeitlichen Gräberfelds der Lausitzer Kultur belegen die frühe Anwesenheit von Menschen in dem Gebiet. Die Anlage des Dorfes vollzog sich an einer Furt. Auf der 216 Hektar (Stand: 1900) großen Kötitzer Gewannflur befanden sich neben einem „Kötitzer Tännicht“ genannten Wald auch Felder, Weinberge und die auenartige Uferzone der Elbe und ihrer Neben- und Altarme. Dementsprechend betrieben die Einwohner neben Ackerbau und Viehzucht auch Weinbau und Fischfang. Im Ort befanden sich ein eigener Elbhafen und zwei Mühlen. In der 1601 erstmals erwähnten kurfürstlichen Schiffsmühle hatten die Bauern umliegender Dörfer ihr Getreide zu mahlen. Seit dem 17. Jahrhundert besteht außerdem eine Fährverbindung zum anderen Elbufer nach Gauernitz. Eingepfarrt war das Dorf ins benachbarte Coswig.

In der Geschichte suchten immer wieder Katastrophen das Dorf Kötitz heim. Verheerend wirkte sich der Dorfbrand von 1806 aus, bei dem fast das komplette Dorf zerstört wurde. Beim Wiederaufbau nach dem Großfeuer erhielt Kötitz seine heutige Struktur. Starke Schäden brachte auch das Elbhochwasser 1845, das Kötitz zu einer Insel werden ließ und Teile des Dorfs überflutete. Einem weiteren schweren Brand fielen 1866 neun Bauernhöfe zum Opfer.

Nur einen Kilometer nördlich des Dorfkerns befand sich schon frühzeitig ein Haltepunkt der 1839 eröffneten ersten deutschen Fernbahnstrecke Leipzig–Dresden, der gemeinsam mit der Dampfschifffahrt auf der Elbe die Industrialisierung von Kötitz begünstigte. Im ausgehenden 19. Jahrhundert kam es zur Ansiedlung von Industriebetrieben und einem sprunghaften Bevölkerungswachstum. Seit 1884 produzierte die Strohstoff-Fabrik Tännicht, ab 1891 die Maschinenfabrik E. Nacke in Kötitz. Durch die Industrialisierung wurden Wald und Weinberge völlig verdrängt.

Im Jahre 1901 gründete die Gemeinde Kötitz ihre eigene Freiwillige Feuerwehr, ein Jahr zuvor war bereits ein neues Schulhaus entstanden. Der seit 1839 bestehende Gemeinderat bezog 1907 das neuerbaute Rathaus. Kötitz besaß zudem ein eigenes Gefängnis, von Bedeutung für die Industrie war auch der bis in die Gegenwart genutzte Hafen. In einer Abstimmung entschieden sich 90 Prozent der Einwohner von Kötitz 1920 gegen die Eingemeindung nach Coswig. Dennoch wurde sie 15 Jahre später unter den Nationalsozialisten vollzogen.[6] Seither teilt Kötitz, das keinen Ortsteilstatus besitzt, die Geschichte Coswigs.

Einwohnerentwicklung

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Jahr Einwohner
161223 besessene Mann
176416 besessene Mann, 11 Häusler
1834219
1871284
1890583
19101808
19251981
1939siehe Coswig

Persönlichkeiten

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  • Kötitz. In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 5. Band. Schumann, Zwickau 1818, S. 30.
  • Cornelius Gurlitt: Kötitz. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 41. Heft: Amtshauptmannschaft Meißen-Land. C. C. Meinhold, Dresden 1923, S. 248.
Commons: Kötitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. [Anm. 4] Nieder-Hermsdorf bei Wilsdruff W. Dresden, weil mit Sachsdorf N. Wilsdruff zusammen genannt. - [Anm. 5] Die Güter des Andreas von Meideburg werden 93 nochmals aufgeführt. Die Ortschaften sind dieselben geblieben, die Besitzungen darin erscheinen aber mehrfach erweitert. 93 besitzt Andreas von Meideburg statt der 9 1/2 marce et 22 modii frumenti et avene in Sachsendorf die villa Sachsindorf selbst, statt der 4 talenta minus 4 solidis in Hermansdorf die Hälfte von Hermsdorf, statt bloss eines lacus bei Kothenewicz auch villam Koterwicz totam, endlich statt 1 Gartens vor Dresden deren 3. Einen Teil dieser Besitzungen verschrieb er seiner Gemahlin als Leibgedinge, Cop. 25 f. 45b: Item dominus contulit honeste Katherine, uxori Andree de Meideburg, bona, videlicet villam Kotenewicz cum 6 talentis reddituum, in villa Stresen 8 talenta, in Hermansdorf 4 talenta denariorum Fribergensium, lacum prope Kotenewicz situm districtus Dresdensis et curiam libertatam (vgl. II 25 Anm. f) in civitate ibidem quondam per dictum Stammen inhabitatani, iusto dotalicii titulo tenenda paeifice et habenda. Datum anno LI feria IV post Erhardi (12. Jan. 1351). (LBFS, 37).
  2. [Anm. 55] Wie ein Vergleich mit V 7 und Cop. 25 f. 45b (s. V Anm. 5) lehrt, kann Koterwicz nur Kotitz sein. Wahrscheinlich ist es nur verschrieben für Kotenwicz, ähnlich wie Cop. 25 f. 45h an zweiter Stelle Koterewicz dazustehn scheint. (LBFS, 49).
  3. Zu S.37, V 7 Anm. 5: Die beiden Einträge V 7 über die Lehen des Andreas de Meideburg und V 93 über die des Andricus de Meideburg weisen trotz zahlreicher Übereinstimmungen, die den Gedanken blosser Wiederholung desselben Regests aufkommen lassen könnten, doch beträchtliche Abweichungen auf, welche die Identität ausschlössen. In der That handelt es sich auch um zwei Belehnungen verschiedener Personen: Andricus ist ein Sohn des Andreas, und zwar, da er an erster Stelle unter seinen Brüdern genannt wird, wahrscheinlich der älteste Sohn; deshalb erscheint er auch V 93 als Lehnsträger. Die Belehnung des Andreas V7 fällt nach dem zugehörigen Leibgedingsbrief seiner Gattin (s. Anm. 5) wohl in den Januar 1351; noch in einer Urkunde vom 18. März 1352 (s. UB. Dresden S. 41 Nr. 53) wird er als Zeuge erwähnt, am 25. Januar 1355 aber schon als verstorben bezeichnet, vgl. Cop. 26 fol. 14 b: Wir Fridrich und Balthazar etc. bekennen etc., daz wir dem bescheiden Andricus, Franczen und Jacof gebrudern von Meideburg, burgern zcu(e) Dresden, unsern lieben getruwen, Nykel von Peschen und Henschel Mumsmeister(!), iren swegirn, fumfczen hundert schog breiter groschen, die wir in von gewinnes wegin, den uns ir vatir, dem got gnade, in unsirn hof getan hat, schuldig bliben sin, bewiset haben ... an unser lantbete zcu(e) Dresden, zcu(e) Myszen und zcu(e) dem Hayne . . . Datum Gotha in die conversionis apostoli Pauli (unter den Einträgen des Jahres 1355). Da die Regelung der Schuldverhältnisse wohl bald nach dem Tode des Vaters erfolgt sein dürfte, werden wir auch die in V 93 registrierte Belehnung ungefähr in dieselbe Zeit zu setzen haben. (LBFS, 321).
  4. CDS I A 3 Nr. 56 vom 23. April 1203, ausgestellt in Eger. In der Originalausgabe des CDS steht: das Dorf Kottwitz und die Kottwizmühle an der Triebisch.
  5. Ketzergasse OT von Leuben s. Lommatzsch, jüngerer Name von Kotten(e)witz, ehem. Weiler oder Einzelgut an der Stelle des heutigen Ortes, Gem. Leuben-Schleinitz; Meißen (AKr. Meißen) 1. (†) Kotten(e)witz): [vor 1190] Hermannus de Chotanewiz CDS I 2, 552 [Zuweisung unsicher]; 1203 Chottenwiz, Dors. De predio in Chotennewiz ebd. I 3, 67; 1216 Hugo de Kotenewiz ebd. 217 [Zuweisung unsicher]; [um 1220] Cotenewiz contigua Vliz VAZ; 1224 Cotenewiz CDS II 1, 98; 1368 Kotenewicz ebd. II 4, 51; 1466 Gottenwicz, Kottenicz ZV Supan. 8. – Mda. †. 2. Ketzergasse: 1413 in der Ketzerige, in der Keczergasse; Dorsual: jnn der Nyderketzerryge U 5609, Märcker Bgft. Mei. 131, Beyer AZ 585; 1552 Ketzergasse LStR 385; 1585 die Ketzerei GerB Mei. 1585; 1791 Eulitz mit Ketzergasse, Kezergasse OV 132, 252; 1908 Ketzergasse, Vorwerk OV 90. – Da zwischen dem älteren, slaw. benannten Weiler Kotten(e)witz und dem jüngeren Ort Ketzergasse siedlungsmäßige Kontinuität, wenn auch nach kurzer Wüstungszeit, nicht zu bezweifeln ist, wird sich der jüngere ON aus dem älteren unter Anlehnung und Angleichung an mhd. ketzer ‘haereticus’ entwickelt haben, etwa über *Köttewitzer Gasse > *Kötzergasse > Ketzergasse. Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen I, 522.
  6. Michael Rademacher: Stadt und Landkreis Meißen. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: eirenicon.com.